ROTERSAND – Hamburg, Markthalle (13.05.2017)

Fotos: ROTERSAND
Rotersand© Thomas Papenbreer
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Trotz der lauen, schon beinahe frühsommerlichen Temperaturen, durfte sich Hamburg an diesem Samstagabend auf ein donnerndes Electro-Gewitter freuen. Mit ihrem aktuellen Album Capitalism TM als Argumentationsverstärker und der noch beinahe jungfräulichen Formation Future Lied To Us als Verstärkung waren die Jungs aus dem Pott mehr als gewappnet, Funken der Euphorie in die doch als manchmal unterkühlt geltenden Eingeborenen der Hansestadt zu pflanzen.

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Ereignen sollte sich dieses verspätete Frühlingserwachen in der Hamburger Markthalle. Die beinahe schon legendäre Location blickt auf eine 40-jährige Event-Geschichte zurück, in der nicht nur über 2 Millionen Besucher eine tragende Rolle spielten, sondern auch Giganten wie Lemmy Kilmister, The Smiths und AC/DC wie Schlaglichter ihre Fußabdrücke und Auren hinterließen. Der über ein Jahrhundert alte Klinkerbau war an diesem Abend mit ungefähr 300 Fans gut, aber noch nicht klaustrophobisch gefüllt.

FUTURE LIED TO US

Den Anfang machten mit einem etwas übersichtlichen Set Future Lied To Us. Das kam aber nicht von ungefähr, absolvierten die Protagonisten dieser Electronic, Synth-Pop, Alternative Formation ihren Jungfernflug erst im Oktober letzten Jahres. Dabei sind Future Lied To Us, betrachtet man die Besetzung, längst keine unbeschriebenen Blätter mehr. Und so gab es für Leute, denen die Band selbst bis dahin kein Begriff war, ein unverhofftes Wiedersehen mit Tom Lesczenski ([:SITD:]) und Krischan J. E. Wesenberg (Rotersand). Der hatte an diesem Abend echt viel zu tun, was seiner aufgeräumten Stimmung aber keinen Abbruch gab.

Wenn man  Future Lied To Us Glauben schenken möchte, ist das Projekt teils Selbsttherapie, teils trotzige Hoffnung, gegenüber der entzauberten Musikindustrie, gegenüber wiederholtem Scheitern, gegenüber dem schönen, hohlen Schein. Nach fünf Songs, unter anderem dem in den Clubs bereits bekannten Faded Faces, war das Ganze auch schon vorüber.

ROTERSAND

Keine Zeit zum Trauern, denn die „Philosophen“ unter den deutschen Electro-Acts wurden vom Publikum bereits sehnsüchtig erwartet. Fast 15 Jahre hat das gelsenkirchener Future Pop, Progressive-Trance, Techno Projekt schon auf dem Buckel und hat sich dabei ein Repertoire feinster, chart-erprobter Electro-Sahnestücke erarbeitet, bei dem man aus dem Vollen schöpfen konnte.

Gespielt wurden also nicht nur Songs von der aktuellen, großartigen CD Capitalism TM, die im Übrigen live hervorragend funktionierten. Altgediente Fans mussten also nicht auf Brecher wie War On Error oder Exterminate, Annihilate, Destroy verzichten.

Immer wieder bemerkenswert bei Konzerten von Rotersand ist die Bühnenpräsenz von Rascal Nikov. Der sympathische Riese interagiert unablässig mit seinem Publikum, flirtet mit Blondinen in der ersten Reihe und scheut sich auch nicht die Botschaften seiner Songs mit passenden, zum Teil schrillen Accessoires und einer großen Portion Selbstironie zu transportieren. So war er beispielsweise bei dem Capitalism-Electric Elephant Songhybriden mit Federboa und einer Melone auf dem Kopf auf der Bühne unterwegs, um „auch mal den anwesenden Jungs etwas zu bieten“.

Überleitungen zum jeweils nächsten Song wurden nicht selten begleitet von nicht ganz ernst zu nehmenden Frotzeleien zwischen Rascal Nikov und Krischan J. E. Wesenberg. Der versteckte sich auch nicht die ganze Zeit hinter seinem Pult, sondern kam dann und wann hervor, um mit seinen Fans zu feiern. Uneins schienen sich beide zum Bespiel darüber zu sein, ob Akustik-Gitarren auf einem Elektro-Gig etwas zu suchen hätten und dass es sich Rascal Nikov lieber nur bei jedem zweiten Auftritt erlauben dürfe One Level Down zu spielen. Eine insgesamt runde und unterhaltsame Show!

Der 90 minütige mit einer Zugabe lancierte Auftritt bildete zugleich auch den vorläufigen Abschluss der Monkeys In A Tree Tour in Deutschland, bevor es nach einer längeren Sommerpause Ende August weiter raus nach Europa gehen wird. Wer Rotersand vorher live erleben möchte, hat auf dem diesjährigen WGT noch einmal die Chance.

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