HURRICANE FESTIVAL 2015 – Scheeßel, Eichenring (19.-21.06.2015)

Geschätzte Lesezeit: 14 Minute(n)

Am Eichenring in Scheeßel geht das Hurricane Festival in diesem Jahr in die bereits 19. Runde. Blickt man gute 10 Jahre zurĂŒck, wird deutlich, dass sich das Line-Up grundsĂ€tzlich ziemlich stark verĂ€ndert hat. Standen damals noch rockige Bands wie System of a Down, Nine Inch Nails oder Rammstein auf der BĂŒhne, sind es heute eher dancelastigere Kandidaten wie Materia, Paul Kalkbrenner oder Deadmau5. Ganz unrockig sind wir auch 2015 zwar nicht unterwegs, dennoch wird deutlich, dass es heutzutage schwieriger denn je ist, mit ausschließlich rockigen Formationen aufzuwarten. Dass gerade in diesem Jahr die Band-Auflistung einige große Namen vermissen lĂ€sst, hĂ€ngt jedoch nicht zuletzt auch mit der schwierigen Veranstalter-Situation in Deutschland zusammen, die es aufgrund von Konkurrenzen auch fĂŒr eine GrĂ¶ĂŸe wie das Hurricane schwierig machte, noch den einen oder anderen großen Fisch an Land zu ziehen. Doch lassen wir uns davon die gute Laune vermiesen? Nein! Denn auch wenn das Festival heute mit rund 65.000 Besuchern nicht wie gewohnt ausverkauft ist, steht hier doch der Spaß und die Freude an der Musik im Vordergrund. Es kann eben nur durchaus sein, dass diejenigen, die bereits vor 10 oder 15 Jahren Teil des Ganzen waren, heute nicht mehr dabei sind, doch auch das juckt die vorrangig jungen Besucher herzlich wenig. Immerhin gibt es kaum etwas Schnelllebigeres als die Musik und ihre Szenen – wenn man denn heute noch von Szenen sprechen kann.

Vor dem eigentlichen Beginn am Freitag tanzt sich das bereits zahlreich erschienene Völkchen am Donnerstagabend schon einmal auf der White Stage warm, auf der Acts wie Supershirt oder Alle Farben ihr Unwesen treiben.


Freitag, 19.06.2015:

