DARK STORM FESTIVAL 2017 – Chemnitz, Stadthalle (25.12.2017)

Fotos: DARK STORM FESTIVAL 2017 - Headquarter Stage
Blutengel © Jana Breternitz
Geschätzte Lesezeit: 8 Minute(n)

Man kann schon sagen – traditionell – wurde es in Chemnitz zum ersten Weihnachtsfeiertag wieder schwarz. Es war ja auch “Dark Storm-Zeit”. Bereits zum 21. Mal öffneten sich pünktlich die Pforten und die Menschen strömten in die Stadthalle. Trotz intensiver Kontrollen ging der Einlass relativ schnell vonstatten. Auch dieses Jahr hatten sich wieder 13 Bands zum Festival angekündigt, welches Blutengel als Headliner beschließen würde.

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Aber erst einmal ging es mit dem Opener los: Palast! Gleich zu Beginn des Festivals konnte Palast doch den Headquarter gut füllen, bedenkt man, dass noch neun Stunden vor den Fans lagen. Pünktlich um 16:00 Uhr hallte poppiger Electro-Rock, geprägt von der Musik der 80er, durch den großen Saal der Stadthalle: sehr eingängig und mit Ohrwurm-Charakter. Gerade Mirror Mirror blieb gerne im Ohr hängen. Eine äußerst sympathische Truppe, deren Frontmann sich wundert, wie viele Leute heute kein Weihnachten feiern wollten. Umso besser für Palast, sonst wäre heute ja auch keiner hier!

Setlist PALAST @ Dark Strom Festival (25.12.2017):

01. Shut the door
02. Just friend
03. She can dance
04. Get me
05. Strong
06. Mirror Mirror
07. Hush

Mit Destin Fragile startete im Second Floor eine schwedische Band, die wir prinzipiell an diesem Abend sogar zweimal zu sehen bekommen sollten . Destin Fragile ist nämlich ein Nebenprojekt von Pontus Stålberg, den viele eher von Spetsnaz kennen, die später auch noch spielen sollten. Das Projekt wurde 1993 ins Leben gerufen und lag jahrelang auf Eis. Ihr Debütalbum Halfway To Nowhere erschien erst 2015. Destin Fragile ist poppiger und tanzbar gehalten. Run away klingt z. B. wie Musik aus den 80ern, was sehr gut bei den Besuchern ankam. Mittlerweile komplettieren Stefan Niellson und Daniel Malmöf das Trio. Die Fans in den ersten Reihen waren vor allem wegen Pontus angereist, entsprechende Outfits und Textsicherheit sprechen dafür.

Setlist DESTIN FRAGILE @ Dark Storm Festival (25.12.2017):

01. In your Eyes
02. Alive
03. April Light
04. Do You Remember
05. Worlds Apart
06. In Plain Sight
07. Change
08. Run Away

In der Zwischenzeit startete auf der Headquarter Stage Erdling und damit auch ein etwas anderer Musikstil. Erdling performen deutsch und sind eher der Neuen Deutschen Härte zugeordnet. Die Jungs rund um Neill Freiwald sind eine relativ junge Band und sie gründeten sich erst 2015. Erfahrungen im Business haben einige von ihnen aber vorher schon gesammelt. als Teil der Band Stahlmann.
Zwei Alben haben Erdling schon veröffentlicht und spielten daraus einen Mix. Der Titel ihrer ersten EP Blitz und Donner beschließt das kurzweilige Set.

Setlist ERDLING @ Dark Strom Festival (25.12.2017):

01. Mein Element
02. Aus den Tiefen
03. Es gibt dich nicht
04. Soldat
05. Absolutus Rex
06. Frei wie der Wind
07. Phönix
08. Blitz und Donner

Inzwischen war der Second Floor sowas von voll, das konnte nur gut werden: Faderhead standen auf der Bühne. Die Stimmung war von Anfang an super. Die Leute gingen mit und genossen den guten und teilweise recht harten Electro-Pop. Wenn mehr Platz gewesen wäre, hätten die Leute sicher alle getanzt. Die Nähe zu Depeche Mode ist bei Faderhead nicht zu verkennen, jedoch schafft es die Band, ihren ganz eigenen Stil zu formen. Man sah dem Frontmann Sami Mark Yahya an, dass er sich auf der Bühne sauwohl gefühlt hat. Zwischenzeitlich erklangen mit Vanish ruhigere und langsamere Töne. Aggressive Vocals wie bei No gods, no Flags, no bullshit durften jedoch auch nicht fehlen. Das machte durchweg Spaß! Faderhead wird mit ihrem aktuellen Album Night-Pysics im Frühjahr auf Deutschland-Tour gehen.

