SAVAGES – Köln, Luxor (03.03.2016)

Fotos: SAVAGES
Savages, © André Techert
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Hoch her ging es im ausverkauften Luxor mit den Savages, dem derzeit sehr gehypeten Damenquartett aus London. Den Anfang machten allerdings Bo Ningen, eine Noise-Rock/Acid-Punk Band, die ebenfalls in London ansässig ist. Bereits vor 10 Jahren dort gegründet, lärmen sich die vier Exil-Japaner seither mit Karatemoves und Material von drei Alben und zwei EPs durch die Clubs dieser Hemisphäre. Aufgrund der ewigen und lästigen Parkplatzsuche, der ich in Köln immer wieder zum Opfer falle, bekam ich leider nur das Schlussgetöse des Auftritts mit. Unser Fotograf war jedoch ziemlich begeistert und bezeichnete den Auftritt als einen der Besten, die er dieses Jahr gesehen hat.

Nach kurzer Umstrukturierung auf der Bühne ging es direkt mit Vollgas weiter. Savages legten mit Sad Person los und Sängerin Jehnny Beth, die eigentlich Camille Berthomier heißt, war sofort in ihrem Element. Die Frau mit der eigenwilligen Pomadenfrisur stand keine Sekunde still und scheute sich während der siebzehn Songs auch nicht vor Publikumskontakt. Kompletter Gegenpol war Gemma Thompson an der Gitarre, die regelmäßig vertrackte Noisesalven abfeuerte und dabei den ganzen Abend über keine Mine verzog. Sie verrichtete still ihre Arbeit und nippte gelegentlich an ihrem Rotwein, während Schlagzeugerin Fay Milton ausgelassen und lächelnd ihr Instrument bearbeitete und Bassistin Ayse Hassan unterdessen für ein ausgeklügeltes und drückendes Grollen sorgte, um zwischen Drums und Gitarre zu vermitteln. Slowing Down The World wurde mit den Worten „This is a slow, sexy song“ von Jehnny angekündigt. Da sich die Frau ihres Sexappeals offenbar mehr als bewusst war, öffnete sie kurzerhand den Reißverschluss ihres Oberteils, unter dem sie nur einen schwarzen BH trug. Damit war dann auch schnell die Ursache für den derzeitigen Klimawandel gefunden, denn die Temperatur im Luxor erhöhte sich schlagartig auf gefühlte 40°C. Zudem entledigte sie sich hin und wieder ihres glitzernden Stöckelschuhwerks und fegte barfuß über die Bühne. Allgemein war ihr Auftreten einschüchternd offensiv und fast schon aggressiv, wie sie sich von der Absperrung aus in die Menge lehnte und ihre Texte mit Augenkontakt stimmgewaltig in die Menge sang. Dabei wurde sie jedoch begeistert aufgenommen. Besonders, als sie sich gegen Ende in die Meute begab und auf den Händen ihrer Fans kniend Adore zum Besten gab. Ein gebührendes Ende fand der Abend mit dem Song Fuckers, bei dem sie von Bo Ningen unterstützt wurden: Denn hier wurde mit dem einprägsamen Credo „Don’t let the fuckers get you down“ nochmal eine sehr gesunde Lebenseinstellung gefeiert.

Setlist SAVAGES @ Köln, Luxor (03.03.2016):

01. Sad Person
02. City’s Full
03. Slowing Down the World
04. Shut Up
05. She Will
06. Husbands
07. Surrender
08. Evil
09. When In Love
10. I Need Something New
11. The Answer
12. Hit Me
13. No Face
14. T.I.W.Y.G.
15. Mechanics
16. Adore
17. Fuckers (mit Bo Ningen)

Fotos: André Techert

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