Daniel Graves (AESTHETIC PERFECTION) im Interview: „Die Musikindustrie lebt von ahnungslosen K├╝nstlern“

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Ende M├Ąrz erschien mit Into The Black das siebte Studioalbum (Review) von Aesthetic Perfection. Daniel Graves hat sein Projekt ├╝ber die Jahre konstant weiterentwickelt und bedient innerhalb der elektronischen Musik erfolgreich eine Nische. Seine Nische. Fans tritt Graves auf Augenh├Âhe gegen├╝ber und sucht regelm├Ą├čig den Dialog. Als unabh├Ąngiger K├╝nstler wird er zudem nicht m├╝de, auf die Schattenseiten der Musikindustrie hinzuweisen. Graves vertritt eine Meinung und ist allein deswegen ein interessanter Gespr├Ąchspartner. Wir haben anl├Ąsslich der Into The Black Tour in Deutschland mit Daniel gesprochen.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Das neue Album klingt fast wie ein Best-Of. War das so geplant?
Ich erziele bessere Resultate, wenn ich einfach meinem k├╝nstlerischen Instinkt folge, anstatt mich auf eine bestimmte Richtung festzulegen. Bei Musik geht es um Ausdruckskraft. Wenn Deine Gef├╝hle nicht ehrlich sind, werden Deine Werke auch nicht authentisch. Nachdem das gesagt ist: Wenn ich das Album insgesamt betrachte, merke ich schon, dass es typisch nach Aesthetic Perfection klingt. Aber das bedeutet einfach nur, dass es mich insgesamt sehr gut repr├Ąsentiert. Und tats├Ąchlich versuche ich genau das zu erreichen. Ich will all die verschiedenen Facetten ausdr├╝cken, die mich als Mensch und Person ausmachen.

Du vertreibst Into The Black in Eigenregie und arbeitest als unabh├Ąngiger K├╝nstler. Wolltest Du schon einmal alles hinschmei├čen?
Die Musikindustrie lebt von ahnungslosen K├╝nstlern. Deswegen sind Label, Manager und Booking Agents so geheimnistuerisch und unbestimmt, wenn es ums Gesch├Ąft geht. Ich wurde betrogen und ausgenutzt, daher liegt mir Transparenz sehr am Herzen. Ich m├Âchte anderen K├╝nstlern die Augen ├Âffnen. Sie sollen sehen, dass es mit ein klein bisschen Weiterbildung und sehr viel Arbeit m├Âglich ist, die eigene Karriere selbst in die Hand zu nehmen. Und damit letztlich Kontrolle ├╝ber den eigenen Erfolg zu haben. Internet sei Dank ist es m├Âglich, Communities und K├╝nstlerkarriere direkt mit unseren Fans aufzubauen. Das ist eine ziemlich m├Ąchtige Sache.

Deine Empfehlung f├╝r alle, die ins Musikgesch├Ąft einsteigen wollen?
Niemand wird Deine Kunst jemals so sch├Ątzen wie Du selbst. Nicht Deine Freunde, deine Familie, nicht Dein Partner. Wenn Du erfolgreich sein willst, liegt es allein an Dir. Wenn Du nicht bereit bist, alles zu opfern, wird es nichts.

Du verwendest h├Ąufig das Hashtag #IndustrialPop. Wie definierst Du das Genre?
Industrial hat schon immer provoziert. Zumindest war das mal so. Es ging darum, den Konvention zu trotzen und bis an die Grenzen zu gehen. Heute gibt es kaum noch Tabus auf der Welt. Grusliges Make-up und vermeintlich b├Âse Themen schocken niemanden mehr und das ist auch alles andere als grenz├╝berschreitend. Das Gegenteil ist der Fall: Es ist albern. Aber wei├čt Du, womit man die Leute so richtig ├Ąrgern kann? Man mische Industrial mit Pop! Das macht auch auf einem philosophischen Niveau Spa├č. Du vermischst zwei Genres, von dem sich das eine der┬á Mainstreamkultur verweigert und das andere auf Profitmaximierung ausgerichtet ist.

Auf Into The Black kooperierst Du mit Mitgliedern von Rammstein, Black Veil Brides und Anaal Nathrakh. Wie l├Ąuft das ab?
Es klingt immer erzwungen, Instrumente in ein Lied einzubauen, die nicht f├╝r den Song geschrieben wurden. Deswegen funktioniert das meines Erachtens bei den meisten Industrial-K├╝nstlern nicht, die Gitarren verwenden. Sie versuchen sie in bestehende Kompositionen hineinzuzw├Ąngen. Jedes Lied mit Gitarre auf Into The Black wurde auch auf einer Gitarre geschrieben. Urspr├╝nglich wollte ich die sogar herausnehmen und mit Synths ersetzen. Aber ich habe schnell gemerkt, dass das nicht klappen w├╝rde. Synths und Gitarren sind zwei Paar Schuhe. Sie haben unterschiedliche Charaktere und verschiedenen Nuancen, die Riffs und Melodien einzigartig machen. Also hab ich mir einen Vertrauensvorschuss geleistet und die Gitarren drin gelassen.

Abgesehen von Richard [Z. Kruspe, Rammstein; Anm. der Redaktion] sind alle Kooperation gemeinsam aufgenommen. Mit Mick [Kenney, Anaal Nathrakh, Anm. der Redaktion] in seinem Studio und mit Jinxx [Black Veil Brides; Anm. der Redaktion] entweder bei ihm oder bei mir. Es war mir wichtig, dass wir im gleichen Zimmer sa├čen und – so plump das auch klingen mag – einfach den Vibe sp├╝ren konnten. Um sicherzugehen, dass wir etwas machen, das f├╝r jeden funktioniert.