Setlist FADERHEAD @ Dark Storm Festival (25.12. 2017):

01. Escape Gravity
02. Generation Black
03. Know Your Darkness
04. When The Freaks Come Out
05. Every Hour Kills
06. Destroy Improve Rebuild
07. Dancers
08. Vanish
09. Noise.Voices.Noise.Silence.
010. Sick City
11. No Gods, No Flags, No Bullshit
12. TZDV

Fast zeitgleich mit Faderhead begannen auch She Past Away ihre Show auf der Headquarter Stage. Leider war deswegen der große Saal nicht einmal halbvoll. Davon ließen sich aber die beiden türkisch-stämmigen Jungs nicht irritieren und zogen ihre Show durch. Sie sind sowieso eher zurückhaltend auf der Bühne und leben ganz für ihre Musik, die man durchaus genießen kann.

Setlist SHE PAST AWAY @ Dark Storm Festival (25.12.2017):

01. Belirdi Gece
02. Sanri
03. Katarsis
04. Ruh
05. Ritüel
06. Kasvetli Kutlama
07. Boz
08. Insanlar

In einer kurzen Umbaupause von 20 Minuten hatten die Besucher endlich Gelegenheit zu verschnaufen, etwas zu essen, zu trinken oder sich mal bei den einzelnen Merch-Ständen der Bands draußen im großen Flur der Stadthalle umzusehen und mit Devotionalien einzudecken.

Frisch gestärkt war die Headquarter-Stage danach bereit für die Grausamen Töchter. So speziell der Name klingt, so speziell war, was uns auf der Bühne erwartet hat. Der Anfang der Show ging im allgemeinen Erstaunen unter. Die Sängerin der Band Aranea Peel drückte ihrer Kollegin eine Zigarette am Hals aus! War das noch Probe? Oder schon Show? Keiner schien es so recht zu wissen. Danach setzte zumindest auch die Musik ein und es wurde noch krasser. Die Musik klingt für mich eher wie kindliche Reime, auch wenn der Stil dem Industrial, Punk und Techno zugerechnet wird. Wenn man sich die Texte aber mal genauer anhört, merkt man schnell, dass da viel über Beziehungskonflikte, Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper oder auch Sadomasochismus gesungen wird. Harter Tobak. Die Bühnenshow ist schon sehenswert, so dass zum Ende hin sogar um Zugabe geschrien wurde. Obwohl die Grausamen Töchter sehr speziell sind, hat es den Zuschauern doch gefallen.

Weiter ging es fast zeitgleich auf dem Second Floor mit Spetsnaz. Die nach einer russischen Spezialeinheit benannte Band hat sich vor allem durch EBM-Bands wie DAF inspirieren lassen. Heute Abend war der Second Floor trotz Konkurrenz im Headquarter mit den Grausamen Töchtern brechend voll. Die Musik ist poppig und tanzbar, jedoch sind die Beats und Vocals schärfer gehalten als bei Destin Fragile. Man hört deutliche Unterschiede. Schade, dass der Platz im kleinen Saal so begrenzt war, es hätten sonst noch viel mehr getanzt. Es war eine Freude, Ponus Stålberg beim Performen zuzuschauen. Immer wieder wechselte er die Bühnenseite und wurde von seinem Partner Stefan Niellson durch den Takt der E-Drums angetrieben. Knapp 50 Minuten dauerte seine Performance und wurde durch That Perfect Body abgeschlossen. Dem kann man jetzt auch so nicht widersprechen!

