UDO LINDENBERG – Oberhausen, König-Pilsener-Arena (18.03.2012)

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„Ich mach mein Ding“! Dieses Motto hĂ€tte bezeichnender fĂŒr die diesjĂ€hrige Tour des Panik- Rockers nicht gewĂ€hlt werden können. TatsĂ€chlich macht Udo Lindenberg aber schon seit ĂŒber 40 Jahren im Musikbusiness sein Ding und lĂ€sst alles andere, was der deutschsprachige Musikmarkt so kennt, hinter sich. Und da der authentische Rockvater fĂŒr seinen Hang zum Übergroßen und Pompösen bekannt ist, ist auch am zweiten Konzertabend in der ausverkauften Oberhausener König-Pilsener-Arena nichts anderes zu erwarten.

Und natĂŒrlich brauchen bei der enormen Vorfreude die 12.000 Fans und Freunde des bekanntesten HuttrĂ€gers Deutschlands an diesem Abend keinen Act zum AufwĂ€rmen, denn fest steht: Opener kann und wird bei einem Urgestein diesen Kalibers nur einer sein, nĂ€mlich Udo selbst. Und nachdem man durch das Anstarren der flackernden, riesengroßen LED- Leinwand fast in andere SphĂ€ren katapultiert wird, wird man sofort aufgerĂŒttelt, als Udo in einem monströsen Zeppelin eingeflogen kommt und mit „Odyssee“ sofort losrockt. Und schon bei den ersten Tönen ist die BĂŒhne gefĂŒllt mit Matrosen und Matrosinnen, die ihren KapitĂ€n willkommen heißen, wĂ€hrend zwei attraktive, junge Damen im spacig-metallischem Ganzkörperanzug dem Angekommenen einen BegrĂŒĂŸungskuss auf die Wange drĂŒcken. NebelfontĂ€nen, heulende Sirenen und blinkende Lichter, soweit das Auge reicht. Er ist endlich da! Und das Publikum ist vom ersten Moment an voll und ganz auf seiner Seite und zelebriert jeden Ton, den der Nuschelkönig da von sich gibt. Die Show entwickelt sich immer mehr zum phĂ€nomenalen Spektakel. WĂ€hrend gerade noch die junge Akrobatin und zugleich Udos Cellistin Emilia Arata in den höchsten Höhen in einer Kugel ihre KunststĂŒcke vollfĂŒhrte, sehen wir im nĂ€chsten Moment einen Vampir durch die Halle schweben, der Udo sogar zu beißen wagt. Es ist, wie Udo selbst zu Beginn feststellt, einfach nur „geil“ und beim Anblick der jubelnden Menge hat er fast schon Recht, wenn er behauptet: „Da kann Hollywood einpacken!“ Und obwohl man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt, wird man immer wieder zurĂŒck in die RealitĂ€t geholt und gedenkt bei der „Höllenfahrt“ den Musikern, die „vor uns, nicht von uns gegangen sind“. Bilder von Falco, Amy Winehouse, Jim Morrison oder Michael Jackson, um nur einige zu nennen, untermalen dieses StĂŒck und sorgen fĂŒr einen wĂŒrdevollen Augenblick. Und auch die politischen Anspielungen kommen nicht zu kurz und so fordert Udo uns auf, unsere „bunte Republik Deutschland“ zu schĂŒtzen und der braunen Macht keine Chance zu geben. „Nazi- Schweine, verpisst euch! Niemand vermisst euch!“, der Friedenspionier nimmt kein Blatt vor den Mund und genau das macht ihn so sympathisch. DafĂŒr lieben wir ihn! Er ist echt, unverstellt und aus diesem Grund schlagen seine Songs auch immer wieder wie gutgemeinte Bomben bei uns ein. Musikalisch wird an diesem Abend alles geliefert, was das Fanherz begehrt: „Cello“, „Mein Ding“, „Ganz anders“, „Horizont“, „Sonderzug nach Pankow“ und und und. Man hangelt sich von einem GĂ€nsehaut- StĂŒck zum nĂ€chsten und dieser wohlige Schauer beim Anblick der feiernden Fangemeinde wird zum angenehmen Grundtonus des Geschehens. Bei dieser sagenhaften Show ist der Mann mit Hut, Sonnenbrille und Zigarre jedoch nicht der alleinige Initiator. Auch sein gutgelauntes, hochgradig begabtes Panikorchester, der zauberhafte Kinderchor und Gastmusiker – am heutigen Tag ist es „Voice Of Germany“ Kandidat Ole Feddersen – sorgen fĂŒr den letzten Schliff und krönen das Gesamtkunstwerk. Die Wahnsinnsshow, die das Geschwader da auf die Beine stellt, dauert rund 3 Stunden und nach vielen unvergesslichen Momenten und zwei großartigen Zugabeblöcken, steigt der gebĂŒrtige Westfale wieder in seinen Zeppelin und trennt sich schweren Herzens von seinen Fans, die jubeln und mitunter sogar mit ihren Udo- Double- HĂŒten winken. Ein Konzert, das sich mehr als gelohnt hat, und jedem, der noch die Möglichkeit zum dabei sein bei der diesjĂ€hrigen Tour haben sollte, sei dieses Schauspiel wĂ€rmstens ans Herz gelegt!

Setlist:
01. Odyssee
02. Mein Ding
03. Boogie Woogie MĂ€dchen
04. Ganz anders
05. Cello
06. Sie brauchen keinen FĂŒhrer
07. Was hat die Zeit mit uns gemacht?
08. Ich lieb dich ĂŒberhaupt nicht mehr
09. Höllenfahrt
10. Nimm dir das Leben
11. Leider nur ein Vakuum (akustisch)
12. Meine erste Liebe (akustisch)
13. 0-Rhesus negativ (akustisch)
14. Straßen- Fieber
15. Wozu sind Kriege da
16. MĂ€dchen aus Ostberlin
17. Honky Tonky Show
18. Der Greis ist heiß
19. Stark wie zwei
20. Horizont
21. Bis ans Ende der Welt (Z)
22. Sonderzug nach Pankow (Z)
23. Andrea Doria (Z)
24. Candy Jane (Z)
25. Reeperbahn (ZZ)
26. Goodbye Sailor (ZZ)

Fotos: Michael Gamon

Geschrieben von
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