Elekktroshokk-Festival 2009 – Adelsheim, Live Factory (17./18.04.2009 )

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Elekktroshokk-Festival 2009, Adelsheim / Live Factory 17./18.04.2009

Zum zweiten Mal fand im April das Elekktroshokk-Festival statt. Als Veranstaltungsort wählte man diesmal die Live Factory in Adelsheim (Baden-Württemberg). Vom Konzept war diese Veranstaltung eher ein Newcomer-Festival, wobei es dennoch viele bekannte Acts und Highlights geben sollte. Als Headliner verpflichtete man Bands wie Frozen Plasma, Heimataerde, Diorama, Welle:Erdball und viele mehr. Das ganze sollte auf 2 Bühnen in gemütlicher Clubatmosphäre präsentiert werden.


Freitag, 17.04.2009:

Am Freitag traf ich bereits relativ zeitig am Veranstaltungsort ein. Die Live Factory befindet sich in einem Industriegebiet am Ortseingang von Adelsheim. Das Wetter war etwas ungemütlich, war aber unerheblich für den Verlauf des Festivals, welches ohnehin komplett in den Hallen stattfand.

Mit etwas Verzögerung begann der Einlass um ca. 15:00 Uhr. Erst wenige Leute hatten sich bis jetzt am Eingang getroffen. Der Regen ließ viele Leute noch im Auto warten. Eine Treppe führte das Publikum nach oben, zunächst in einen Bereich mit Bar, danach kam jedoch gleich der Hauptsaal. Der lang gezogene Saal hatte im hinteren Teil noch einige Merchandising-Stände. Ganz am Ende ging es wieder nach unten zu den Toiletten und dem kleineren Saal. Dieser war von der Größe wesentlich kleiner und strahlte eine typische Clubatmosphäre aus.

Eine Stunde später startete das Festival im kleinen Saal mit dem Münchner Darkwave Electro Project Schwarzes Fragment. Erst wenige Leute hatten sich hier eingefunden. Die meisten waren noch damit beschäftigt, sich Getränke zu besorgen oder Bekannte und Freunde zu begrüßen.

Wenig später begann auch oben im Hauptsaal das Festival mit der ersten Band Lost Area, die 2003 gegründet wurden und seitdem einige Supportauftritte bei The Crüxshadows, And One und anderen Bands hatten. Auch im Hauptsaal befanden sich erst wenige Leute, was allerdings für ein Festival anfangs normal ist.

Nach den Bands Profane Finality und Excubitors fiel mein Augenmerk auf Darkmen, die im kleinen Saal klassischen Oldschool EBM ablieferten. Wen wundert es, denn Darkmen kommen aus Belgien, der Wiege des EBM. Beeinflusst wurde Darkmen durch Bands wie Front242, Nitzer Ebb und Poupp├ęe Fabrikk. Geführt von analogen Synthesizern waren Darkmen einerseits ein Trip 20 Jahre zurück, andererseits machte ihre Musik auch deutlich, dass EBM immer noch einen Bestandteil der Musikszene darstellt.

Heavy Current, die mittlerweile im großen Saal spielten, lieferten wiederum einen völlig anderen Sound ab. Der gitarrenlastige Sound wurde mit Synthesizerklängen verschmolzen. Heavy Current sind bereits seit 10 Jahren unterwegs und konnten neben einigen CD-Veröffentlichungen auch eine Live-DVD in ihrer Discographie verbuchen. Das Elektro-Wave Projekt lieferte ein gute Show ab. Zwar waren immer noch nicht so viele Besucher da, aber eine clubgerechte Stimmung im Publikum war immer deutlicher zu spüren.

Im kleinen Saal trat nun DJ Mario C. mit seinem Elektro-Soloprojekt :Silizium: auf. Hier wurde er jedoch noch zusätzlich am Keyboard unterstützt. Das Projekt :Silizium: gibt es seit 2008 und zeichnet sich durch abwechslungsreiche Samples und schrillen Gesang aus. Die tanzbare Musik lockte eine kleine Fangemeinde an den Bühnenrand.

Als nächstes folgte auf der großen Bühne das aus Hannover stammende Duo Schneewittchen. Wie der Name schon andeutet, ging die Musik hier in eine völlig andere Richtung. Sängerin Marianne Iser suchte während der Show auch Kontakt zum Publikum. Sie sprang von der Bühne und lief wie ein Wirbelwind durch die Tanzfläche. Schneewittchen begeisterten das Publikum durch eine außergewöhnliche Show und einzigartigem Outfit.

Nach Davos und Glenn Love waren F.O.D. ein weiteres Highlight. Inzwischen war es schon ca. 20:40 Uhr. Die Band wurde aus den beiden Bands farout und d.o.d. gegründet. Die Mischung aus EBM und Dance bezeichnen sie selbst als "eXcess dance". Einige Fans tanzten fleißig mit. F.O.D. können bereits auf ein Repertoire an CD-Veröffentlichungen und Live-Auftritten zurückblicken.

