Interview : MESH (Richard Silverthorn)

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Die britische Band Mesh meldet sich mit dem aktuellen Album Automation Baby zur├╝ck. Kraftvoll, romantisch und energiegeladen wie immer schaffen es die beiden Briten, ihre Synthpop-Hymnen den Fans zu pr├Ąsentieren. Schon jetzt geh├Ârt das von Olaf Wollschl├Ąger produzierte Werk zu den besten Alben des Jahres. Sparklingphotos sprach mit Keyboarder und Komponist Richard Silverthorn ├╝ber das neue Album, das Leben auf Tour, Gitarren- und Orchestermusik und James Bond.


ÔÇ×Zum ersten Mal, seit dem ich Songs schreibe, habe ich zur Plattenfirma gesagt: das ist die Single!ÔÇť

 
Was bedeutet der Albumtitel Automation Baby? Er klingt ein wenig nach Achtung Baby! von U2?

Ich pers├Ânlich war auch etwas besorgt, dass die Leute das denken. (lacht) Die Plattenfirma kam eigentlich auf die Idee, als wir mit dem Song Automation Baby ankamen. Das Album musste einfach so hei├čen, weil der Name einfach so so eing├Ąngig klingt und man das nicht von einem Mesh Album erwarten w├╝rde. Der Titel bringt auf den Punkt, was die CD ausmacht. Das Album handelt von Konsum, ├╝berm├Ą├čigen Gebrauch von Technologie, soziale Medien, Emails. Es gibt viele Menschen in der Welt, die sehr einsam sind, obwohl sie diese ganzen Informationen und die Technologie haben und der Albumtitel Automation Baby fasst dies alles zusammen.


Ich glaube, dass ihr besonders beliebt in Deutschland seid. Was meinst Du, woran das liegt?

Ich denke, es gibt eine gute elektronische Szene in Deutschland. Die Deutschen lieben alle Spielarten elektronischer Musik, die sie in ihren Herzen aufbewahren. Bands wie Depeche Mode werden fast wie G├Âtter behandelt, auch wenn man lange Zeit zur├╝ckdenkt an Bands wie z.B. Kraftwerk, kann man fast sagen, Deutschland ist das Zuhause der elektronischen Musik. Und die Deutschen Fans m├Âgen auch das, was wir machen.


Ein cooler Track auf dem Album ist meiner Meinung nach Taken for granted, der mit einigen Dubstep Elementen spielt. Kam die Idee dazu w├Ąhrend der Produktion der CD?

Als wir vor einigen Jahren auf der gro├čen USA Tour waren, hat jemand unserer Roadcrew Skrillex gespielt und das war das erste mal, dass ich Dubstep in einer sehr geilen Art und Weise geh├Ârt habe und ich dachte: dieser Typ macht etwas Neues, etwas, was elektronische Musik einfach braucht, etwas wirklich Anderes. Und dann habe ich mich hineingeh├Ârt, genauso wie mein heranwachsender Sohn, der viel Dubstep h├Ârt. Ich mag einfach diese Elemente und ich wollte ein paar Effekte einbauen, damit das Album ein wenig aggressiver klingt.


Das Lustige ist, ich hatte die gleiche Idee, Dubstep-Elemente in Synthpop zu packen und dann habe ich euer Album geh├Ârt und dachte: Mist! Ihr ward schneller!

Oh mein Gott, nun f├╝hle ich mich ganz schlecht! (lacht)


Du hast gerade ├╝ber eure Amerikatournee gesprochen. Was magst Du am liebsten, wenn ihr auf Tour seid?

Mh…das Catering.


Du L├╝gner!

Ich denke, es ist am Sch├Ânsten, wenn man auf Tour Menschen trifft. Die ganze Vorbereitung auf die Konzerte ist ein absoluter Alptraum f├╝r uns, bis wir erst mal auf der B├╝hne stehen und die ersten Shows spielen, ist das schon harte Arbeit. Aber wenn man dann erst mal ÔÇ×im FlowÔÇť ist, die Fans trifft, oder h├Ârt, wie sie die Songs mitsingen, ist das das Gr├Â├čte, was man beim Musizieren erleben kann. Und das ist auch der Grund, warum wir es kaum erwarten k├Ânnen, wieder unterwegs zu sein.


Kannst Du Dich an deinen ersten Auftritt erinnern und wie Du dich dabei gef├╝hlt hast?

Oh mein Gott. Wir haben in einem ganz kleinen Pub in Bristol namens ÔÇ×The MauretaniaÔÇť gespielt und ich hatte die Hosen voll, es waren viele Freunde da, wie das wohl bei den meisten Bands so ist, dass man Bekannte und Familie um sich scharrt. Aber es war ein guter Auftritt, obwohl wir sehr ├Ąngstlich waren.


Mark schreibt ja alle Texte und diese handeln oft von Liebe, Beziehungen usw. Hat er das alles pers├Ânlich erlebt? Ist das autobiographisch?

Er schreibt oft ├╝ber Sachen, die er sieht, nicht unbedingt ├╝ber das, was er selber erlebt hat. Viele Dinge beobachtet er im Fernsehen oder liest sie in der Zeitung und er versucht sich in die Gedanken anderer Menschen zu versetzen, aus ihrer Warte aus zu beschreiben. Er ist nicht mal eine depressive Pers├Ânlichkeit, obwohl die Songs teilweise d├╝ster und bedeutungsvoll daherkommen. Er ist einfach ein normaler Typ, der Musik macht.


