WAVE-GOTIK-TREFFEN (WGT) 2018 ‚Äď FREITAG 18.05.2018

Geschätzte Lesezeit: 10 Minute(n)
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Das Wave-Gotik-Treffen wird 27. Und das erste Konzert bei diesem WGT schaffte System Noire am Freitag um 12 Uhr in der Sixtina. Gleich darauf folgte Oswald Henke mit Goethes Erben auf dem Viktorianischem Picknick im Clara-Zetkin-Park.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Wir haben f√ľr euch den Bericht wieder nach Locations und dann nach Uhrzeit sortiert.

Navigation: Centhron (D) | FabrikC (D) | Feline & Strange (D) | Goethes Erben (D) | Merciful Nuns (D) | Seigmen (NO) | Skeletal Family (GB) | Sulpher (GB) | System Noire (D) | [:SITD:] | The Beauty Of Gemina (CH) | The Eden House (GB) | The Last Cry (GB) | Undertheskin (PL) | Unterschicht (D)

Clara-Zetkin-Park

14:00 Uhr Viktorianisches Picknick

Den Bericht mit den Besucherbilder findet ihr hier.

Szene-Legende und WGT-Urgestein Oswald Henke rollt ein Piano auf die Wiese vor dem Musik-Pavillon, um allen, die es wollen mit einem exklusiven Goethes Erben Kammerkonzert in diesem ausgesuchten Ambiente zu begl√ľcken. Wer die Vorbereitungen des Konzerts in den sozialen Medien mitverfolgt hat, wei√ü, wie aufgeregt der K√ľnstler im Vorfeld war. Das alles hat nat√ľrlich zur Folge, dass sehr viele Leute sich schon sehr fr√ľh im Clara-Zetkin Park eingefunden haben, um mit ihren eigenen Vorbereitungen, die mitunter √§u√üerst aufwendig ausfallen k√∂nnen, zu beginnen. Das Konzert, das entgegen der urspr√ľnglichen Planung doch mit zwei Lautsprechern verst√§rkt wird, um mehr Besucher zu erreichen, findet dann bei diesen auch sehr viel Anklang. Oswald wird kurz vor drei Uhr mit st√ľrmischem Applaus entlassen.

Agra-Treffenpark

19:00 Uhr – THE EDEN HOUSE (GB)

Den Auftakt in der Agra geben The Eden House. Hier und da hakt es noch etwas. Aber irgendwer muss ja den Anfang machen. Und so f√§llt das schwere Los auf die Band aus Gro√übritannien, die man durchaus als All-Star Projekt im Spannungsfeld des Goth-Rock bezeichnen kann. Gegr√ľndet wurde The Eden House von Stephen Carey (u. a. Adoration) und Tony Pettit (Fields Of The Nephilim). Seither haben die beiden mit einer wahren Bandbreite an K√ľnstlern f√ľr das Projekt gearbeitet. The Eden House liefern eine sehr gute Performance mit klassischen Goth-Rock Elementen, sph√§rischen Kl√§ngen, ausgekl√ľgelten Arrangements und hypnotischem weiblichem Gesang. Schade, dass grad mal ein paar hundert Besucher ihren Weg zum Konzert gefunden haben, was bei der Gr√∂√üe der Halle wirklich schmerzlich auff√§llt. (DS)

20:45 Uhr – SEIGMEN (NO)

Eigentlich muss man zu Seigmen nicht mehr viel sagen. Wir alle haben die nunmehr fast 30-j√§hrigen Geschichte der Band aus Norwegen – Aufstieg, Niedergang, Zwischenspiel mit Zeromancer, R√ľckkehr mit Enola in 2015 – mitbekommen. Und wir wissen auch, dass die Jungs eher selten auftreten und man sich die Performances, die im wahrsten Sinne des Wortes eines K√∂nigs w√ľrdig sind, nicht entgehen lassen sollte. Entsprechend f√ľllt sich die Agra nun schon vergleichsweise deutlich, ohne jedoch man um Engp√§sse bei der Getr√§nkeversorgung f√ľrchten m√ľsse und es macht sich sowas wie flirrende Vorfreude breit. Nach dem langen, atmosph√§rischen Intro Performance Alpha legen die Alternative Rocker richtig mit The World Revolves los und rei√üen s√§mtliche Besucher bis in die letzten Reihen mit sich. Im Folgenden reihen sich Kracher aus alten Zeiten an St√ľcke vom (noch) aktuellen Album Enola und man denkt sich die ganze Zeit: ‚ÄúVerdammt, eine Schande, dass sich die Seigm√§nner so lange im Hiatus aufgehalten haben!‚ÄĚ Aber zum Gl√ľck ist das ja jetzt vorbei. (DS)

