HURTS, MIAMIGO & TÜSN – Köln, Palladium (19.02.2016)

Hurts, © Markus Hillgärtner
Hurts, © Markus Hillgärtner
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Am 19. Februar 2016 luden Hurts an einer kalten Februarnacht ins Kölner Palladium, um ihr neues Album Surrender einem Publikum vorzustellen. Das Duo aus der englischen Arbeiterstadt hat stets seinen Sound erweitert und mit ihrem neuen Werk neben Synth- und Popelemente auch Soul mit einfließen lassen. Doch bevor der Headliner, der noch um 18:00 Uhr im Kölner Saturn zur Autogrammstunde lud, sich in die Herzen des Publikums spielen konnte, gab es zwei Vorbands, die sich vorstellen wollten.

Den Anfang machte die Berliner Electro-Pop-Formation TÜSN, die düster anmutend zum Klang von Kirchenglocken die Bühne betrat und anschließend ihre leidvollen und tiefgründigen Lieder zum Besten geben wollten, was der Band nur bedingt gelang, da der Pathos doch ein wenig zu stark im Vordergrund stand und somit wenig Freiraum für spontane Fan-Interaktionen ließ. Da können sich die jungen Künstler eine Scheibe von ihren Kollegen Hurts abschneiden, die zwar auch in Pathos gehüllte Lieder präsentieren, jedoch diesen als Produkt und nicht sich selbst verkaufen. Sich ein bisschen weniger ernst nehmen würde TÜSN gut tun, ansonsten laufen die Berliner Jungs Gefahr, eine leere Hülle bourgeoiser Werte zu bleiben. Die Band hat durchaus Potential, das beweist auch die Gewandtheit ihrer Texte, die raffiniert mit Wörtern spielen. Auch das Publikum konnten TÜSN nicht wirklich für sich gewinnen, der Applaus blieb eher ein Anstandsapplaus.

Die zweite Vorband, Miamigo, die Hurts auf vier Shows der Surrender-Tour begleiten, kamen in typischer Hipster-Manier auf die Bühne. Rein musikalisch brachten die Jungs in Schlabber-Tshirts einen organischeren Indie-Sound mit, was bei der Menge gut ankam, denn nach jedem Song wurde begeistert geklatscht und gejubelt. Statt Pathos gab es gute Laune, wofür die Fans ihnen dankbar waren. Man kann auch anspruchsvolle Musik spielen, ohne direkt unsichtbare Wände aufzustellen. Nach gut 25 Minuten räumten dann die Jungs die Bühne, um den Weg endlich frei für Hurts zu machen. Die Stimmung war mittlerweile euphorisch und hibbelig, schließlich würden bald Theo Hutchcraft und Adam Anderson samt Band auf der Bühne stehen.

An die Devotional-Tour erinnernd, trennte nun ein schwarz-transparenter Vorhang die Bühne von dem Publikum, was die Spannung rasant steigen ließ und andererseits auch ein schönes stilistisches Mittel war, um zu unterstreichen, dass das Folgende ein theatralisches Erlebnis sein wird. In großen weißen Buchstaben prangerte ein Beamer Surrender, auf Deutsch Kapitulation, auf den Vorhang, welcher erst nach dem ersten Lied fallen würde. Doch anstatt einer Kapitulation gab es viel eher eine Eroberung auf freiwilliger Basis. Gut gelaunt und mit einem großen Lächeln auf den Lippen betraten dann Hurts um kurz vor zehn die Bühne. Es war ein Podium für die Musiker aufgebaut, was nochmal unterstrich, dass Hurts live nicht nur Theo und Adam sind, sondern auch die Gastmusiker ein wichtiger Bestandteil des Konzerts sind. Wo bei den letzten Touren ein Opernsänger und eine Gruppe von weiblichen Tänzerinnen die Show geschmackvoll ergänzten, hatten Hurts dieses Mal zwei Soul-Sängerinnen mitgebracht, passend zu dem musikalischen Ausflug des neuen Albums. Leider wurden diese größtenteils von Theos Stimme übertönt, trotzdem fungierten sie als eine schöne Ergänzung und man konnte den zwei Musikerinnen den Spaß am Abend anmerken, da sie es sich nicht nehmen ließen, zu den Liedern mal ernsthaft, mal albern zu tanzen.

