SCOOTER – Köln, Palladium (01.05.2019)

Scooter, © Markus Hillgärtner
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Was macht ein Hipster-Indie-Rocker wie ich, euer hochgeschätzter Autor dieses Artikels, auf einem Scooter-Konzert? Nun, ich war sehr neugierig, was es mit dem ganzen Hype(r), Hype(r) um den König des Hardcore so auf sich hat. Und nein, es war nicht der Gruppenzwang. (Na gut, es war auch der Gruppenzwang.) Aber warum es sich trotzdem gelohnt hat und auch sicherlich für Euch lohnen würde, könnt Ihr hier erfahren!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Zunächst einmal kurz zum Hintergrund der Band des Ein-Mann-A-cappella-Ensembles mit musikalischer Untermalung:
Hans-Peter Bachheimer (lieb: Hahpeh, oder H.P.) wurde am 16. März 1964 als erster Gitarrist des Ehepaares Klaus-Peter Bach und Hans-Petra Heimer geboren. Schon früh entdeckte er seine Begabung für Musik und Jodel-Rap (das ist wie sprechen, aber in laut). Seit er im Kindesalter in einen Kessel mit Koks fiel, kann er nicht aufhören, ständig im Takt auf- und ab zu springen; aber anstatt sich davon einschränken zu lassen, beschloss der junge, begab(ber)te Musiker dies künstlerisch in seine Werke einfließen zu lassen. Geprägt von den frühen Werken Helge Schneider’s und Günther (Hans-Peter’s Lieblings-Metronom), gründete er alsbald seine erste eigene Band „The Scooters“ (später einfach nur „Scooter“) und sollte damit Musikgeschichte schreiben, indem er durch seine hypnotisierenden Klänge das Genre des Hardcore-Punk umdeutete und damit das Genre des „Post-Technos“ gründete.

An der Location angekommen, fiel zunächst eines auf: Das Publikum war sehr vielseitig in Alter und Aussehen. Es schien zur Hälfte aus in den 90ern hängengebliebenen Goa- und Trance-Hippies zu bestehen, die wohl niemals wieder von ihrem Acid-Trip herunterkommen werden (sagen neun von zehn führenden Ärzten), und zur anderen Hälfte aus sehr verwirrt wirkenden Hipstern, die sich wohl eher von der Werbemaschine des „c/o pop“-Festivals auf eine falsche Fährte haben führen lassen. Die eine Gruppe, leicht zu erkennen an einem der drei existierenden Scooter-Shirts, die alle am Merch zu erwerben waren. Die andere Gruppe trug Shirts mit Bands, die Scooter sicherlich irgendwie irgendwo irgendwann mal gesamplet haben, wie Sonic Youth, Rammstein oder Slayer.

Nachdem die 3 Vorbands DJs, die vor dem Hauptact auflegten, für über 1,5 Stunden eine Platte mit Sprung abspielten [Notiz des Herausgebers: gemeint ist „House“], schossen Scooter im wahren Sinne des Wortes auf die Bühne — der laute Wumms sollte nicht der letzte Test der massiven Lautsprecherboxen des Palladiums werden, denn von nun an blieb es laut! Und ja, jedes mal, wenn die Leute hinter der Pyro-Maschine ihre auf der Bühne versteckten Kanonen im Takt zur Musik zündeten, erschreckten sich viele Fans und solche, die es noch werden wollten.

Beeindruckende Lightshow

Die Lichtershow war auf jeden Fall auch ein Meisterwerk, wie es wohl nur Synchronschwimmer mit einer Ausbildung in Licht- und Konzerttechnik zustandebringen können. Bunte Strahler, flackernde Screens, animierte LCD-Display-Anzeigen, stroboszierende Stroboskopen faszinierten nicht nur die Epileptiker! Ob es dem Sicherheitsbeauftragten des Venues so gefallen hat, dass die feuerspeienden Fontänen genau auf die großen Boxenwände zielten, mag ich jedoch bezweifeln. Na gut, Scooter ist dann vielleicht doch nichts für jeden.

