KETTCAR РKöln, Palladium (03.02.2018)

Kettcar, © Jan Focken
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    K√∂ln hat so viele gute Singer-Songwriter zu bieten, dass sich Kettcar durchaus mal die Frage gefallen lassen m√ľssen, warum man denn ausgerechnet Fortuna Ehrenfeld nicht nur auf die B√ľhne, sondern auch auf das hauseigene Label Grand Hotel van Cleef genommen hat. Ein Opener-Act soll die Besucher eher anheizen als einschl√§fern. Letzteres hat Martin Bechler – mit seiner zugegeben f√§higen Band – nahezu geschafft. Seichtes Liedermachen mit starkem wie nervigem Elektro-Einschlag, dazu gehauchtes Nuscheln. Sorry, nein Danke. Die Texte sind zwar stellenweise clever und die Band tight, ABER: Wenn Bandleader Bechler „Ich w√ľnsch‚Äė mir einen Rapper mit Tourette-Syndrom“ ins geplagte Mikro kr√§chzt, dann w√ľnsche ich mir das auch. Weil dann wenigstens mehr Unterhaltung auf der B√ľhne w√§re. Und ganz ehrlich: eine Federboa und Pyjama sind bei einem Mittf√ľnfziger nicht mal auf gebrochen-ironische Weise witzig.

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    Danach gab es die Erl√∂sung: Kettcar. Die Hamburger fanden nicht nur ein ausverkauftes Haus vor (laut Aussagen der Band mit 4.000 Besuchern die bisher gr√∂√üte Einzel-Show), sondern auch ein singfreudiges wie textsicheres Publikum. Dieses war bereit und hungrig auf die Band, die sich – bis auf eine Album-Show im vergangenen November – ein paar Jahre nicht auf der B√ľhne hat blicken lassen. Und auch Kettcar hatten richtig Bock, was mit jeder Note, jedem Schlag, jeder Zeile und Ansage zu sp√ľren war. Es ist unglaublich sch√∂n zu sehen, und vor allem zu sp√ľren, wenn Band und Publikum sich so einig sind und Lieder √ľber Hoffnung, Liebe, Verrat, Hass und einfach alle Emotionen, die das Leben pr√§gen, gemeinsam feiern. Dabei haben Kettcar wirklich keinen „Hit“ ausgelassen und mit tighter Inbrunst die bekannten wie beliebten Songs √ľber Balkons, Br√ľcken und tanzende B√§ren gespielt. Wenn 4.000 Menschen Balu singen und dabei Frontmann Marcus Wiebusch nahezu √ľbert√∂nen, dann ist G√§nsehaut so unvermeidlich wie willkommen. Als w√§re die Pr√§senz des musikalischen F√ľnfers nicht schon genug, wurden zu den Liedern passende Bilder auf eine Leinwand hinter der Band projiziert. Neben den offiziellen Musik-Videos beispielsweise zu Sommer ’89 oder Ankunftshalle vom aktuellen Album Ich vs Wir, gab es auch Material zu weiteren Songs, oder bei ruhigeren S√ľcken einen Sternenhimmel. Das Sahneh√§ubchen im Zugabe-Block war Der Tag Wird Kommen von Wiebuschs Solo-Album. Und selbst danach gab es mit Den Revolver Entsichern noch einen „Rausschmei√üer“. Kettcar bedankten sich sichtlich herzlich beim Palladium. Aber vor allem hat auch K√∂ln zu danken. F√ľr eine fantastische Band, die sympathisch und bodenst√§ndig ist, mit viel Herz und herrlicher Attit√ľde ihre gro√üen wie kleinen Songs rockt. Danke Kettcar. Und wenn Ihr das n√§chste mal einen hiesigen Rundfunk-Sender anhabt, denkt daran: „Wenn Du das Radio ausmachst, wird die Schei√ümusik auch nicht besser.“

    Ich vs. Wir

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    P.S. Der Autor dieser Zeilen hat als Fan bereits einige Kettcar-Konzerte besucht. Dieses im Palladium zu Köln war jedoch bisher das emotionalste, schönste und beste.

    Setlist KETTCAR @ Köln, Palladium (03.02.2018):
    1. Trostbr√ľcke S√ľd
    2. Balkon gegen√ľber
    3. Graceland
    4. Money Left to Burn
    5. Sommer ’89 (Er schnitt L√∂cher in den Zaun)
    6. Wagenburg
    7. Rettung
    8. 48 Stunden
    9. Balu
    10. Benzin und Kartoffelchips
    11. Tränengas im High-End-Leben
    12. Kein Außen mehr
    13. Im Taxi weinen
    14. Mannschaftsaufstellung
    15. Ankunftshalle
    16. Deiche
    17. Auf den billigen Plätzen (Z)
    18. Der Tag wird kommen (Marcus Wiebusch Cover) (Z)
    19. Ich danke der Academy (Z)
    20. Landungsbr√ľcken raus (Z)
    21. Den Revolver entsichern (ZZ)

    Fotograf: Jan Focken

    Geschrieben von
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