Pathos, Charme und weiße Rosen
Theo Hutchcraft, die charismatische Stimme von Hurts

Theo Hutchcraft, die charismatische Stimme von Hurts

Den Anfang des Konzerts machte das Gute Laune-Lied Some Kind of Heaven, das sofort das Eis brach und jubelnd vom Publikum empfangen wurde. Allgemein setzte sich die Setlist aus einer guten Mischung von neuen und alten Liedern zusammen, wobei natürlich die älteren Lieder, zu welchen Klassiker wie Wonderful Life und Stay gehören, am lautesten mitgesungen wurden. Jedoch offenbarte vor allem der Song Lights vom neuen Album das Potential, ein Publikumsliebling zu werden, denn er überzeugte mit tanzbaren, groovigen Klängen und es gab wohl kein Bein im Raum, das stillstand. Unterstrichen wurden die Lieder von einer atmosphärischen Lichtshow, die immer die Allgemeinstimmung des jeweiligen Liedes wiedergab – mal war die Band in rot wie die Liebe gehüllt, mal in kalten Blau- und Lilatönen der Melancholie. Trotz Pathos-gefüllten und kitschig-anmutenden Liedern verstand es der charismatische Theo Hutchcraft, der stilvoll im Anzug die Lieder seiner Band interpretierte, immer wieder das Publikum miteinzubeziehen. Einige Fanherzen schlugen wohl dann auch höher, als er während einiger Songs weiße Rosen in die Menge a la Bachelor schmiss – vor allem, wenn man dann eine der Blumen wirklich in den Händen hielt und somit ein schönes Erinnerungsstück an den Abend besaß. Am herausragendsten jedoch ist und bleibt Hutchcrafts Stimme, die nie einen falschen Ton trifft und zum Seelenbalsam und Flucht aus dem Alltag wird. Einmalig auf dieser Welt.

Als kleinen Hinweis: Man sollte Hurts nicht zu oft sehen, denn irgendwann ist die Magie verschwunden und man merkt, wie einstudiert die Band ihre Konzerte präsentiert. Auch gab es nicht, wie in der Vergangenheit, Soloeinlagen wie das dramatisch-schöne ‚The Water‚, das von Adam am Klavier intoniert wurde, oder stilvolle Tanzeinlagen – dies fehlte eindeutig, denn sie rundeten sonst das Programm ab und machten das Konzert zu einem ganz besonderen und einzigartigen Erlebnis. Für die Fans jedoch reichte das klassische Konzertformat, und als die letzten Töne von Stay, was wohl gleichermaßen auch den Wunsch des Publikums wiedergab, dass die Band doch noch ein wenig länger bleiben würde, ausgeklungen waren, verließen viele zufriedene Gesichter das Palladium. Einige eingefleischte Fans warteten sogar, trotz Eiseskälte, bis nach Mitternacht, um noch einen kleinen Plausch und/oder ein Foto mit der Band zu erhalten – leider erfolglos.

Setlist HURTS @ Köln, Palladium (19.02.2016)

(Surrender)

  1. Some Kind of Heaven
  2. Miracle
  3. Why
  4. Somebody to Die For
  5. Weight Of The World
  6. Blood, Tears & Gold
  7. Evelyn
  8. Illuminated
  9. Affair (Acoustic)
  10. Rolling Stone
  11. Lights
  12. Sunday
  13. Sandman
  14. Wonderful Life
  15. Better Than Love
  16. Wings
  17. Nothing Will Be Bigger Than Us (Z)
  18. Stay (Z)

Fotos: Markus Hillgärtner

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