Obwohl die Akustik des Palladiums ganz klar für eine andere Art Musik ausgerichtet ist (dort treten ja sonst nur suizidale Goth-Rock-Bands mit einem Flair für düstere Dungeon-Atmosphären auf) und die Anlagen klar an ihre Grenzen und darüber hinaus kamen, war der Sound gut genug für den ein oder anderen Hörsturz; dann konnte man das kratzige Überspielen des Basses auch nicht mehr hören. (An dieser Stelle könnte ich sicherlich einen Witz über das Elektronik-Genres des Schranz machen, aber wer kennt das schon noch?)

Das Publikum hatte auf jeden Fall eine Menge Spaß: Hipster und Hippies zugleich verfielen schnell in an nordkoreanische Massentanzveranstaltungen erinnernde synchronisierte Hüpf-Tänze, sangen zusammen die tiefgründigen und vielseitigen Liedtexte (Bsp: „Döp Döp Döp„, oder „Döp Dööööp. Dööööp„, oder gar „Döp. Döp Döp Döp, Döp Döp„), gen Ende hin kam es sogar zu einem Moshpit.

Ich, als großer Metal-Moshpit-Fan, frage mich, ob die Stimmung auf diesen Veranstaltungen immer so hart, aber zugleich positiv ist. Es ist zwar nicht dasselbe Publikum wie bei Ministry, aber sicherlich ähnlich brutal in Sachen Energie und Bewegungslust. Von daher ist mein Fazit, dass Scooter nicht nur etwas für großgebliebene Kinder ist, die traurig darüber sind, nicht mehr auf die Hüpfburg zu dürfen und ihrem Drang zum Ausflippen nicht anders Ausdruck verleihen können. Nein, jeder Mensch mit Begeisterung für bombastische Konzerte sollte sich dieses Spektakel zu Lebzeiten einmal geben, möglichst bevor sich H.P. aus Versehen mit seiner Pyrotechnik selbst auf der Bühne erschiesst oder durch seinen Jumpstyle in einen anderen Quanten-Status migriert und für immer aus unserer physischen Realität verschwindet.

Ich möchte diesen Artikel mit einem zufällig aufgeschnappten Zitat eines Fans, der hoffentlich unbekannnt bleiben möchte, beenden:

„So wenig Musik, aber so viel Spass!“

Setlist SCOOTER @ Köln, Palladium (01.05.2019)

01. Döp Döp Döp
02. Döp. Döp Döp Döp. Döp
03. Döp Döp.
04. Döp Döp Döp. Döp Döp.
05. Döp Döp Döp. Döp. Döp. Döp. Döp Döp Döp.
06. Döp Döp (Extended)
07. Döp Döp Döp Döp
08. Döp (2017 Version)
09. Döp. Döp. Döp. Döp Döp.
10. Döp Dip Döp
11. Döp Döp Döp Döp Döp. Döp.
12. Döp Döp (Master Blaster Cover)
24. Döp Döp Döp. Döp. Döp. Döp. (Z)
25. Döp Döp.
26. Hyper Hyper / Döp Döp Döp. (Noisecontrollers Remix)

Spaß, hier nun die richtige Setlist:

Setlist SCOOTER @ Köln, Palladium (01.05.2019)

01. One (Always Hardcore)
02. Bora! Bora! Bora!
03. Oi!
04. My Gabber
05. Rave Teacher
06. Nessaja
07. Stuck On Replay / Bit A Bad Boy
08. Frequent Traveller / We Are The Greatest
09. Fire
10. How Much Is The Fish?
11. Fuck The Millenium
12. Call Me Manana
13. Ramp! (The Logical Song)
14. Jump That Rock (Whatever You Want)
15. J’Adore Hardcore
16. Jumping All Over The World
17. Maria (I Like It Loud)
18. Endless Summer / Hyper Hyper / Move Your Ass! (Noisecontrollers Remix)

Weblinks SCOOTER

Homepage: www.scootertechno.com
Facebook: www.facebook.com/scooterofficial

100% Scooter-25 Years Wild & Wicked (3cd-Digipak)

Preis: EUR 10,99

(0 Kundenbewertungen)

44 neu & gebraucht ab EUR 7,00

Geschrieben von
Mehr von Steffen Seth Prohn

Fotos: 3TEETH

3TEETH – Köln, MTC (20.05.2018) Ähnliche Beiträge
Weiterlesen