THE BEAUTY OF GEMINA – Hamburg, Knust (18.11.2017)

THE BEAUTY OF GEMINA © Thomas Papenbreer
    Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

    Michael Sele hat eine neue Gitarre – eine zwölf-saitige, weiße Schönheit. Ein Pfau, der seit der Veröffentlichung von Minor Sun das Konterfei der Band schmĂŒckt, ist in Gold darauf angebracht. Die ersten Minuten des Konzerts gehören ganz allein dem KĂŒnstler und seiner Gitarre. Beide geben dem Publikum einen Vorgeschmack auf die kommenden zwei Stunden. Es sollte ein wundervoller, unvergesslicher Abend werden, bei dem nur eines im Mittelpunkt stehen sollte: die Musik in dunkler, virtuoser Vollendung.

    Das Konzert findet im Hamburger Knust statt. Viel Platz bietet der Klub in St. Pauli nicht. UngefĂ€hr 250 Menschen passen in den grĂ¶ĂŸeren Saal mit der winzigen BĂŒhne und der kleinen Galerie. Im Knust trifft sich aber schon immer die musikalische Weltelite – im Zweifel bevor diese zu mehrheitlicher BerĂŒhmtheit gelangt. Das war bei R.E.M. so, die 1984 hier ihre ersten Konzerte in Deutschland gaben, bei Heather Nova und bei Beck. Glaubt man an örtlich gebundenes Karma, besteht also noch Hoffnung fĂŒr The Beauty Of Gemina, die – misst man die Bedeutsamkeit einer Band an ihren Verkaufszahlen (es gibt Leute, die das tatsĂ€chlich tun!) – noch nicht ganz zur Weltspitze, aber zum Besten gehören, was es in den letzten Jahren im Spannungsfeld dĂŒsterer Musik zu hören gibt.

    Lass Dir den Beitrag vorlesen:

    Das Knust ist heute Abend auch nicht ausverkauft. 100 Besucher schĂ€tze ich grob und stelle mir die Frage, warum nicht mehr gekommen sind. Immerhin waren die Konzerte der Tour in den anderen StĂ€dten bisher deutlich besser besucht. Parallel zur BĂŒhne sind einige BĂ€nke aufgebaut worden. Wir sichern uns zwecks besseren Überblicks einen Logenplatz auf der Galerie. Die Stimmung ist ruhig, gediegen und beinahe familiĂ€r. Keiner ist dem anderen im Weg. Es gibt kein böses Wort. Die Stimmen sind gedĂ€mpft und die Augen leuchten. Jeder scheint zu wissen, dass die kommenden zwei Stunden etwas ganz Besonderes werden.

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    Dahingehend kann man sich auf The Beauty Of Gemina verlassen. Betrachtet man die Diskographie der Band, kann man eine stetige Steigerung der QualitĂ€t und Ausdifferenzierung des eigenen Profils sehen, die auf dem 2016 erschienenen Album Minor Sun zu einem vorlĂ€ufigen Höhepunkt reiften. Darauf folgte die Veröffentlichung des Live Mitschnittes im X-TRA Limmathaus in ZĂŒrich. SpĂ€testens hier konnte man sich von den Live-QualitĂ€ten und nicht zuletzt von den handwerklichen Fertigkeiten der Musiker ĂŒberzeugen. The Beauty Of Gemina sind zum Sinnbild dunkler VirtuositĂ€t geworden.

    FĂŒr ihre Silent Land Akustik Tour hat die Band sĂ€mtliche der prĂ€sentierten Songs noch einmal angefasst und fĂŒr das spezielle Set neue Perspektiven aus ihnen herausgekitzelt. Mittlerweile weiß ich schon gar nicht mehr,  in wie vielen unterschiedlichen Versionen ich Suicide Landscapes gehört habe. Bisher klang keine wie die andere und ich kann beileibe nicht sagen, welche die beste ist, obwohl die von heute Abend sicher ein AnwĂ€rter auf den Titel ist.

    Insgesamt drĂ€ngen sich sieben Musiker, arrangiert wie Origami, auf der kleinen BĂŒhne im Knust. Neben der Standardbesetzung von The Beauty Of Gemina: Andy Zuber (Bass), Ariel Rossi (Gitarre), Mac Vinzenz (Schlagzeug) und Michael Sele (Gitarre, Gesang, Klavier, Komponist, Dichter, Meister!) sind als Gastmusiker mit Raphael J. Zweifel (Cello) und Eva Wey (Violine) zwei bekannte Gesichter wieder mit dabei. Ganz neu mit der Band auf der BĂŒhne ist der IslĂ€nder EyjĂłlfur Porleifsson (Alt-Saxophon), vom dem uns Michael Sele zwar leider nicht verraten wollte, wo er ihn gefunden hat, der den Songs aber noch einmal eine ganz neue Schattierung verleiht.

    Selten habe ich Musiker erlebt, bei denen das Zusammenspiel so perfekt ist, die so wenig prĂ€tentiös agieren und so respektvoll miteinander und so sympathisch, rĂŒhrend zurĂŒckhaltend mit ihrem Publikum umgehen. Die zwei Stunden vergehen schnell, viel zu schnell. Aber man kann auch nicht erwarten, dass die KĂŒnstler eine Gesamtschau ihrer Werke spielen – obwohl der zarte Wunsch keimt.  Und so hinterlassen The Beauty Of Gemina neben der schier unstillbaren Sehnsucht nach mehr solcher magischen Momente auch eine grenzenlose Dankbarkeit, Teil dieser wundervollen Erfahrung gewesen zu sein. Danke!

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    Setlist THE BEAUTY OF GEMINA @ Hamburg, Knust (18.11.2017)

    01. Intro
    02. Narcotica
    03. Another Death
    04. Crossroads
    05. Suicide Landscapes
    06. Into Black
    07. Mariannah
    08. Down By The Horses
    09. Hunters
    10. Badlands
    11. In Silence
    12. Silent Land
    13. Personal Jesus (Depeche Mode cover)
    14. The Lonesome Death Of A Goth DJ
    15. Seven-Day Wonder
    16. Down On tÂŽThe Lane
    17. Darkness (Z)
    18. Endless Time To See (Z)
    19. Dark Rain (Z)
    20. Dark Revolution (Z)
    21. Listening Wind (Talking Heads cover, ZZ)
    22. Wonders (ZZ)

    Weblinks THE BEAUTY OF GEMINA:

    Official: http://www.thebeautyofgemina.com/
    Facebook: https://www.facebook.com/TheBeautyOfGemina/

    Geschrieben von
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