Interview : THOMAS LEMMER

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Thomas Lemmer geh├Ârt zu den f├╝hrenden deutschen Chillout-K├╝nstlern und gewann u.a. 2005 mit diPOLAR den German Rock & Pop Award in Hamburg. 2009 erschien dann sein Deb├╝t-Soloalbum ÔÇ×Chillout Lounge", dem nach vielen Beitr├Ągen f├╝r solch bekannte Compilations wie die Cafe Del Mar oder Le Cafe Abstrait-Serie nun endlich der Zweitling folgt: ÔÇ×RelieveÔÇť! Grund genug sich mal mit dem sympathischen Mann aus Osnabr├╝ck ├╝ber seine Musik, die Chillout-Szene im Allgemeinen und die zu erwartende Zukunft zu unterhalten.


Hallo Thomas,


sch├Ân, dass du dir etwas Zeit f├╝r ein Interview nimmst, kommen wir gleich zur ersten Frage:

Wenn du deine Musik mit wenigen Worten beschreiben m├╝sstest, wie w├╝rde das dann aussehen?

Entspannend, inspirierend, tiefgehendÔÇŽ schwer das mit Worten zu beschreiben. Es ist eine Mischung aus Electronic, Downbeat, Lounge und vielleicht ein klein wenig Klassik. Am besten ist, einfach rein h├ÂrenÔÇŽ

Wie bist du zur Musik gekommen, was hat dich gereizt, selbst Musiklandschaften zu erschaffen?

Den ersten Kontakt zur Musik hatte ich schon sehr fr├╝h als Kind. Meine Eltern haben damals ein Klavier gekauft, wodurch ich fr├╝h Klavierunterricht bekam. Selbst Musiklandschaften zu erschaffen kam mit etwa 16 Jahren, als ich anfing zu komponieren, wodurch ich meine neue Leidenschaft entdeckte. Damals fragte ich meinen Klavierlehrer immer wieder, wie man Songs komponiert. Er sagte jedes Mal, dass ich es selbst herausfinden m├╝sse und so machte ich mich auf Entdeckungsreise. Er hatte Recht. Das Entdecken ist das eigentliche Ziel und begeistert mich heute noch. Chillout oder Downbeat Musik mache ich seit etwa 2008. Irgendwie kam das per Zufall. Ich hatte einfach Lust mal etwas Neues auszuprobieren.

Ich bin ein gro├čer Freund der "Abstrait"-Serie und auch du durftest bereits Teil dieser Compilationreihe von Rapha├źl Marionneau sein. Was reizt dich daran "Chill-Out-Musik" zu machen und wie kann sich diese Szene in deinen Augen noch weiterentwickeln?

Ich freue mich auch sehr, dass mich Rapha├źl mit auf seine Compilations genommen hat. Besonders Le Caf├ę Abstrait Vol. 8, seine 15 Jahre Jubil├Ąums CD, ist etwas ganz besonderes f├╝r mich. Genau solche Compilations haben mich immer fasziniert, da sie eine ganz besondere Atmosph├Ąre schaffen. Zusammen mit anderen von mir sehr gesch├Ątzten K├╝nstlern quasi ÔÇ×einen SoundÔÇť zu bilden macht einen besonderen Reiz aus. Ich finde, dass sich die Chillout Szene in die richtige Richtung entwickelt. Immer mehr Radiostationen haben Sondersendungen, in denen auch mal solche au├čergew├Âhnlichen Musikstile vorgestellt werden oder sogar ins Programm Einzug gehalten haben. Rapha├źl hat beispielsweite seit einigen Jahren seine Lounge Sendung Abstrait auf N-JOY.

Wie versetzt du dich in die richtige Stimmung um Musik zu machen?

Am kreativsten bin ich, wenn ich von irgendetwas sehr bewegt bin, positiv wie negativ. Z.B. habe ich in einer traurigen Phase versucht meine Sprachlosigkeit und Traurigkeit ├╝ber den Tod meines Bruders musikalisch in ÔÇ×Missing you badly brotherÔÇť zu verarbeiten. Das sind echt starke Gef├╝hle in solchen Momenten. Normalerweise produziere ich abends und versuche mich mit meinen eigenen Sounds von meinem Alltag runter zu bringen. Vielleicht ist meine Musik auch deshalb so chillig.

Entstehen die Songs durchweg am Rechner oder welche "echten" Instrumente finden ihren Weg in deinen Klangkosmos?

Heutzutage entstehen die Songs, wie fast alle Produktionen, am Rechner. Allerdings spiele ich auch einige Songs mit anderen Musikern, wie z.B. Gitarristen oder S├Ąnger(innen) ein oder mit alten Synthesizern, wie z.B. meinem alten Roland Juno 60. Ein rein analoger Synthesizer aus den 80ern.

Deine Songs sind fast durchweg instrumental, funktionieren aber, wie man bei "Never Let Me Go" und vor allem "Is It Too Late" h├Âren kann, auch bestens mit stimmlicher Unterst├╝tzung. Planst du solche Experimente f├╝r die Zukunft verst├Ąrkt oder sollen solche Songs eher die Ausnahme bleiben?

Ich arbeite sehr gern mit S├Ąngern(innen) zusammen, insofern ist das keine Ausnahme, sondern das wird es auch in Zukunft geben. Vielleicht sogar noch mehr als bisher. Das h├Ąngt alles ein bisschen davon ab in welche Richtung sich das n├Ąchste Album bewegt. Au├čerdem arbeite ich mit dem britischen Songschreiber und Produzenten Aaron Taylor zusammen. Wir arbeiten als gemeinsames Projekt namens Motif an unserem ersten Album, bei dem viele verschiedene S├Ąngerinnen beteiligt sind. Dadurch entstehen automatisch immer mehr Kontakte.

Gibt es Tracks, die dir besonders am Herzen liegen oder siehst du dein Schaffen eher als Gesamtkunstwerk an?

Als Komponist oder Produzent ist jeder Song ein Baby und ich versuche jeden Track m├Âglichst einzigartig zu Produzieren. Nat├╝rlich kristallisieren sich irgendwann ein paar Lieblingstracks heraus.

Mit welchem K├╝nstler w├╝rdest du gerne einmal zusammenarbeiten und k├Ânntest du dir vorstellen auch Remixe f├╝r genrefremde Artisten zu machen?

Remixe f├╝r genrefremde K├╝nstler zu produzieren ist sehr reizvoll und mache ich sehr gern. Gerade dann kann man dem Track eine ganz andere Note verpassen. Ein House Remix von einem House Track kann cool sein, richtig spannend wirdÔÇÖs aber erst, wenn man mal aus einem House Track eine Chillout Version macht. Zusammen arbeiten w├╝rde ich gerne mal mit einem deutschen Rapper.

Welche Projekte stehen f├╝r dich in naher Zukunft an?

Gerade arbeite ich am Mastering f├╝r die zweite Single Auskopplung von RELIEVE. Die Single hei├čt ÔÇ×I like itÔÇť und es wird Remixe von Jerome Noak und Stray Theories geben. Beide haben super Versionen abgeliefert. Dann wird es noch eine Remix Edition vom Album geben, da mich verschiedene Chillout Produzenten gefragt haben, ob sie den einen oder anderen Track remixen d├╝rfen. Das wird ein ganz besonderes Release.

Klingt interessant, wir sind sehr gespannt. Danke f├╝r das Gespr├Ąch und alles Gute f├╝r die Zukunft!

Das Interview f├╝hrte Michael Gamon mit Thomas Lemmer im Januar 2012.

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