WAVE-GOTIK-TREFFEN 2011 Tag 2 (Freitag) – Leipzig (10.06.2011)

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Der zweite WGT-Tag versprach stressiger zu werden, denn dieses Mal liegen die von uns eingeplanten Auftritte zeitlich eng, geographisch dafĂŒr weiter auseinander. Los geht es mit dem Besuch des Viktorianischen Picknicks [GALLERY Besucherfotos] im Clara-Zetkin-Park, bei dem es außergewöhnliche Roben und Aufmachungen zu bestaunen gibt. Steam-Punk-AnhĂ€nger und Liebhaber altertĂŒmlicher Kleider und Korsagen kommen hier voll auf ihre Kosten und ĂŒber dem Park bricht ein wahres Blitzgewitter der beeindruckten Festivalbesucher und Einwohner Leipzigs los. Eine wirklich tolle Sache und fĂŒr viele schon seit Jahren der Höhepunkt des modischen Treffens ĂŒberhaupt.

Weitere Fotos des Events gibt es hier

Musikalisch beginnen wir unsere Tour etwas spĂ€ter im Werk II, wo Old-School Electro angesagt ist. Prager Handgriff [GALLERY] sind zurĂŒck und beweisen, dass ihre Musik und Texte auch heute noch brandaktuell klingen und die Fans sind erfreut, ihre Heroen endlich wiederzusehen. Schnell bildet sich vor der BĂŒhne ein kleiner Moshpit und die Die Hard-Fans tanzen und singen was das Zeug hĂ€lt und auch die ein oder andere Interaktion mit Frontmann Stefan SchĂ€fer ist hier möglich. Prager Handgriff selbst sind auch sichtlich gerĂŒhrt ob des tollen Empfangs und geben von Beginn an alles. Auch ihr grĂ¶ĂŸter Hit „Deutschland“ gehört zum Programm und so bleiben alle, als der Vorhang nach einer Stunde fĂ€llt und die Band die BĂŒhne verlĂ€sst, erschöpft, aber ĂŒberglĂŒcklich zurĂŒck.

Wir bleiben noch im Werk II, denn im Anschluss hat sich eine weitere Ikone angemeldet: Dance Or Die [GALLERY]. Die Band aus Berlin veröffentlicht dieser Tage ihr neuestes Album „Nostradamnation“ und viele Zuschauer haben sich ganz besonders auf diesen Auftritt gefreut. UnterstĂŒtzung bekommen Dance Or Die auf der BĂŒhne von Clan Of Xymox Keyboarderin Yvonne de Ray, die hier ebenfalls die Tasten bearbeitet. Frontmann Gary Wagner ist stilecht in einen langen schwarzen Ledermantel gehĂŒllt und steht von Beginn an im Mittelpunkt des Geschehens, wĂ€hrend Maschinist Andreas Goldacker sich etwas in Hintergrund hĂ€lt. Neben vielversprechenden neuen Songs gehört natĂŒrlich auch ihr schon recht frĂŒh gespielter Hit „Psychoburbia“ zum Set. Das Konzert lĂ€sst sich gut an, wir machen uns nach einer Weile aber weiter auf den Weg zur Agra, um nachzusehen was dort bei einem weiteren JubilĂ€um geboten wird.

Denn Umbra Et Imago [GALLERY] feiern in diesem Jahr ebenfalls 20-jĂ€hriges Bestehen und haben sich fĂŒr ihre Fans einiges vorgenommen. Und die von Mozart und seinen Mannen und Frauen vorgetragenen Songs bringen ihre Fans auch gleich in Stimmung. Leider versucht Mozart diese Stimmung nach fast jedem Song mit Seitenhieben auf die verkommende Szene anzuheizen und macht sich dabei bisweilen etwas lĂ€cherlich. Klar hat „die Szene“ Probleme, aber ob unbedingt eine selbstironisch immer nah am Rande des Klischees wandelnde Band da der richtige AnklĂ€ger ist, mag bezweifelt werden. Und das Haltbarkeitsdatum von Witzen ĂŒber den Erfolg von Unheilig ist mittlerweile nun wirklich lĂ€ngst abgelaufen, zu leicht angreifbar erscheint hier das Opfer, so dass der x-te Hinweis eines KĂŒnstlers in diese Richtung fast mehr von „auf den fahrenden Zug aufspringen“ hat, als die Melodienverliebtheit des Grafen selbst. Musikalisch interessant wird es vor allem dann, wenn ihre Violinistin die BĂŒhne betritt, optisch zieht hingegen SĂ€ngerin Madeleine Le Roy alle Blicke auf sich. Insgesamt ist das alles ordentlich, aber ich mache mich schnell wieder zurĂŒck ins Werk II auf, um rechtzeitig zum nĂ€chsten Auftritt dort zu sein.

