OMD – Orchestral Manoeuvres In The Dark – Köln, E-Werk (27.05.2013)

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Vile Electrodes sind Neon & Swan aus London und haben sich der analogen synthetischen Musik verschrieben. So stimmten die beiden anfangs auch erst einmal ihre Tasteninstrumente. Analog ist eben analog. Aber dann durfte es losgehen. Das Duo, welches auch privat ein Paar ist, brachte lupenreinen Wavepop auf die BĂŒhne und ihr minimaler Sound konnte durchaus ĂŒberzeugen. Swan sah aus wie der junge Vince Clarke (Depeche Mode, Yazoo, Erasure) und das ergibt durchaus seinen Sinn, denn der Sound von Vile Electrodes ist dem von Yazoo nĂ€her als dem von aktuellen Synthiepop Bands heutiger Zeit. Die sympathische Leading Lady Neon wusste nicht nur stimmlich zu ĂŒberzeugen, sondern auch durch ihre deutschen Sprachkenntnisse („Mein Kaninchen ist tot“!). Das Paar hatte die Kölner Zuschauer gut im Griff, denn obwohl ihre Musik nicht gerade durch tolle Melodien auffiel, kreierten sie jedoch eine heimelige AtmosphĂ€re. Das besonders wavige Deep Red kam live besonders gut zur Geltung. SĂ€ngerin Neon bedankte sich abschließend bei ihrer Crew und natĂŒrlich bei OMD, die bereits in den Startlöchern steckten.

Setlist Vile Electrodes:
01. Drowned
02. Empire of wolves

03. Proxinity
04. Play With fire

05. The last time
06. Damaged software
07. Re-emerge
08. Deep red

Nach kurzer Umbauzeit war es dann endlich soweit: OMD betraten pĂŒnktlich um 21 Uhr unter tosendem Applaus die BĂŒhne des E-Werks. Nach einem stimmigen Intro wurde es ernst: die erste Singleauskopplung des neuen Albums English Electric schallte es aus den Boxen: Metroland, ein Song, der aufgrund der tragenden Anfangssequenz sehr an Europe Endless von Kraftwerk erinnert, traf die Fans mitten ins Herz. Wummernde BĂ€sse, drĂŒckende Drums, schwebende Synthesizer und der gut abgemischte Sound verfehlten ihre Wirkung nicht. Auch der BĂŒhnenaufbau war ein Augenschmaus: Von der Decke hingen bewegliche Flaggen, die wahlweise die Streifen des Albumcovers zeigten, oder aber stimmige Videoprojektionen, die durch passende Lichteffekte noch mehr Wirkung erzielten. Frontmann Andy animierte zum Klatschen und die Fans stimmten natĂŒrlich gerne mit ein. Der perfekte Einstieg in ein mitreißendes Konzert der britischen Vorzeigeelektroniker. „Wir bringen alte und neue Songs und jetzt….ALT“, sagte ein gutgelaunter McCluskey mit charmanten englischen Dialekt und spielte beim Track Messages vom 1980er Album Orchestral Manoeuvres in the Dark erstmals seinen prĂ€gnanten Bass. Auch Tesla Girls aus dem Film Lisa der helle Wahnsinn brachte eine menge Spaß und die „NoNoNo!“-Schreie des Songs schallten vom Publikum zurĂŒck auf die BĂŒhne. Die neue Single Dresden bestand die Live-Feuerprobe spielend, denn das Lied klingt wie aus der Mittachtziger Phase von OMD und ist ein reiner Ohrwurm. Das Ă€nderte auch nichts an den ungelenken Moves des SĂ€ngers, der wie ein Derwisch ĂŒber die Szene „tanzte“. McCluskey: „Nun zu Andys Tanzschule!“. Leider hatten die Zuschauer reichlich wenig Platz, es dem SĂ€nger nachzumachen und mit den Armen zu rotieren. Endlich hatte auch Mr. Humphries die Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen. Sein Solo (Forever) live and die brachte ihm einen Riesenapplaus ein und war aufgrund der Reaktion der Massen mehr als ĂŒberwĂ€ltigt. WĂ€hrend bei If you leave die Projektoren auf den Banner Szenen des 80er Films Pretty in Pink zu sehen waren, zeigte Keyboarder Martin Cooper am Saxophon sein Können. Der herrlich wavige Track Souvenir ist einfach eines der schönsten StĂŒcke melancholisch-elektronischen Songwritings und der „All time Classic“ wurde stimmungsvoll durch eine tolle Lightshow (Die Scanner warfen interessante Muster an die WĂ€nde des E-Werks) unterstĂŒtzt, wĂ€hrend Andy mit seinem Bass auf dem Drumriser von Schlagzeuger Malcolm Holmes rockte. Nun kam der „weibliche“ Teil der Show, denn die Hits Joan of Arc, bei dem rhythmisches Klatschen laut wurde und Maid of Orleans (Distortion im Walzertakt) dĂŒrfen auf keinem Konzert der Briten fehlen. Damit man als Zuschauer nicht irgendwann vor lauter Tanzwut kollabierte, gab es auch Momente des Aufatmens, wie z.B. beim Titel Our System, der durch die blaue Lichtshow eine AtmosphĂ€re wie in einem Raumschiff kreierte. Kissing the Machine, der Song, der unter dem Projektnamen Elektric Music bereits in den 90er Jahren erschien, wurde durch Andy mit den Worten „Ist meine Frau kalt wie ein Roboter?“ eingeleitet und der Musiker vergaß vor lauter Shakern mit dem Publikum den Einsatz der ersten Strophe. „Seid ihr mĂŒde?“ rief ein gut gelaunter Andy in die Runde und intonierte Pandoras Box, einen Song, aus der „Solophase“ von OMD, aber die Fans waren alles andere als erschöpft. Die Stimmung erreichte seinen Siedepunkt und man merkte immer wieder, wie die Wellen der Sympathie zwischen Band und deren AnhĂ€ngern hin- und her schwappten und bei Sister Mary says konnte man so einige „HĂŒpfdolen“ im Zuschauerraum beobachten, denn das gut gelaunte Kölner Publikum tanzte sich wahrlich in Trance. Dass Zeit relativ ist, wenn man Freude empfindet, musste man an diesem schönen Konzertabend leider wieder erfahren, aber Enola Gay sorgte in der Endphase des Konzertres gottlob wieder fĂŒr kochende, schweißtreibende Freude und da es der letzte Song des Hauptsets war, riefen die Massen im Takt der Drummachine (als die Band lĂ€ngst die Stage verlassen hatte) ihre Zugabe-Rufe, bis die glorreichen vier zurĂŒckkehrten und sich schlußendlich fĂŒr ihre Encores Secret und Electricity feiern liessen, bevor sie die Fans in die schöne Mainacht entließen.

Setlist OMD:
01. Please Remain Seated
02. Metroland
03. Messages
04. Tesla Girls
05. Dresden
06. History of Modern (Part 1)
07. (Forever) Live and Die
08. If You Leave
09. Night Café
10. Souvenir
11. Joan of Arc
12. Maid of Orleans
13. Our System
14. Talking Loud and Clear
15. Atomic Ranch
16. Kissing the Machine
17. Pandora’s Box
18. Sister Marie Says
19. Locomotion
20. Sailing on the Seven Seas
21. Enola Gay
22. Secret (Z)
23. Electricity (Z)

OMD:

Vile Electrodes:

Autor: Frank Stienen
Fotos: André Techert

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