Pro-/Kontra – Die kontroverse Rezension: MONO INC. – Terlingua

Pro-/Kontra - Die kontroverse Rezension:  MONO INC. – Terlingua
Geschätzte Lesezeit: 5 Minute(n)

9 Claudia

6 Michael

Die Gesamtbewertung setzt sich aus den zwei Bewertungen zusammen!

7.5
MONO INC. – Terlingua

Autorin: Claudia Marquardt

Mit dem neuen Album begehen Mono Inc. neue Pfade und übertragen eine wahrlich positive Stimmung. Seit 10 Jahren produziert die Band aus dem Norden Deutschlands ein neues Album nach dem anderen und ihr nächstes, achtes Werk Terlingua erscheint nun am 22.05.2015. Was der Name bedeutet wird sich jetzt der Eine oder Andere Fragen und schon ist man neugierig geworden… Die Antwort darauf erfahrt ihr in unserem Interview vom 01. Mai diesen Jahres mit Carl Fornia [Interview]

Der Großteil der Lieder auf dem Album handelt inhaltlich von Dingen, die der Band und insbesondere Frontmann Martin in Terlingua durch den Kopf gegangen sind. Seinen Feinschliff erhielt das Album schließlich wieder in Hamburg, in den GaGa-Studios. Terlingua klingt anders als alles, was Mono Inc. bisher veröffentlichten – was nicht zuletzt an den amerikanischen Folk-Elementen durch Steel- und Slide-Guitars liegt, die sich mit Martin Englers gefühlvoller Stimme und dem neuen Schlagzeugsound zu einem ganz speziellen Sound vereinen. Die analoge Aufnahmetechnik veredelt den Klang entscheidend und es wurden deutlich mehr Spuren als gewohnt aufgenommen.

Im Rahmen einer “Fan der ersten Stunde”-Aktion konnte ich den Song It Never Rains bereits im April exklusiv hören und war restlos begeistert! Eigentlich wollte ich auf der kommenden Zugfahrt verschiedenste Musik hören – am Ende war es dieses Lied, immer und immer wieder.

Die ersten Singleauskopplung Tag X ist ein freundlich gemeinter, erhobener Zeigefinger, auch mal an die Mitmenschen im persönlichen Umfeld zu denken. Einfach der Person, die man mag zu sagen, wie sehr man sie liebt und dass man an sie denkt. Denn nur wer geliebt hat – hat auch wirklich gelebt.

Im Lied 118 geht es um den Highway 118, der schnurgerade durch den Ort Terlingua führt. In dem Lied geht es um die “Leere” und Ruhe die es gerade hier gibt – man kann stundenlang fahren und muss nicht einen Menschen treffen. Die Band zeigt sich beeindruckt von der Landschaft und den Menschen die dort leben. Während es Benzin in Hülle und Fülle für wenig Geld zu kaufen gibt, ist Wasser sehr rar. In so einer Umgebung wird einem ziemlich schnell bewusst, wie klein und unbedeutend man ist. Eine beeindruckende Ballade die zum Umdenken anstößt.

Der Song An klaren Tagen hat einen ernsten Hintergrund und handelt von der Problematik des würdevollen alterns. Dieses Thema betrifft die Band natürlich auch persönlich.

Im Song Die Noten deines Lebens erzählt die Band weiter aus dem persönlichen Erfahrungsschatz, nämlich dass man in seinem Leben zwar immer wieder hinfällt, dass man dann aber aufstehen und wieder neu beginnen soll – von Anfang an. Es gibt immer irgendwo Hoffnung. Tief in einem drin, klingt das Lied des Lebens und dieses gehört nur dir allein. Sehr persönlich und bewegend.

Mein persönliches Fazit:
Für mich ist Mono Inc. eine der geilsten Bands, die es einfach immer wieder schafft, sich neu zu erfinden und das haben Sie auch mit Terlingua geschafft. Für mich ist dieses Album das beste, das bisher veröffentlicht wurde. Klasse Lieder und tiefgründige Texte verweilen zum Nachdenken über den Sinn des Lebens und des eigenen Glückes. Viele Kleinigkeiten gehen in der Hektik des Alltags unter. Mono Inc. erinnert wieder an die vielen kleinen Dinge und dass jeder Einzelne einmal über seinen eigenen, begrenzten Horizont schauen sollte und auch diese Grenzen überschreiten soll. Es lohnt sich, denn so ist das Leben erst richtig lebenswert.
Jeder Song auf dem Album verspricht Gänsehaut und die Vorfreude auf kommende Konzerte. Vielen Dank für die vielen, schönen, tollen Songs von Terlingua. Macht weiter so!

Wer noch mehr Hintergrundinfos zum Album, dessen Entstehen und zur Entwicklung der Band erfahren möchte, dem empfehle ich herzlich unser Interview vom 01. Mai zu lesen! [Interview]

Terlingua wird im Digipak mit CD und DVD erscheinen. Neben den 13 eingängigen Songs sind auf der DVD Videoclips mit “Making of”, eine Pianoversion zu An klaren Tagen, sowie ein zweiteiliges Interview enthalten. Des Weiteren wird es eine Picture-Vinyl und eine Deluxe-Box mit Bonus-EP geben. Die mattschwarze und im 3D-Look geprägte Metallbox ist auf 2.000 Stück limitiert und enthält neben dem Digipak vier bisher unveröffentlichten Tracks auf einer EP. Weitere Beilagen sind ein Patronenanhänger mit Lederband, Poster und Autogrammkarte.

