DAS 80er FESTIVAL, Bochum RuhrCongress (18.05.2019)

DAS 80er FESTIVAL, Bochum RuhrCongress (18.05.2019)
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An diesem Samstag gab es so einige, die sich zu Hause den Eurovision Song Contest auf der Couch angeschaut haben, andere sind in Scharen in das RuhrCongress nach Bochum gereist, um ihren Lieblingsbands zu lauschen. So oder so hatten beide einen schönen Abend mit Livemusik. Kultmoderator Peter Illmann (Formel EinsPeters Popshow) begrüßte pünktlich um 20 Uhr das Publikum mit einigen Anekdoten und kündigte den ersten Liveact des Abends an: Real Life aus Melbourne. Die Band hatte 1984 mit Send Me An Angel einen Nummer Eins Hit in Deutschland.

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Mit dem Song Flame begann das kurze Set und das sorgte bereits am Anfang für gute Stimmung, denn der sympathische David Sterry strahlte glücklich das Publikum an, als er seine Songs präsentierte. Nach einer 30-stündigen Anreise konnte er nun endlich seine Fans treffen, quasi Face To Face und genau diesen Song spielten er und seine Band auch zum Entzücken des Publikums. Nach dem nachdenklichen Babies gab es dann den Dancesong God Tonight, der auch in dieser Form von den Pet Shop Boys hätte stammen konnte. Die Band spielte die Oldies sehr nahe am Original und das war auch gut so. Auch Catch Me I’m Falling wurde lautstark beklatscht und am Ende des viel zu kurzen Sets sangen und klatschten alle den Smash-Hit Send Me An Angel mit und plötzlich waren alle wieder Teenager.

Setlist REAL LIFE @ DAS 80s FESTIVAL RuhrCongress, Bochum (18.05.2019):

01. Flame
02. Face to Face
03. Babies
04. God Tonight
05. Catch Me I’m Falling
06. Send Me An Angel

Eine Ausnahmeband der 80er waren definitiv Propaganda. In Düsseldorf gegründet, zog die Band nach London, um sich von niemand anderem als Trevor Horn produzieren zu lassen, der bereits u. a. mit Frankie goes to Hollywood Riesenerfolge feiern konnte. Heute brachten die beiden Sängerinnen Susanne Freytag und Claudia Brücken die Songs des Kultprojektes mithilfe einer guten Liveband auf die Bühne. Düster wurde es und mysteriös, so wie Peter Illmann sie ansagte und das stimmte auch. Nein, große Sängerinnen sind Susanne und Claudia nicht, aber hier ging es mehr um den Sound und der drückte gut im Gesicht! Bei P:Machinery gab es orchestralen Synthie-Sound, der ganz großes Kino war und das kam live wie ein Soundtrack herüber. Murder Of Love, wie auch die anderen Tracks vom Debutalbum A Secret Wish wurde mit einer coolen Choreografie der Damen präsentiert und Frozen Faces hatte einen so coolen Groove, dass das Publikum fast hypnotisiert wurde. Natürlich durfte der Gassenhauer Dr. Mabuse nicht fehlen, der Oberhit der Band und dieser Song wurde sogar mit Standing Ovations belohnt. Als letzten Song spielte die Band dann Duel, bevor sie Platz machte für den kommenden Act.

Setlist DU:EL (CLAUDIA BRÜCKEN & SUSANNE FREYTAG performen die Musik von PROPAGANDA) @ DAS 80s FESTIVAL RuhrCongress, Bochum (18.05.2019):

01. Jewell
02. Murder Of Love
03. P: Machinery
04. Frozen Faces
05. Dr. Mabuse
06. Duel

Tom Bailey von den Thompson Twins betrat nach einem kurzen, nach Zirkusmusik klingenden Intro mit seiner weiblichen Band – alle in weiß gekleidet – die Bühne. Beim Stück Love On Your Side spielte der Bandleader Percussions und Synths, was für gute Laune sorgte. Anschließend präsentierte der Bandleader Science Fiction vom gleichnamigen ersten Soloalbum, das sich gut in die Riege der alten Songs einfügte. Tom warf während Take Me Up einen riesigen Luftballon ins Publikum, welcher von den Fans durch den Saal geschubst wurde und nachdem er seine junge Band vorstellte, gab es Lay Your Hands On Me, unterstützt durch das schöne Cellospiel der Keyboarderin. Doctor Doctor, einer der besten Songs der Band erfreute die Bochumer und die Musiker animierten die Zuschauer bei Hold Me Now zum mitfeiern, was gar nicht nötig war, da sowieso alle mitsangen und klatschten. Sogar als die Musik verklang, hörte man einen großen Chor aus tausenden Stimmen, die den Refrain weiter trällerten. Das war wirklich ein gelungener Auftritt und die Band ging in den verdienten Feierabend.

