CYPECORE – Heidelberg, halle02 (07.04.2018)

Cypecore, © Christian Daumann
Geschätzte Lesezeit: 4 Minute(n)

Aus der Zukunft in die Pit. Mit ihrem vierten Album The Alliance haben sich Cypecore nicht nur aus dem Jahr 2133 in die Gegenwartscharts gerockt. Bei der gleichnamigen Tour begeisterte die Band aus dem Großraum Mannheim Fans der ersten Stunde und rekrutierte neue JĂŒnger fĂŒr einen musikalischen Trip in die Postapokalypse, wo Melodic Death und Cyberthrash (Eigenbeschreibung) nach dem Ende des dritten Weltkriegs zum Abgesang auf die Menschheit einstimmen. Die endzeitliche Cyberpunk-Geschichte gehört bei Cypecore genauso dazu wie die extravaganten Outfits der Bandmitglieder, die modisch zwischen „Mad Max“ und „Tron: Legacy“ angesiedelt sind. Das Szenario mag pessimistisch sein, doch beim Abschluss der The Alliance Tour zuckte vor allem Lebensfreude durch ĂŒber 500 Zuschauer in Heidelbergs halle02. Das Publikum aus Metallern, Gothics und Rockern von Jung bis Alt konnte sich daneben mit Johnny Deathshadow und The Prophecy 23 ĂŒber satten Support freuen. Metal-Party!

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Zum Auftakt sorgen Johnny Deathshadow aus Hamburg mit Songs vom Debutalbum Bleed With Me (2016) fĂŒr die ersten Stimmungsspitzen. Die zu TotenschĂ€deln geschminkten Gesichter der Bandmitglieder machen vor einem schlicht in Schwarz gehaltenen Backdrop einen guten Eindruck, musikalisch bewegt sich die Band zwischen Industrial Metal und Gothic Rock. Klanglich erinnert das an (neue) Combichrist, Rob Zombie und Pain, das anfangs zögerliche Publikum wĂ€chst im Laufe des Auftritts. Johnny Deathshadow, die ĂŒbrigens wie Cypecore beim Wacken 2017 die Wasteland Stage bespielten, mögen bisweilen noch als Newcomer gehandelt werden. Doch die Band hat auch in Heidelberg ihre Fans im Publikum, die sich spĂ€ter am Merch freuen, ihre Idole persönlich zu treffen. Und ganz im Sinne einer „Alliance“ sitzt Drumtech Timo Ketsch, zugleich Drumtech von Cypecore bei Apocalypse Trigger am Schlagzeug und gibt spĂŒrbar alles!

Setlist JOHNNY DEATHSHADOW @ Heidelberg, halle02 (07.04.2018)

01. Shadow
02. Bleed with me
03. Black Clouds, Dark Hearts
04. Sleeper
05. Apocalypse Trigger (feat. Cypecore Drummer Tobias Derer)
06. Ghost
07. Kill the Lights

Bleed With Me

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4.6 von 5 Sternen (9 Kundenbewertungen)

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Wo bei Johnny Deathshadow edles Schwarz vorherrschte, ist nun grelles GrĂŒn angesagt: die Erkennungsfarbe der selbsternannten Thrash Death Party Action Metaller von The Prophecy 23. Kurz nachdem die Heilbronner die BĂŒhne ohne Schnickschnack stĂŒrmen, dĂŒrfte sich der ein oder andere Konzertbesucher gefragt haben, ob es wirklich eine gute Idee der halle02 war, den Konzertsaal fĂŒr die Veranstaltung zu verkleinern (ja, war es). Denn der Raum platzt aus allen NĂ€hten. In den vorderen Reihen macht sich eine moshbereite Meute fĂŒr den bierseeligen Tanz im Pit bereit, im hinteren Teil des Raums quetschen sich NachzĂŒgler an Merch-Stand und Bar vorbei, um in der letzten Ecke Platz zu finden. Ein Blick auf die Setlist verrĂ€t, dass sich die Band nicht sonderlich ernst nimmt und mit fast schmerzhaftem Augenzwinkern agiert. Aber die PrĂ€sentation sitzt, die Musik prescht mir Druck danieder und man nimmt der Band ab, dass sie Spaß hat und dass ihnen dieser wichtig ist. Spaß am Spielen, Spaß am Posen, Spaß am Publikum, Spaß mit dem Publikum. Der Funke springt sofort ĂŒber, was auch an den zahlreichen Fans liegt. TatsĂ€chlich lĂ€sst die Dichte an The Prophecy 23 Shirts im Saal darauf schließen, dass die ĂŒberaus gut gelaunten Thrash Metaller den Status des heimlichen Headliners einnehmen. Bandmaskottchen Pit Laserbeam, eine prollige Frohnatur im grĂŒn angemalten Muskelanzug, muss nicht sonderlich viel tun, um das wiederholt Prophecy…Prophecy…Prophecy johlenden Publikum anzufeuern. Die ersten Crowdsurfer machen sich bereit und das gute alte Hinsetz-und-Spring-Ritual wird zelebriert. Thrash Death Party Action Metal? Genau das wurde geboten.