Haus Leipzig

17:00 Uhr – UNTERSCHICHT (D)

Den Auftakt am Freitagabend im Haus Leipzig machen Unterschicht. Frontmann Sven ‚Äď urspr√ľnglich Hamburger und mittlerweile Wahlleipziger ‚Äď ist nicht nur wegen seiner gef√ľhlten drei Meter K√∂rpergr√∂√üe imposant. Mit seinem Styling und seiner Mimik verk√∂rpert er seine Songs und performt sie nicht nur. Und diese klingen ziemlich b√∂se! Auf die Ohren bekommt man n√§mlich d√ľsteren Electro mit verzerrten Vocals und eing√§ngigen Hooklines, mit denen Unterschicht das Haus Leipzig schon um 17 Uhr sehr gut f√ľllen. Unterst√ľtzt wird Sven auf der B√ľhne von Bandkollegin Nataly und der Aushilfskeyboarderin Tamila Kim, die mit ihren freiz√ľgigen Outfits einiges f√ľr das Auge bieten. Zwar waren Unterschicht in den letzten Wochen flei√üig auf Tour, doch die n√§chsten Termine stehen bereits fest: Am 2. Juni sind sie in Wien und am 31. August in Hannover zu sehen. (JB)

18:20 Uhr – FABRIKC (D)

√úber einen Mangel an Fans kann bei FabrikC nicht geklagt werden, denn im Haus Leipzig ist das Gedr√§ngel noch gr√∂√üer als bei Unterschicht. Das Projekt von Mastermind Thorsten Berger steht f√ľr harten Electro ohne viel Schnickschnack. Schnelle Beats, treibende B√§sse ‚Äď roh und kompromisslos. Umso mehr verwundert es, dass Thorsten zwischen den Songs versucht, politische Botschaften zu verk√ľnden, die jedoch am Gro√üteil des Publikums vor√ľberzugehen scheinen, denn schlie√ülich hat man sich nicht zum Feiern des intellektuellen Tiefgangs zusammengefunden. Neben den Klassikern pr√§sentiert das Trio auch einige neue, bisher unver√∂ffentlichte Songs. Davon l√§sst sich das Publikum sichtlich mehr mitrei√üen als von den Ansprachen der ‚Äěkleinen lauten Zwerge‚Äú, wie Thorsten sich und seine Kollegen nennt. Somit steigt die Vorfreude auf ein neues Album, das es hoffentlich bald zu h√∂ren geben wird. Nach sieben Jahren Pause seit dem letzten Longplayer wird es schlie√ülich auch Zeit f√ľr neues Material! (JB)

22:40 Uhr – CENTHRON (D)

Headliner und zweifelsohne das Highlight des Aggrotech-Tages im Haus Leipzig sind Centhron. Das Trio ist schon in den vergangenen zwei Jahren im NonTox aufgetreten und diesmal Teil des offiziellen Programms. Das Haus Leipzig ist bis an die Kapazit√§tsgrenze gef√ľllt, sodass ein Einlassstop eine beachtliche Schlange von Fans vor verschlossenen Toren h√§lt. Ob Centhron Headliner-Konzerte spielen oder auf einem Festival, sie geben stets ein √ľppiges Set zum Besten und lassen dabei keine W√ľnsche offen. Ohne Verschnaufpause stampfen und kreischen sie sich durch gnadenlos harte Beats und anr√ľchige Textpassagen. Die beachtlichen 19 Songs ihrer Setlist umfassen die Highlights ihrer mittlerweile f√ľnf Alben. Die unerm√ľdliche Power von Elmar, Markus und Sandra kommt auch beim Publikum an: Denn das tanzt bis in die letzten Reihen. (JB)

