WAVE-GOTIK-TREFFEN 2013 – Leipzig (17.-20.05.2013)

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Auch 2013 fand zu Pfingsten in Leipzig wieder das Familientreffen der Schwarzen Szene im gesamten Stadtgebiet statt und wartete mit vielen tollen Events auf, seien es Picknicks, Bandauftritte, Lesungen oder ganz einfach das allgegenw├Ąrtige Sehen-und-gesehen-werden. Nat├╝rlich musste man sich stets gut ├╝berlegen, was genau aus der gro├čen Auswahl man pers├Ânlich erleben m├Âchte, wir f├╝r unseren Teil waren jedenfalls sehr zufrieden mit unserer Wahl, die ihr im Folgenden, unterst├╝tzt von zahlreichen Bildern und Galerien, nachlesen k├Ânnt.



Freitag, den 17.05.2013:

Das WGT ist ein riesengro├čes, stadtweites Spektakel, von dem jeder in Leipzig, mit oder ohne Ticket, genug mitbekommt, um danach seine Meinung dazu abzugeben. Jedoch wird keiner das gleiche erz├Ąhlen, so gro├č ist die Vielfalt der Veranstaltungen. Alleine die beiden Picknicks – einmal viktorianisch auf dem Viktorianischen Picknick [GALLERY], einmal steampunkig – sind schon eine Reise wert. Bei ersterem mischten sich heute wieder zahlreiche Schaulustige und Fotografen unter die in Scharen zeitgereisten viktorianischen Gestalten, die bei strahlendem Sonnenschein im Clara-Zetkin-Park den Freuden des Freiluft-Tafelns fr├Ânten. Einige der G├Ąste entsprangen zwar eher den d├╝steren Seiten phantasiebegabter Schriftsteller statt einer zeitreisef├Ąhigen Litfa├čs├Ąule, segelten doch Piratenschiffe auf kunstvollen Frisuren und blickten wei├če Augen aus bleichem Gesicht den ausgeweideten Gerippen von Reifr├Âcken hinterher. Aufwendig inszenierte Picknickszenen mit "coffin to go", Langstielgl├Ąsern und stilechten Picknickk├Ârben boten den Betrachtern ein Fest der Farben und Sinne. Barocke Damen flanierten neben herrschaftlich staffierten Edelm├Ąnnern und auch viktorianische Badekost├╝me wurden gesichtet. (JM /KvK)

Am Abend ging es dann noch zum ersten Besuch der agra, denn dort ging es gleich am ersten Tag hochkar├Ątig zu. F├╝r die stimmungsvolle Einleitung sorgte die Letzte Instanz, die ihr Publikum mit dem ersten Wimperschlag bereits voll im Griff hatte und den Abend feierlich einl├Ąutete. Emotional wurde es beim anschlie├čenden Auftritt von Das Ich [GALLERY], denn Frontmann Stefan Ackermann ist es tats├Ąchlich gelungen, seine schwere Krankheit (mehrfache Hirnblutungen) weitestgehend zu ├╝berstehen und jetzt den bereits f├╝r das Jubil├Ąums-WGT 2011 geplanten Auftritt nachzuholen. Entsprechend wurden die Fans mit den Worten ÔÇ×Herzlich Willkommen zum 20. WGTÔÇť vom Ansager begr├╝├čt, eine tolle Geste. Das Konzert selbst sorgte dann f├╝r absolute G├Ąnsehaut, denn Stefans Stimme wei├č noch immer alle mitzurei├čen und in seiner Welt zu entf├╝hren, auch wenn er verst├Ąndlicherweise auf viel Action verzichtete und auch das musikalische Set eher ruhig ausfiel. Der ausgestreckte Mittelfinger in Richtung Himmel machte aber deutlich, wie froh Stefan ist, den Kampf niemals aufgegeben zu haben. Wahnsinn! Als n├Ąchstes ging es dann wieder etwas h├Ąrter zur Sache, denn The 69 Eyes [GALLERY] waren an der Reihe und luden die Fans in der agra zu einem d├╝steren Rockspektakel ein, eine Aufforderung der man nur allzu gerne nachkam. So rissen die Finnen ihre Gefolgschaft mit alten und neuen Hits f├Ârmlich mit und ├╝berzeugten mit viel optischem Einsatz. (MG)

