MY BLOODY VALENTINE РKöln, Live Music Hall (05.09.2013)

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Durch zigmaliges Hin- und Hergeschiebe hatte sich die d√§mliche Situation ergeben, dass My Bloody Valentine ihr erstes Deutschland-Konzert seit den 90er Jahren 24 Stunden nach dem ersten Holland-Konzert der Neuzeit spielen sollten. Als beide Auftritte noch ein halbes Jahr auseinander lagen, hatten wir beide eingeplant. Im Mai in Eindhoven, dann w√ľrde bis Herbst das Fiepen im Ohr ja wieder weg sein. Jetzt, wo beide Konzerte an aufeinander folgenden Tagen stattfinden sollten, stellte sich uns die Frage neu, ob wirklich beide n√∂tig w√§ren. Nein, bei aller Liebe sicher nicht. Aber welches streichen? F√ľr Eindhoven sprach der tolle, kleine Saal, f√ľr K√∂ln die Anreise und gesellschaftliche Gr√ľnde.

Nachdem die Show in Eindhoven dann eher mau ausgefallen war, w√§re ich eigentlich sicher nicht mehr nach K√∂ln gefahren, wenn nicht schon verschiedene Verabredungen getroffen worden w√§ren. Dass es die ber√ľhmte Party werden w√ľrde, zu der man erst gar keine Lust hatte, ahnte ich da noch nicht.

Aus bereits erw√§hnten Gr√ľnden reichte es mir heute durchaus aus, das Konzert in der irre hei√üen Live Music Hall von hinten anzusehen. Bar- oder Geschw√§tz-Ger√§usche, die gerne Konzerte im hinteren Bereich eines Saals unertr√§glich machen, w√ľrden heute mit dB-St√§rke ausradiert werden und √ľber Nacht ausgedachte Choreographien erwartete ich auch nicht.

Nach ein paar Takten I only said nahmen die ersten Leute in meiner Umgebung die Ohrenst√∂psel raus. Ich versuchte das auch und merkte, wie leise das Konzert im Vergleich zu meinen beiden bisherigen war. Sind die L√§rmvorschriften in Deutschland noch strikter als in den Niederlanden? Schon da hatten wir es als vergleichsweise harmlos erlebt. Oder ist es zwei Meter hinter den Soundleuten so viel leiser als vorne im Raum? Jedenfalls machte das aus dem Konzert ein sehr viel Normaleres als diese Bombenangriffs-√Ąsthetik, f√ľr die MBV-Gigs sonst bekannt sind. Man verstand ein wenig Text, fast immer waren Melodien auszumachen und die Stimmen zu h√∂ren. Das klingt albern, aber bei To here knows when oder Soon waren bei den Konzerten in Glasgow und Eindhoven, die ich geh√∂rt hatte, nur tiefe, immer wiederkehrende T√∂ne auszumachen. Was uns zu der Frage f√ľhrte, wer wie das Kommando gibt, wann ein Lied zu beenden ist.

F√ľr den Gro√üteil des Konzerts galt, dass diese quasi-akustische Version einer My Bloody Valentine Show mir zu meiner √úberraschung sehr viel Freude bereitete. Als 120 dB Spektakel hatte ich es ja auch schon erlebt. Nur verpuffte damit dann auch der Effekt des krachigen Mittelteils von You made me realise, der im englischen Sprachraum unsch√∂n "Holocaust section" hei√üt. Das L√§rm-Staccato tut k√∂rperlich weh, wenn es laut ist. In K√∂ln dehnte die Band um Kevin Shields diesen auf gut achteinhalb Minuten aus (dazu laufen wei√üe Linien √ľber die Animationsleinwand), vier Minuten l√§nger als am Vorabend. Aber zweimal 100 dB sind nun mal nicht 130. Nichts tat weh, kein Fremd-Magenknurren, und der ganze Effekt des k√∂rperlichen Miterlebens der Musik war futsch.

Mittlerweile sind vier St√ľcke der neuen Platte im Live-Programm der Band. Von denen ist Only tomorrow herausragend. An das experimentelle Wonder 2, zu dem Schlagzeuger Colm nach vorne kommt und Gitarre spielt, habe ich mich immer noch nicht gew√∂hnt.

Obwohl ich ganz exakte Erwartungen an den Abend hatte und mit einem weiteren routiniert runtergespielten Konzert der am Mittwoch fast lustlos wirkenden Band gerechnet hatte, gefiel mir die Show sehr. Ein richtig guter Abend, auch wenn es schon verr√ľckt ist, sich bei You made me realise dar√ľber unterhalten zu k√∂nnen, dass man genau eben dies kann!

Setlist:
01. I only said
02. When you sleep
03. New you
04. You never should
05. Honey power
06. Cigarette in your bed
07. Only tomorrow
08. Come in alone
09. Only shallow
10. Thorn
11. Nothing much to lose
12. Who sees you
13. To here knows when
14. Wonder 2
15. Soon
16. Feed me with your kiss
17. You made me realise

 

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