Und wer auch im 19. Festival-Jahr noch glaubt, das Hurricane hĂ€tte seinen Namen wegen des hĂŒbschen sonnigen Wetters verliehen bekommen, der wird auch am Freitag wieder ĂŒberrascht sein, wenn graue Wolken und zugige Böen aufziehen. Denn genauso ist es – was wĂ€re das Hurricane-Festival ohne das kĂŒhle Nass, denkt man sich hier schon sarkastisch und akzeptiert mit Regenschirm, -jacke und Gummistiefeln, dass es Dinge gibt, die wir einfach nicht Ă€ndern können. Nachdem The Districts auf der Blue Stage den Startschuss gesetzt haben, bricht Sonne durch die dichten Wolken, als Counting Crows nachlegen. Der charismatische Fronter Adam Duritz zieht dem Wetter angepasst auch direkt seine dicke, graue WollmĂŒtze vom Kopf und legt seine WuschelmĂ€hne frei, wĂ€hrend er waghalsig auf den Monitorboxen balanciert. Mit Songs wie Mr. Jones oder A Long December, bei denen die Fans wahre Textsicherheit beweisen, weiß uns die Combo zu verzaubern und schenkt dem dankbaren Hurricane-Publikum ein breites, zufriedenes LĂ€cheln.
Auf der Green Stage treiben unterdessen Danko Jones ihr Unwesen und lÀuten ihre Ankunft mit ein paar bedrohlichen Western-KlÀngen ein, bevor sie aus dem eigenen Repertoire einen nach dem anderen vom Stapel lassen. Zuvor hatten Sunset Sons und We Are The Ocean die Menge schon einmal auf das passende Betriebsklima gebracht.
Etwas ruhiger, wenn auch nicht weniger gitarrenlastig geht es auf der Blue Stage mit Angus & Julia Stone zu, die Besuch aus sĂ€mtlichen Himmelsrichtungen bekommen. Mit vollem Herzblut verausgabt sich das GeschwisterpĂ€rchen an den Saiteninstrumenten und sorgt fĂŒr fröhliches Mitwippen und -tanzen. Aus dem verregneten Tief, das sich bei den dĂŒster-sĂŒĂŸen KlĂ€ngen auf der blauen BĂŒhne ankĂŒndigte, holen uns stimmungsmĂ€ĂŸig spĂ€testens Labrassbanda auf der Green Stage, die mit Blasinstrumenten, Gitarren und Drums ordentlich Schwung in die kĂŒhle Bude bringen. So viel gehĂŒpft und gefeiert wurde den ganzen Tag nicht und es macht einfach nur Spaß, sich dem unbeschwerten Treiben anzuschließen.
Nach so einer energiereichen Sause ist es höchste Zeit, bei der Frittenbude vorbeizuschauen. Mit Der ewige Kreis von „Der König der Löwen“, bei dem Stilecht ein Kuscheltier-Löwe in die Höhe gehalten wird, eröffnen die Jungs ihre Show und lassen es daraufhin mit ihrem vielseitigen Hip-Hop ordentlich krachen. Die Fans fressen den Herren geradezu aus den HĂ€nden und saugen jeden Ton auf, um ihn ohne Umwege in wilde Bewegungen umzusetzen. Immer wieder gern gesehene GĂ€ste auf dem Eichenring in Scheeßel sind NOFX, die wenig spĂ€ter die Green Stage erklimmen und mit lustigen SprĂŒchen nicht geizen. Doch selbstverstĂ€ndlich ĂŒberzeugt die US-amerikanische Bande auch heute wieder mit guter Musik, die uns fast aus den Puschen … Ă€h Gummistiefeln stĂ¶ĂŸt. Apropos Gummistiefel – das hiesige Wetter stĂ¶ĂŸt den Herren auch Ă€ußerst ĂŒbel auf. „Aber meine Mama hat gesagt, es sei ein Sommerfestival“, tönt es von der BĂŒhne und wir werden beinahe mitfĂŒhlend bei dem leicht bekleideten Anblick dort oben auf dem Schauplatz. Gut, dass wir uns in der Menschenmenge etwas wĂ€rmen können.
Auf der Red Stage geht es den ganzen Freitag ĂŒber mit Bands wie Lagwagon, Millencolin oder Suicidal Tendencies vorwiegend etwas hĂ€rter zur Sache, wĂ€hrend die White Stage mit KĂŒnstlern wie The DĂž oder Madeon der poppigeren Richtung das gewisse Etwas verpasst.
Richtig gut voll wird es auch im Anschluss an NOFX auf der Green Stage bei The Gaslight Anthem, die nicht nur selbst sichtlich Freude an dem haben, was sie dort tun, sondern diese auch auf ihre Fans ĂŒbertragen. Auch das Set, dass die Jungs aus New Brunswick vom Stapel lassen, hat es mit Songs wie Handwritten, American Slang oder The ’59 Sound in sich und lĂ€sst eine riesige Menge glĂŒcklicher Gesichter zurĂŒck. Suchend irren helle Spots ĂŒber die Szene, als Placebo diese wenig spĂ€ter betreten und die wartende Menge erlösen. Zwar kann man hier unten bei den Fans nun nicht mehr von einem Konzert im Nieselregen sprechen, denn mittlerweile sind wir alle durchnĂ€sst und werden immer nasser, aber die Tatsache, dass wir trotzdem alle geblieben sind, wĂŒrdigt der sonst eher unnahbare Fronter Brian Molko mit einem dankenden „You are warriors of rock!“ und heizt der Menge damit weiter ein. NatĂŒrlich sind es aber vor allem auch die bekannten Songs Ă  la Every You Every Me, Meds, Special K oder The Bitter End, die es uns ganz warm ums Herz werden lassen und dafĂŒr sorgen, dass wir unsere letzten Kraftreserven mobilisieren und nicht aufhören, diese wohlklingenden Momente in uns aufzusaugen und in Bewegungen zu ĂŒbersetzen.
Auf der Blue Stage hatten es sich unterdessen auch noch Alt-J bequem gemacht, die ihre Fans begeistern, bevor hier Deadmau5 die elektronischen Beats noch einmal bis zum Anschlag aufdreht. Bis 2 Uhr nachts feiert die Meute hier trotz Wind und Wetter und lÀsst es sich einfach gut gehen. So ein Hurricane Festival Publikum lÀsst sich doch von so ein bisschen schlechtem Wetter nicht kaputt bekommen!