Optik spielte auch danach eine gro├če Rolle, denn Abney Park [GALLERY], eine Steampunk-Band aus den USA, lockten. Eines meiner Highlights des diesj├Ąhrigen WGTs ÔÇô leider konnten sie meine Erwartungen jedoch nicht ganz erf├╝llen. So sch├Ân die Musik von Abney Park auf CD auch ist – f├╝r mich ist die Truppe leider keine Live Band. Trotz vieler Musiker auf der B├╝hne gab es viel Playback zu h├Âren, einen Schlagzeuger vermisste man ebenso. Ich wusste es an sich und dennoch war ich ein wenig entt├Ąuscht. Nichtsdestotrotz, die Show war gut, der Klang super.

Die Lieder erz├Ąhlten eine sch├Âne Geschichte. Alles war eigentlich gut – aber ein klein wenig besser w├Ąre es eben doch gegangen… (JM/KvK)

Und auch nach diesem Konzert war gegen Mitternacht noch lange nicht Schluss. In der agra wartete um 1:00 Uhr mit And One ein erstes Mitternachtssprecial auf die Fans, doch auch die Stra├čen Leipzigs waren zu n├Ąchtlicher Stunde noch immer gef├╝llt – das Wetter meinte es gut mit uns. Essen. Trinken. Und wo man hin schaut, Outfits die einen schmachten lassen… das machte Lust auf mehr an den Folgetagen. (JM/KvK)

Samstag, den 18.05.2013:

Der zweite Tag des Wave-Gotik-Treffen 2013 begann f├╝r uns musikalisch in der Kuppelhalle des Volkspalastes und zwar mit dem zun├Ąchst f├╝r 14 Uhr angesetzten Konzert von Patrick Wolf [GALLERY], welches aber auf Grund von technischen Problemen erst mit knapp 50 Minuten Versp├Ątung startete. Der leichte Unmut der geduldig wartenden Besucher wurde gleich mit den ersten Pianokl├Ąngen und dem Ert├Ânen der Stimme des Virtuosen im Keim erstickt, denn was Patrick Wolf hier gemeinsam mit seiner Violinistin pr├Ąsentierte war einfach nur beeindruckend, beeindruckend sch├Ân! Patrick tauschte beizeiten sein Tasteninstrument gegen eine Gitarre, seine Stimme w├╝rde er aber sicher f├╝r kein Geld der Welt eintauschen, denn diese ist unbezahlbar. Das gilt besonders in einem solchen architektonischen Rahmen, denn die Kuppelhalle mit ihren leichten Halleffekten passt perfekt zum akustischen Set des Briten. Dieser zeigte sich zun├Ąchst noch etwas reserviert, taute dann aber immer mehr auf und gab die ein oder andere am├╝sante Anekdote zum Besten. Er wirkte sehr sympathisch und w├╝rde gerne mehr deutsch sprechen, aber sein Deutsch klingt so ÔÇ×britischÔÇť ÔÇŽ und ÔÇ×d├ĄmlichÔÇť. Daf├╝r hatte er eigens f├╝r das WGT ein spezielles Set zusammengestellt, das sich allein um Themen wie Selbstmord und Elend drehen w├╝rde. Doch auch die allgegenw├Ąrtige Frage eines Schweinebauers, wer wohl nach den Schweinen schaut, wenn er mal nicht mehr ist, ist Thema seiner Songs, von denen besonders Damaris aus einem tollen Set hervorstach. Was f├╝r ein gro├čartiger Start in den Tag! (MG)

Zeitgleich hatten sich andere bereits im Park nahe der Moritzbastei eingefunden. Nach einem kurzen morgendlichen Regenschauer meinten es die WGT-G├Âtter doch noch gut – vor allem mit den hier nun ans├Ąssigen Steampunkern [GALLERY Besucherfotos]. Denn kaum kam die Sonne zum Vorschein, landeten diese ihre Zeppeline neben der Moritzbastei im Park und lie├čen diverse Propeller und Blubberwaffen f├╝r zahlreiche Besucher und Fotografen hei├č laufen. Auch hier viel Liebe zum Detail und eine ganze Kompanie von Bastelw├╝tigen, die in den endzeitlichen Kupfer- und Bronzet├Ânen des Steampunk schwelgte. Vom Steambaby bis zum Kampfanzug war alles dabei und die Zylinderdichte wurde sicher nur beim Coppelius-Konzert im Heidnischen Dorf ├╝berboten. (JM/KvK)

