Persistence Tour 2012 (Suicidal Tendencies, Biohazard, Terror uvm) – Oberhausen, Turbinenhalle (21.01.2012)

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Circlepit!!!

Wohl eine der hĂ€ufigsten Aufforderungen ans Publikum, welche von den Bands der "Persistence Tour 2012" in der Oberhausener Turbinenhalle gestellt wurde. In der neuen Auflage der Tour waren mit den Headlinern Suicidal Tendencies und Biohazard echte HochkarĂ€ter der Hardcore Szene am Start. Aber auch die im Package Mitreisenden Bands Terror, Walls of Jericho und Lionheart brauchen sich nicht hinter den Headlinern zu verstecken. Ganz im Gegenteil, gerade Terror ist derzeit richtig dick im GeschĂ€ft, die letzte Platte "Keeper of the Faith" verkaufte sich nahezu wie warme Semmeln. Das Lineup versprach also einen heißen Tanz vor der BĂŒhne.

PĂŒnktlich um 16 Uhr öffneten sich dann auch die Tore der Turbinenhalle und der erste große Andrang am Eingang schob sich langsam Richtung Garderobe, Bierstand und BĂŒhne, wo es um Punkt 16:30 Uhr mit den ersten Bands losging. Ratface, The Setup, Still Screaming, Crushing Caspers und Nasty brachten die angereisten HardcorejĂŒnger schnell auf Betriebstemperatur. Bei den Crushing Caspers ĂŒberzeugte SĂ€nger Snoopy mit viel Charisma und verstand es, die AnhĂ€nger der Szene mitzureißen. Der Auftritt von Nasty war dann ein erstes richtiges Highlight. Bei SĂ€nger Matthi wusste man zeitweise nicht, ob er gelangweilt, aggressiv oder betrunken war. War auch egal, seine Art kam gut an, nicht nur die ersten Reihen der mittlerweile gut gefĂŒllten Halle flippten schon richtig aus.

Übrigens sei an der Stelle mal der straighte Zeitplan erwĂ€hnt! Nicht eine Minute zu frĂŒh oder zu spĂ€t. Alles lief wie am SchnĂŒrchen, auch als Lionheart die BĂŒhne betraten und direkt mit Volldampf den Hauptpart des Festivals einlĂ€uteten. Sehr solider Auftritt der Jungs von Lionheart. SĂ€nger Rob Watson weiß mit seinen Shouts zu ĂŒberzeugen, auch die beiden Gitarristen Earl Pitts und Rob McCarthy zockten ein ordentliches Brett an den Sechssaitern.

Manchmal schon schade, dass auf Festivals die Spielzeiten der Bands recht ĂŒberschaubar sind, bei der einen oder anderen Band hĂ€tte der geneigte Zuschauer gerne noch ein wenig lĂ€nger verweilt. Walls of Jericho ist so ein Beispiel! Lange wurde ein Auftritt von den Fans herbeigesehnt, hat doch SĂ€ngerin Candence eine Babypause eingelegt, weswegen Auftritte Mangelware waren.

Power! Wahnsinn! Die Jungs und MĂ€dels vor der BĂŒhne waren nun nicht mehr zu halten, eine gigantische Crowd wechselte von einem Slam zum nĂ€chsten Circlepit. Viele Hits inklusive „All Hail The Dead“, „The American Dream“ und „Revival Never Goes Out Of Style“ standen auf der Setlist, es blieben keine WĂŒnsche offen. Zu guter Letzt kletterte die toughe Frontfrau von Walls of Jericho noch in die Crowd und ließ sich persönlich vom Mob feiern. Recht so. Klasse Auftritt!

Was nun folgte, fĂŒr mich etwas ĂŒberraschend, sollte der Knaller des Abends werden. Terror! Erahnt hatte ich es schon, war die Anzahl der Terror-Shirt TrĂ€gerInnen schon im Vorfeld beachtlich hoch. Als dann Terror die BĂŒhne betraten, gab es kein Halten mehr unter den Leuten im prallgefĂŒllten Zuschauerraum. Scott Vogel, Martin Stewart, Jordan Posner, David Wood und Nick Jett brachten die altehrwĂŒrdige Turbinenhalle zum Kochen. Mit ihrem derzeitigen Album „Keeper of the Faith“ im GepĂ€ck rollten sie das Festival richtig auf, und zwar von allen Seiten.

