UNZUCHT / SÜNDENRAUSCH – Oberhausen, Kulttempel (20.04.2018)

Unzucht, © Peter Bernsmann
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„Es ist ja deutlich voller als beim letzten Mal“ – messerscharf beobachtet, Herr Schulz! Ja, Unzucht haben ihren Popularitätsgrad seit ihrem ersten Gig im Oberhausener Kulttempel im Oktober 2015 deutlich gesteigert, was auch dem stets mit Lederjacke und Beanie bekleideten Sänger auffiel. So bildeten sich schon vor dem Einlass um 20 Uhr längere Schlangen vor dem Eingang, folglich konnte sich auch der gegen 20.45 Uhr startende Support nicht über zu wenig Publikum beklagen.

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Sündenrausch kommen aus Hamburg, bestehen im Studio aus zwei und live aus vier Mitgliedern. Für die Songs zeichnen die mit einer sehr hellen Stimme ausgestattete Sängerin Kira und Gitarrist Michael verantwortlich. Als „schwarzromantische Pop-Metal-Kompositionen“ bezeichnet das Duo den Sound – eine akkurate Beschreibung. Das klingt in den schlechteren Momenten nach Schlagergoth-Kitsch mit genretypisch simplen Texten, Vokabeln und Reimen, in den besseren Momenten nach einer deutschsprachigen Version von The Birthday Massacre. Die Meinungen im Publikum gingen dem Vernehmen nach ähnlich auseinander, nach neun Stücken machten Sündenrausch dann die Bühne für den Hauptact frei, der wenig überraschend deutlich stärkere Reaktionen zog.

Setlist SÜNDENRAUSCH @Oberhausen, Kulttempel (20.04.2018)

01. Cinderella
02. Heroin
03. Böser Wolf
04. Freier Fall
05. Feuerregen
06. Serenia
07. Winter
08. Schwarz wie Ebenholz
09. Wunderland

Die Unzucht-Konzerte dieser Tour standen ganz im Zeichen des Debütalbums Todsünde 8. So wurde die Platte in voller Länge gespielt. Einige Singles der LP sind ohnehin aus den Live-Sets nicht mehr wegzudenken, andere Stücke feierten nach einer gefühlten Ewigkeit ihr Bühnen-Comeback und empfahlen sich dabei nachhaltig für weitere Einsätze in der Zukunft. Denn egal ob Auf Sturm oder Engel der Vernichtung, Das belgische Inferno oder Kleine geile Nonne, Schwarzes Blut oder der Titeltrack – die Hit-Dichte auf Todsünde 8 ist beeindruckend. Nach dem hochatmosphärischen Wie alles anfing, welches als eigentliches Album-Ende als Live-Opener eingesetzt wurde, wurde zu druckvollem Sound zwischen Stakkato-Gitarren und Blubber-Synthies gut eine Stunde getanzt, gerockt, geschrien und laut mitgesungen. Bombastische Stimmung im gut gefüllten Rund – ein Geburtstagsständchen für Gitarrist De Clercq, der am Vortag wieder ein Jahr älter wurde, war auch noch drin.

Doch das konnte es natürlich noch nicht gewesen sein. Mit Widerstand, Lava und Ein Wort fliegt wie ein Stein folgten nach einer kurzen Verschnaufspause drei Stücke des bärenstarken aktuellen Albums Neuntöter, bevor der Rosenkreuzer-Doppelpack aus Nur die Ewigkeit und Mit dir oder ohne dich die Show nach knapp 100 mitreißenden Minuten beschloss. Seltsam nur der vollständige Verzicht auf Songs des dritten Albums Venus Luzifer. Wie dem auch sei: Sänger Schulz forderte Oberhausen auf, Krach zu machen – und Oberhausen machte Krach! Ein rundum gelungener Auftritt, der wieder einmal zeigte, warum sich die Hannoveraner in den letzten Jahren eine stetig wachsende Fanbase erspielen konnten. Ob der Kulttempel bei einer weiteren Rückkehr der Unzucht vielleicht sogar „ausverkauft“ melden kann?

Setlist UNZUCHT @ Oberhausen, Kulttempel (20.04.2018)

01. Wie alles anfing
02. Allein
03. Engel der Vernichtung
04. Das belgische Inferno
05. Auf Sturm
06. Während wir uns verlieren
07. Unzucht
08. Meine Liebe
09. Todsünde 8
10. Der letzte Tanz
11. Deine Zeit läuft ab
12. Ungesicht
13. Schwarzes Blut
14. Kleine geile Nonne
15. Widerstand
16. Lava
17. Ein Wort fliegt wie ein Stein
18. Nur die Ewigkeit
19. Mit dir oder ohne dich

Galeriebilder: Peter Bernsmann

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Geschrieben von
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