Dieses liegt idyllisch im Gr├╝nen und bietet mit gem├╝tlicher B├╝hne und gro├čem Mittelaltermarkt eine sch├Âne Tageslocation. Dies nutzten auch zahlreiche Besucher, da man hier f├╝r 10 Euro eine separate Eintrittskarte erstehen konnte, Belohnt wurde man mit Auftritten von Vroudenspil [GALLERY], den w├╝sten Piraten aus S├╝ddeutschland, die die wachsende metgetr├Ąnkte Menge zum fr├Âhlichen Stampfen und Tanzen brachten. Bei Coppelius [GALLERY] stiegen wahre Wolken aus Seifenblasen gen Himmel und f├╝llten die Luft mit schillernder Untermalung zu den wilden Klarinettenkl├Ąngen der Berliner Kammercoreaner. Deren rasende Musik lockte derma├čen viele Menschen auf den matschigen Platz vor der B├╝hne, dass kurzerhand ein Eintritts-Stopp verh├Ąngt wurde. Zur Letzten Instanz [GALLERY] wurde dies nat├╝rlich nicht besser, dicht gedr├Ąngt verbrachten die zum Teil weitgereisten G├Ąste einen vergn├╝glichen Abend. Als letzte Truppe f├╝r diesen Tag gaben sich Daemonia Nyphe [GALLERY] die Ehre. Diese spielten mit altert├╝mlichen, akustischen Instrumenten eine experimentelle Mischung aus Folk und Klassik. Sch├Ân anzuh├Âren. Sch├Ân anzusehen. Skurril und doch harmonisch zugleich. (JM/KvK)

Wem die kalte Elektronik hingegen eher zusagte, der konnte parallel zum Heidnischen Dort auch in die nahe gelegene agra gehen, um sich dort die Geh├Ârg├Ąnge ordentlich durchsp├╝len zu lassen. Gut eignete sich dazu zum Beispiel der exklusive Europaauftritt von Bryan Erickson und seinem Velvet Acid Christ [GALLERY]. Sie sind wieder zur├╝ck, auch wenn es zum Teil so wirkte, als w├Ąren sie gleichzeitig noch nicht ganz da. Aber exzentrische Auftritte kennt man von ihm ja bereits und so glich der gesamte Auftritt einem Drahtseilakt, der wohl auch ein kleines bisschen fr├╝her endete, als zun├Ąchst geplant. Es war wie bei einem albernen Film, dessen Soundtrack aber so gut ist, dass man einfach dranbleiben muss. Denn das musikalisch Gebotene war ├╝ber jeden Zweifel erhaben und man konnte geliebte Hits wie Phucking Freak oder Pretty Toy ordentlich abfeiern. Letzteres galt danach auch f├╝r den Auftritt von Suicide Commando [GALLERY], die beim WGT 2013 ein reines Klassiker-Set pr├Ąsentierten und nur ├Ąltere Songs spielten

. Der geneigte H├Ârer musste damit zwar auf so manchen Clubhit verzichten, doch daf├╝r stand seit langem mal wieder die Atmosph├Ąre fr├╝herer SC-Gigs im Vordergrund und nicht die heute so vorherrschenden stampfenden B├Ąsse. Tanzbar war das immer noch und so wurde sich in der agra ausgiebig bewegt. F├╝r uns gings dann weiter zum Werk II, denn jetzt war mal endlich wieder etwas Wave-Rock mit Skeletal Family [GALLERY] um Frontfrau Anne Marie Hurst angesagt. Die Briten bewiesen eindrucksvoll, dass man ohne viele Effekte ein Publikum zur Begeisterung bringen kann und so hatten sie ihre Fans von Beginn an voll im Griff. Songs wie So Sure unterstrichen eindrucksvoll die Qualit├Ąt und besonders feierten die Besucher nat├╝rlich den gr├Â├čten Hit der Band ab: Promised Land. Das gelobte Land bedeutete f├╝r uns zugleich, dass wir weiter zur├╝ck zur agra mussten, denn der vielleicht gr├Â├čte pers├Ânliche H├Âhepunkt im Line-up stand auf dem Programm: Das Mitternachtsspecial von IAMX [GALLERY]! Und hier zog Mastermind Chris Corner mit seiner Liveband wieder einmal alle Register! Es ist einfach unvorstellbar welche Energie der Wahl-Berliner entfachen kann und so werden die Besucher von Tracks wie Music People, I Walk With The Noise mitgerissen oder es wurde zu President gedanklich Walzer getanzt. Sch├Ân zu sehen, dass auch ChrisÔÇś Mitstreiter immer weiter aus seinem Schatten sprangen, allen voran nat├╝rlich Janine Gezang, aber auch die anderen strotzen mehr und mehr vor Selbstbewusstsein. Ein H├Âhepunkt f├╝r mich waren wieder einmal die gemeinsamen Percussion-Einlagen von Chris mit Alberto Alvarez bei Music People, hier driftete man wieder ganz automatisch in vollkommen andere Sph├Ąren ab. Ein Auftritt wie ein Sturm und wenn man sich nach dem Gig umh├Ârte, waren IAMX sicher nicht nur f├╝r mich das Highlight des WGT 2013. (MG)