Bildergalerie: Hurricane Festival 2015 – Freitag (Bands, Besucher & Impressionen)


Samstag, 20.06.2015:

"Es ist 12 Uhr. Zeit fĂŒr Punkrock!" TrĂŒmmer locken bei einer frischen Brise die Besucher auf den Vorplatz der Green Stage und sorgen dafĂŒr, dass sich die ersten Beine, HĂ€nde und Köpfe in Bewegung setzen und wild im Takt ihrer Musik wippen. Deutlich elektronischer legen auf der Red Stage Captain Capa nach. Auch wenn das GrĂŒppchen, das die Jungs aus Bad Frankenhausen vor sich sehen, noch recht ĂŒberschaubar ist, Spaß haben die hier Anwesenden zweifelsohne und reizen jeden Ton der tanzbaren Musik aus. Vor allem beim eingĂ€ngigen Berlin Fainting ist die Meute kaum zu bremsen.

Ganz andere Töne schlagen Adam Angst auf der vor Wind und Wetter geschĂŒtzten White Stage an. Mit dem krachigen Jesus Christus treffen die Jungs direkt ins Schwarze und bringen die zahlreich erschienenen Fans zum Ausflippen. FĂŒr ausreichend Spaß und gute Laune sorgen im Anschluss auf der Red Stage auch Oscar And The Wolf und East Cameron Folkcore, wĂ€hrend uns bei Kodaline auf der Green Stage eine gute Portion irischer Alternative Rock um die Ohren weht. Die Herzen höher schlagen lassen parallel dazu auf der White Stage MĂž, die uns in eine andere Welt entfĂŒhren. Die quirlige Frontfrau weiß die Menge zu fesseln und ĂŒberzeugt nicht nur stimmlich, sondern auch mit ihrem sportlichen Ausdruckstanz. Da mag man einfach nur mitmachen!

Auf der Blue Stage startet man heute mit etwas VerspĂ€tung mit TonbandgerĂ€t, die die Spielzeit ihrer NachgĂ€nger Hoffmaestro, die es aufgrund von Fahrzeugpannen nicht rechtzeitig nach Scheeßel geschafft hatten, etwas auffangen. SpĂ€testens bei SDP, die sich um 16:00 auf der blauen BĂŒhne zeigen, dampft der Stimmungskessel wieder gewaltig. Hier wird nicht nur mitgegrooved, sondern die Texte auch aus tiefster Seele mitgetrĂ€llert. Mit etwas mehr Wumms geht es auf der Red Stage bei den Marmozets zu, die bei ihren Fans sofort einen Stein im Brett haben. Zu krachigen GitarrenklĂ€ngen verausgabt sich die blonde Powerfrau, die sich mal auf dem Boden windet und rĂ€kelt, mal mit aller Kraft an den Monitorboxen rĂŒttelt vollends und reißt alles mit, was sich ihr in den Weg stellt. Auch wenn das Gekreische normalerweise sicher nicht jedermanns Sache ist, die wild ausgelebte Show spricht doch BĂ€nde und weiß auch den letzten Zweifler zu begeistern.

Auch die Fete auf der Blue Stage will einfach nicht anreißen. Bei den 257ers, die die Bretter wortwörtlich in einen kunterbunten Spielplatz verwandeln, drĂ€ngt man sich abermals enger zusammen. Und egal, ob man sich nun ĂŒber Genitalien unterhĂ€lt oder die FĂ€kalsprache ausreizt…die Meute ist am Ausflippen. Ich persönlich mag allerdings um dieses Gehabe einfach nur einen großen Bogen machen. GlĂŒcklicherweise liefert auf der Green Stage George Ezra sĂŒĂŸe KlĂ€nge fĂŒrs Herz ab und lockt nach und nach immer mehr Interessierte auf den staubigen Platz. Sollen die da drĂŒben doch in ihrem Ejakulat duschen und ihre vermeintlich aktive SexualitĂ€t lauthals besingen! Wir machen es uns hier mit den hĂŒbschen GitarrenklĂ€ngen gemĂŒtlich und trĂ€umen uns in eine andere Welt. Neben dem grundsĂ€tzlichen, Ă€ußerst ansprechenden Rundumschlag seines Schaffens prĂ€sentiert uns Schwiegermamas Liebling auch das allgegenwĂ€rtige Blame It On Me, das lauthals besungen und befeiert wird. Nebel, der in rauen Mengen von der BĂŒhne strömt, kĂŒndigt den nĂ€chsten Auftritt auf der Green Stage an. Lautstark haben die Fans danach gefragt – und hier kommt sie, Die Antwoord. Spaßiger und eindringlicher hĂ€tte diese heute auch nicht ausfallen können, denn die bunt Maskierten und Verkleideten lassen es vom ersten Beat an gehörig krachen. Und so schenken sich die Fans in regelmĂ€ĂŸigen AbstĂ€nden immer wieder ein Bierchen ein und zĂŒnden Konfetti- und Glitterbomben, bevor sie sich körperlich vollends verausgaben. Ganz andere Töne schlagen etwas spĂ€ter die Future Islands an, die sich mit ihrem Synthiesound irgendwo zwischen Postpunk und gefĂŒhlvollem Soul befinden. Klingt komisch, ist aber so. Genauso bemerkenswert sind die gestischen und mimischen ErgĂŒsse von Frontmann und Rampensau Samuel T. Herring, der seinen Emotionen freien Lauf lĂ€sst und uns damit auf verschiedenste Weise zutiefst berĂŒhrt und uns zum Mitmachen animiert. Kontrastprogramm beginnt unterdessen auf der Blue Stage mit Cro, der sich vor dem enormen Andrang kaum retten kann. HĂ€tte man vor 10 Jahren auf einem Indie-Rock-Festival ĂŒber Acts dieser Art augenrollend gelĂ€chelt, ist es scheinbar heute genau das, wonach die hungrige Masse verlangt. Die Musik von Cro muss man definitiv mögen, um hier dabei zu bleiben, aber der Großteil tut dies scheinbar und saugt alles auf, was der wie ein Panda maskierte JĂŒngling von sich gibt. Wahnsinn, was sich hier innerhalb kĂŒrzester Zeit an Stimmung aufbaut!

