Interview: MANTAR (Erinç Sakarya)

Interview: MANTAR (Erinç Sakarya)
Christoph Eisenmenger / www.facebook.com/basslordpictures
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Als ich per Skype im übertragenen Sinn den Hörer abnehme, meldet sich ein gut gelaunter Erinç, seines Zeichens Schlagzeuger bei Mantar, und ist spürbar erleichtert, dass er das Interview nicht auf Englisch führen muss. Nachdem Sänger und Gitarrist Hanno zeitlich verhindert war, zeigte sich der Wahl-Hamburger zu unserem Vergnügen äußerst redefreudig.

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Christoph Eisenmenger / www.facebook.com/basslordpictures

Erstmal vielen Dank für Eure Musik und das neue Album, ich höre es rauf und runter.
Das freut mich sehr. Wir finden es auch am geilsten, aber es ist immer noch etwas anderes, wenn das andere auch so sehen.

Innerhalb von vier Jahren habt Ihr drei Alben und eine EP produziert und seid zudem häufig auf Tour, nicht nur in Europa, sondern auch in den USA. Woher nehmt Ihr die Energie und könnt Ihr Euch noch leiden?
Na klar, können wir uns noch leiden. Gefühlt spielen wir auch gar nicht so viel, aber dadurch, dass wir immer noch so viel wirklich selbst machen, ist die Band trotzdem komplett ein Fulltime-Job das ganze Jahr über. Das Touren an sich macht Spaß, dem einen oder anderen nicht so sehr, aber Konzerte sind für mich schon eine Erlösung. Auftritte, bei denen man eine gute Resonanz kriegt und die Leute abgehen und ein Energieaustausch stattfindet, wo man merkt “genau das wollen die” – das ist geil. Das wird auch immer so bleiben. Es ist auch nicht so, dass das Routine bei uns wird. Ich bin zum Beispiel immer sehr aufgeregt vor Konzerten, aber wenn man von der Bühne kommt hat man ein gutes Gefühl. Es klingt etwas abgedroschen, aber es ist wie eine Droge. Manchmal ist es mehr Arbeit, neue Songs zu schreiben oder an Stücken zu feilen und unter Zeitdruck was zu machen. Das ist genau wie normale Arbeit, eben sehr anstrengend, stressig und Horror. Wenn Du nach dem ganzen Aufnehmen im Studio und Abmischen dann am Ende aber ein Produkt in den Händen hast, mit dem Du selber so zufrieden und glücklich bist. Dann fällt Dir so eine Last von den Schultern und Du denkst: “Es ist gut, so wie wir es gemacht haben”. Wichtig ist, dass man nicht aus Bequemlichkeit etwas lässt. Wir haben es wirklich zu dem Punkt gebracht, dass wir sagen: “Das finden wir geil”. Etwas, wovon wir nicht überzeugt sind, würden wir nie rausbringen.

Seht Ihr Euch dann zwischen Album-Produktion und Tour auch längere Zeit mal nicht, weil Hanno dann in den USA ist? (Anm. der Redaktion: Er lebt in Florida)
Wenn wir auf Tour sind oder an Musik arbeiten, dann ist er hier und in den vergangenen Jahren war es auch so, dass er über die Sommermonate in Deutschland war.

Mantar werden häufig in eine Metal-Schublade gesteckt, obwohl Euer Stil offenbar von vielen Einflüssen geprägt ist. Beim aktuellen Album merke ich jedoch schon einen gewissen Metal-Einfluss …
Weniger. Ich persönlich habe kaum Metal-Musik gehört und habe ganz andere Inspirationsquellen. Hanno dagegen beschäftigt sich schon eher damit und hat eine größere Affinität zu Metal. Ich stehe zwar auf Slayer und mag Sepultura und so’n Zeug, aber als Metal in den 80ern groß war, war das nie meins und ich hatte auch nie einen großen Bezug dazu. Meinerseits sind wir da nicht bewusst so rangegangen. Die Riffs haben schon einen gewissen Metal-Touch, aber sie haben genau so einen AC/DC-Touch. Als Einfluss habe ich in den letzten Jahren ein paar Bands entdeckt. Gerade, was Energie auf der Bühne angeht – ich bin zum Beispiel großer Fan von Bands wie Baptists. Das ist für mich unglaublich harte, geile Mucke. Das ist sehr inspirierend, dass Menschen so etwas machen, das nicht abgedroschen klingt. Ich bin ja generell großer Fan von 80er-Jahre Pop-Musik, denn ich bin damit aufgewachsen. Ich stehe mittlerweile auch dazu und hole mir meist auch Inspiration von solcher Musik für die Musik, die ich mache. Das ist vielleicht ein Kontrast, aber das gibt mir Energie.