Sonntag, den 19.05.2013

Leipzig selbst bietet f├╝r das WGT eine idyllische und passende Kulisse, Highlights wie Auerbachs Keller werden von schwarzen wie bunten Touristen gleicherma├čen gern besucht und Locations wie die Moritzbastei und die Absintherien sind geradezu pr├Ądestiniert, um nicht nur schwarze Fans aus aller Welt anzulocken.

In eine dieser ÔÇôin die Sixtina um genau zu sein- zog es mich am n├Ąchsten fr├╝hen Nachmittag. Die Sonne brannte. Es versprach ein wunderbarer Tag zu werden – und diesen begann ich mit Herrn Daniel Malheur [GALLERY] – der feinen MonokelPop aus Berlin zum Besten gab. Optisch ein sehr einfaches Setup – ein Herr im Anzug singt zu alten Schallplatten. Klingt nicht besonders spannend – ist es aber. Witzige Texte – Nachdenkliche Texte. Kopfbedeckungen wechselten passend zu den Schallplatten, welche flei├čig angeschubst wurden. Ein kleines Schmankerl f├╝r alle, die es in den doch begrenzten Zuschauerraum geschafft haben. Mein pers├Ânliches Highlight: Ich fahr mit meiner Clara in die Sahara… Herrlich :)

Nach ein wenig flanieren, Sehen- und Gesehen werden (ein Dank an meine reizenden Begleiterinnen) ging es dann wieder auf die Agra. Mir bekannte und vertraute Bands wie Lord of the Lost [GALLERY] und Unzucht [GALLERY] wollte ich sehen, End Of Green [GALLERY] aus meiner Heimatstadt durfte hingegen auf keinen Fall verpasst werden. Und dann war da noch mein (bisheriges) Highlight des Tages The Birthday Massacre [GALLERY], das dort ebenfalls auf dem Plan stand. Die Kanadier waren musikalisch und optisch ein Hit! Toller Gesang und Action auf, vor, hinter und ├╝ber dem Keyboard sorgten f├╝r Unterhaltung Pur. Ein wirklich starkes Programm, tolle Motive und schon jetzt ein absolut gelungener Tag. (JM/KvK)

