M’ERA LUNA FESTIVAL 2013 Tag 2 – Hildesheim, Flughafen Drispenstedt (11.08.2013)

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Sonntag, den 11.08.2013:


Hangar Stage

Den Anfang des zweiten Festivaltages auf der Hangar Stage machte niemand anderes als Kai Meyer, der eine Lesung u.a. seiner Arkadien-Trilogie zum Besten gab. Die Zuschauer in der teilbestuhlten Halle lauschten bedĂ€chtig den Worten des Schriftstellers, der auch aus seinem ersten Erfolg der 90er Jahre – Die Alchimistin – vortrug. Gesanglich unterstĂŒtzt wurde er durch Alexander „Asp“ Frank Spreng von ASP, der zwei von den Arkadien inspirierten Songs begleitet an der Akustikgitarre vortrug. Weiter ging es mit der Dark Metal Band Eden weint im Grab, die den Zuschauern Songs wie Gespenster Revue im Theater Obszön, An die Nacht und Moritat des Leierkastenmanns kredenzte. Die britische Band In the Nursery ist wohl eine der bekanntesten Neo Klassik Gruppen schlechthin. Die Zwillinge Klive und Nigel Humberstone sind mit dem Projekt bereits seit 1983 unterwegs und spielten eine Mischung aus alten und neuen Hits, z.B. A Rebours (in einem tanzbaren Remix), Crepuscule und Lectern vom neuen Album Blind Sound. Die stimmliche Leistung der SĂ€ngerin Dolores Marguerite C passte sehr gut zur soundtrackĂ€hnlichen, oft pathetischen Musik und die BrĂŒder zeigten an Keyboard, Gitarre und Drums, dass sie nicht nur tolle Melodien zaubern können, sondern auch gute Livemusiker sind. Das Ambiente, welches sie in den Hangar zauberten, war einfach unbeschreiblich schön und verleitete das Publikum zu einigen Zugaberufen. Ein Ă€hnliches GefĂŒhl wusste die niederlĂ€ndische Band Clan of Xymox zu erzeugen, denn das Quartett, welches immer fĂŒr gute Konzerte bekannt ist, musste sich nicht groß anstrengen, um Stimmung zu erzeugen. Wie es sich fĂŒr „Altgothics“ gehörte, spielten ein gutgelaunter Ronny Moorings und seine Clanmitglieder mit viel blau-grĂŒnem Licht und einer Menge BĂŒhnennebel ihre grĂ¶ĂŸten Smasher wie Emily, Moscovite Mosquito, Jasmine And Rose und A Day. Bei Louise, einem der schönsten Waverock Songs aller Zeiten kamen Erinnerungen an unvergessliche Zeiten auf den dunklen Dancefloors der Nation auf und man begann unweigerlich zu TrĂ€umen und zu Tanzen. Kaum hatte man sich umgeschaut, spielte die Band bereits ihr letztes StĂŒck Venus vom Cover Album Kindred Spirits, welches nur teilweise ĂŒberzeugen konnte. Nachdem das EBM/Futurepop Projekt [:SITD:] aus dem Ruhrgebiet die Fans mit ihren harten Beats und tiefgehenden Texten zu begeistern wusste, war es Zeit fĂŒr einen weiteren Leckerbissen audiovisueller Art: Kirlian Camera aus Italien sind immer ein Anschauen wert, da die Band sich seit ĂŒber 30 Jahren immer wieder neu erfindet und mit der Augenweide Elena Alice Rossi, deren Stimme den Zuhörer sofort in ihren Bann zieht, eine sexy Frontfrau aufzuweisen hat. Im schicken weißen Hemd und lasziven Posen verbreitete sie Erotik pur, Mastermind Angelo Bergamini als Maskenmann bediente die Tasten und zwei Gitarristen sorgten fĂŒr rockige AttitĂŒde. Die Gruppe hatte ihre Hits Nightglory, K-Pax, Eclipse und Edges im GepĂ€ck und kam vom ursprĂŒnglich rein elektronischen Ansatz aufgrund Gitarre und Cello weg, was den Songs eine weitere Ebene aufzeigt. KC zeigten, wie sie den gut gefĂŒllten Hangar begeistern konnten, indem sie u.a. dem Pink Floyd Klassiker Perfectly Numb neues Leben einhauchten. Chris Corner, SĂ€nger und Enfant Terrible der britischen Band Iamx musste leider aus gesundheitlichen GrĂŒnden absagen, aber schnell haben die Veranstalter einen mehr als wĂŒrdigen Ersatz gefunden. Zeromancer brachten songorientierten Synthrock der Extraklasse, der sofort ins Ohr geht auf das Parkett. Die Fans hatten das VergnĂŒgen, Songs wie Sinners International, Neo Geisha und DoppelgĂ€nger i love You zu genießen und taten dies auch ausgiebig. Der musikalische Funken und das sympathische Erscheinen der nordischen Jungs taten das Übrige, um aus dem „Ersatzkonzert“ etwas Besonderes zu machen. Fast ergreifend war der Moment, als Zeromancer Chris Corner gute Besserung wĂŒnschten und kurz den Iamx Song After Every Party I Die anspielten. Die Kultcombo Front Line Assembly war die letzte Band dieses Festivals auf der Hangar Stage und feierte mit ihren Fans diesen Umstand mehr als ausgelassen. DĂŒstere, nebelverhangene BĂŒhne mit viel Elektronik aber auch ein analoges Drum im Livesetup, das sind die Zutaten eines FLA Konzertes. Frontman Bill Leeb, der in Kanada lebt und gebĂŒrtiger Österreicher ist, schlenderte oft teilnahmslos ĂŒber die Szene und brachte Tracks wie Mindphaser, Plasticity und StĂŒcke vom aktuellen Album Echogenetic an die Öffentlichkeit. Die teils brachiale Elektronik mit einigen MetaleinflĂŒssen kam sehr gut an und was man gerne vergisst: hinter all der Energie und HĂ€rte verbergen sich oft ausgefeilte Kompositionen mit guten Melodien. Der perfekte Abschluss eines tollen Konzertabends.