Autor: Michael Gamon

Terlingua, ein kleiner Ort mit 58 Einwohnern (2 pro km2) in Texas. Ich bin, wie die meisten anderen Menschen, selbst nie dort gewesen, aber den Erzählungen der Band nach, scheint es sich um einen wundervoll besinnlichen Ort zu handeln. Irgendwo weit draußen, fernab der Großstadt befindet sich diese Ödnis. Der Ort, seine Ruhe und Abgeschiedenheit habe sie sehr beeinflusst sagen die Musiker und ich kann mir das sehr gut vorstellen, denn irgendwie klingt das Album tatsächlich leider etwas „öde“. Natürlich freut es mich, wenn Musiker mit sich im Reinen sind und in Terlingua haben Mono Inc. wohl wirklich zu sich gefunden. Das hört man auch, denn das Album klingt positiv, leider sind dabei aber auch Musik und echtes Gefühl ein Wenig auf der Strecke geblieben. Hier zeigt sich wieder, dass man traurige Gefühle wohl emotionaler herüber bringen kann, als dies bei positiven Empfindungen der Fall zu sein scheint. Kein Wunder, dass die größten Love Songs eher solche der Sehnsucht, als die von Zweisamkeit sind. Sätze wie „Und unterm Mondschein lieb ich dich“ oder „Heiland, rette mich“ triefen daher wahlweise vor Kitsch oder pathetischen Gesten und es fällt mir einfach schwer, so etwas bei gestandenen Musikern ernst zunehmen. Vermutlich sind sie nun wohl endgültig bei einer anderen Klientel angekommen, quasi die ultimative, leichte Einstiegsdroge für den Grufti-Nachwuchs. Praktisch, dass Martin nicht einmal Kontaktlinsen trägt, derer er sich nun sonst entledigen müsste 😉 Doch wie klingt „Terlingua“ eigentlich?

Auf dem letzten Joachim Witt Album Neumond hatte Mono Inc. Frontmann Martin Engler noch produziert und die Songs geschrieben, jetzt klingt er stimmlich zum Teil, wie beim eröffnenden Mondschein, sogar nach ihm. Schon jetzt ahne ich, dass Mono Inc. den Weg des letzten Studio-Albums Nimmermehr konsequent weitergehen und sich immer mehr von ihrer Vergangenheit loslösen. Natürlich gibt es auch heute noch Gitarren, doch diese ordnen sich den Songs zumeist komplett unter, schließlich sollen die eingängigen Melodien nicht gestört werden. Letztere bleiben wieder sofort im Gehörgang hängen und ein mal leicht stampfender (Mondschein), oft aber auch dominanter Beat (Never-Ending Love Song, Love Lies) sorgt für zusätzliche Tanzbarkeit. Das klingt natürlich auch heute noch sehr nett, aber ihr wisst ja, was man so über „nett“ sagt…

It Never Rains klingt hingegen zunächst vielversprechend, doch auch hier kommt man nicht um einen mitreißenden Refrain herum, der den Song wieder seiner Atmosphäre beraubt. Und leider bekommt auch die zum Nachdenken anregende erste Single Tag X natürlich dieses Schmuse-Mitsing-Muster übergestülpt, so dass man fast vergessen könnte, dass es hier um einen ernst gemeinten Lebensrat geht („hast du geliebt, hast du gelebt, wenn es heute zu Ende geht?“). Gerade bei einer Band, deren Sänger eine doch recht dominante Stimme besitzt wie Martin, müsste musikalisch eigentlich mehr Abwechslung kommen. Sonst sorgen Gitarrennebel im Hintergrund und monotone Beats schnell für Gleichförmigkeit und Langeweile. Kaum ausgesprochen, erweist sich 118 hingegen schon fast als eine Ausnahme, da hier endlich mal auf die allgegenwärtige Tanzbarkeit verzichtet wurde. Auch Die Noten Deines Lebens sorgt Dank dominanter Gitarren für etwas Abwechslung, wachen Mono Inc. auf der zweiten Hälfte etwa doch noch auf? Zumindest nicht bei Still, denn das fällt sofort zurück in bekannte Muster und auch die fast Rammsteinartigen Gitarren bei An klaren Tagen lenken nur wenig vom Grundbeat ab. Der Song hätte vielleicht auch auf Witts Neumond erscheinen können, aber gehört, bis auf den mir wieder zu kitschigen Text, schon eher zu den besseren Songs des Albums. Nach der kurzen „Spiel mir das Lied vom Tod“-Idylle vom Interlude Emory Peak, wird diese urplötzlich von Clubsounds unterbrochen, denn mit Love Lies steht der nächste Stampfer in den Startlöchern und auch Titeltrack Terlingua schlägt in eine ähnliche Kerbe, auch wenn die Clubsounds hier durch eine Steelguitar abgelöst werden. Für den versöhnlichen, da wieder ruhigeren Abschluss sorgt Study Butte und es bleibt die Frage: „Zurück zum Anfang oder CD wechseln…?“

Wie bereits angedeutet sind die Songs auf Terlingua sicher alles andere als schlecht, trotzdem fehlt mir das gewisse Etwas und bei dem einen oder anderen Text muss ich wirklich schlucken und eine Art Fremdschäm-Reflex setzt ein. Ich bin davon überzeugt, dass das Album viele, vor allem neue Fans finden wird, inwiefern man auf diesem Weg aber alte Weggefährten weiter halten kann, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht wäre ja eine etwas längere Pause, weg von Studio und Bühne, kreativ sinnvoll, allerdings ist das bei Berufsmusikern natürlich auch eine finanzielle Frage… warten wir es ab.

Tracklist MONO INC. – Terlingua
01. Mondschein
02. Never – Ending Love Song
03. Heiland
04. It Never Rains
05. Tag X
06. 118
07. Die Noten deines Lebens
08. Still
09. An klaren Tagen
10. Emory Peak
11. Love Lies
12. Terlingua
13. Study Butte

Bewertung:
9.0 5.5
von 10 Punkten

 

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