Setlist CENTHRON @ Haus Leipzig, 18.05.2018:
  1. Intro + Einheit C
  2. Skullfucker
  3. Fuck Off And Die
  4. WKIII
  5. Slutbutt
  6. Dreckst√ľck
  7. Dominator
  8. Sie Will
  9. Blitzkrieg
  10. Allvater
  11. Biest
  12. Lichtsucher
  13. Asgard
  14. Deutsches Land
  15. Pornoqueen
  16. Cunt
  17. Eisenfresse
  18. 666
  19. Hetzer

Sixtina

12:00 Uhr – SYSTEM NOIRE (D)

Der fr√ľhe Vogel ‚Ķ diesem Motto folgen zum Auftakt des ersten Festival-Tages System Noire, um den Besuchern des WGT in der wohl bekanntesten Absinterie Deutschlands schon am Mittag einzuheizen. Und wirklich das Konzert der beiden Jungs aus Hannover ist auch zu so fr√ľher Stunde schon sehr gut besucht. Da Performances bei Elektro-Acts mitunter etwas statisch wirken kann, haben System Noire zu einer cleveren L√∂sung gegriffen und sich mit Ciwana Black Unterst√ľtzung geholt, die alle Anwesenden ordentlich einpeitscht. Der Hof der Sixtina f√ľllt sich immer mehr mit wummernden Beats und tanzenden Menschen, die sichtlich Bock auf die harten Synth-Industrial Sounds und nicht zuletzt auf die kommenden vier Tage haben. (DS)

Täubchenthal

Das T√§ubchenthal im Leipziger Westen ist mit seinem gro√üz√ľgigem Au√üenbereich, weitl√§ufigen Galerien sowohl au√üen als auch im Inneren und der restaurierten Industrie-Bausubstanz wohl mit der sch√∂nste Veranstaltungsort des gesamten WGT. Der Club befindet sich in einer Seitenstra√üe von der Zschocherschen Stra√üe: Ein Alptraum f√ľr manchen internationalen Besucher des WGT, der nach dem Weg dahin fragen muss. Heute hat man hier thematisch aufeinander abgestimmt K√ľnstler aus dem Spannungsfeld Goth-Rock, Post-Punk, Post-Goth und was immer Michael Sele grad macht einquartiert. Und weil das so gut passt, sind wir auch mal gleich hier geblieben. (KS)

16:30 Uhr – THE LAST CRY (GB)

Als wir am T√§ubchenthal ankommen, hat sich schon eine ansehnliche Schlange gebildet. Es ist 16:00 Uhr, reingelassen werden wir jedoch noch nicht. Stilistisch dominiert, passend zum pr√§sentierten Musikstil am heutigen Abend der klassische Goth-Rock Fan. √úberall sind Piker, Vogelnestfrisuren und Alien Sex Fiend Shirts zu sehen. Siouxsie w√§re stolz gewesen. 16:30 Uhr, √ľberp√ľnktlich, legen die Briten um Andrew Birch los. Viele waren nur wegen The Last Cry gekommen. Bl√∂d nur, dass die wegen des versp√§teten Einlasses, zu Teil noch vor dem Club stehen mussten. Birch f√ľllt mit seiner expressiven, leicht psychotischen Art den Ballsaal im Handumdrehen, klatscht Fans ab und konzentriert den Gro√üteil der Aufmerksamkeit dabei auf sich. Das punkige Falling Away wird dabei genauso gefeiert, wie die zahlreichen Songs vom im April neu ver√∂ffentlichten Album Isolation/Hollow. Ein gro√üartiger Auftakt am sp√§ten Nachmittag! (KS)

18:00 Uhr – UNDERTHESKIN (PL)

