MEINHARD – Alchemusic II – coagula

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7 Bewertung

7

Zum 30.10.15 schließt sich der Kreis um das zweiteilige alchemusikalische Großwerk um den Künstler Meinhard. Mit dem anmutenden Namen Alchemusic II – coagula kommt es damit zum standesgemäßen Abschluss. Dieses Album wurde mit Chris Harms (Lord of the Lost) produziert und bietet als zusätzliches Bonbon, u.a. ein Duett mit keinem anderen als Mastermind Chris Pohl von Blutengel.

Aber was bedeutet dieser eigentümliche Name des Albums überhaupt, wird sich jetzt der eine oder andere Fragen. Man muss nicht unbedingt irgendwelche Mysterien studiert haben. „Coagula“ wird im Zusammenhang mit der wichtigsten Aussage der Alchemie verwendet. Diese beiden Grundprinzipien „Solve et coagula“ bedeuten so viel wie die Eigenschaften der Dinge in einem Prozess, den wir als Auflösung „Solve“ bezeichnen voneinander zu trennen und hinterher zu einem besseren oder einer gewünschten Wirkung wieder zusammen zu fügen „Coagula“.

Der schillernde Paradiesvogel Meinhard ist ein Mann der dramatischen Worte. Ihn genau zu beschreiben ist ziemlich schwierig, da so gut wie gar nichts Privates über ihn zu finden ist. Dieser schillernde und kreative Mastermind darf sein Talent wunderbar bei Out of Line ausleben. Dort erschien auch 2013 sein Debütalbum Beyond Wonderland, welches den einen oder anderen Hörer auf eine wundervolle Reise in ein buntes und verspieltes Wunderland führte. Wenn Tim Burtton ein Musiker wäre, so würde er wie Meinhard klingen. Ende 2014 führte er seine Hörerschar hinab in sein düsteres musikalisches Labor als der erste Teil seiner Alchemusic – Solve erschien. Mit dem nun zweiten Teil – Coagula geht es dem Paradiesvogel darum, vertraute Wege aufzubrechen und sich dabei neu zu erfinden. Getreu dem alchemistischen Grundsatz „Solve Et Coagula“ – (löse und verbinde).

Der Opener Burning Hope startet zunächst wie eine leichte Ouvertüre und bald schon dröhnt es orchestral aus den Lautsprechern. Mein Kaltes Herz schließt daraufhin nahtlos an. Die Akustikgitarre kommt hier zum Einsatz. Neu dazu drohen die dunklen Bässe, die ganz verdächtig nach Lord of the Lost klingen. Trotz des düsteren Sounds wird man magisch in ihren Bann gezogen. Der eine oder andere Fan möchte sich voll und ganz auf die Lyrik konzentrieren, daher sollte man des Englischen mächtig sein, denn Meinhard wechselt munter zwischen Deutsch und Englisch, als sei es das Normalste auf der ganzen Welt.

Das nun folgende ALCHEMYSTERY mutet eher folkig an. Ruhiger lässt sich dieses rein englische Stück genießen. Das Klanggewand bietet ein authentisch klingendes Schlagzeug und tiefe Bässe. Diese mischen sich mit einer Leichtigkeit mit den orchestralen und synthetischen Sounds, dass man automatisch an einen dunklen, mystischen Alchemisten denken muss, der in seinem Labor die Klänge miteinander mischt. Vielleicht ist es ja auch Absicht des Künstlers, dass man sich einfach vom ständig wechselnden Tempo mitreißen lassen soll, ohne sich dabei große Gedanken über die stilistische Ausrichtung Gedanken zu machen. Genau das könnte ja auch die Quintessenz des Albums sein. Somit kann man auch Meinhard und seine Musik nicht in irgendwelche stilistische Schubladen quetschen.

Diese spielerische Vielfalt spürt man in A Melody That Can’t Be Found, wieder ein englischer Titel, trotzdem singt der Künstler in Deutsch. Jedoch im Refrain wechselt er mit seiner einzigartigen Stimme dann ins Englische. Die Melodien harmonieren spielerisch und unterstützen den imposanten Gesang, ohne diesen dann damit in den Vordergrund zu rücken. Das nun folgende All That Is Well Will End nimmt einen auf einen wilden Ritt mit und das vorherrschende Schlagzeug schlägt den Takt dazu. Trotzdem kann Meinhard seine Finger nicht so ganz vom Grundgedanken für eine Gotik-Rock-Oper lassen. Und somit wirkt auch dieser Song einfach nur überwältigend orchestral.