SelbstverstĂ€ndlich weiß auch der nĂ€chste im Bunde der Green Stage seine AnhĂ€nger zu begeistern. Farin Urlaub macht mit seinem Racing Team Halt in Scheeßel und schĂŒttelt einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel. Zwar ist der große Wasserstoffblonde selbst eher statisch auf dem Schauplatz zu betrachten, weiß aber ganz genau, welche unserer Knöpfe er drĂŒcken muss, damit wir steil gehen. Ob GlĂŒcklich, OK oder Am Strand… die Songauswahl lĂ€sst kaum WĂŒnsche offen und katapultiert die Stimmung bis in die höchsten Höhen. Bravo! Als Das Kannibalenlied auf der Blue Stage ertönt und optisch von Uniformierten, die in Reih und Glied stehen, untermalt wird, geht ein Jubeln durch die Menge. Deutsch-Hip-Hop aus der Feder von K.I.Z. steht auf der Agenda und auch wenn dies ein weiterer Ausbruch aus dem Indie-Rock-Sektor bedeutet, feiert Menge die Berliner Combo mit allen KrĂ€ften. Und es ist gar nicht mal das Feuer, das immer wieder auf der BĂŒhne lodert, welches die Tanzherzen anzĂŒndet – es sind die jungen Besucher selbst, die hier im ĂŒbertragenen Sinne alles in Brand stecken. Mitunter bekommt man sogar den Eindruck, dass es heute weniger um die Musik geht als um die Tatsache, eine fette Party zu feiern. Wir wollen Spaß! Und den bekommen die vielen gut gelaunten Fans zum Abschluss des Festivalsamstags ein weiteres Mal spĂ€testens mit Marteria auf der Green Stage. Vom ersten Moment an werden die Songs des deutschen Rappers mitgesungen und gefeiert. Innerhalb kĂŒrzester Zeit schnellen GrĂ¶ĂŸen wie OMG, Endboss oder Lila Wolken in die feierwĂŒtige Menge und wenig spĂ€ter heizt auch Alter Ego Marsimoto die Stimmung weiter an, damit sie sich im letzten Drittel der Show vollstĂ€ndig entladen kann. Was fĂŒr ein Wahnsinn! Wer nun noch immer nicht genug hat, schaut noch einmal rasch bei Jan Delay & Disko No. 1 auf der Blue Stage vorbei, macht einen Abstecher zu Irie RĂ©voltĂ©s auf der roten BĂŒhne oder lĂ€sst den Tag bei den elektronischen KlĂ€ngen von Booka Shade an der White Stage ausklingen. Wie auch immer die Entscheidung fĂŒr dich und mich gefallen ist – nach einem so energiereichen Tag fĂ€llt man glĂŒcklich und zufrieden in die Federn, um noch einmal Kraft fĂŒr den letzten Festivaltag zu tanken.