Anderenorts ging es am Nachmittag in der Kuppelhalle optisch relativ rei├čerisch zu, denn Henric De La Cour [GALLERY] hatte sich mit Blut ├╝berstr├Âmtem K├Ârper und seiner Band im R├╝cken auf der B├╝hne eingefunden, um den Zuschauern seine eigene Form des Minimal-Pops vorzustellen. In seiner Extrovertiertheit erinnert er zum Teil an Chris Corner von IAMX oder an fr├╝here Zeiten von Dennis Ostermann (In Strict Confidence). Mit tollen Songs wie Dracula, Harmony Dies oder Grenade zog er die anwesenden Interessierten sofort in seinen Bann und sorgte so f├╝r einen echten Glanzpunkt. Nicht ganz so ├╝berzeugend war danach der Auftritt von Brigade Werther [GALLERY] im Alten Landratsamt. Schlecht war das zwar nicht, was einem dort an Elektronik entgegenprasste, aber vielleicht ein bisschen zu wenig innovativ und aufsehenerregend. Einzig Kill Beat stach wirklich aus dem immerhin durchaus tanzbaren Programm heraus. Hier hatten wir uns einfach etwas mehr erhofft. Also wechselten wir die Location wieder und machten uns zur├╝ck ins Messeumfeld, um einen Blick auf die Reunion von NamNamBulu [GALLERY] zu werfen. Denn diese meldeten sich anl├Ąsslich des 10. Jubil├Ąums ihres Deb├╝talbums Distances zur├╝ck und traten im Kohlrabizirkus auf. Einst zur Speerspitze des deutschen Futurepops geh├Ârend, werden die beiden offensichtlich auch heute durchaus noch verehrt und so war der Kohlrabizirkus ordentlich gef├╝llt als die seichten Futurepophymnen im Rund erklangen. S├Ąnger Henrik war sichtlich gl├╝cklich so viele Fans dort zu sehen und lies seine Stimme ├╝ber die von Vasi erzeugten Sounds schweifen, w├Ąhrend die Fans mitsangen und ÔÇôtanzten. Uns d├╝rstete es aber vielmehr nach etwas Extremerem und so wechselten wir quasi nur auf die andere Stra├čenseite zur Kuppelhalle, wo Sleeping Dogs Wake [GALLERY] eine wirklich krasse Show aufzogen. Ihre lauten B├Ąsse lie├čen die Krypta f├Ârmlich beben und vor allem Frontmann Robert ging richtig aus sich heraus, wohingegen seine Mitstreiterin Karin eher den ruhigen Pol darstellte. Ein echtes Spektakel, aus dem nat├╝rlich This Little Piggy und besonders der ├ťberhit Toys For Alice herausstachen!

Zeit sich eine kleine musikalische Verschnaufpause zu g├Ânnen und da kamen Kosheen [GALLERY] gerade recht. Die Band aus Bristol ist auch in den Charts durchaus bekannt und so waren viele gekommen um sich anzusehen, was die Briten auf der B├╝hne zu leisten im Stande sind. Frontfrau Si├ón Evans kommt eigentlich aus der Jazz-Musik und das merkte man auch recht gut, bei Kosheen bekommt sie allerdings einen feinen Dancefloor-Synthpop-Teppich untergelegt, der ihr sichtlich Freude bereitet.

Sie sei froh wenn Leute tanzen und mitsingen w├╝rden und das tat das Publikum auch ausgiebig, w├Ąhrend es von Hits wie Hide U oder Catch verw├Âhnt wurde. Ein angenehmer Auftritt der wieder einmal unterstreicht, dass auch poppige T├Âne ihre Daseinsberechtigung in der Szene haben. Danach hie├č es f├╝r uns aber schnell sein, denn wir mussten wieder zum Alten Landratsamt, wo sich The Cassandra Complex [GALLERY] angesagt hatten. Sie waren in der Vergangenheit nur recht selten live zu sehen und damit ein absolutes Muss! Die Halle platzte dementsprechend aus allen N├Ąhten und es musste ein Einlassstopp verh├Ąngt werden. Dass alle Vorschusslorbeeren berechtigt waren wurde denen, die es hineingeschafft hatten, schnell klar, denn Rodney Orpheus und seine Mannen lieferten ein feines Set aus zumeist alten Klassikern, aber auch ganz neuen Songs ab, die die Vorfreude auf ein hoffentlich bald erscheinendes neues Album weiter steigerten. (MG)