Knappe halbe Stunde f√ľr den Umbau und weiter geht es mit einem relativ jungen Projekt aus Polen. Kopf der Band Mariusz Luniewski mischt Goth-Rock und Post-Punk mit treibenden, eiskalten Elektronik-Elementen und prallen Shoegaze-Fl√§chen. Die Musik ist gespickt mit hypnotischen, repetitiven Elementen, die zusammen mit der zur√ľckgenommen sehr dunklen und doch jungenhaften Stimme von Mariusz soundtrackhafte klaustrophobische Atmosph√§ren erzeugt. Bereits beim ersten Song Cold, den er mit komplett mit Kapuze und Haar verdeckten Gesicht performt, wird mir klar, dass Undertheskin als Bandname passender nicht gew√§hlt h√§tte werden k√∂nnen, denn das St√ľck kriecht mir wirklich unter die Haut und setzt sich dort fest. Viel Material hat die Band noch nicht (nicht einmal 45 Minuten dauert der Auftritt), aber das hat es in sich. Fall, Wave, Burn, tRAIN die St√ľcke haben oft nur eine Silbe und werden sich so um so nachhaltiger einpr√§gen. Das Publikum ist begeistert, im T√§ubchenthal ist es inzwischen angenehm hei√ü und auch im Anschluss geht einiges an Vinyl √ľber die Merch-Stand. (KS)

19:20 Uhr – THE BEAUTY OF GEMINA (CH)

Lange Umbaupause, es wird voller und voller: Die Menschen im T√§ubchenthal stapeln sich w√∂rtlich jetzt bis unters Dach. Mac Vinzens Drums, die beiden Gitarren von Michael Sele und sein Piano werden noch bis zur letzten Sekunde gecheckt. The Beauty Of Gemina sind f√ľr ihren Anspruch an sich selbst bekannt. Da muss einfach alles stimmen. Als dann die Band rund um den sensiblen, an√§misch-wei√ühaarigen S√§nger und Komponisten die B√ľhne betritt, ergehen sich die Fans in wahren Begeisterungsst√ľrmen und mir wird schlagartig klar, dass hier der Headliner des heutigen Abends steht. Endlich, denn ich habe The Beauty Of Gemina schon mehrmals gesehen, erf√§hrt diese Ausnahme-Formation die Anerkennung, die sie verdient. Heute Abend scheinen die Schweizer tats√§chlich verg√∂ttert zu werden. Und das v√∂llig zu Recht, denn Michael Sele verf√ľgt nicht nur √ľber ein Talent, dass als begnadet bezeichnen kann, er hat auch noch ein H√§ndchen f√ľr erstklassiger Musiker, mit denen er zusammenarbeitet. F√ľr das Set hat sich die Band heute Abend f√ľr mitrei√üende up-tempo St√ľcke entschieden.

Die machen deutlich, welche bahnbrechende Entwicklung The Beauty Of Gemina in den knapp zw√∂lf Jahren ihres Bestehens vollzogen haben. Von der Industrial-Wave Band zum progressiven Country-Goth‚Äôn‚ÄôRock‚Äôn‚ÄôBlues Kleinod, das alle Genre-Grenzen hinter sich gelassen hat und zum Gesamtkunstwerk geworden ist. Ihre Songs zeugen von ungek√ľnzelter Emotionalit√§t und nisten sich in die Seelen ihrer H√∂rer ein, um dort die Art von Sch√∂nheit wachsen zu lassen, die man sich selbst nie zugetraut h√§tte. Die St√ľcke reichen heute Abend ¬†von Lonesome Death Of A Goth DJ¬† bis zu Crossroads und zeigen die Bandbreite des Schweizer K√ľnstlers, der stimmlich l√§ngst in einer Liga mit Alexander Veljanov und Nick Cave spielt. Suicide Landscapes macht mir eine G√§nsehaut, wie es wahrscheinlich nur in Leipzig m√∂glich ist und f√ľr seine bezaubernden Ansagen zwischen den Songs m√∂chte man Michael Sele, der an diesem Abend komplett aus sich herausgeht, unentwegt k√ľssen. „We are still here!“ (KS)

20:50 Uhr – MERCIFUL NUNS (D)