Setlist THE PROPHECY 23 @ Heidelberg, halle02 (07.04.2018)

01. Tough, Cool And Here To Mosh (Intro)
02. Brutal Thrash Maniac
03. From The Basement To The Pit
04. Pit Laserbeam
05. Home Is Where You Shred
06. Tape Trading Like A Boss
07. Green Machine Laser Beam
08. Party Like It’s ’84
09. No Beer – What A Mess
10. The Ballad Of Old School Metal (Outro)

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WĂ€hrend die Uhren auf der BĂŒhne zum Soundcheck auf Endzeit 21.00 Uhr umgestellt werden, erklingt aus den Lautsprechern I Don’t Want To Set The World On Fire der The Ink Spots. Das Lied aus den 1940ern fand seinen Weg auf den Soundtrack von Fallout 3, ein postapokalyptischen Rollenspiel. Insofern ein stimmiges Vorspiel zum Auftritt von Cypecore, deren BĂŒhnenbild vom erhöhten Drumkit und riesigen Scheinwerfern bestimmt wird. Einige Besucher haben sich mit Knicklichtern dekoriert, das ausgefallenste Accessoire sind jedoch wie zu erwarten die Musiker selbst, die pĂŒnktlich die BĂŒhne betreten. Gasmaske, SchlĂ€uche, Schutzbrille, Panzerjacke mit im Takt blinkenden LEDs. Das braucht es, um der nuklearen Strahlung der Postapokalypse zu entgehen. Gestrahlt wird heute Abend aber vor allem im Publikum. Zum Opener The Alliance werden kollektiv die FĂ€uste und Devil’s Horns in die Luft gerissen, das Publikum singt „Break the silence ‚cause we are one. We are the alliance ‚cause we are one.“ Es ist laut und spĂ€testens jetzt ist klar, warum man sich heute Abend in dem zunehmend nach Schweiß riechenden Saal versammelt hat. Abgesehen von notorischen Bewegungsverweigerern und Smartphone-Fetischisten wackeln fast ĂŒberall die Köpfe, wĂ€hrend sich Cypecore durch das aktuelle Album sowie Identity und Take the Consequence spielt. Worte richtet die Band kaum an das Publikum, dafĂŒr filmt SĂ€nger Dominic Christoph ein Selfie-Video mit dem Smartphone eines Fans und verteilt GhettofĂ€uste in der ersten Reihe: Cyberhandschuh trifft auf Menschenhand. Der von Double-Bass-Attacken getriebene Moshpit wird immer grĂ¶ĂŸer und zieht irgendwann unvermeidbar auch umstehende Besucher in Mitleidenschaft. Wer nicht flĂŒchtet, macht mit. Warum also nicht gleich eine Wall of Death und ein Circle Pit? Beides wird der Abend noch sehen. Ein ganz besonders eifriger Crowdsurfer lĂ€sst sich mehrfach ĂŒber die Köpfe des Publikums tragen und verschĂŒttet sein Bier dabei. Zum Ende des Konzerts erscheinen Johnny Deathshadow mit Lichterketten umwickelt zuerst auf der BĂŒhne und dann im Publikum, derweil hat sich das Mikro von Frontmann Dominic Christoph verabschiedet und die Zugabe Dissatisfactory verliert dadurch ein wenig an Biss. Umso befreiender, als Cypecores Stimme dank AustauschgerĂ€t wieder ertönt um dann mit Saint of Zion einen gelungenen Konzertabend gegen 22.15 Uhr abzuschließen.

In der halle02 finden an diesem Abend parallel und im Anschluss eine weitere Veranstaltung statt. Mit ganz, ganz anderer musikalischer Begleitung. Ein ulkiges Bild, wenn eine dominant schwarz gewandte, mitunter schweißverklebte Menschengruppe aus dem Jahr 2133 auf eine Gegenwart aus Glitzerkleid und Prosecco trifft.

Setlist CYPECORE @ Heidelberg, halle02 (07.04.2018)

01. Intro
02. The Alliance
03. WTWMS
04. Reject the Stream
05. Identity
06. Values of Life
07. Dreamsmasher
08. New Dawn
09. Values of Death
10. My Confession
11. The Hills have Eyes (Z)
12. Lie of Redemption (Z)
13. Dissatisfactory (Z)
14. Rememberance (Z)
15. Saint of Zion (Z)

The Alliance

Preis: EUR 14,99

4.7 von 5 Sternen (9 Kundenbewertungen)

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Weblinks:

Cypecore Homepage: http://www.cypecore.com/
The Prophecy 23 Homepage: https://theprophecy23dotcom.wordpress.com/start/
Johnny Deathshadow Homepage: http://johnnydeathshadow.com/

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