Derweil galt es an anderer Stelle wieder einmal eine Entscheidung zu treffen ÔÇô nach The Birthday Massacre zu Lacrimosa in der Agra bleiben, oder sich schon auf den Weg zur Moritzbastei machen? Zum Gl├╝ck entschloss ich mich zu Letzterem. Neben einigen bekannten Gesichtern und leckerem Essen war das musikalische Programm in der MB eher auf elektronische Kl├Ąnge ausgelegt. Nicht 100% mein Geschmack – aber schlecht klang das nicht was aus dem Konzertraum wummerte. Nachdem Formalin ihren Auftritt beendet hatten wollte ich mir das Ganze mal von Nahem anschauen – und befand mich kurze Zeit sp├Ąter bei Digitalis Purpurea [GALLERY]. Hierbei handelt es sich um ein musikalisches Talent aus Italien namens Cristian Pi Greco, der es versteht aus minimalistischen Kl├Ąngen wahre Wunderwerke entstehen zu lassen. Obwohl eigentlich nicht so meins, hat mir der Auftritt sehr gut gefallen. Meine Meinung, dass eine Band unbedingt Gitarre und Schlagzeug braucht um wirklich eine Band zu sein, geriet etwas ins Schwanken. Zerbr├Âckelt ist diese Meinung g├Ąnzlich, als die Grausamen T├Âchter [GALLERY] um Frontfrau Aranea Peel die B├╝hne betraten. Jetzt gab es elektronische Kl├Ąnge, EBM, und andere mir unbekannte Varianten unterst├╝tzt von zwei Trommlern. Was f├╝r eine Show, die Moritzbastei war brechend voll. Die Stimmung kochte – es wurde hei├č – nicht nur was die Temperaturen anging, sondern vor allem die Show hatte es in sich. Sp├Ąter wurde bekannt, dass neben den ca. 300 Zuschauern in der MB noch ca. 450 weitere gerne dabei gewesen w├Ąren, ein altes Problem der beliebten WGT Veranstaltungen. So ging ein guter Tag fulminant und hocherotisch zu Ende. Viel Neues und Unverhofftes – aber genau das ist eben das Sch├Âne, wenn man sich auf ein Event wie das WGT einl├Ąsst und auch mal Konzerte und Orte aufsucht, von denen man noch nicht genau wei├č, was einen erwartet. (JM/KvK)

Montag, den 20.05.2013:

Der letzte Tag des WGTs war angebrochen. Das Wetter etwas ungem├╝tlicher, aber trocken. Ich wollte ein wenig durch die Stadt schlendern, mit Besuchern wie Passanten reden und Eindr├╝cke sammeln. ├ähnlich entspannt wie ich sehen wohl auch die Leipziger selbst das WGT und seine Besucher. Sie hei├čen die schwarzen Scharen gern willkommen und so lassen sich auf den breiten Stra├čen die Tage gut in gem├╝tlichen Caf├ęs und Restaurants mit moderaten Preisen ausklingen. Schwarzes Eis. Schwarze Limo. Die ganze Stadt war dunkel d├╝ster. Sch├Ân!

Neben den musikalischen Seiten lockt das WGT auch mit vielen anderen Programmpunkten wie Theater, Museen oder Lesungen. Wer viel Zeit hatte – 1-2 Stunden anstehen sind hier leider keine Seltenheit – kam in den Genuss von vorz├╝glichen Schmankerln. Eines davon war die Lesung von Christan von Aster. Ein Genuss f├╝r alle Fans des Autors. (JM)

Auf der Parkb├╝hne ging es am Abschlusstag noch einmal wavig zu, denn hier er├Âffneten Whispers In The Shadow [GALLERY] um den charismatischen Frontmann Ashley Dayour den Nachmittag mit einem tollen Set, das zurecht von den anwesenden Fans gefeiert wurde. Immer wieder reckte der Mann mit dem Hut seine Arme in Richtung Himmel und zog sie Sonnenstrahlen damit geradezu auf sich. Die hielten sich auch noch locker bis zum Auftritt von In Mitra Medusa Inri [GALLERY], was deren S├Ąnger Holger Meyer in seiner feinen Robe

samt Zylinder sicher ordentlich ins Schwitzen brachte. Trotzdem absolvierten die drei einen sch├Ânen Auftritt, bei dem es nicht nur altes Material zu h├Âren gab, sondern mit ÔÇ×IncapableÔÇť auch einen Vorboten auf das bald erscheinende neue Album. Nachdem kurz darauf auch Other Day ihren Auftritt absolviert hatten, gab es mit Catastrophe Ballet den H├Âhepunkt des Tages auf der Parkb├╝hne zu vermelden, denn diese verabschiedeten sich nach 25 Jahren endg├╝ltig von ihren Fans und hatten daf├╝r einige ├ťberraschungsg├Ąste an Board, darunter Oswald Henke, Volker Zacharias, Patricia Nigiani und William Faith. Diese performten mit Catastrophe Ballet u.a. gemeinsam das Sigue Sigue Sputnik Cover ÔÇ×21st Century BoyÔÇť. Ein bewegender und toller Abschluss des ÔÇ×Open Air WGTsÔÇť. (MG)

