THE STREETS / FATONI – Köln, Live Music Hall (19.02.2019)

The Streets, ©Marcus Nathofer
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

17 Jahre ist es her, als Mike Skinner in der englischen Musikszene einen Flächenbrand auslöste. Seine aufregende Mischung aus Hip Hop, 2Step und UK-Garage wurde von Kritikern fast unisono abgefeiert, das vor Hits strotzende Debütalbum Original Pirate Material enterte die Top 10 der britischen Charts und hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Nach vier weiteren Alben von wechselnder Qualität beendete Skinner das Projekt 2011. Sechs Jahre sollte es bis zum Comeback dauern – und im Februar 2019 gingen The Streets auch endlich auf eine richtige Deutschland-Tour. Bevor Skinner & Co. Ihren Hitreigen auf die Menschen in der seit Monaten ausverkauften Live Music Hall herabfielen ließen, durfte sich zunächst der Rapper Fatoni ungefähr 30 Minuten lang präsentieren.

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Nach seinem acht Songs umfassenden Set (inklusive eines Freestyles über drei Strophen) ahnte man dann auch, dass diese Support-Auswahl womöglich kein Zufall war. Ich sitz‘ in mei’m Zimmer, hör‘ ein Lied von Mike Skinner, ich denk: „Shit, ich werde nie wie Mike Skinner.“ Aber irgendwie ist ja niemand wie Mike Skinner. Also, außer Mike Skinner, der ist aber auch Mike Skinner“ – nein, das war keine Zwischenansage, das ist ein Songtextzitat aus dem 2015er-Stück Mike, das Fatoni zum Abschluss spielte. Da durfte wohl jemand für sein Idol eröffnen, nicht wahr?

Abgesehen davon gab der Münchner sein Bestes, die Crowd mit weiteren Tracks und leider recht repetitiven Ansagen („Habt Ihr wirklich, wirklich, wirklich Bock auf The Streeeeeeets???“) zu pushen. Durchaus mutig und lobenswert: Anton Schneider – so heißt der Hutträger mit bürgerlichen Namen – verzichtet auf einen Back-up-Rapper, der genreüblich die Endsilben der Textzeilen ins Mikro rappt, um dem Frontmann die nötige Luft zum Atmen zu geben. Daraus folgte nur leider, dass Fatoni manchmal ein wenig die selbige ausging und sein Sprechgesang nicht ganz „on point“ wirkte. Alles in allem ein solider Support-Act mit Luft nach oben in der Bühnenperformance.

Setlist FATONI @ Köln, Live Music Hall (19.02.2019)

01. Benjamin Button
02. Authitenzität
03. Freestyle
04. Semmelweißreflex
05. Kein Tag
06. Alles Kunst
07. Kann nicht reden
08. Mike

Punkt 21 Uhr erschallten bekannte und beliebte Streicherklänge. Klar, wohl nur wenige Fans von The Streets waren überrascht, dass Turn The Page, der erste Song vom ersten Album, auch das Konzert eröffnete. Zur großen Freude der rund 1300 Besucher beschränkte sich Mike Skinner zunächst auf Stücke des allenorts gefeierten Debüts. Der 40-Jährige präsentierte sich von Beginn an extrem fannah, ging direkt mit den vorderen Reihen auf Tuchfühlung, verteilte großzügig gut gefüllte Bierbecher und ließ auch gern mal bewusst die ein oder andere Textzeile während der Lieder aus, um mit seinem Publikum zu kommunizieren.

Spektakulär präzise spielt die Live-Band, mit der Skinner seit jeher auftritt. Keyboard, Bass, Gitarre, Drums – und trotzdem bleibt der Rap-Act zu jeder Zeit eindeutig ein Rap-Act. Seltene Kunst. Ebenfalls überragend die Gesangsleistung von Kevin Mark Trail, der den Großteil der Hooks übernimmt. Nach rund 20 Minuten streifen The Streets dann auch andere Werke ihres Schaffens als nur Original Pirate Material – die Fans zeigen sich bei Could Well Be In, Never Went To Church oder Going Through Hell erneut textsicher. Großartige Stimmung in der Live Music Hall, alle haben Spaß.

Tragt mehr Latzhosen!

Einen besonderen Adrenalinschub erleben wenig später drei weibliche Anhänger – nachdem Skinner seinem Unmut über Grabscher auf Konzerten erstmal kräftig Luft macht, fordert er ausdrücklich Mädels zum Crowdsurfen auf – der Aufruf zeigt Wirkung! Sein Rat, nachdem er eine Trägerin von „Dungarees“ im Zuschauerbereich ausmacht: „Tragt mehr Latzhosen auf Konzerten, dann kann Euch niemand an die Unterwäsche!“

Das Main Set endet nach einer guten Stunde mit der Herzschmerz-Ballade Dry Your Eyes, dass es das aber noch nicht gewesen sein konnte, war jedem Beteiligten klar. Zurück auf der Bühne, stellten The Streets erst einmal einige der neuen Stücke vor, die vielleicht in näherer Zukunft auf einem sechsten Album landen werden. Es folgte der große Abschluss mit dem Knaller-Trio Weak Become Heroes (hier setzte die Band spürbare Akzente und gab dem eigentlich recht entspannten Original mächtig Druck), Blinded By The Lights und natürlich dem Überhit schlechthin: Zu Fit But You Know It formte das Publikum auf Ansage Skinners einen großen Circle Pit – und schloss damit wortwörtlich einen Kreis. Denn über das gesamte Konzert hinweg beschwerte der sich der Frontmann über die seiner Meinung nach ach so lahmen Pits, die er in Deutschland sonst zu sehen bekam. Köln bewies jedoch das Gegenteil, das vordere Hallendrittel verausgabte sich kräftig. Band glücklich, Fans glücklich – ein richtig starker Konzertabend ging gegen 22.30 Uhr zu Ende.

2011 beendete Mike Skinner sein Wirken als The Streets, weil ihm nach eigenen Angaben die Inspirationen für weitere Alben fehlten. Acht Jahre später darf man wieder auf eine LP hoffen – denn der „Geezer“, der auf der Bühne immer noch Kapuzen-Hoodie und Jeans trägt, hat den Spaß an der Musik wiedergefunden. Und bis ein sechster Longplayer irgendwann erscheint, tun es zumindest live auch erstmal noch die alten Sachen. Da war dieser Abend in Köln der beste Beweis für. The Streets 2019: mehr als nur ein Nostalgie-Act!

Setlist THE STREETS @ Köln, Live Music Hall (19.02.2019)

01. Turn The Page
02. Let’s Push Things Forward
03. Same Old Thing
04. Sharp Darts (angespielt)
05. Don’t Mug Yourself
06. Could Well Be In
07. Has It Come To This?
08. Geezers Need Excitement (angespielt)
09. Everything Is Borrowed
10. Never Went To Church
11. Stay Positive (angespielt)
12. Going Through Hell
13. Too Much Brandy
14. It’s Too Late
15. The Escapist
16. Heaven For The Weather
17. Dry Your Eyes
18. Your Wave God’s Wave God
19. Call Me In The Morning
20. Open The Till
21. Boys Will Be Boys
22. Weak Become Heroes
23. Blinded By The Lights
24. Fit But You Know It

Weblinks THE STREETS

Facebook: www.facebook.com/TheStreets
Website: www.thestreetsmusic.com

Geschrieben von
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