Bildergalerie: Hurricane Festival 2015 – Samstag (Bands, Besucher & Impressionen)


Sonntag, 21.06.2015:

Laut und krachig wird auch der Festivalsonntag eröffnet. Vor allem auf der Red Stage geht es mit Shoshin und im Anschluss mit Turbowolf heiß her, ist hier doch der Name Programm. Wild, losgelöst und mit saftigen KlĂ€ngen rĂŒtteln die Herrschaften aus Bristol die Menge wach, die bei Songs wie American Mirror auch nichts anderes kann als springwĂŒtige Moshpits zu eröffnen. NatĂŒrlich ist man auch anderorts nicht untĂ€tig und so beglĂŒcken auf der Green Stage ab Mittag Acts wie die Eagulls, Catfish And The Bottlemen und Band Of Skulls die Menge, wĂ€hrend auf der White Stage Superheld, Little May und Schmutzki, deren Namen wir schon das gesamte Wochenende auf sĂ€mtlichen und schier ĂŒberall aufgebappten Aufklebern lesen durften. Auf der Blue Stage ist es nicht weniger spaßig, denn Skinny Lister laden zum gemeinsamen TĂ€nzchen, bevor The Vaccines nachlegen und den Rock’n’Roll wiederbeleben. Dieser klingt heute jedoch ganz und gar nicht staubig, viel mehr mischt man hier eine kleine Prise Punk unter und dort ein bisschen Pop und ehe man sich versieht, dringt ein unverwechselbarer Sound in unsere Lauscher, der uns dazu veranlasst, mitzuwippen und uns schon einmal warm zu tanzen. Bei so einer ausgelassen Stimmung haben es die nĂ€chsten im Bunde, Death From Above 1979, nicht schwer, mit ihrem Indie-Rock bei der Menge zu punkten.
Mit poppigem Punk locken unterdessen All Time Low eine ganze Horde an Fans vom weitlĂ€ufigen GelĂ€nde hin zur Green Stage. Das amerikanische Quartett schafft es nicht nur, mit ihren Party-Hymnen, die laut mitgegröhlt werden, bei der Menge Eindruck zu schinden, sondern zeigt sich zudem auch Ă€ußerst sympathisch, denn FannĂ€he ist den Jungs enorm wichtig. Und so wird die gesamte Szene beturnt, sich immer wieder weit ĂŒber den BĂŒhnenrand hinausgelehnt, die Fans umarmt und stilecht gepost. Mit neuem Frontmann stĂŒrmen Jupiter Jones die Red Stage und feiern mit uns jeden Moment ihrer gut durchgemischten Show, die hier einige Fans mitreißt. Im Anschluss daran macht sich auch schon Publikumsliebling Olli Schulz startklar. Ein musikalischer Smoothie steht auf der Tageskarte, natĂŒrlich komplett bio und selbstverstĂ€ndlich laktosefrei. Es braucht nur ein paar Töne und einen kleinen Konfettiregen und schon hat der Entertainer das Publikum auf seiner Seite. Auch wenn das Allroundtalent seinen Humor auch immer mal wieder in seine Songs einfließen lĂ€sst, sind es doch hier vor allem die sinnreichen Texte, die uns berĂŒhren. NatĂŒrlich kommt bei so viel Tiefgang aber auch der Spaß nicht tu kurz. Eine gelungene Mischung zwischen TiefgrĂŒndigkeit und subtilem Humor! Und weil Noel Gallagher, der mit seinen High Flying Birds noch wĂ€hrend des Auftritts von Olli Schulz die Blue Stage beflĂŒgelt, einen Oasis Song wie das beliebte Wonderwall nicht mehr live spielt, spielen wir es eben gemeinsam mit Olli. Was fĂŒr ein GĂ€nsehautmoment, als alle ohrenbetĂ€ubend den Klassiker anstimmen! Da möchte man gerne Noels Gesicht sehen! Herr Gallagher selbst hat aber auch sichtlich wenig Probleme, das Publikum auch ohne die bekannte GrĂ¶ĂŸe aus Oasis-Zeiten vom ersten Moment an zu beglĂŒcken.