Setlist SPETSNAZ @ Dark Storm Festival (25.12.2017):

01. Nothing But Black
02. Degenerate Ones
03. Allegiance
04. Free Fall
05. Faustpakt
06. Kindred
07. Man God
08. Apathy
09. Truth
10. On the Edge
11. Reign Of Wolves
12. That Perfect Body

Weiter ging es schon wieder ohne Pause auf der Headquarter-Stage. Hocico aus Mexiko hatten sich auf den weiten Weg nach Chemnitz gemacht. Und es wurde auch gleich interessant: zwei schwarze Engel standen jeweils mit einer Pauke auf der Bühne, die Sticks leuchteten am Ende rot, viel mehr sah man nicht. Die Mexikaner, die teilweise englisch und spanisch singen, ließen ihre schwarzen Engel im Takt der treibenden Beats die Trommeln bearbeiten, um ihnen dann mit Orgelklängen eine Pause zum Erholen zu lassen. Dann begann die eigentliche Show. Der Gesang von Frontmanns Erik Aicrag, wie üblich verzerrt und aggressiv. Er lehnt Religion ab und singt über seine Heimat auch schon mal sozialkritisch. Die Bühnenshow hatte schon was, wenn Erik mit einer Maske aus Metall mit Hörnern auf dem Rücken über die Bühne sprang. Die Band kommt sicher gerne nach Deutschland, hat sie doch hier ihre größte Fangemeinde weltweit. Dementsprechend war die Headquarter auch brechend voll. Sie touren viel, so waren sie schon mehrfach beim WGT, Mera Luna und beim Amphi.

Setlist HOCICO @ Dark Storm Festival (25.12.2017):

01. De´ja vu Sinistro
02. Relentless
03. Sex Sick
04. Bite Me!
05. I Abomination
06. Poltergeist
07. Dead Trust
08. Forgotten Tears

Eine Pause zum Erholen hätte man sicher nach dieser sehr fordernden Musik von Hocico gebraucht, aber zwischenzeitlich hatten auf dem Second Floor schon Solar Fake pünktlich ihre Show begonnen. Auch hier wieder super voll: Solar Fake waren für die vielen Fans hier vor Ort sicherlich der heimliche Headliner. Die Stimmung ging sofort ab, kaum dass die ersten Töte erklungen waren. Keyboarder Andre Feller forderte das Publikum und die Massen ließen sich nicht lange bitten und sangen mit. Absolut textsicher, bejubelten sie jedes angesagte Lied frenetisch. Solche Leute nenne ich Fans! Der Frontmann Sven Friedrich genoss seinen Auftritt. Die Musik ist Synth-Pop vom Feinsten. Solar Fake tourten schon als Support für VNV Nation, Projekt Pitchfork und Peter Heppner. Eine eigene Headliner-Tour war sogar teilweise ausverkauft. Am heutigen Abend hielten sie einen bunten Mix ihrer Alben bereit. Egal was gespielt wurde, die Fans sangen mit. 2018 soll auch ein neues Album erscheinen, was von den Fans natürlich heiß erwartet wird. Das letzte ist dann auch schon wieder drei Jahre her.

Setlist SOLAR FAKE @ Dark Storm Festival (25.12.2017):

01. Not what I wanted
02. Under Control
03. Here I stand
04. All The Things You Say
05. In Don’t Want You In Here
06. Reset To Default
07. More Than This
08. Parasites
09. The Pain That Kills You Too
10. Papillon
11. Observer
12. Where Are You

Und weiter ging’s auf der Headquarter-Bühne. Dort erwartete uns wieder etwas anderes, nämlich Lord Of The Lost. Die fünf Musiker um Chris „The Lord“ Harms vertreten eher den Dark Rock und Dark Metal und das hört man dann auch. Beeinflusst von Rammstein und Marylin Manson nennt der Lord einen sehr gepressten und aggressiven Gesang sein Eigen. Die Stimmung war grandios, die Band bekannt, nicht nur die Fans waren begeistert. Der Frontmann hatte zwar mit kleineren technischen Problemen zu kämpfen, als an seiner Gitarre die Seiten rissen und er mitten im Lied eine neue bekam, aber er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Als er sich dann auch noch seine Jacke ausziehen wollte und er es aber trotz Helfer hinbekam, hätte man meinen können: nun flippt er aus. Nein, im Gegenteil, er sang nebenbei sogar noch gemütlich weiter. Als er sie dann doch endlich ausgezogen hatte, rief er selbstironisch „Ich bin frei!“ – bewundernswert so eine Geduld …

