BRAND NEW – Köln, Bürgerhaus Stollwerck (25.04.2014)

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Wow, was für ein Konzert!
Die Zeiten in denen man mit dem Hinweis auf Brand New nur unwissendes Kopfschütteln erntete, sind also definitiv vorbei. Umso überraschender, wenn man bedenkt, dass das letzte Studioalbum von Brand New doch schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, erschien Daisy doch bereits in 2009. Nun also endlich kommen Brand New nach Europa und, da inzwischen offensichtlich mehr als 3 Leute hierzulande die Band kennen, mögen, hören, demnach auch nach Deutschland…

Wie also würde ein Konzert aufgenommen, so ganz ohne neues Material? Offensichtlich sehr gut, das Bürgerhaus Stollwerck war scheinbar ausverkauft! Die Plätze für die schreibende Zunft wurden ebenfalls eingeschränkt und Fotos dann am Abend selbst von hochoffizieller Seite, sprich der Band selber, untersagt. Euch bleibt also nichts anderes übrig, als mir zu glauben, wenn ich berichte, dass die Stimmung vom ersten Moment an fantastisch war. Das Publikum hatte aber auch lange gewartet, sehr lange sogar! Brand New spielen nämlich recht selten in Europa. Noch seltener in Deutschland. In 2013 gab es gerade einmal zwei (2!) kleine Konzerte, aber die konnten den Bedarf natürlich überhaupt nicht stillen… Dementsprechend groß war die Vorfreude, die deutlich im Publikum zu spüren war.
Während sich im Vorraum noch über die teuren T-Shirts beschwert wurde (hübsch, aber echt nicht gerade günstig), machten The Front Bottoms aus New Jersey, von denen ich bis zu diesem Abend noch nichts gehört hatte, die aber ausgesprochen sympathisch wirkten, den Anfang. Ihre Mischung aus Alternativ-Indie-Punk-Pop kam dementsprechend sehr gut an. Auch wenn es am Einlass noch zu Warteschlangen, das Publikum in der Halle hatte schon eine Menge Spaß mit den Songs über Drogen, die Liebe, die Fallstricke des Sex und das Leben im Allgemeinen und im Besonderen. Sehr empfehlenswert, und ich wiederhole mich, sehr sympathisch. Anspieltipp: Au revoir (Adios) (https://www.facebook.com/thefrontbottoms)

Danach stieg die Spannung. Wie würden sich Brand New präsentieren? Wie würde das Programm aussehen? In den USA hatten Brand New ein paar Konzerte mit kompletten Alben gespielt. So etwas hätte zwar für einen sehr besonderen Abend gesorgt, wurde aber in Europa so nicht durchgezogen. Schade einerseits, andererseits ist das Oeuvre von Brand New so vielfältig, dass ich mit der normalen Setlist sehr gut leben konnte.
Es wäre meiner Meinung nach unfair, Brand New vorzuwerfen, dass sie ihren Stil im Laufe der Jahre immer wieder geändert haben. Böse Zungen würden behaupten, dem Geschmack des Publikums angepasst. Stattdessen sehe ich die Alben als eine deutliche Weiterentwicklung, die Songs, die Strukturen wurden immer ausgefeilter und komplexer. Im Konzert stehen dann epische Songs wie Sowing Season vom grandiosen, vielgepriesenen The Devil and God are raging inside me, neben Krachern wie Seventy Times 7. Überhaupt, diese Titel, wer möchte keine Lieder mit Titeln wie Okay I Believe You, but My Tommy Gun Don’t hören?

Das Publikum war von der ersten Sekunde an da, ein fantastisches Bild, wenn man wie ich, das Konzert vom Balkon genossen hat. Eine wogende, tanzende Menge, Crowdsurfing, der Versuch einer „Wall of Death“ (mehr „Hole of Death“) und eine spürbar gut aufgelegte Band. Mir persönlich war es etwas zu laut, das Bürgerhaus Stollwerck kann eine toll klingende Location sein, aber an diesem Abend war es für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Aber das mag auch an meinem fortgeschrittenen Alter liegen, der Großteil des übrigen Publikums (jung, hip, alternativ und attraktiv) machte keine Anstalten, sich die schützenden Stöpsel in die leidenden Ohren zu stopfen… Hört auf meine warnenden Worte, so lange ihr noch gut hören könnt!

Brand New sind eine großartige Liveband, die an diesem Abend ein großartiges Publikum vorgefunden haben und nur zwei Fragen bleiben offen: Wann gibt es ein neues Album und wann gibt es Deja Entendu endlich wieder auf Vinyl?

Setlist Brand New:
01. Vices
02. Gasoline
03. At the Bottom
04. You Stole
05. Sic Transit Gloria… Glory Fades
06. Guernica
07. Okay I Believe You, but My Tommy Gun Don’t
08. I Will Play My Game Beneath the Spin Light
09. Seventy Times 7
10. The Quiet Things That No One Ever Knows
11. Sowing Season
12. The Archers Bows Have Broken
13. Millstone
14. Limousine (MS Rebridge)
15. Jesus
16. Degausser
17. You Won’t Know

Foto: Veranstalter

Geschrieben von
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