ROCK AM RING 2018 – Nürburg, Nürburgring (01.-03.06.2018)

Impressionen RAR 2018
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Eine der am meisten gestellten Fragen über Festivals und über Rock am Ring ganz besonders, ist die nach dem Wetter. In diesem Jahr war es zur Überraschung der meisten Experten, nach einem heftigen Gewitter in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (dem ersten Festivaltag), nicht nur erträglich, sondern sogar sehr schön, was sich natürlich auch auf die Stimmung der rund 71.000 Besucher niederschlug und so kamen auch die frühen Acts in den Genuss eines glänzend aufgelegten Publikums. Die Mischung der verschiedensten musikalischen Richtungen, ist dem Team rund um das Vater-Sohn Duo Lieberberg wieder mal bestens gelungen und ließ keine Langeweile aufkommen, im Gegenteil.

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Rock Am Ring 2018 – Freitag, 01.06.2018

Greta von Fleet eröffneten das bunte Treiben auf der Hauptbühne, die nach den Ausflügen nach Mendig 2015 und 2016 Volcano Stage heißt und lieferten da mit ihrem an Led Zeppelin erinnernden Sound eine gute Show, die sogar Guns N´Roses imponierte, die sie als Support einluden. Parallel dazu wurde die Crater Stage von jemandem eingeweiht, der mit allen Wassern gewaschen ist: Andrew WK, der mit Nummern wie Party Hard die Festivalbesucher auf der zweitgrößten Bühne bestens unterhielt.

Beste Unterhaltung boten auch Walking On Cars aus Irland mit ihren angenehmen Popklängen, die mit ihrem Hit Speeding Cars auch schon den einen oder anderen Ringrocker zu einem kleinen Tänzchen animierten. Callejon haben sich spätestens mit ihrem Album Blitzkreuz einen guten Ruf in der deutschen Metalszene erspielt, den sie derzeit mit dem aktuellen Album Fandigo weiter ausbauen. Richtig gespannt war man danach auf den Auftritt der Mädels von Babymetal, die mit ihrer crazy Show auch etwas für Manga Metal Fans boten und den Raum vor der Crater Stage mächtig füllten.

Jimmy Eat World hingegen sind eine amerikanische Institution, seit ihrer Gründung im Jahr 1993 kommen die Jungs um Sänger Jim Adkins gerne nach Deutschland und hatten mit Nummern wie Lucky Denver Mind und The Middle auch Spaß auf dem Ring, von ihren Fans ganz zu schweigen. Und auch Milky Chance aus Kassel haben mittlerweile das Standing auf der Volcano Stage zu spielen und dass mit Hits wie Blossom und Cocoon auch absolut zu Recht.

Jemand der das längst kann ist Jonathan Davis, der auch solo und ohne Korn ein abwechslungsreiches Programm aus Nummern seines Soloalbums Black Labyrinth, angereichert mit dem Hit Forsaken, bestreiten konnte und er bekam zum Abschluss sogar den größten Jubel des Tages, auch wenn dieser möglicherweise mit dem ersten Sonnenstrahl des trüben Freitags zusammengehangen haben könnte. Weiter Alarm gab es auf der Crater Stage, denn Enter Shikari gelten nicht umsonst als Trendsetter im Bereich Post Hardcore mit Tranceanteilen. Was sich vielleicht erst einmal sperrig anhört, ist live ein Vergnügen und brilliert mit seinem großen Facettenreichtum und dem Charisma von Sänger Rou Reynolds, der immer wieder Kontakt zum Publikum suchte und dieses zum Kochen brachte.

Die Mannschaft ist der Star, das gilt für Alt-J, die mit ihrem Alternative Folk und Songs aus ihrem neuen Album Relaxer für entspannte Stimmung vor der Hauptbühne sorgten. Und auch wenn so mancher Neunmalkluger auch bei der 32. Auflage des Festivals noch immer „aber es heißt doch ROCK am Ring“ argumentiert, ist der Hip-Hop längst hier angekommen. Acts wie Casper, dessen Auftritt alles hatte, was man sich als Musikliebhaber so vorstellt, und der neben seiner eigenen Performance auch noch Gäste wie Felix von Kraftklub und Drangsal begrüßen durfte, sorgen für eine großartige Belebung des Festivals, das machte ordentlich Spaß! Und auch der Auftritt der Antilopen Gang auf der dritten Rock am Ring Bühne, der kleinen Alternastage, bewies, dass Rap eine der führenden musikalischen Richtungen dieser Tage ist.

Auf der Crater Stage bekamen mit dem Crossover Projekt Hollywood Undead aus Kalifornien, den vielumjubelten A Perfect Circle um Tool Fronter Maynard James Keenan und dem fantastischen Auftritt von Stone Sour derweil auch die Freunde der harten Klänge was auf die Ohren. Insbesondere Letztere brillierten mit Hits wie Tired und Through Glass und der Ausstrahlung des ewig jungen Slipknot Sängers Corey Taylor.