Familie Seth hatte es ja angek√ľndigt: Das Konzert auf dem WGT wird eines der letzten der Nuns sein. Das in riesigen Lettern geschriebene End auf dem R√ľcken von Artaud Seth ist da ein wenig subtiler weiterer Hinweis. Es bleibt voll im T√§ubchenthal. Die meisten haben ihre Pl√§tze w√§hrend der kurzen Umbaupause auch nicht verlassen. Superp√ľnktlich um 20:50 Uhr verbreiten Artaud und Jawa Seth und Gitarrist J√≥n Tmoh dann monochrome Finsternis mit dem Er√∂ffnungstrack Neo Alpha Genesis vom aktuellen Album Anomaly X unter dem Publikum. Dem folgen Karma Inn, Eternal Decay, Cremation, Blue Lodge und das unausweichliche Thelema ‚Ķ kurz gesagt so ziemlich alle Hits, die die Nuns auf ihren zehn Alben angesammelt haben: eine Setlist wie eine Bilanz. Aber noch ist auf der B√ľhne nichts von Wehmut zu sp√ľren. Mit gewohnt l√§ssiger Coolness, die ausdruckslosen Minen hinter ihren Sonnenbrillen verborgen, pr√§sentieren die obersten Zeremonienmeister des zeitgen√∂ssischen Goth-Rock, und da sind sie wirklich unangefochten die Nummer 1, ihr Programm.

Ergreifend wird es, als die Band ihren abschlie√üenden Song f√ľr den Abend pr√§sentiert: The Pyramid. Daf√ľr verlassen Merciful Nuns kurz die B√ľhne, wie um ein wenig Distanz zu ihren vorherigen Songs zu bringen. Die The Pyramid ist einem viel zu fr√ľh verstorbenen Mitglied der Grand Lodge gewidmet – einer der Gr√ľnde, warum die Nuns beschlossen haben, aufzuh√∂ren. Bei den Schlussakkorden steht Artaud Seth ganz nah am Graben bei seinen Fans, hat ihnen aber den R√ľcken zugewandt. Bis in die letzten Reihen ist ‚ÄúEnd‚ÄĚ auf seinem R√ľcken lesen. Er sieht nachdenklich aus. (KS)

22:20 Uhr – SKELETAL FAMILY (GB)

F√ľr die Kinder der 80er Jahre, die das Erwachen des Post-Punk, New Wave und Goth-Rock hautnah miterlebt haben, sind die n√§chsten K√ľnstler und Headliner im T√§ubchenthal an diesem Abend alte Bekannte und untrennbar mit der Szene verbunden. F√ľr alle anderen, die sich auch nur ein wenig in der musikalischen Ecke auskennen d√ľrften Skeletal Family nicht weniger als eine Legende sein. Ihr Auftritt grenzt an immer noch an eine kleine Sensation, denn die Band hat sich in ihrer urspr√ľnglichen Formation, also mit S√§ngerin und Herz der Family Anne-Marie Hurst erst k√ľrzlich wiedergefunden. Aber nat√ľrlich wissen das alle Anwesenden, denn an der „Bef√ľllung“ des Clubs hat sich nach wie vor wenig ge√§ndert. Die Pl√§tze vor der B√ľhne werden eifers√ľchtig geh√ľtet, obwohl der eine oder andere sicherlich gern etwas von der k√ľhlen Abendluft abbekommen h√§tte. Skeletal Family wirken wie die punkigere, death-rockigere und deutlich rotzigere Version von Siouxsie And The Banshees. Man w√ľrde zu viel sagen und der Band vielleicht auch Unrecht tun, w√ľrde man behaupten, hier h√§tte sich seit der „guten alten Zeit“ viel ver√§ndert. Und so schwingt eine geh√∂rige Portion Nostalgie im Batcave-Sound der Briten mit, die allesamt nicht mehr ganz die j√ľngsten sind, aber rein gar nicht von ihrer street credibility und Authentizit√§t eingeb√ľ√üt haben. Die Fans jedenfalls sind sehr begeistert und so wird das T√§ubchenthal mit scheppernden Gitarren im Minimal-Sound in die Nacht getragen. (KS)

