NHOR – Wildflowers

NHOR – Wildflowers
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So zart wie Blütenblätter, so behutsam wie ihre Berührungen

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Bereits im Verlauf des letzten Jahres, immer passend zum Wechsel der Jahreszeiten, veröffentlichte das britische Projekt Nhor die am Klavier vertonte Interpretation seiner Wildblumen. Dabei handelte es sich um streng limitierte, im Kassetten-Format erschienene Veröffentlichungen, die zum Teil recht schnell vergriffen waren. Parallel gab es Wildflowers (Spring, Summer, Autumn und Winter) auch digital als Stream und Download auf der Bandcamp Seite des Künstlers und es wurde darüber hinaus Mitgliedern des Prophecy-Clubs als Datei zur Verfügung gestellt. Nun wird der Wildblumen-Zyklus offiziell noch einmal im Doppel-Vinyl-Format einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Nhor veröffentlicht bereits seit 2009 auf dem Sub-Label Lupus Lounge und wer sich ein wenig mit Prophecy Productions auskennt, weiß, dass Lupus Lounge eigentlich die Heimat für Black Metal und Artverwandtes ist. Weder für das künstlerische Selbstverständnis von Nhor, noch für die konzeptionelle Ausrichtung des Labels stellt das einen Widerspruch dar. Wenn man sich mit dem musikalischen Werk des Briten auseinandersetzt, wird deutlich, wie nah die fließenden, ruhigen Klavierstücke und seine äußerst rohe, naturalistische Ausformungen des Black Metal nebeneinander liegen können, ja auf einigen Veröffentlichungen sogar ineinander greifen. Er selbst beschreibt sein Schaffen so:

“Alles, was ich bislang erschaffen habe, ist dem Universum geschuldet. […] Ich schulde es den Sternen und Planeten, dem Mond und der Erde, dem Wind und dem Regen. Alles, was ich habe, ist dem Wald und seinen Geschöpfen entlehnt. Meine Musik ist nur eine armselige Interpretation ihres Gesangs, und meine Vorstellungskraft ist bloß die verwässerte Kopie der Vorstellungskraft von Mutter Natur. (Zitat)”

Bisher untermalte der Künstler seine Kompositionen mit selbstverfassten Kurzgeschichten, die jeder Veröffentlichung beilagen. Bei Wildflowers wird dies zum ersten Mal nicht so sein. Die Blumen sind in ihrer zarten Vergänglichkeit Referenz und Inspiration genug. Beim Hören braucht man keinen weiteren Deutungsrahmen. Ihr Klang ist so klar und rein wie das Wasser, so zart und behutsam wie frischer Morgentau auf ihren Blättern. Man spürt förmlich, woher Nhor seine Eindrücke für die Stücke gezogen hat. Jedes einzelne davon ist wiederum stark auf sich bezogen: vertonte Introspektion, gnadenlos schlicht, beinahe meditativ und immer atemberaubend schön. Wildflowers ist ein Album für das man sich Zeit nehmen sollte, weil es erst dadurch seine Wirkung entfalten kann.

Es ist ganz wie mit den Wildblumen, derer Schönheit man erst gewahr wird, wenn man sie in Ruhe und in der Natur betrachtet. Da das (vielen offenbar) immer weniger zu gelingen scheint, hat Nhor den Schallplatten seinen wohlbekannten Ratschlag (gewissermaßen als Beipackzettel zur Entschleunigung) mit auf den Weg gegeben: “As always, my music should be listened to quietly, with patience, and alone.”

Wildflowers erscheint am 21. Juni 2018 bei Lupus Lounge (Prophecy Productions).

Wertung: Dieses Mal nicht. Ich gebe aber eine uneingeschränkte Hörempfehlung.

Anspieltipp: Keiner, Ihr müsst die 32 Stücke nicht auf einmal hören, aber es wäre blödsinnig eines herauszugreifen.

Tracklist NHOR – Wildflowers:

01. Windowpanes
02. I Knelt At The Altar That Lays Atop The Stars
03. And So Passes The Glory Of Our World
04. There Was A Time When I knew The Way
05. Wildflowers
06. Vernal
07. Let The Rains Knock At My Door
08. In Moonlight
09. Light, Sing To Me
10. Where Morning Breaks Over The Pines
11. I Have No Stars Left To Wish Upon
12. Even In Dreams
13. You Will Never Shine As Bright As The Moon
14. I Remember
15. Sunlit Rest
16. All That Is Sacred To Me
17. Where They Once Were
18. The Trees Knew Not Of Me Then
19. Moonfall
20. We Set Their Bodies Free In The Cold River
21. What We Hid In The Night
22. Fire Promises Guidance
23. In Search Of Those We Lost
24. Fate
25. Bereft
26. Murmurations Above Me
27. Owls Through Snowfall
28. Wreaths Of Hoarfrost
29. The Moon Belongs To All And None
30. They Leave No Trace
31. I Found You There, Beside The Night
32. Mercy

Nhor - I Have No Stars Left to Wish Upon

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Weblinks NHOR:

Official: https://nhor.bigcartel.com/
Bandcamp: https://nhor-uk.bandcamp.com/
Facebook: https://www.facebook.com/nhoruk/

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