Ein Act der immer polarisiert, das war der Headliner am Freitag, aber auch Thirty Seconds To Mars, die Band um Jared und Shannon Leto sorgten für Begeisterung. Mit originellen Einlagen wie dem auf die Bühne holen von so manchem glücklichen Fan, machte Schauspieler Jared die zweifelhafte Performance vergangener Konzerte mehr als wett und zeigte wohl auf, wie eine moderne Performance heutzutage aussieht.

Als Abschluss des ersten Tages folgte dann noch Marilyn Manson auf der Crater Stage, der mit Nummern wie The Dope Show oder The Beautiful People nochmal für eine ordentliche Portion Rock und vor allem Aggressivität sorgte.

Rock Am Ring 2018 – Samstag, 02.06.2018

Der Samstag begann mit Yungblud, einem 19-jährigen „Jungen“ aus dem englischen Doncaster, der mutig als erster Act des Tages auftrat und nicht nur mit seinen pinken Socken, sondern viel mehr mit seiner Mischung aus Rock und Rap und Songs wie I love you, will you marry me, gefiel und bestimmt das letzte Mal so früh auftreten musste. Seine Performance hatte das Potential für die  ganz großen Rockshows. Mit Nothing More gab es auf der Crater Stage zugleich einen Act, der wie aus der Zeit gefallen scheint. Feinster Alternativ Metal aus San Antonio/Texas dargeboten von einem Sänger, der seine Gesten zwar aus dem großen Rockbuch gelernt hat, aber dieser Johnny Hawkins hat trotzdem viel eigenes und riss das Publikum ordentlich mit.

Ein gern gesehener Gast ist Beth Ditto, die dieses Mal, neben einigen Songs aus dem Album Fake Sugar, auch Hits ihrer ehemaligen Band Gossip wie Standing in the way to control und natürlich Heavy Cross spielte.

Mit Black Stone Cherry hat man die veritablen Nachfolger von Lynyrd Skynyrd zum Ring geholt. Mit 70er Jahre Southern Rock und ihrer tiefen Verneigung vor den Größen wie Led Zeppelin, AC/DC und Jimi Hendrix sorgen die Jungs aus Kentucky für Begeisterungsstürme. Die haben sich auch Kettcar aus Hamburg verdient, die mit klugen Texten seit Jahren zu den besten deutschen Acts gezählt werden und warum das so ist, das bewiesen Markus Wiebusch und seine Mitstreiter auf der Volcano Stage in Songs wie Der Tag wird kommen oder Sommer 89 (Er schnitt Löcher in den Zaun).

Body Count feat. Ice T. drehten dann die Uhr um 25 Jahre zurück, als das Debütalbum der Band erschien. Aber die Nummern wie There goes the Neighborhood, KKK Bitch, Talk Shit, Get Shot und das legendäre Copkiller taugen heute nur noch als verklärter Rückblick und wirken fast skurril als der 60 jährige Ice T. dann noch seine Gattin Coco und die 2jährige Tochter zum Mitsingen einlädt. Die Zeiten haben sich dann doch irgendwie geändert…

Erheblich näher am Puls der Zeit sind hingegen Kaleo, die ihren Hit Way Down We Go spielten und das gut aufgelegte Publikum vor der Volcano Stage bestens unterhielten. Wer sich danach gefragt hat, warum eine Band wie Snow Patrol, die kürzlich nach einer Pause von 7 Jahren ein neues Album vorgestellt hat, es zum Co-Headliner gebracht hat, der wurde angenehm überrascht. Natürlich wurden in der Spielzeit von 75 Minuten auch Songs von Wildness gespielt und man war fasziniert wie gut sich neue Stücke wie Heal me und Empress in den Kreis der Hits a la Open your Eyes, Crack the Shutters und Chasing Cars einfügten. Die Band aus Großbritannien hat die Hürde eines Co-Headliners jedenfalls mit Bravour genommen.

Es ist immens schwierig, nach so einem Auftritt als Hauptband den Samstag auf der Volcano Stage zu beenden, aber Muse haben so manche Schlacht geschlagen und die Band um Matthew Bellamy zog auch an diesem Abend sämtliche Register. Mit einer großartigen Lightshow, Pyroeffekten und Klassikern wie Hysteria, Supermassive Black Hole und Knights of Cydonia machten Muse klar, wer an diesem Abend die richtige Band war, die Konzerte auf der Mainstage zu beenden. Wahnsinn!

Au der Crater Stage gab es derweil ordentlich was auf die Ohren, denn nacheinander Parkway Drive, mit dem unfassbar imposanten, sich in Flammen stehend drehenden Schlagzeug auf der Bühne, und Avenged Sevenfold mit einem an Iron Maiden erinnernden, dreidimensionalem Bühnenbild befeuerten die Massen und ließen es gemeinsam mit ihren Fans so richtig krachen, bevor der zweite Festivaltag auf der Bühne um 02:30 Uhr sein Ende fand.