Apropos Gitarren: Wirst Du sie auch live einsetzen?
F├╝r diese Tour haben wir tats├Ąchlich Live-Gitarren auf der B├╝hne. Elliott [Berlin, Anm. der Redaktion] ist so ein fantastischer Multi-Instrumentalist. Wir haben uns gedacht, dass jetzt der perfekte Zeitpunkt gekommen ist, um seine F├Ąhigkeiten unter Beweis zu stellen. Bisher klappt das gut und f├╝hlt sich sehr organisch an. Das Publikum schaut uns nicht schr├Ąg von der Seite an. Das ist ein gutes Zeichen!

In Deutschland bist Du vor allem innerhalb der „Schwarzen Szene“ popul├Ąr. F├╝hlst Du Dich da wohl?
Das ist eine schwierige Frage. Ich f├╝hle mich in vielerlei Hinsicht zutiefst mit der Gothic-Szene verbunden, habe aber auch den Eindruck, dass ich ihr ├╝berhaupt nicht angeh├Âre. Nat├╝rlich ist es die Szene, in der ich aufgewachsen bin und meine Karriere begonnen habe. Als ich dann anfing, meinen Sound und Stil auf andere Bereiche auszuweiten, habe ich viel von dem Support verloren, den ich anfangs hatte. Fans wendeten sich ab, Labels und Agenten auch. Magazine und Blogs schrieben nicht mehr ├╝ber mich. Ich f├╝hlte mich von meiner eigenen Szene versto├čen. Das war wirklich entmutigend, weil ich dachte, dass wir doch eine Gemeinschaft sein sollten. Das hat mich motiviert, mir meine eigene Community aufzubauen. Ich wollte etwas f├╝r all jene Menschen aufbauen, die nicht einfach irgendwo in eine Nische oder Subkultur passten. Also ja, ich bin Teil der Gothic-Szene oder „Schwarzen Szene“, ich war es immer und werde es immer sein. Aber ich werde mich nie beugen und immer das machen, was ich k├╝nstlerisch als richtig erachte.

Stell Dir vor, Aesthetic Perfection erobern den Mainstream. W├╝rden alle „Ausverkauf“ schreien?
Ausverkauf ist ein Kompromiss, um Deine k├╝nstlerische Vision f├╝r Geld oder Erfolg zu opfern. Wenn ich „A Violent Emotion 2“ machen w├╝rde, dann nicht, weil ich es wollte, sondern um dr├Ąngelnde Fans zu bes├Ąnftigen. Genau das ist die Definition von Ausverkauf. Solange Du die Kunst machst, die Du machen willst, ist jedes Ma├č an Erfolg schlicht ein Bonus. Aber ganz bestimmt kein Ausverkauf.

Auf vielen Festivals wiederholen sich die Line-ups und Musik scheint zu stagnieren. Was denkst Du?
Das stimmt. Der aktuelle Zustand der Szene ern├╝chtert mich. Alles klingt nach 2005 oder 1995. Versteht mich nicht falsch, ich wei├č Nostalgie zu sch├Ątzen und begr├╝├če Referenzen an die Vergangenheit. Aber ich bezweifle, dass der Weg in die Zukunft ├╝ber Kopien der Vergangenheit f├╝hrt. Es gibt innerhalb der elektronischen Musik so viele Genres, die neue Grenzen schaffen und ich kann nicht verstehen, warum wir das nicht auch machen. Allerdings muss ich sagen, dass die Reaktionen auf Into The Black meine k├╝hnsten Tr├Ąume ├╝berstiegen haben. Ich bin zuversichtlich, dass es ein weiterer kleiner Schritt nach vorne ist, um eine Entwicklung voranzutreiben und weiter zu experimentieren.

Bei Deinen Auftritten tr├Ągst du Make-up, Deine Alben und Musikvideos sind meist aufwendig gestaltet. Wie wichtig ist die visuelle Komponente von Aesthetic Perfection?
Ich will so h├╝bsch sein, wie ich h├Ąsslich bin. Und so h├Ąsslich, wie ich h├╝bsch bin.

Zum Abschluss gew├Ąhrt Dir ein Dschinn drei Remixe. Welche Popsongs nimmst Du Dir vor?
No New Friends von LSD, Miss You von Major Lazer und It Ain’t Me von Kygo.

Vielen Dank f├╝r das Interview, Daniel.

Aesthetic Perfection – No Boys Allowed (Official Video)

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Termine AESTHETIC PERFECTION ÔÇô Into the Black Tour 2019 (Support: PRIEST, AMELIA ARSENIC):

19.04.2019 Berlin, Privatclub
20.04.2019 Frankfurt/Main, Das Bett
21.04.2019 Oberhausen, Kulttempel
22.04.2019 Hannover, Subkultur
23.04.2019 Hannover, Subkultur (Zusatzshow)
25.04.2019 M├╝nchen, Backstage
27.04.2019 Dresden, Reithalle

Into the Black

Preis: EUR 9,99

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1 neu & gebraucht ab EUR 9,99

Weblinks AESTHETIC PERFECTION:

Homepage: https://aesthetic-perfection.net/
Facebook: https://www.facebook.com/aestheticperfection
Twitter: https://twitter.com/daniel_graves
Bandcamp: https://aestheticperfection.bandcamp.com

Geschrieben von
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