Was w├╝rdest Du Newcomerbands empfehlen: ihre Musik selber zu produzieren oder zu einem Produzenten zu gehen?

Ich meine, wenn Du es selber machen kannst, ist das schon eine gro├če Leistung. Die meisten Bands, die Du heute in den Charts h├Ârst, werden von den Produzenten gemacht, sogar die Songs werden f├╝r die Interpreten geschrieben. Diese ganze Fabrikware t├Âtet die echte Musik und es gibt ein gro├čes kreatives Loch, wo es doch besser Bands geben sollte, die ihre eigenen St├╝cke schreiben. Es ist sch├Ân zu sehen, wenn Bands alles selber machen, vom Songwriting bis hin zur Produktion.


Ihr benutzt oft Gitarren, um den typischen Mesh-Sound zu bereichern. W├╝rdet ihr euch trauen, ein reines Rock ┬┤n Roll Album zu machen?

Ich glaube nicht. Wir benutzen Gitarren, um dem Sound einen rockigeren Anstrich zu verpassen. Mein pers├Ânlicher Musikgeschmack bewegt sich weniger in der Rockmusik, ich mag die Kombination der beiden Dinge. Ich mag die Aggressivit├Ąt elektronischer Musik und wir benutzen z.B. auch Livedrums, um den Songs einen h├Ąrteren Rahmen zu geben. Ich glaube, wir sind nicht so gute Musiker, um mit einem reinen Rockalbum um die Ecke zu kommen.


Welche Musik h├Ârst du privat? Gibt es da Lieblingsbands, die du bevorzugst?

Ich habe eine breitgef├Ącherten Musikgeschmack. Wie schon erw├Ąhnt, h├Âre ich viel Dubstep-Kram im Moment. Trance, alternative Musik wie Muse, Nine inch Nails, und auch z.B. den Komponisten Craig Armstrong, der viel melancholische Orchestermusik macht, das ist phantastisch und so etwas mag ich gerne.


Apropos andere Bands: mit welchen K├╝nstlern w├╝rdest Du gerne in Zukunft zusammenarbeiten?

Ich wei├č es ehrlich gesagt gar nicht. Ich war schon immer ein gro├čer Fan von Trent Reznor und was er mit Nine inch Nails macht und wie bereits erw├Ąhnt von Craig Armstrong. Er komponiert viel f├╝r Streichorchester und ich wei├č, dass er am Massive Attack Album mitgearbeitet hat. Es w├Ąre ein gro├čer Traum, mit jemanden wie ihm zusammenzuarbeiten, der unsere Songs klassisch mit einem gro├čen Orchester arrangieren k├Ânnte. Wir waren bisher nicht in der Lage, so etwas umzusetzen.


Man wei├č ja nie, vielleicht klappt das ja irgendwann!

Vielleicht, das w├Ąre auf jeden Fall klasse.


Wie w├╝rdest Du den perfekten Popsong beschreiben?

Vielleicht ein Song, der sehr eing├Ąngig ist, nicht auf den ersten Blick zwar, aber ein Song, der eine Bedeutung hat. Er muss gut strukturiert sein und dem H├Ârer was auf den Weg geben. Etwas, was einfach im Ohr bleibt.


Welcher Song auf dem neuen Album ist dein Favorit?

Das ist eine schwierige Frage, da jeder Track eine andere Bedeutung f├╝r mich hat. Aber zum ersten Mal, seitdem ich Songs schreibe, habe ich zur Plattenfirma gesagt: Born to lie ist die Single! Ich wusste einfach, dass es ein sehr starker Song ist und aus kommerzieller Sicht der st├Ąrkste Track auf dem Album. Aber auch You couldn┬┤t see this coming. Er ist sehr gef├╝hlvoll und ich bekomme immer eine G├Ąnsehaut, wenn ich ihn h├Âre.


Was habt ihr f├╝r die Mesh-Tour geplant? Wird es ein paar ├ťberraschungen geben?

Wenn ich Dir das jetzt sagen w├╝rde, w├╝rde es keine ├ťberraschung mehr sein, oder? Wir versuchen immer, etwas anderes auf die B├╝hne zu bringen. Mark arbeitet gerade an einigen Videos, es wird viele Medien, viele Bilder geben. Einige Sachen f├╝r das Album wurde auf dem iPad geschrieben. Wir haben z.B. viele Loops benutzt und wir ├╝berlegen, solche Sachen auch live zu pr├Ąsentieren, indem wir auf iPads und iPhones spielen. Wir haben es zwar noch nicht getestet, aber wenn es funktioniert, werdet ihr es auf der B├╝hne erleben.


Das konnte man ja auch schon im Making of von Automation Baby auf youtube sehen.

Ja, das sind echt sehr n├╝tzliche Tools.


Wenn euch jemand fragen w├╝rde, ob ihr Lust h├Ąttet, den Titelsong des n├Ąchsten James Bond Film zu komponieren, w├╝rdet ihr das gerne machen?

Oh ja, das w├╝rde ich sehr gerne machen. Man hat uns sogar schon einmal gesagt, dass es passen w├╝rde und wenn Du das als Band schaffst, gehst Du in die Geschichte ein.


Vielleicht br├Ąuchtet ihr dann eine weibliche Stimme. Viele Songs wurden ja von K├╝nstlerinnen gesungen.

A-ha und Duran Duran haben es ja auch schon gemacht, also gibt es noch Hoffnung f├╝r uns.


Wir dr├╝cken jedenfalls die Daumen!



Das Interview mit Richard Silverthorn von Mesh f├╝hrte Frank Stienen im M├Ąrz 2013.

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