Rock Am Ring 2018 – Sonntag, 03.06.2018

Nach einigen Jahren Erfahrungen im Umgang mit dem Rock am Ring Wetter ist man ja durchaus vorsichtig geworden. Als dann aber am Sonntagmittag die erste Band, Nothing But Thieves, die Bühne betrat und das im schönsten Sonnenschein, da wusste man schon, dass es heute keine Chance auf Regen geben würde. Nothing But Thieves aus Southend-on-Sea in England machen guten Indie-Pop und haben mit Frontmann Conor Mason auch einen Mann am Start, der die feinen Titel wie Trip Switch und Amsterdam beherzt performte. Zwischen Mason und Seasick Steve liegen geschätzt 50 Jahre und dennoch belegte der 77 jährige Bluesmusiker aus Kalifornien, dass der Blues die Wurzeln aller Musik ist und dazu bewies der alte Mann mit selbstgebauten Saiteninstrumenten und etwas Footstomping auf faszinierende Weise, dass man auch in der Eifel eine Atmosphäre wie in einer amerikanischen Wüstenstadt zaubern kann. You can´t teach an old dog new tricks heißt es in einer seine Nummern. Warum sollte man auch, wenn der alte Hund schon alles kann?!

Bad Religion gehören seit Jahren zum Inventar bei Rock am Ring und verstehen es auch immer wieder eine perfekte Party zu starten. Die Texte sind immer noch kritisch und der Punk, der von Greg Graffin gesungen wird, hat immer noch oder gerade wieder Hochkonjunktur. Das gilt auch für die legitimen Nachfolger von Bad Religion, Good Charlotte, und was die Brüder Madden hier vortrugen, das hatte was. Wer den Ring noch nicht springen sah an diesem Wochenende, der kam spätestens bei Lifestyle of the Rich & Famous zu seinem Recht.

Danach bewiesen Rise Against aus Chicago mit ihrem Punk meets Hardcore auf der Volcano Stage, dass auch ihnen die Rolle des Co-Headliners fast schon zu wenig ist. Tim McIllrath ließ die Fans euphorisiert zurück, was vor allem an feinen Titeln wie House on fire, The Violence und Like The Angel lag. Was ganz anderes gab es auf der Crater Stage zu sehen und zwar feinsten und cleveren Hip-Hop vorgetragen von Trailerpark, einer Art Supergroup des deutschsprachigen Raps bestehend aus Timi Hendrix, Basti DNP, Sudden und Alligatoah und deren Texte sind mehr als deutlich, aber Ironie darf ja eh alles – auch bei Rock Am Ring.

Seit drei Tagen lag Vorfreude auf dem Gelände und man wartete gespannt auf die Foo Fighters und deren Frontmann Dave Grohl und er gab wieder einmal sein letztes (Baumwoll) Hemd. Zwar stimmlich angeschlagen, aber dennoch mit einer enormen Power, sang er sich durch eigene Hits wie The Pretender, Learn to fly oder My Hero und vergaß auch nicht, den unvergessenen Freddie Mercury von Queen zu ehren. Mercury, der beim diesjährigen Rock am Ring dank des Trailers zum im November erscheinenden Kinofilm Bohemian Rhapsody eh schon allgegenwärtig war, hätten die Versionen von Another one bites the dust und Under Pressure bestimmt gefallen, die Zuschauer jedenfalls waren begeistert. Die Foo Fighters boten eine amtliche Rockshow inklusive Schlagzeugsolo, wie man sie so heutzitage nur noch selten zu sehen bekommt. Und dass, obwohl Dave Grohl den einen oder anderen Gesangspart seinem Drummer Taylor Hawkins überlassen musste und der Auftritt wegen der Heiserkeit des Fronters heute um gut 20 Minuten kürzer ausfiel. Aber über zwei Stunden Foo Fighters waren auch so ein würdiger Abschluss von Rock Am Ring auf der Volcano Mainstage.

Wer jetzt noch nicht genug hatte, konnte natürlich auch heute danach noch auf den Nebenbühnen vorbeischauen und unter anderem Bilderbuch und ihrem Wiener Schmäh lauschen. Die Gorillaz setzten den Schlusspunkt unter ein abwechslungsreiches Festival und Damon Albarn schaffte es sogar bis um kurz vor 2 eine feine Show mit vielen Gästen wie den legendären De la Soul zu bieten. Mit einem überragenden Clint Eastwood ging Rock am Ring zwar für dieses Jahr zu Ende, aber viele Zuschauer werden sich auch im nächsten Jahr wieder auf den Weg machen, denn für 2019 wurde mit Die Ärzte bereits der erste Headliner bekanntgegeben. Sie werden bei Rock Am Ring und Rock Im Park 2019 exklusiv ihre Livepause beenden!

Der Ticketvorverkauf ist heute Mittag gestartet:

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