Setlist TOM BAILEY @ DAS 80s FESTIVAL RuhrCongress, Bochum (18.05.2019):

01. Intro
02. Love On Your Side
03. Science Fiction
04. Take Me Up
05. Lay Your Hands On Me
06. Doctor Doctor
07. Hold Me Now

Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Midge Ure einer der besten Songwriter der 80er Jahre war, beachtet man sein ganzes Œvre. Ebendiese Abwechslung gab es auch an diesem schönen Konzertabend zu hören. Mit If I Was spielte der Schotte seinen ersten Klassiker und die Fans – besonders in den ersten Reihen – sangen mit und bewegten sich im Takt der schönen Melodie. Der perfekte Einstieg also. Bei der rockigen Version von Ultravox’ Loves Great Adventure kam dann Tempo auf und es wurde ausgiebig getanzt. We Stood Still konnte man wirklich nicht behaupten, denn auch bei diesem Lied war viel Bewegung im Saal. “This song I wrote a long long time ago”, schmunzelte der Schotte und es ertönten die ersten Töne des New Wave Hits Fade To Grey, im Original veröffentlicht von Visage.

Das RuhrCongress sang, tanzte und schwelgte in Erinnerungen, denn die meisten waren im Jahre 1980 noch jung. Ure gab wirklich alles, sang, spielte Gitarre und Keyboards und man konnte nur staunen, wie viele bekannte Melodien aus seiner Feder stammten. z.B. Vienna, welcher eine schaurig-schöne Gänsehaut Atmosphäre erzeugte oder das hymnische Hymn. Als Midge ein extralanges Gitarrenintro von Dancing With Tears In My Eyes spielte, flippten die Fans aus und feierten den kalte Krieg Song ausgiebig. Nach gefühlten fünf Minuten war die Show bereits zu Ende, da halfen auch die Zugaberufe der Menge nichts.

Setlist MIDGE URE @ DAS 80s FESTIVAL RuhrCongress, Bochum (18.05.2019):

01. If I Was
02. Loves Great Adventure
03. We Stood Still
04. Fade To Grey
05. I Remember (Death In The Afternoon)
06. The Voice
07. Vienna
08. Dancing With Tears In My Eyes
09. Hymn

Nun kam es bereits zum Hauptact des Abends: The Human League aus Sheffield. 1977 gegründet, begann die Band anfänglich mit düsterem New Wave, bevor sie das Line-Up änderte und auch ihren Sound in Blue-Eyed Soul mit elektronischen Mitteln. Frontman Phil Oakey verpflichtete die Background Sängerinnen Susan Ann Sulley und Joanne Catherall und somit war die bis heute existierende Zusammenstellung erschaffen. Der Rest ist Musikgeschichte.

Die Band erschien in dunklen Anzügen mit Schlips (eine Verbeugung vor Kraftwerk?) und begann mit dem Song Mirrow Man. Phil erschien auf der Szene mit Sonnenbrille und langem schwarzen Mantel, so dass man sich an den Film The Matrix erinnert fühlte. Susan und Joanne standen in schicken Kleidern auf der Bühne und kamen bei The Sound Of The Crowd so richtig zum Einsatz, während zwei Tastenspieler mit Umhängekeyboards am Bühnenrand spielten. Heart Like A Wheel, ein Ohrwurm von 1990 wurde mit einer passenden Hintergrundprojektion untermalt und bei Open Your Heart ging wirklich jedes Herz auf.

Damit die Abwechslung nicht zu kurz kam, präsentierten die Briten zwei eher düstere Songs, nämlich Seconds und The Lebanon, und das letztgenannte ist mit seinem politischen Text ein Ausnahmestück de Band. Die Show lebte von ihrem Sound und Style, denn die Sänger zogen sich passend zu den Songs immer verschiedene Outfits an. Wenn Mr. Oakey Kilometergeld bekommen hätte, wäre er an diesem Abend Millionär geworden. So lief er stets singend von einer Bühnenseite zur anderen. Das langsame Stück One Man In My Heart wurde von Susan als Leadsängerin intoniert und weil das so schön war, gab es eine weitere Ballade im Programm, den Hit Human aus dem Jahre 1986. Phil beichtete dem Bochumer Publikum “I love Germany” und als Belohnung für das Statement wedelten die Fans bei Love Action mit dem Armen im Takt und sangen beherzt mit.

Ein Gassenhauer jagte den nächsten und nach Feeling Fascination gingen die drei Sänger von Bühne, um sich umzuziehen, während die Band eine Instrumentalversion des 1981er Smashers Don’t You Want Me spielte und die Fans den Chorus mitsangen, bevor Phil und seine Girls zurückkamen und zusammen mit den Massen abfeierten. The Human League verabschiedete sich herzlich von den Zuschauern, erschien aufgrund der zahlreichen Zugaberufe für eine ultra-düster-groovige Version von Being Boiled zurück auf der Szene. Nach einer letzten Umzugspause sagten die Sheffielder “Goodbye” zu den Bochumern mit der Giorgio Moroder Zusammenarbeit Together In Electric Dreams. Im Gegensatz zum Eurovision Song Contest konnte man getrost sagen: “United Kingdom: 12 Points!”

Setlist THE HUMAN LEAGUE @ DAS 80s FESTIVAL RuhrCongress, Bochum (18.05.2019):

01. Mirrow Man
02. Sound Of The Crowd
03. Heart Like A Wheel
04. Open Your Heart
05. Seconds
06. The Lebanon
07. One Man In My Heart
08. Human
09. Love Action
10. Tell Me When
11. Feeling Fascination
12. Don’t You Want Me
13. Being Boiled (Z)
14. Together in Electric Dreams (Z)

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