Auch der Andrang an der Green Stage ist mittlerweile um ein Weiteres gewachsen, denn Of Monsters And Men mag man sich ungern entgehen lassen. Die sphĂ€rischen Popsongs sind aber auch wirklich fĂŒr einen Tag wie diesen gemacht, an dem man einfach nur die Augen schließen und sich aus dem Scheeßeler Staub in eine andere Welt trĂ€umen mag. Funktioniert phantastisch! Auf der Red Stage wird es mit Archive nun etwas dĂŒsterer. Zwischen so vielen Spaß-Bands stechen die Herren aus London wirklich ins Auge oder besser ins Ohr. Mit Fuck U und Dangervisit wird direkt zu Beginn auch schon mal etwas von dem guten Pulver verschossen, was die eingefleischten Fans durchaus zu schĂ€tzen wissen. Multiinstrumentalismus mischen die quirligen Katzenjammer unters Volk und entlocken der Menge die letzten Kraftreserven. Ein Schauspiel fĂŒr alle Sinne!
An der Green Stage braut sich unterdessen ganz schön etwas zusammen. Dort, wo eigentlich heute Abend Ben Howard stehen und musizieren sollte, hat sich aus gesundheitlichen GrĂŒnden eine LĂŒcke im Spielplan aufgetan. Passender hĂ€tte man diese nicht fĂŒllen können als mit Madsen, die eine riesen Fangemeinde auf ihrer Seite wissen. Ganz spontan sind die Jungs um Frontmann und Entertainer Sebastian eingesprungen und aufgrund von Planungsnot und anderer UmstĂ€nde sogar mit dem Tourbus der Foo Fighters angereist, die auf dem diesjĂ€hrigen Hurricane Festival sicher auch eine gute Figur gemacht hĂ€tten. Die Herrschaften aus dem Wendland zeigen sich heute wieder einmal von ihrer besten Seite und heizen das feierwĂŒtige Publikum immer mehr an, das dankend jeden Hit, sowie bekannte Cover, u.a. I Was Made For Loving You von KISS und Smells Like Teen Spirit von Nirvana, in sich aufsaugt und sofort in wilde Jubelrufe umwandelt. Was fĂŒr eine Wahnsinnsstimmung!
Langsam nĂ€hern wir uns dem Finale und das soll es noch einmal in sich haben, vor allem fĂŒr jene, die sich nicht gerne entscheiden. Besucht man nĂ€mlich das diesjĂ€hrige Hurricane Festival unter dem Gesichtspunkt, sowohl die großartige Florence Welch aka Florence + The Machine und das DJ-Set von Vorzeige-Rapper Casper zu besuchen, dann steht man spĂ€testens jetzt vor einem großen Dilemma, denn auf der Green Stage (F+TM) und der Red Stage (Casper) startet man heute zeitgleich um 22:00 Uhr. An der roten BĂŒhne ist mittlerweile kein Durchkommen mehr und mit den ersten Tönen, die das Ausnahmetalent von sich gibt, sind die Fans wie gefesselt und lassen nicht nur die Arme wild durch die Luft schwingen, sondern singen auch textsicher jede Silbe der beliebten Hits mit. Zwar ist die BĂŒhne heute aufgrund der fehlenden Band – statt der Band hat Casper heute einen DJ mit am Start – etwas leerer, trotzdem fĂŒllt der Publikumsliebling die Bretter aber gut aus und haucht ihnen mit voller Kraft Leben ein. Was fĂŒr ein Showdown! Wer nun den Weg zurĂŒck zur Green Stage antritt, der stolpert zweifelsohne in die Party hinein, die Paul Kalkbrenner unterdessen auf der Blue Stage veranstaltet. Doch der Wind steht gut und die KlĂ€nge von Frau Welch brauchen nicht lange, bis sie uns vollends gefangen nehmen und uns so nahe wie möglich an die Szene heran locken. Musikalisch bekommen die Fans einen gelungenen Rundumschlag der großen Hits geboten, der mit ausgewĂ€hlten StĂŒcken des aktuellen Albums How Big, How Blue, How Beautiful gespickt ist. Doch die gebĂŒrtige Londonerin ĂŒberzeugt nicht nur mit ihrer unverwechselbaren Musik, sondern auch mit ihrem Wesen, das sich heute offener und fannĂ€her denn je zeigt. Hier und heute werden Fan-TrĂ€ume wahr – so viel steht fest. Und wir sind ĂŒberrascht und verzĂŒckt zugleich, wie sehr Florence fĂŒr uns immer wieder neue und interessante Welten erschafft, aus denen wir am liebsten niemals mehr zurĂŒckkehren möchten. Phantastisch!

Bildergalerie: Hurricane Festival 2015 – Sonntag (Bands, Besucher & Impressionen)

Fotos: Michael Gamon / Fotos Florence And The Machine: Christoph Meyer

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Mehr von Tanja Gamon

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