Der Umbau auf der Headquarter-Bühne von Lord Of The Lost dauerte dann doch etwas länger als geplant. Project Pitchfork konnten so erst 10 Minuten später anfangen. Das tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Ich glaube, die meisten Fans waren wegen dieser Band angereist, kein Wunder, Pitchfork sind eine Legende. Selbst der große Saal der Stadthalle konnte die vielen Leute nicht fassen. Auf der Bühne herrschte auch ganz schöne Gedränge: Gleich drei Schlagzeuge standen auf einer Empore, darunter viel leere weiße Fläche, auf der später Platz für eine Lichtshow sonders gleichen war. Die Musik für diesen Abend auszuwählen, muss doch ziemlich schwierig gewesen sein. Project Pitchfork haben schon so viele Alben herausgebracht. Davon gab es heute Abend eine kleine Auswahl: Angefangen von Alpha Omega (1995), über Rain (2013) und Titanes vom letzten Album (2016) Look Up, I’m Down Here. Zum Schluss gab’s noch Blood-Thirst (2014). Die Massen waren absolut zufrieden.

Fans aufgemerkt: Project Pitchfork gehen im März/April 2018 wieder auf Tour.

Setlist PROJECT PITCHFORK @ Dark Strom Festival (25.12.2017):

01. Alpha Omega
02. Beholder
03. Conjure
04. Rain
05. Timekiller
06. Titânes
07. Souls
08. Human Crossing
09. Volcano
10. The Queen Of Time And Space
11. I Am (A Thought In Slomotion)
12. Endzeit
13. Onyx
14. Blood – Thirst

Noch einmal haben wir die Bühne gewechselt , Project Pitchfork hatten ihre Show noch nicht ganz beendet, da starteten auf dem Second Floor Leather Strip. Claus Larsen aus Dänemark gründete diese Band bereits 1988  als Soloprojekt. Seit 2010 begleitet ihn Kurt Grünewald als Live-Keyboarder, wie auch an diesem Abend. Der kleine Saal war zwar nicht ganz so proppevoll wie bei Solar Fake, aber trotzdem gut gefüllt. Claus Larsen eröffnete seine Show mit Don’t Scream At Me, der Rhythmus der Musik ließ die Fans zwar nicht mitschreien, dafür aber auf jeden Fall mitsingen und tanzen. Die 60 Minuten vergingen so im Fluge, bis der eigentlich englisch singende Däne auch mal „Ich danke dir“ in Kiss My Deutschland sang. Die Show kam gut an, der sympathische Däne hatte sicher an diesem Abend den einen oder anderen Fan dazu gewonnen.

Setlist LEATHER STRIP @ Dark Strom Festival (25.12.2017):

01. Don’t Scream At Me
02. White As Chalk
03. Civil Disopedience
04. Black Gold
05. Strap Me Down
06. Adrenalin Rush
07. Body Machine Body
08. I Am Your Conscience
09. Japanese Bodies
10. Evil Speaks
11. Kiss My Deutschland

Zu guter Letzt hieß es den Headliner des Abends genießen. Dieses Jahr war das Blutengel. Da Leather Strip noch immer auf dem Second Floor spielte, hatte sich so mancher sicher schwer getan mit der Entscheidung, welche Band er sich zum Schluss nun anschauen sollte. So voll wie bei Project Pitchfork war es dieses Mal in der Headquarter nicht. Trotzdem war die Stimmung von Anfang an super, die Bühnenshow begann mit Frauen in Umhängen, die Fackeln vor sich her trugen. Chris Pohl hat schon was charismatisches, wie er mit ausgebreiteten Armen dort auf der Bühne stand. Wenig später erschien dann auch noch ein schwarzer Engel, der zwei Nonnen langsam entkleidete. Dazu sangen Chris und seine Partnerin Ulrike Goldmann passend Black, gefolgt von Dein Gott und Kein Gott – Kein Glaube. Die Bühnenshow war vor allem etwas für’s Auge. Blutengel singen ja auf Deutsch und Englisch. Das tut jedoch dem Stil der Musik überhaupt keinen Abbruch. Die Fans waren begeistert von ihrem Headliner. Blutengel waren ein toller Abschluss für ein schönes und gelungenes Festival zum Weihnachtsfest in Chemnitz.

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