CULTHE FEST 2019 M├╝nster, Sputnikhalle Samstag (20.04.2019)

Panopticon ┬ę Thomas Papenbreer
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Als wir am ersten Festivaltag der Unaussprechlichen Culthe die langgestreckte, leicht gebogene Stra├če Am Hawerkamp von der Halle M├╝nsterland aus einbiegen, mischen sich in mir freudige leicht wehm├╝tige Erinnerungen an meine Studienzeit mit der Erkenntnis, dass in den gut zw├Âlf Jahren, die ich nun schon nicht mehr in der Sputte war, M├╝nsteraner Konservatismus doch zu etwas gut ist. Auf irgendetwas muss man sich ja heute noch verlassen k├Ânnen, oder? Alles ist noch an seinem Platz, sogar die Aufkleber und Sponti-Spr├╝che auf dem Klo. Man findet sich sofort wieder zurecht, f├╝hlt sich sofort wieder zu Hause: Willkommen in der Familienpackung!

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Und dieses Gef├╝hl, durchaus vom Veranstaltungsteam so intendiert, blieb die n├Ąchsten 36 Stunden unser Begleiter. Am heutigen, langen Samstag werden alle drei Stages alternierend bespielt. Zehn, der 15 geplanten Bands stehen heute bereits auf dem Tableau. Nicht zu vergessen die Podiumsdiskussion mit Ernie von Krachmucker TV, die ebenfalls angesetzt ist. Ein sportlich ambitioniertes Programm also, wenn man sich vorgenommen hat, ├╝berall wenigstens einmal reinzuschauen. Das Line-Up zumindest liefert den Anreiz diesbez├╝glich ├╝ber sich selbst hinauszuwachsen.

Schlag 13, eine halbe Stunde nach Einlass, ÔÇô wir essen zeitig! – gehtÔÇÖs dann im Caf├ę Sputnik auch schon los mit Ewig.Endlich.. Grade wurde man drau├čen in der Mittagssonne noch bei gef├╝hlten 30 Grad ger├Âstet, rennt man nun gegen die Wand aus brachialer und verzweifelter Wut, die von der Post-Metal Band aus Dortmund mitgebracht wurde. Die spielen und schreien gegen die ihre Aufregung an, die wir an Erwartungen an den Opener mitgebracht haben. Man merkt, dass sich die Jungs, zwar ├╝bergl├╝cklich da zu sein, doch mehr Platz auf der winzigen B├╝hne gew├╝nscht h├Ątten. Trotzdem legen sie mehr als sauber vor und pr├Ąsentieren haupts├Ąchlich Titel ihres kurz┬á zuvor erschienen Deb├╝ts Auf Grund, das in jedem Fall ein Ohr wert sein sollte.

Noch ganz aufgekratzt von diesen ersten Eindr├╝cken steigen wir die etwas fadenscheinige Stahltreppe zur Art Stage im Triptychon empor, wo sich bereits Spectrale in einem wohnzimmerartigen Ambiente niedergelassen haben. Nun hei├čt es eiskalt die Gef├╝hle wechseln, denn die Franzosen spielen ziemlich genau das Gegenteil zum eben geh├Ârten. Die f├╝nfk├Âpfige Band, zu der auch Jeff Grimal geh├Ârt, der mit einigen Gem├Ąlden auf der Art Exhibition vertreten ist, spielt wundersch├Ânen ├Ątherisch versponnenen, rein akustischen Instrumental-Folk. Es ist Musik, die ihre Zeit und ihren Raum braucht, da man sich auf sie einlassen muss bzw. m├Âchte, da ihre Strukturen flie├čen m├╝ssen und man alle Einzelheiten und filigranen Besonderheiten gern in Ruhe in sich aufnehmen m├Âchte. Ein Genuss.

Rituals Of The Dead Hand er├Âffnen gleich danach die gro├če Hauptb├╝hne: und wie! Wie ein finsteres, grollendes, schwerf├Ąlliges Biest w├Ąlzen sich die Riffs aus tiefer gestimmten Gitarren ├╝ber unsere K├Âpfe und legen tiefe Krater doomigen Entz├╝ckens frei. Und w├Ąhrend ich mich noch frage, welcher regionalen Folklore die Belgier hier huldigen, liefert das Trio zusammen mit Alboin von E├»s am Mikro ein Cover von Under A Funeral Moon ab, das sich gewaschen hat und die Halle zum ersten Mal auf Betriebstemperatur bringt.

Blood Oath

Preis: EUR 13,07

(0 Kundenbewertungen)

11 neu & gebraucht ab EUR 10,01

Alternierend traf man sich nun im Caf├ę wieder, ein Ringelreihen, der sich erstaunlich schnell eingespielt hatte. Au├čerwelt, bringt sodann die kleine Location auch zum ersten Mal an ihre Grenzen, denn die Band aus M├╝nster scheint so etwas wie einen lokalen Bonus inne zu haben. Denn es scheint, dass jeder, au├čer mir, die Band kennt. Diese spielt eigentlich ganz ordentlichen Post-Black-Metal, haupts├Ąchlich vom aktuellen Album Transitions aber auch neues Material. Die M├╝nsteraner Jungs bleiben mir mit einem eindringlichen, wie wuchtigen Auftritt mit dem Vorhaben sie weiter im Auge zu behalten im Ged├Ąchtnis.

