KOSMONAUT FESTIVAL 2018 – Chemnitz, Stausee Rabenstein (29.-30.06.2018)

Kraftklub, © Claudia Helmert
Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Der Reisebericht.

Tag 1: Freitag, 29.06.2018

Nach der turbulenten, schwei√ügebadeten Anreise an den wohlschattierten, liebenswert ausgeschm√ľckten Stausee Rabenstein, l√§sst das erste k√ľhle Getr√§nk nicht lange auf sich warten. Faber klingt im Hintergrund noch nach, w√§hrend mich meine geballte Vorfreude vor die Atomino-B√ľhne lockt. Irrsinnig imponieren Idles. Die f√ľnf Herren aus England, deren Website-Newsletter-Eintragung mit „E-Mails Sucks Our’s Don’t“ wohlwollend wirbt,¬† pr√§sentieren ihre erregenden Energien, postulieren t√§nzelnd ihre punkigen Passagen. Mehr Sch√∂nes gibt es auf der Hauptb√ľhne zu sehen, welche gem√§√ü Spielplan K√§ptn Peng & die Tentakel von Delphi anf√ľhrt. Der Bass dr√∂hnt (etwas zu sehr), aber ich wei√ü um die Wortgewalten des Rappenden und zeige mich von seiner Performance mindestens so sehr begeistert, wie der Tumult der mich umgibt.

Drangsal¬†gewinnt un√ľberh√∂rbar die Anerkennung um den lautesten weiblichen Publikumsanteil. Der heimatbeflissene Wahlberliner ergreift mit seinem eigenwilligen wie¬†entz√ľckenden Sinn f√ľr √Ąsthetik genauso wie es die angenehm vereinnahmenden Darbietung schafft. Ironisches Abfeiern war nie mein Ding, aber die tausendste Ber√ľhrung, nach der nichts passierte, l√§dt im (mindesten, leicht-alkoholisierten, wochenendfeierlaunischen) Konsens unmittelbar zum Mitgr√∂hlen ein.

So weit, so hungrig. Da mich als Vegetarier Feine Sahne Fischfilet als Nahrungsquelle wenig √ľberzeugt, g√∂nne ich mir eine fabelhafte Gem√ľsepfanne mit Fladenbrot, w√§hrend in der Ferne die Rauchfackeln die Dynamik, der von Trompeten begleiteten Punkrockgruppe untermalen. Mehr Blasmusik war nur mit Meute m√∂glich, bevor die Aufregung auf den geheimen Headliner platzen sollte. Alles, was hip ist, gab folgend einige Songs zum besten: RIN, Bausa, Haiyti und Cro performten bis zum feuerwerksuntermalten Stimmungsh√∂hepunkt und der gemeinsamen Albumank√ľndigung von Casper und Marteria.

Tag 2: Samstag, 30.06.2018

Der Druck der vergangenen Woche zerrt stark an den Augenlidern, aber das soll meine Motivation nicht hemmen, also flink nach Chemnitz, denn das Nachmittagsprogramm sieht neben dem wunderbaren Wetter die imponierende Ilgen-Nur vor. Der zu schnell getrunkene Kaffee brennt etwas mehr als die Sonne, w√§hrend auff√§llt, dass die Zuschauerschar vor der Atomino-B√ľhne unangemessen rar ges√§t ist. Die Beleuchtung stimmt, die Gitarren generieren angenehme Melodien mit denen sich der Wohlklang der Stimme leicht und eing√§ngig paart, L√§ssigkeit triumphiert. Wenige Meter weiter wackeln die Arme im Takt¬†Juse Jus, der seine Wortgewandheit nicht nur im dynamisch rhythmischen Rapper-Dasein pr√§sentiert, sondern zus√§tzlich als Journalist und Autor t√§tig ist. Schlag auf Schlag – Milliarden: Einnehmend erregen die erfrischenden Energien. Was f√ľr eine Erscheinung, was f√ľr eine Euphorie! Die hinrei√üenden Herren geben alles, was ihre geballten, l√§rmenden Leidenschaften zulassen und mehr. Beif√§llig zeigt sich die Zuh√∂rerschaft bewundernd, begeistert, berauscht.

Schweren Herzens weiter im Programm:¬†Goldroger¬†machen ohne Umschweif mit dem Soundcheck ihre ungezwungene Spielfreude klar. Der Rappende, der 2016 sein Deb√ľtalbum mit psychedelischem Artwork publiziert,¬† pr√§sentiert sich und seine eing√§ngigen Melodien prima. Zur√ľck zur Hauptb√ľhne, auf der Olli Schulz noch flink eine Instagram-Story dreht, bevor sein tats√§chlicher Auftritt bevorsteht. Kat Frankie tumelt sich hier bereits begleitend im B√ľhnenhintergrund und nimmt den Spa√ü des redseligen S√§ngers genauso wohlwollend auf, wie das Chemnitzer Publikum. Es folgt eine ausgedehnte kulinarische Pause im Takt von Trettmann. Den sich allm√§hlich ank√ľndigenden Sonnenuntergang untermalt¬†Kat Frankie¬†in stimmungsvollem Rot und eindrucksvollem Pop. Die stimmenstarke Dame offenbart eine Vielzahl emotionaler Facetten, die der simplen Ausgelassenheit des Festivals apart gegen√ľbersteht. Nach¬†RAF Camora¬†und¬†Sofi Tukker¬†genie√üe ich gl√ľcklich¬†Milky Chance.¬†Auf dem Bett schillernder Lichtstimmung und perfekter Soundabstimmung liegt das Publikum gut im Wohlklang der einzigartigen Gruppe.

Den abendlichen Headliner mimen heute¬†Kraftklub.¬†Der rote Banner f√§llt vor die grenzenlose Begeisterung des √ľberaus dichtgedr√§ngten Publikums. Die f√ľnfk√∂pfige Gruppe, die als H√∂hepunkt auf ihrem ausgerichteten Festival thronen, beginnen die mitrei√üende Performance mit dem durchhallenden „Ich komm‘ aus Karl-Marx-Stadt!“. Mitsingch√∂re machen gl√ľcklich und alles andere an der Chemnitzer Gruppe auch:¬† Was f√ľr eine Kraft!

Weblinks KOSMONAUT FESTIVAL:

Website: https://www.kosmonaut-festival.de/
Facebook: https://www.facebook.com/kosmonautfestival
Twitter: https://twitter.com/kosmonautfstvl
Instagram: https://instagram.com/kosmonautfestival
Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCvXYcdUGEvo_u2nJc9IL1Aw

Geschrieben von
Mehr von Claudia Helmert

Fotos: ATLAS BIRD

ATLAS BIRD – Leipzig, Moritzbastei (27.12.2017) √Ąhnliche Beitr√§ge
Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.