Main Stage

Nachdem die Bands Schwarzer Engel und Unzucht den Festivaltag an der frischen Luft eröffnen durften und vor allem Letztere schon durchaus einige Fans vor die BĂŒhne gelockt hatten, stand bereits schon die nĂ€chste Attraktion in den Startlöchern. Beginnend mit dem Tanz der Zuckerfee von Tschaikowsky als Liveintro betraten Coppelius die Open Air BĂŒhne in Hildesheim und zeigten, dass Metal mit klassischen Instrumenten wie Cello und Klarinette durchaus funktionieren kann. „Guten Morgen meine Damen und Herren“, wurden die Fans in förmlicher Anrede mit Olaf Schubert AttitĂŒde begrĂŒĂŸt. Stark geschminkt und teilweise in Smoking und im Steampunk Outfit sang und spielte die Band ihre deutschen Texte in StĂŒcken wie Bitten, Danken, Petitieren oder Risiko. Die phantasievolle Show mit Theatereinlagen (u.a. mit LitfaßsĂ€ule auf der BĂŒhne) rockte gut nach vorne in den wolkenverhangenen Sommerhimmel und die Zuschauer werden sich folgenden Satz in Zukunft gut merken: „Coppelius hilft!“ Auch die anschließende Band kam mit einer netten Einleitung daher, nĂ€mlich die Titelmelodie der Vampirserie True Blood (Jace Everett – Bad Things), die aus den Boxen donnerte, bevor die Show beginnen konnte. Die Goth’n’Roll Band The 69 Eyes aus Finnland feierte jĂŒngst ihr 20-jĂ€hriges Bestehen und begrĂŒĂŸte ihre Fans mit den Worten "We are the Helsinki Vampires". Und das konnte man fast wörtlich nehmen, denn die Jungs legten sich so sehr ins Zeug, dass sie fast die ganze Lebensenergie der partywĂŒtigen Menge aussaugte. Gothic Girl, Tonight und Sleeping with Lions – um nur einige Titel zu nennen – taten ihr Übriges, um fĂŒr ein schönes Live Erlebnis und zufriedene Gesichter zu sorgen. Die beiden doch sehr unterschiedlichen Bands Tanzwut und Staubkind zeigten anschließend mit guter Laune an der frischen Luft ihr Können. Auch die norwegische Band Apoptygma Berzerk hatte etwas zu feiern, nĂ€mlich ihre treuen Fans, die es sich nicht nehmen ließen, alles zu geben, um dem Konzert „das Gewisse etwas“ zu verleihen. Non-stop Violence war sicherlich kein schlechter Start fĂŒr ein Liveset und Eclipse in einer sehr interessanten neuen Version war auch keine schlechte Wahl, die gute Songauslese der APB Gassenhauer zu untermauern. Bei Is There Something I Should Know? verabschiedeten sich Gitarrist und Drummer von der BĂŒhne und Stephan Groth hatte auch quasi alleine die Meute im Griff. Ein Höhepunkt des Gigs war sicherlich Starsign und die neue Single Major Tom (Die englische Version des Peter Schilling Songs Völlig losgelöst), der der Meinung Stephans nach der beste Song ist, der je geschrieben wurde. Und man muss gestehen, dass das Lied live sehr gut ankam und der Keyboarder sang den Chorus inbrĂŒnstig zusammen mit den Festivalbesuchern in deutscher Sprache. Im Anschluss daran zeigten Blutengel ihren ĂŒblichen Mummenschanz