An anderer Stelle stand derweil als letzter Punkt noch einmal das Heidnische Dorf auf der Wunschliste. Mittelaltermarkt und Bands lockten… Am fr├╝hen Abend durfte ich den Kl├Ąngen von Cantus Lunaris [GALLERY] lauschen. Eine wilde Mischung internationaler Musiker die sich dem ruhigeren Folk, mittelalterlichen St├╝cken und Keltischen Kl├Ąngen hingaben. Ein sch├Âner Einstieg in den Abend. Danach betraten Vermaledeyt [GALLERY] die B├╝hne – klassische Marktmusik mit rockigen Rhythmen und witzigen Texten. Mit gemischten Gef├╝hlen erwartete ich Nachtgeschrei [GALLERY]. Ich hatte das neue Album noch nicht geh├Ârt – das alte fand ich sehr gut, aber es hatte ja ein S├Ąngerwechsel stattgefunden. Ich war angenehm ├╝berrascht wie souver├Ąn Martin LeMar das Zepter in der Hand hatte. Auf Versuche Hotti zu kopieren wurde zum Gl├╝ck verzichtet. Er macht einfach sein eigenes Ding und er macht es gut. Es herrschte eine klasse Stimmung! Klasse St├╝cke drangen an mein Ohr und es war eine reine Freude den Jungs auf der B├╝hne zuzuschauen und zuzuh├Âren. Das fulminante Finale geh├Ârte Saltatio Mortis [GALLERY]. Alea, schon vorher im bunten Besucher-Volk gesichtet, st├╝rmte die B├╝hne und zeigte allen, dass man auch nach 4 Tagen WGT noch ordentlich feiern, h├╝pfen, klatschen und singen kann. Ein gelungener Abschluss vieler gelungener Tage! (JM)

Fazit (MG): Es war wieder einmal eine wundervolle Zeit in Leipzig! Man f├╝hlt sich immer pudelwohl und wenn man sich erst einmal damit abgefunden hat, dass man zwangsl├Ąufig nicht jeden gew├╝nschten Act sehen kann, dann kann man sich ganz in Ruhe ins get├╝mmel st├╝rzen und vor allem auch viele neue Acts entdecken. Ein Unterfangen, das einem nirgends so leicht gemacht wird wie hier, denn anders als bei vielen anderen Szenefestivals schielt man beim WGT nicht nur nach den gro├čen Namen. Und so stachen neben bekannten Bands, allen voran die gro├čartigen IAMX, vor allem einige vermeintlich kleinere Acts wie Henric De La Cour oder Patrick Wolf hervor. So muss ein Festival aussehen!

Fazit (JM): Mein erstes WGT, aber ganz sicher nicht mein letztes! Man h├Ârt oft, dass fr├╝her alles besser war… Aber auch jetzt ist ziemlich viel ziemlich gut. Es mag nicht mehr so ein heimeliges Famlientreffen wie fr├╝her sein – aber es ist noch ein Familientreffen und zwar wohl noch immer DAS Familientreffen der Schwarzen Szene. Man f├╝hlt sich einfach wohl. Leipzig nimmt einen mit offenen Armen auf. Man trifft viele Bekannte, und fast noch mehr neue Leute. Manche kennt man bisher nur virtuell – auf andere freut man sich schon seit Wochen. Es werden viele interessante Gespr├Ąche gef├╝hrt und ansonsten warten hinter jeder Ecke bombastische Kost├╝me. Motive wohin man nur schaut. Herrlich. Der WGT-Tourismus hingegen – vor allem in der Innenstadt – war schon grenzwertig. Horden von Herren jenseits der 70, die verstohlen aus der H├╝fte Bilder der gewandeten Damenwelt schie├čen – "etwas" verwirrend. Zumindest eine kurze Frage, ob es OK ist ein Bild zu machen w├╝rde vielen wohl schon gen├╝gen. Ein Nein h├Ârt man dann eh sehr selten. Abgesehen davon ist es aber wirklich sch├Ân zu sehen wie sich Alt und Jung und Schwarz und Bunt in Leipzig zu einem sch├Ânen, friedlichen Zusammensein vermischen.

Fotos: Jesko M├Ągle / Michael Gamon
Autoren: Jesko M├Ągle (JM) / K. von Koriolis (KvK) / Michael Gamon (MG)

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