HENKE – Bochum, Bahnhof Langendreer (17.04.2014)

Geschätzte Lesezeit: 3 Minute(n)

Nachdem HENKE in den vergangenen Jahren brachial und laut um die Osterfeiertage ausgewĂ€hlte StĂ€dte der Republik bereisten, wird in diesem Jahr alles anders. Mit dem Bahnhof Langendreer ist der Treffpunkt derselbe und auch terminlich gesehen kann man sich auf die geniale Formation um Urgestein Oswald Henke verlassen, denn der GrĂŒndonnerstag eines jeden Jahres ist den Bochumern vorbehalten. Und doch wird in diesem Jahr alles anders, reduziert auf ein akustisches Rahmenkonstrukt und musikalisch so nah wie nie. „Intim & Leise“ – die Mission der Band wird in diesem Jahr zu einer gemeinsamen akustischen Reise, die sicher in vielen Köpfen und Körpern nachhallen wird.

Um der IntimitĂ€t noch etwas mehr Raum zu geben, verzichtet man in der bestuhlten Konzertlocation an diesem Abend auf eine Vorband und beginnt ganz pur und ohne Umwege um 21:00 Uhr – ca. 45 Minuten, nachdem sich die Pforten fĂŒr die Fans geöffnet hatten – mit HENKE. Als die Band nach und nach die BĂŒhne betritt, wird es mucksmĂ€uschenstill. Die Spannung und Neugier auf das, was uns erwarten wird, ist deutlich spĂŒrbar und die Stille des Publikums scheint einem situativen „ersten Mal“ gleichzukommen – und irgendwie ist es das ja auch. HENKE gab es in den vergangenen Jahren stets laut, fordernd, krachend und Griffe in die musikalische Vergangenheit Oswald Henkes mischten den Shows stets einen textlich verstörenden Beigeschmack hinzu. Wie wird es also heute werden?

Plötzlich wird die Gitarre zu den Anfangsakkorden von Traumzeitlos sanft gezupft und hallt in die schon jetzt gebannte Menge, als die Stimme des charismatischen Frontmanns Henke einsetzt. AllmĂ€hlich gesellen sich weitere Instrumente dazu: Piano, ein brummender Kontrabass und Percussion, die sich in ihrer LautstĂ€rke immer mehr steigern. Schnell wird klar, dass das Wort „leise“ hier und heute nicht zu wortwörtlich genommen werden darf, denn von der LautstĂ€rke her befinden wir uns in jedem Fall auf einem ĂŒblichen HENKE-Konzert. Was viel mehr leise, ruhiger, sanfter ist, ist die Stimmung, das Licht, in dem jeder einzelne Song erstrahlt, ohne dabei an Aussagekraft zu verlieren. Ein wirklich gekonnter Geniestreich! Schnell wird auch deutlich, dass die Energie, die in Oswald von Beginn an brodelt, befreit werden möchte. Wo er anfĂ€nglich noch fast in Starre verharrt, sich bei StĂŒcken wie Weckt Mich oder Ohne Titel nur minimal bewegt, ergibt er sich schnell den zum Teil wirklich emotional aufwĂŒhlenden Texten und Tönen und untermalt sie mit ganzem Körpereinsatz. Und auch seine Blicke beschwören bei StĂŒcken wie Weil Ich Es Kann oder dem ergreifenden Vergessen die Menge und bewegen uns, auch wenn wir heute alle still sitzen.

HENKE schöpfen heute Abend einzig und alleine aus ihrem eigenen Repertoire, eine weitere Neuerung, denn in den vergangenen Jahren haben sich vor allem Goethes Erben Klassiker unter das neue HENKE-Material gemischt. Dass HENKE eigenstĂ€ndig sind, wussten wir alle, heute Abend bekommen wir es auch zu hören und werden abermals ĂŒberzeugt. Es ist wirklich faszinierend, wie in doch so kurzer Zeit ein so ansprechendes Werk entstehen konnte, das auf so vielen Signatur-StĂŒcken grĂŒndet, sei es nun Herz, Findenzoo, Zeitmemory, Maskenball der Nackten oder Es ist Nacht… – um nur einige zu nennen.

NatĂŒrlich schaffen die Fans es nach rund 1,5 Stunden Spielzeit, den Herren auf der BĂŒhne noch eine kleine Zugabe zu entlocken und so wird mit dem allseits beliebten Szene-Kritiker-Song Manisch Aggressiv nachgelegt, bevor sich nach dem dĂŒsteren Wiegenlied Medea die VorhĂ€nge fĂŒr diesen Abend endgĂŒltig schließen. FlĂŒstern, schreien, lachen, weinen… und zwischendurch lange, wohlige GĂ€nsehautschauer. Ein Abend, den so schnell niemand vergessen wird!

Setlist HENKE:
01. Traumzeitlos
02. Weckt Mich
03. Ohne Titel
04. Herz
05. Weil ich es kann
06. Epilog
07. Findenzoo
08. Rote Irrlichter
09. Vergessen
10. Zeitmemory
11. Maskenball der Nackten
12. SpĂŒren
13. Wer mich liebt

14. An jedem Haar
15. Orangenschiffchen
16. Es ist Nacht
17. Herbstkinder
18. Manisch Aggressiv (Z)
19. Medea (Z)

 

Fotos: Michael Gamon

Geschrieben von
Mehr von Tanja Gamon

SCOOTER – DĂŒsseldorf, Mitsubishi Electric Halle (26.02.2016)

Was gibt es Schöneres, als am Freitagabend nach getaner Arbeit endlich die...
Weiterlesen