mit blutigen MĂ€dchen und nur mit einem einzigen Livemusiker (nĂ€mlich dem Drummer) auf dem Hildesheimer Podium. Die Erfinder der Electronic Body Music, die belgische Gruppe Front 242, erhob sich aus dem roten Nebel mit Drumkit und der klassischen zwei SĂ€nger-Konstellation und zeigte sich von ihrer besten Seite, als sie tausenden von Electroheads Tracks wie Body to Body, Quite Unusual und No Shuffle (In einer fast schon lahm zu nennenden Version) aus den Boxen drĂŒckte. Bei diesem Auftritt zeigte sich wieder mal, dass Electrobands besser in der Halle aufgehoben sind, da synthetische Sounds den Widerhall von vier WĂ€nden benötigen, um die volle Kraft zu entfalten. Nichtsdestotrotz gab es genĂŒgend „Tanzwut“, da die beiden Herren Jean-Luc De Meyer und Daniel Bressanutti Vollprofis sind und genau wissen, wie sie den Smasher Headhunter am besten unter die Leute bringen. Alles Schöne muss leider auch ein Ende haben, denn nach gefĂŒhlten zwei Stunden stand auch schon der Headliner und somit auch die letzte Band auf der BĂŒhne. Die Symphonic-Metal Gruppe Nightwish ist eine der erfolgreichsten Metalbands Finnlands und ihren Ruf verteidigten die Musiker mehr als eindrucksvoll, denn ihre Show mit hohem Unterhaltungswert suchte seinesgleichen. Mit der GastsĂ€ngerin Floor Jansen (Nachdem erst Tarja Turunen und nun auch Anette Olzon die Band verließen) im GepĂ€ck prĂ€sentierte die Ausnahmeband auf ihrer letzten Show der Imaginaerum Tour einen rockig-melodiösen Querschnitt ihrer besten Songs wie Dark Chest Of Wonders, Everdream und den neuen StĂŒcken Storytime und Last Ride Of The Day. "How loud can you really be?" rief die stimmgewaltige und attraktive Floor den Fans zu und veranstaltete eine Art Schreikonzert mit dem Publikum. Auch Bassist Marco Hietala trieb seine SpĂ€ĂŸchen mit den Massen: "Say something nice to your Girlfriend: ich liebe Wurst“! Das ist nordischer Humor! Und ebendiesen mussten die Besucher des MÂŽera Luna Festivals auch haben, denn jeder schöne Tag hat mal ein Ende. Aber einen kleinen Trost gab es: die Aussicht auf ein weiteres tolles Festival im kommenden Jahr.

Wir haben fĂŒr euch eine Galerie mit Bildern des zweiten Tages zusammengestellt, die ihr hier oder durch Anklicken der Bilder erreichen könnt:

Galerie M’era Luna Festival Tag 2 (Sonntag, den 11.08.2013)

Autor: Frank Stienen

Fotos: CĂ©cile Hautefeuille (Apoptygma Berzerk & Kai Meyer: Michael Gamon)

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Galerie M’era Luna Festival Tag 2 (Sonntag, den 11.08.2013)

Weitere Fotos des Events gibt es hier

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