GUANO APES & SUSANNE BLECH – Köln, Live Music Hall (27.10.2014)

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Guano Apes – zwischen damals und heute! Was ist im Jahr 2014 von den Schlabberhosen und der nach vorne preschenden Frontfrau Sandra Nasic geblieben – ungefĂ€hr 17 Jahre nach ihrem Durchbruch mit dem Album Proud Like A God? Diese Frage stellen sich heute sicherlich so einige in der ausverkauften Live Musik Hall in Köln.

Doch zunĂ€chst heizt die sechsköpfige Band Susanne Blech den Kölner ein. Hektisch, turbulent und von nicht allen verstanden preschen die drei SĂ€nger ĂŒber die BĂŒhne. Mit ihren Masken erinnern sie doch sehr stark an Deichkind und kommen doch von ihrer Performance nicht an eben diese Elektropopband heran. FĂŒr Susanne Blech muss man sich definitiv Zeit lassen und sich ebenfalls auf ihre doch sehr langen Texte einlassen und doch bleibt dies ein Kunstprojekt, ĂŒber das man sicherlich geteilter Meinung sein darf. Auch in den Gesichtern in der LMH in Köln kann man alles zwischen Begeisterung, UnverstĂ€ndnis und Verwirrung erkennen.

Setlist Susanne Blech:
01. Intro
02. Helmut Kohl
03. 1000 Jahre Kraftwerk
04. Bankangestellte erzÀhlen von Mailand
05. Die Maschinen laufen heiß
06. Fortschrittsoptimismus
07. Du & Ich
08. HĂ€nde hoch, Feuerwehr!
09. Welt verhindern
10. Metastasen

Ebenso wie die Musiker der Guano Apes sind die KonzertgĂ€nger der Göttinger Rockband gereift und erwachsen geworden. Aus den Schlabberhosen und dem Skateboard unterm Arm ist ein alltagstauglicher Casual-Look mit Handtasche und Smartphone geworden. Ja, auch Rebellen werden meistens erwachsen und aus den alles verĂ€ndernden harten Riffs von einst, sind ernstzunehmende Songmelodien geworden. Offline heißt die aktuelle Tour der Guano Apes und bei den ersten KlĂ€ngen am heutigen Abend wĂŒnscht man sich sogleich, dass dies so einige Besitzer von Smartphones beherzigen wĂŒrden. Beleuchtetes Displaygewitter in Köln steht im direkten Duell mit der Stimmgewalt von Sandra Nasic, die mit Carol and Shine aus dem ersten Album Bel Air nach dem Comeback den Abend eröffnet. Eher unspektakulĂ€r, angepasst und poppig fĂŒhren die Guano Apes durch ihr Set, welches ganz klar durch ihre beiden letzten Alben beherrscht wird. Des Öfteren blitzt die rebellische Ader nochmal auf, die ĂŒberwiegend in Gesten der SĂ€ngerin oder auch in ihrem angetĂ€uschten Schulterritt auf einem Security-Mann im Graben zu finden ist. Zwischen den einzelnen Songs blitzen auch immer mal wieder einige rockige Sprecheinlagen auf, die sich jedoch im Zusammenhang fast fehl am Platz anfĂŒhlen und sehr stark an eine zensierte von Jennifer Weist erinnern, statt authentisch rebellisch durch die Boxen kommen. Dennoch oder gerade deswegen finden die Guano Apes großen Anklang bei dem in die Jahre gekommenen Publikum. Die Fans in der Live Musik Hall wippen im Takt mit den Köpfen und der einst kreisende Pogo wippt verhalten, aber unterhaltend mit dem Fuß. Angekommen im neuen Soundpaket der Guano Apes. Aber wer nun denkt, dass der eigene Rebell gut vergraben in einem schlummert, der muss dies spĂ€testens mit dem ersten Akkord von Open Your Eyes revidieren. Ausgelassene Freudenschreie sind in Ehrenfeld zu hören, HĂ€nde schnellen in die Höhe und ein gewaltiger Chor ertönt. Wieder Teenager sein geht doch so einfach! Und auch so gehen die Musiker aus Göttingen unter tosendem Applaus mit der Gewissheit der Wiederkehr von der BĂŒhne. Im Zugabenblock (oder auch die Ode an die Jugend in zwei Teilen) zelebrieren die Guano Apes erfolgreich den Spagat zwischen dem damals oder dem jetzt. Wobei hier ganz klar das „damals“ gewinnt, denn Big in Japan von Alphaville und Lord of the Boards sind einfach gnadenlos und ein nicht mitsingen absolut ausgeschlossen.

Guano Apes klingen 2014 wesentlich ausgereifter und in ihren Songs anspruchsvoller, was gerade der kraftvollen Stimme von Sandra Nasic zu Gute kommt, die auch weiterhin mit viel Power und einer grandiosen Leichtigkeit ĂŒber die BĂŒhne huscht und sĂ€mtliche Augen auf sich fixieren kann. Und wenn man als Besucher nicht in einer 1994-Endlosschleife gefangen ist, hinterlĂ€sst dieser Abend einen positiven Eindruck.

Setlist Guano Apes:
01. Carol and Shine
02. You Can’t Stop Me
03. Quietly
04. Fake
05. Sunday Lover
06. Hey Last Beautiful
07. Fanman
08. Like Somebody
09. The Long Way Home
10. Numen
11. Open Your Eyes
12. Close to the Sun (Z)
13. Big in Japan (Alphaville cover) (Z)
14. Lez (Instrumental) (ZZ)
15. Lords of the Boards (ZZ)

Guano Apes:

Susanne Blech:

Fotos: Michael Gamon

Geschrieben von
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