Gedanklich bin ich dann aber schon sehr schnell bei Crone, auf deren Set ich mich ganz besonders freue. Hat mich die Band aus Osnabr├╝ck mit ihrem Deb├╝t Godspeed┬ádoch so ziemlich von den Socken gehauen. Songs wie The Ptilonist, LeviathanÔÇśs Lifework, Mother Crone und The Perfect Army haben mich wegen der dahinterliegenden Ideen und ihrer musikalischen Tiefe schon vor einem Jahr nicht mehr losgelassen und funktionieren live ausgesprochen gut. Ein qualitatives Highlight auf dem Festival!

Godspeed

Preis: EUR 13,99

4.0 von 5 Sternen (1 Kundenbewertungen)

25 neu & gebraucht ab EUR 9,41

Waldgefl├╝ster hatten unl├Ąngst mit Mondscheinsonaten ein von der Musikpresse sehr wohlwollend aufgenommenes Album vorgelegt, das es nun galt auf der Black Stage in Ausz├╝gen dem Publikum in M├╝nster vorzustellen. Die Black Metal Band aus M├╝nchen mit dem mehr als deutlichen Einschlag aus paganen Folk legt eine soliden Auftritt ab.

Dass es immer sehr unterhaltsam werden kann, wenn K├╝nstler aus dem N├Ąhk├Ąstchen plaudern, zeigte die sich auf der Art Stage anschlie├čende Podiumsdiskussion. Ernie er├Ârterte zusammen mit dem Graphiker Alex (Irrwisch), Phil (SG von Secrets Of The Moon, Crone) und Florian (Alboin von E├»s) alles rund um Cover-Art und Videokunst in der Musik. Besonders interessant war die Perspektive der beiden Musiker, die ihre ganz unterschiedlichen Erfahrungen mit ein und demselben Plattenlabel zum Besten gaben.

Ja, und dann passiert, was uns an diesen Abend noch einmal bei Dornenreich ereilen sollte: Kein Durchkommen mehr im Caf├ę Sputnik f├╝r das Konzert der Augsburger Post-Metal Band Heretoir, die, was ich im Nachgang h├Âren konnte einen ph├Ąnomenalen Auftritt absolviert haben. Schade, aber so hatten wir ein wenig Luft, uns n├Ąher mit den Auslagen beim Merch zu befassen und ein paar Worte mit Besuchern und K├╝nstlern zu wechseln.

E├»s aus Nordrhein-Westfalen – man soll ja nicht mehr sagen, die Band komme aus Bielefeld – z├Ąhlen zu den Hauptprotagonisten des Black-Metals in Deutschland und ihre im letzten Februar ver├Âffentlichte Single-EP Stillstand Und Heimkehr sogar zum Besten und Modernsten, was ich in diesem Bereich in letzter Zeit geh├Ârt habe. Heute spielen die M├Ąnner jedoch eine eiskalte Klaviatur ├Ąlteren Semesters und pr├Ąsentieren ein Set aus Wetterkreuz, Galeere und Kainsmal. Die Temperatur sinkt vor der Black Stage und wir erstarren im Frost, im Sturm und vor Ehrfurcht.

Da es nahezu aussichtslos ist, einen Platz im Caf├ę Sputnik zu bekommen, um den dortigen Headliner des Abends sinnvoll zu w├╝rdigen und da, wir geben es zu, Dornenreich nicht zu den von uns erw├Ąhlten Headlinern z├Ąhlt, nutzen wir die Zeit uns vor Panopticon auf der Black Stage noch einmal zu st├Ąrken. Die zeigen uns dann auch sogleich, warum sie ganz oben auf dem Plakat stehen. Der Metal von Panopticon ist durchzogen mit einfallsreichen Versatzst├╝cken verschiedener Post-Elemente, Folk, eing├Ąngigem Rock und Core, die sich live m├╝helos und eigenst├Ąndig trotz der wuchtigen und schnellen Gangart heraussch├Ąlen. Zusammen mit der anarchischen und philosophischen Attit├╝de der Band f├╝gt sich in der Sputte zusammen, was zusammen geh├Ârt. Etwas steifnackig, aber guter Dinge und sehr zufrieden beschlie├čen wir den ersten Tag auf dem Culthe.

The Scars of Man on the Once N

Preis: EUR 16,99

(0 Kundenbewertungen)

20 neu & gebraucht ab EUR 9,99

Geschrieben von
Mehr von Katja Spanier

PROPHECY FEST 2017 – Freitag (28.07.2017)

Zum dritten Mal fand dieses Jahr im beschaulichen Balve, in der imposanten...
Weiterlesen