LONDON AFTER MIDNIGHT – Dresden, Reithalle Strasse E (18.07.2014)

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    Aaaah, London After Midnight. Lange hat man nichts mehr von ihnen geh├Ârt. Nur von ihrem politischen Aktivismus bekam man durch Sean Brennans Blog ab und an noch etwas mit. Musikalisch jedoch blieb es in den letzten Jahren, abgesehen von ein paar wenigen Konzerten auf anderen Kontinenten, still um sie.

    Umso mehr habe ich mich ├╝ber eine M├Âglichkeit gefreut, London After Midnight endlich einmal wieder live erleben zu d├╝rfen. Immerhin ist das eine Band, die mich seit meinen jungen Teenagerjahren begleitet und pr├Ągt. Und so scheint es den meisten im Publikum zu gehen. Zahlreich sind sie erschienen, um beim Auftakt der Welttournee zum bald erscheinenden Album dabei zu sein. Die Besucher/innen sind in allen Altersklassen vertreten und teilweise von weit her gekommen. Das ist an den Autokennzeichen und dem Erklingen verschiedener Sprachen im Saal der Reithalle leicht zu erkennen. Was dabei vielen gemeinsam scheint, ist der Hang zur Oldschool-Romantik. London After Midnight sind ja, zumindest wenn es um die B├╝hnenpr├Ąsenz geht, noch von der (wenn ich es so ausdr├╝cken darf) alten Schule. Dem Publikum scheint es ├Ąhnlich zu ergehen und so ist es an diesem Abend ein bedeutsamer Teil der ├Ąsthetischen Inszenierung. In dieser Sommernacht erzeugen der sanfte Hauch von Patchouli, der Geruch von Haarspray im toupierten Haar und schweres Augen-Make Up die London After Midnight w├╝rdige Stimmung.

    Leider l├Ąsst die Band auf sich warten und 22.15 Uhr, also zwei Stunden nach Einlass und lange nachdem die Dresdner Gruppe Broken Soldiers Project uns so richtig eingeheizt hat, ist von besagter feierlicher Erwartung nicht mehr viel zu sp├╝ren. Noch immer ist es den Temperaturen des Tages geschuldet sehr hei├č, auch in der Reithalle selbst. M├╝digkeit und Verstimmung machen sich breit. Der Soundcheck scheint schon seit ├╝ber einer halben Stunde erledigt, die B├╝hne jedoch bleibt leer.

    ÔÇ×Hei├čt ja auch After Midnight.ÔÇť meint jemand neben mir trocken und sorgt damit einige Momente f├╝r Erheiterung. Na, hoffentlich erf├╝llt sich diese Prophezeiung nicht. Ich bewundere dieses l├Ąssige Publikum, das zwar weniger fr├Âhlich ist als zu Beginn, aber geduldig ausharrt. Ich hingegen schiele aufgrund meiner Abh├Ąngigkeit von den ├Âffentlichen Verkehrsmitteln ├Ąngstlich nach der Uhrzeit.

    Dann endlich, gegen 23 Uhr, verstummt der (zugegeben geschmackvolle) Soundtrack des Wartens endg├╝ltig und das Band-Logo wird an die Leinwand projiziert. Die vier Herren betreten unter tosendem Applaus die B├╝hne und spielen zum Auftakt Your Best Nightmare. Etwas ernst und angespannt wirken sie dabei, doch das legt sich mit dem ersten Song. London After Midnight werden von einem frenetischen Publikum gefeiert und als sie das merken, scheinen Anspannung und Gedanken ├╝ber die Versp├Ątung von ihnen abzufallen. Sie freuen sich, wieder auf der B├╝hne zu sein und merken auch an, dass die vor uns liegende Show eine Art Versuchskaninchen ist. Und das Experiment gl├╝ckt. Witze werden gerissen (ÔÇ×Es ist so unglaublich hei├č, wir haben schon ├╝berlegt, die Kost├╝mierung sein zu lassen und in Handt├╝chern zu spielen.ÔÇť) und es wird viel gelacht. Wie angenehm und herzlich Musiker und Fans das gesamte Konzert hindurch miteinander umgehen ist in der Welt der unterk├╝hlten, kaltschn├Ąuzigen Rockstars eine wirklich erfreuliche und erfrischende Abwechslung.

    Mit weiteren Songs, teilweise gespielt in neuer oder alternativer Aufmachung, darunter Klassiker wie Kiss, Complex Messiah, Psycho Magnet, The Pain Looks Good On You, Shatter, Pure, The Beginning of the End und solchen, die wie Inamourada live sehr selten zu erleben sind, entf├╝hrt uns die Band in ihre eigene, insbesondere von dunkler Romantik und political awareness gepr├Ągten Welt. Untermalt wird das Erlebnis mit kleinen Anekdoten aus dem eigenen Musikerleben (ÔÇ×Sean, erz├Ąhl doch mal die Story von dem M├Ądchen, das dich auf deinem Balkon ├╝berrascht hat, als du nach einem Konzert Heim gekommen bist.ÔÇť) und Musikw├╝nschen der Fans. Ferner werden mit Love und After the End of the World zwei Lieder vom neuen Album vorgestellt. Von kleineren technischen St├Ârungen bekommt man unten in der Halle kaum etwas mit. Alles in allem wird eine musikalisch hochwertige Show geboten, die jede/n Einzelne/n im Publikum mitrei├čt. Es wird getanzt, gesungen, gefeiert. Die zeitliche Verz├Âgerung und die M├╝digkeit, all das spielt nun keine Rolle mehr.
    Als die Band f├╝r eine von der begeisterten Menge eingeforderte Zugabe erneut die B├╝hne betritt, richtet Matthew Setzer nochmals einige Worte an die Fans. Mit ihnen bedanken sich London After Midnight f├╝r deren Geduld, ihre Herzlichkeit und Treue und berichten im selben Zug von einem Tag, an dem so ziemlich alles schief laufen konnte, was eben schief laufen kann. Und trotzdem, so schlie├čt Matthew die kleine Ansprache, nahm dieser Tag gedankt dem Publikum einen so wundervollen Ausgang. Danach verabschieden sie sich nach knapp eineinhalb Stunden Konzert mit einem letzten Hit: The Bondage Song. Und ich bin mir sicher, dass dieser Abend nicht nur f├╝r London After Midnight ein gro├čer Erfolg und ein tolles Erlebnis war, sondern f├╝r so ziemlich alle, die der R├╝ckkehr dieses gro├čartigen Projekts beiwohnen durften.

    Wer die Chance hat, London After Midnight in der n├Ąchsten Zeit live zu sehen, sollte sie unbedingt nutzen. Es lohnt sich.

    Setlist London After Midnight:
    01. Intro
    02. Your Best Nightmare
    03. A Letter to God
    04. The Pain Looks Good on You
    05. Fear
    06. Psycho Magnet
    07. Beginning of the End
    08. Shatter (All My Dead Friends)
    09. Claires Horrors
    10. Love
    11. Pure
    12. Love You to Death
    13. Spider and the Fly
    14. Nothing’s Sacred
    15. After The End Of The World
    16. Complex Messiah
    17. Kiss
    18. Sacrifice
    19. The Bondage Song (Z)

    London After Midnight:

    Broken Soldiers Project:

    Fotos: Sassie & Kerstin Pompe

    Geschrieben von
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