Leider steht von Beginn an fest, dass ich heute nicht viel von Diorama [GALLERY] werde sehen können, denn der nĂ€chste Auftritt ruft schon und dementsprechend nervös werde ich, als sich der Soundcheck und damit auch der Auftritt des Quartetts verschiebt und die fĂŒr mich verbleibenden Minuten immer weiter verrinnen. Mir bleibt leider nur ein Song („Child Of Entertainment“) um einige Fotos in den Kasten zu bekommen und muss zu meinem Bedauern danach sofort wieder los in die Kuppelhalle des Pantheons. Diorama zu verpassen war sicher einer der negativen Aspekte des WGT-Zeitplans, zum GlĂŒck spielt die Band aber auch noch beim Amphi Festival in Köln; dann sind wir mit Sicherheit wieder lĂ€nger dabei.

Aber zurĂŒck zum WGT, wo es wie gesagt im Pantheon weitergeht, denn hier gibt es heute etwas ganz Besonderes zu sehen: Clock DVA [GALLERY] sind zurĂŒck und treten nach 17 Jahren endlich wieder live auf. Die Spannung beim Publikum steigt, denn in der Mitte der Kuppelhalle ist ein großer Cube aufgebaut, dessen Seiten mit weißen TĂŒchern verhĂŒllt sind. Als die Musiker erscheinen, verschwinden sie sofort wortlos im ĂŒberdimensionalen WĂŒrfel, begeben sich an ihre Instrumente und Regler und das Konzert oder besser die „PrĂ€sentation“ beginnt. Es ist kein Konzert wie jedes andere, denn die Musiker sind von nun an nur noch schemenhaft im Inneren des Cubes zu erkennen. Optisch stehen die auf den TĂŒchern projizierten Videos im Vordergrund, die die sphĂ€rischen KlĂ€nge der Briten perfekt untermalen und so fĂŒr eine beeindruckende Stimmung in der nicht minder begeisternden Location sorgen. Doch auch diesen Auftritt können wir nicht ganz zu Ende sehen, denn der Agra-Freitags-Headliner wartet schon auf uns.

Mit Deine Lakaien [GALLERY] haben die Veranstalter einen Act eingeladen, der trotz aller EingĂ€ngigkeit wie fĂŒr das WGT gemacht zu sein scheint und dessen endgĂŒltiger Durchbruch in eine Ă€hnliche Zeit fiel, wie die GrĂŒndung des WGT. FĂŒr viele waren Deine Lakaien eine Art „Einstiegsdroge“ in die Schwarze Szene und Frontmann Alexander Veljanov hat sicher auch optisch einige SzenegĂ€nger nachhaltig beeinflusst. Die Lakaien geben sich geehrt, hier auftreten zu dĂŒrfen und verzaubern ihr Publikum in den nĂ€chsten knapp 90 Minuten mit neuen und alten Hits aus ihrer schon ĂŒber 25 Jahre andauernden Karriere. Und auch wenn die Akustik in der Agra sicher nicht die allerbeste ist, ĂŒberzeugen Alexanders Stimme und die Arrangements von Ernst Horn, Tobias „B. Deutung“ Unterberg (Violoncello) und Yvonne „Ivee Leon“ Fechner (Geige) die anwesenden Fans und interessierten Festivalbesucher, die nach dem Auftritt noch ausreichende Gelegenheit zum Tanzen auf den verschiedenen Floors in der Agra, aber auch in diversen anderen Locations im Stadtgebiet bekommen.

Die kompletten Fotosets zu den Bandauftritten erreicht ihr ĂŒber die [GALLERY]-Links (Bildkommentare sind in der Gallery durch Anklicken der gelben Sprechblase möglich), Infos und Fotos zu den anderen Tagen und noch mehr Besucherfotos folgen in KĂŒrze. Wer zudem Interesse an gedruckten Bildern hat, kann auch einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Orkus werfen (07-08/2011), in der neben einigen unserer Fotos auch Fotos anderer Fotografen enthalten sind.

Autor & Fotos: Michael Gamon

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