Bei This Misery hört man am Anfang einen düsteren Chor. Im Folgenden ist dieser Song trotz der schicksalhaften Lyrik doch eher flott gehalten. Hier kommt auch einmal Herr Harms zwischendurch zu Wort. Unverkennbar harmoniert der Lord of the Lost-Frontmann perfekt mit Meinhards klarer Stimme. Als ruhige Ballade getarnt, startet das nun folgende G.O.D.//D.E.M.O.N. Dieser Song entwickelt sich jedoch ganz schnell zu einer rockig anmutenden Hymne. Größtenteils nur auf den Sound von Schlagzeug und Bass beschränkt, wird neben leicht verzerrtem Gesang auch ein unruhiger Tempowechsel symbolisch als Kampf zwischen Gott und den Dämonen hörbar. Dies wirkt meiner Meinung nach unmelodisch, abgehackt und die hereinbrechenden elektronischen Klänge verstören einen dann doch eher.

Divine ist da doch wieder beschwingter und macht Spaß beim Zuhören und genießen. Das einzigartige Klanggewand aus synthetisch Sounds, mittelalterlichen Klängen und dem nüchtern klingenden Schlagzeug präsentiert eine ganz eigenartige Atmosphäre, die man nur schwer beschreiben kann. Man sollte sie einfach nur genießen und in seinen Ohren widerhallen lassen. Das nun folgende Kinder Der Sterne bewegt sich fast schon in gewohnt poppigen Gefilden, da das Mitwirken und somit Einwirken von Mastermind Chris Pohl von Blutengel eigentlich schon zu erwarten war. Der eingängige Rhythmus und der einprägsame Refrain lassen sich nicht leugnen. Der Gesang von Chris Pohl ist bei diesem Song dominanter als der von Chris Harms und umschmeichelt damit bestens die helle Stimme von Meinhard.

Jetzt wird es mit …Don’t Get Lost Along The Way wieder „normal“ und eher etwas rockiger. Allerdings stellt sich mit dem Namen des Stücks die Frage: hat sich Paradiesvogel Meinhard auf seinem langen Weg irgendwo in den vielen vorherrschenden Stilelementen verloren? Es sollte doch eine Gotik Rock-Oper werden, zumindest laut dem Promotion Text des Labels. Aber ist es denn wirklich eine Oper mit einem musikalischen Konzept geworden oder dann doch eher ein Sammelsurium verschiedenster Stilelemente? Irgendwie ist meiner Meinung nach leider eher letzteres zutreffender, ganz nach dem Konzept der beiden Alben Alchemusic I – Solve und Alchemusic II – Coagula. Das Lösen und Verbinden der unterschiedlichsten Musikstile, um etwas gänzlich neues Ungewohntes und vielleicht dann doch Besseres zu erschaffen oder zu kreieren.

Der Song Formula greift das Thema von All That Is Well Will End teilweise wieder auf, ist aber meiner Meinung nach etwas fließender und vielleicht weniger abgehackt. Die sich nun anschließende halbakustische und so zerbrechlich wirkende Ballade Sundown (Moonrise) lässt das Herz wieder etwas höher schlagen. Die ruhige fließende Melodie wirkt wie eine Wohltat für die Ohren. Ähnlich einfühlsam streichelt auch der Song The Vessel die Musikerseele. Träumerisch, teils orchestral malt dieser Song zum Ende einen Sternenhimmel über ein eher insgesamt unrundes Album.


Fazit:
Kann Alchemusic II – Coagula doch überzeugen? Die Frage lässt sich meiner Meinung nach nur sehr schwer beantworten. Was mich beim Vorgängeralbum noch faszinierte, wurde konsequent weitergeführt. Neben den bereits oben erwähnten unterschiedlichsten Stilrichtungen bedient sich Meinhard auch dieses Mal munter aus Metal und Folk. Sein Experimentieren, gerade mit dem Metal, hatte sich schon bei Alchemusic I – Solve im Stück 667 – The Neighbor Of The Beast gezeigt. Im Meinhard-Sound eingesponnen ist mehr als nur einmal die kreative Handschrift eines Chris Harms zu erkennen. Außerdem gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken. Jedoch höre ich nicht mehr mit einem riesigen Staunen diesem zweiten musikalischen Werk zu. Beide Alben müssen als Gesamtkonzept gesehen bzw. gehört werden. Meiner Meinung nach ist es etwas ganz anderes, da es auch irgendwie neu ist. Musikalisch Stilelemente miteinander zu mischen und damit vielleicht etwas Neues zu erschaffen, kann sehr spannend sein und dies hat Meinhard meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Kreative Köpfe braucht die Musikerszene.

Tracklist :
01. (burning hope)
02. Mein kaltes Herz
03. ALCHEMYSTERY
04. a melody that can’t be found
05. All That Is Well Will End
06. This Misery
07. G.O.D.//D.E.M.O.N
08. divine
09. Kinder der Sterne
10. …don’t get lost along the way
11. formula
12. sundown(moonrise)
13. The Vessel

Geschrieben von
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