Westbad

Das Westbad ist eine der neue Locations, die die Besucher auf ihrem WGT Plan finden können. Die in Leipzig Lindenau gelegene Konzerthalle, in der ich als Kind noch zu Schulschwimmen war, soll vor allem den Wegfall des Kohlrabizirkus in diesem Jahr kompensieren, schaut man sich zumindest die Größe der Acts an, die die Veranstalter dort platziert haben. Betrachtet man jedoch das Fassungsvermögen des Westbads im direkten Vergleich, kann einem bei den bevorstehenden Ereignissen schon leicht mulmig werden. (KS)

17:50 Uhr – SULPHER (GB)

Die Briten um Rob Holliday machen das Auftaktkonzert am ersten WGT-Tag im Westbad und es wird schon deutlich, dass da vorne auf der B√ľhne kein unbeschriebenes Blatt steht: Es ist schon ziemlich was los. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, ¬†denn so hat der K√ľnstler, bevor er Sulpher als eigenes Projekt startete, mit vielen gro√üen Namen zusammengearbeitet: The Mission, Gary Numan, Marilyn Manson, The Prodigy, um nur einige zu nennen. Auch Sulpher selbst gibt es schon eine Weile, obgleich sich die Band nicht gerade durch √ľberbordende Studio-Produktivit√§t ausgezeichnet h√§tte. Das √§ndert sich nun im August: das erscheint nun endlich das neue Album No One Will Ever Know – die zweite Langrille ihrer Karriere. Sulpher legen mit leichter Versp√§tung los, das dann aber so richtig. Dreckiger, sehr gitarrenlastiger Industrial Metal, der an Ministry und Marilyn Manson zu ihren besten Mechanical Animals-Zeiten erinnert. Das kommt zumindest in den ersten f√ľnf Reihen unter den Zuschauern bestens an, danach scheint die Begeisterung etwas abzuebben, obwohl Rob Holliday mit seiner charismatischen Stimme wirklich eine gl√§nzende Performance abliefert. (DS)

20:40 Uhr – [:SITD:]

In den mittlerweile 22 Jahren ihres Bestehens haben [:SITD:] so einige Fans gesammelt, von denen zahlreiche am diesj√§hrigen WGT anwesend sind und Carsten Jacek, Tom Leszczenski und Frank D‚ÄôAngelo live sehen wollen. Dies f√ľhrt schon √ľber eine Stunde vor der Stagetime zu einem Einlassstop im ma√ülos unterdimensionierten Westbad ‚Äď die beachtliche Menschenschlange ist n√§mlich einige H√§userblocks lang. Diejenigen, die es hinein geschafft haben, d√ľrfen eine atemberaubende Show genie√üen. Wie kaum eine andere Electroband schaffen [:SITD:] es, zwischen knallhartem, treibenden Bass und mitrei√üenden Melodien zu balancieren. In der H√§lfte des Sets darf auch Tom ans Mikrofon und performt Companion vom Trauma: Ritual-Album. Auch hier wird, trotz der im Vergleich etwas sanfteren Stimme, von so manchem lauthals mitgesungen, w√§hrend die anderen Zuschauer etwas verhalten schunkeln. Mit der R√ľckkehr des ungemein charismatischen Carsten, der keine k√∂rperliche Verrenkung scheut, um jede ausgestreckte Hand von der B√ľhne aus zu sch√ľtteln, geht wieder die gesamte Masse ab. Etwas mehr als eine Stunde dauert das Konzert ‚Äď man sieht den verschwitzten und schnaufenden Gesichtern des Publikums jedoch an, dass es mindestens doppelt so lange h√§tte sein k√∂nnen. Die n√§chste Gelegenheit, die Jungs live zu sehen, ist √ľbrigens beim diesj√§hrigen Amphi-Festival. (JB)

Foto / Autor: Danny Sotzny (DS), Dietmar Grabs (DG), Joanna Babicka (JB), Katja Spanier (KS), Michael Gamon (MG), Sven Bähr (SB), Thomas Papenbreer (TP)

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