Direkt rein ins neue Album mit „Your enemies are mine“. Ältere Hits wie „Keep your mouth shut“, „Betrayer“ und „Always the hard way“ wurden hart und straight direkt ins Ohr der Zuhörer getragen. Auf der BĂŒhne war richtig Bewegung, alle Musiker wechselten stĂ€ndig die Seiten. SĂ€nger Scott tanzte die meiste Zeit vorne auf den Lautsprecherkanten rum, bzw. stellte sich auch das eine oder andere Mal auf die Absperrgitter vor der BĂŒhne, um den Leuten möglichst nah zu sein. Riesen Auftritt, Spaßfaktor extrem hoch.

Nach dem Gig merkte man deutlich einen Umschwung im Zuschauerraum. Die JĂŒngeren hatten sich bei Terror ausgepowert und wanderten erst einmal zum Bierstand, natĂŒrlich nur, um Straight Edge like mit einem Wasser die Dehydration zu verhindern.

Mit Biohazard ging nun eine Band aus wahrlich alten Tagen der Hardcore-Szene an den Start. JĂŒngst wurde das neue Album „Reborn in Defiance“ angekĂŒndigt, welches dieser Tage erschienen ist. Leider hat sich aber kurz vor Veröffentlichung und damit ebenso vor der Persistence Tour, Evan Seinfeld aus der Band verabschiedet. Als zweiter Lead-SĂ€nger und Bassist ist dafĂŒr Scott Roberts wieder eingestiegen, der schon von 2002 bis 2005 die Saiten der Biohazard Gitarre bearbeitete.

Biohazard spielten aus allen Werken Titel, „Urban Discipline“, „Black and White and Red all over“, „Shades of Grey“ und natĂŒrlich das ĂŒber allem stehende „Punishment“. Herrliche Songs, die aber leider nicht kaschieren konnten, dass Biohazard den Spirit der alten Tage etwas verloren haben.
So sehr sich Billy Graziadei am Gesang abmĂŒhte, er konnte ebenso wenig wie Scott Roberts (Gesang und Bass), das Fehlen von Evan Seinfeld wettmachen. Andererseits muss man aber anerkennen, dass die Zusammensetzung der Band innerhalb kĂŒrzester Zeit stattfand und es daher noch ein wenig Zeit bedarf, bis sich Live alles richtig eingespielt haben wird.

Zeit fĂŒr die Suicidal Army. Als letzter Headliner des Tages sprangen nun die Mannen um Leader Mike Muir auf die BĂŒhne. Die "Fathers of Crossover Trash", wie sie auch genannt werden, gaben direkt alles, um der Rolle auch gerecht zu werden. Kein neues Album seit dem Jahr 2000, nur Compilations mit einigen raren StĂŒcken bzw. unveröffentlichtem Material. Dennoch wirkte kein Song langweilig oder altbacken. "You can bring me down" als Opener ließ das Publikum direkt wieder vor der BĂŒhne rotieren. Mike Muir auf der BĂŒhne sprang hin und her und war fĂŒr die Freunde der fotografierenden Fraktion schwer vor die Linse zu bekommen. Kaum hatte man fokussiert, war er auch schon wieder fort.

Alleine das kongeniale "War inside my Head" mit einem ĂŒberragenden Stephen Bruner am 5-saitigen Bass (Note 1+) war es schon wert, Suicidal Tendencies einen Besuch abgestattet zu haben. Ebenso brillierten auch die beiden Gitarristen Mike Clark und Dean Pleasants an ihren Instrumenten. Alles in allem ein toller Auftritt, der auch von den Massen in der Turbinenhalle sehr gut aufgenommen wurde. Wenn es einen Wermutstropfen gab, dann dass auf der Setlist die beiden Evergreens „How will I lough tomorrow“ und „Join the Army“ fehlten. Aber schließlich war es kein Wunschkonzert sondern ein tolles Hardcore Festival!

Bilder des Festivals befinden sich in unserer Konzertfotos Sektion (Bildkommentare sind durch Anklicken der Sprechblase möglich) oder direkt durch Anklicken der jeweiligen Bandfotos.

Suicidal Tendencies:

Biohazard:

Terror:

Walls Of Jericho:

Lionheart:

Autor & Fotos: Dirk Wirtz

 

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