Texte sind ja nicht so Deine Baustelle, sonst hätte ich etwas zu dem Song Anti Eternia gefragt und wer von Euch der Fan von He-Man And The Masters of the Universe ist…
Nein, das ist komplett Hannos Ding. Das kann er einfach besser. Er schüttelt manchmal so Sachen aus den Ärmeln, die sind auch noch richtig richtig gut – großen Respekt dafür. Deswegen möchte ich mich nicht auch mal daran versuchen, Texte zu schreiben. Das lassen wir so, wie es ist. Er macht seinen Part, ich mache meinen Part. Von He-Man kannte ich die Figuren, da war ich tatsächlich von Anfang an auch dabei. Allerdings musste ich schon etwas sparen, um mir etwa Man At Arms zu kaufen. Freunde von mir hatten zig Figuren. Ich bin immer noch großer Fan.

Kleiner Tipp: Die Serie ist sehr schlecht gealtert, bleib lieber bei den Figuren. Ihr seid aber schon so kleine Pyromanen, oder? Wenn man sich allein die Alben-Titel anguckt.
Die Faszination an Feuer ist schon da. Für uns übt Feuer eine faszinierende Schönheit aus. Gleichzeitig kann es aber auch sehr aggressiv und schmerzhaft sein. Andererseits kann es Sachen auch zum Nullpunkt bringen und den Weg für einen Neuanfang ebnen. Feuer ist in dem Sinne auch eine Inspiration für uns, vergleichbar mit Songs von uns. Auf dem Partisan letztes Jahr hatten wir beispielsweise auch Flammen auf der Bühne, wobei uns dann auch bewusst geworden ist, dass das nicht nur geil aussieht, sondern auch total heiß ist, auch wenn man fünf Meter weit weg steht.

Wichtig ist, dass wir uns den Arsch abspielen.

Was ist wichtiger? Sound oder Songwriting?
Beides geht Hand in Hand. Uns ist der Sound das wichtigste Ausdrucksmittel, mit der wir unsere Kunst präsentieren. Die Songs sind natürlich auch wichtig, aber sie würden ohne den Sound nicht funktionieren. Du kannst einen Mantar-Song nicht mit einer Akustik-Gitarre spielen – das funktioniert nicht. Häufig bekommen wir die Frage gestellt, wie wir denn zu zweit so fett klingen können. Die Energie steckt in uns drin, denn wir finden es schwieriger halbherzig auf die Bühne zu kommen. Hanno hat sich so ein geiles Gerät gebaut, womit er drei Verstärker gleichzeitig bedient, mit voller Lautstärke. Ich versuche laut Schlagzeug zu spielen und spiele auch große, wertige Becken. Das kann man nicht mit billigen Blechen machen.

Christoph Eisenmenger / www.facebook.com/basslordpicturesWas glaubst Du, warum Euch viele Leute so geil finden?
Ist das so? Das tut richtig gut, das zu hören. Ich habe den Eindruck, dass das dann Leute sind, die erkannt haben, worum es geht. Es wird keiner sagen, der sich mit uns beschäftigt, dass wir uns nicht den Arsch abarbeiten. Bei Konzerten – da bekommt es das Publikum direkt mit – machen wir keine halben Sachen. Das ist wirklich harte Arbeit und da gehen wir keine Abkürzung – wir können aber auch gar nicht anders. Und das bockt auch, sonst sind wir unzufrieden und unbefriedigt. Egal, wer wie Kritik äußert: Wichtig ist, dass wir uns den Arsch abspielen. Wer auf ein Mantar-Konzert geht, bekommt auch was für den Eintrittspreis.

Wäre das denn auch ein Tipp für junge/unerfahrene Bands?
Es kommt drauf an, was man will. Als ich angefangen habe, Musik auf professioneller Ebene zu machen, hätte ich nicht gedacht, wie anstrengend und wie viel Arbeit das ist und wie oft man auf dem Zahnfleisch gehen muss. Wir haben einen Pakt geschlossen, als wir mit Mantar angefangen haben: Alle Energie fließt in die Band und die Band hat Vorrang vor allem. Man muss einfach alles geben. Wenn man etwas will, kann man es erreichen, aber man muss immer alles geben und mit vollem Herzen dabei sein – auch wenn das abgedroschen klingt. Man muss das leben. Proben sind dann heilig. Auch wenn Deine Lieblingsband in der Stadt spielt und Du die drei Jahre nicht gesehen hast: Probe/Band geht vor. Je mehr man im Training schwitzt, desto weniger blutet man im Kampf – an dem Spruch ist viel Wahres dran.

Was kommt denn noch nach dem Album und der kommenden Tour?
Für das kommende Frühjahr sind bereits einige Termine in Planung. Wir werden dann sicher an den Orten spielen, zu denen wir es jetzt im Herbst nicht schaffen.

Sehr schön. Vielen Dank für das Gespräch.

Weblinks MANTAR:

Official: http://mantarband.com/
Facebook: https://www.facebook.com/MantarBand/

Pressebilder: © Christoph Eisenmenger / www.facebook.com/basslordpictures

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