Kaos Frequenz ist eine Soloprojekt von Torsten Kroke. Der aus Saarbrücken stammende Musiker hat bereits als Bassist und Keyboarder bei verschiedenen Bands Erfahrungen gesammelt. Sein Projekt Kaos Frequenz existiert seit 2002 und geht klar in Richtung Elektro-Industrial. Auch hier wurde fleißig getanzt.

Oben ging es inzwischen mit der aus Dresden stammenden Elektro-Band Cephalgy weiter. Die Band wurde bereits 1997 gegründet und veröffentlichte 2008 das 4. Album "Herzschlag". Tanzbare Stücke dominierten ihren Auftritt. Die Keyboarder mit ihren leuchtenden Brillen lieferten eine futuristische Atmosphäre. Viele Besucher hatten sich hier versammelt, um sich den Auftritt von Cephalgy anzuschauen.

Die aus München stammende Elektro-Industrial-Band Eisenfunk hatte anschließend ihren Auftritt im kleinen Saal. Unlängst veröffentlichten sie ihr Album "Schmerzfrequenz". Gegründet wurde Eisenfunk von Michael Mayer im Jahre 2006. Das Projekt stellt eine Vermischung aus harten Industrie Beats, mit vielen Noise Elementen und sehr einfach gehaltenen Melodien dar. Mittlerweile hat sich Eisenfunk zum Trio erweitert. Eisenfunk lieferten eine gute Show mit vielen clubtauglichen Songs ab.

Der Abend schritt immer weiter fort und man näherte sich langsam den Highlights des Festival. Im kleinen Saal spielte ab ca. 0:15 Santa Hates You. Hinter diesem Projekt steckt niemand Geringeres als Peter Spilles, der mit Project Pitchfork schon seit Anfang der 90er Jahre unterwegs ist. Unterstützt wird Peter von Jinxy (Keyboard). Mit Santa Hates You wollte Peter Spilles einfach mal etwas Neues ausprobieren. Schweißtreibende 45 Minuten und ein prall gefüllter Saal ließen hier ordentlich Stimmung aufkommen.

Nahezu parallel spielten auf der oberen Bühne Phase III. Genau an diesem Tag erschien auch ihr aktuelles Album "Es wird dunkel". Neben 2 vorhergehenden Veröffentlichungen war das Elektro-Projekt auch auf zahlreichen Samplern vertreten. Die Band sieht sich nicht als herkömmliche Band, sondern eher als Projekt mit einem Kern ("Core"), der aus Bandgründer Levithan, sowie Spif Anderson und Graf Tarek bestehen. Die Band holte sich aber Gastsänger und Musiker dazu. Die Musik von Phase III ist eher im Bereich EBM/Dark Wave angesiedelt, enthält aber auch popige Elemente. Die Songs waren melodisch und abwechslungsreich, nicht zuletzt auch durch weibliche Gesangsunterstützung.

Straftanz sind bekannt für provokative Texte und Shows. Wer Straftanz schon live gesehen hat, weiß, dass es immer wieder neue Überraschungen gibt. Zunächst wurden einige Liegestühle neben der Tanzfläche verteilt. Sänger k-x (Bandmitglieder sind mit Pseudonymen unterwegs) machte es sich noch kurz auf einem Liegestuhl bequem. Viel Zeit zum Ausruhen gab es allerdings nicht, denn jetzt hieß es: Straftanz – für alle! Die Show war wieder einmal gekennzeichnet durch Gasttänzer, welche die Stimmung zusätzlich anheizten. Der kleine Saal war wieder deutlich gefüllt. Beim letzten Song tanzten sogar Fans auf der Bühne.

Inzwischen war es bereits 2:30 Uhr. Im oberen Saal startete nun die letzte Band: Heimataerde. Das Projekt beschäftigt sich mit der Thematik der Tempelritter. Heimataerde kombinieren harte elektronische Musik mit mittelalterlichen Instrumenten. Bandgründer und Sänger Ashlar von Megalon trat zunächst in kompletter Ritterrüstung inklusive Helm und Schild auf die Bühne. Auch die anderen Bandmitglieder waren entsprechend dem mittelalterlichem Hintergrund gekleidet. Viele Fans drängten sich neugierig vor den Bühnenrand. Die Kombination von Synthesizerklängen mit Flötenspiel gepaart mit düsteren Texten war jedoch schon relativ speziell, so dass Heimataerde eher nicht dem Geschmack eines breitem Publikums entspricht. Insgesamt war die Show aber auf jeden Fall sehenswert.

Für mich war der erste Tag dann gegen 3:30 Uhr beendet. Im kleinen Saal spielte anschließend noch Frozen Plasma, die ihre Show noch nach das Ende von Heimataerde verschoben hatten. Doch leicht erschöpft machte ich mich dann auf den Weg zurück zum Hotel.



Samstag, 18.04.2009:

Am 2. Tag begab ich mich wieder rechtzeitig auf den Weg und traf gegen 14:30 Uhr wieder vor der Live Factory ein. Bereits um 15:00 Uhr startete das Festival am 2. Tag auf der oberen Bühne. Das Projekt Lennart war zweifelsohne gleich die Überraschung des 2. Tages. Musiker und Produzent Lennart präsentierte dem Publikum experimentelle Musik mit politischen Texten. Das besondere war, dass nicht er selbst sang, sondern aufgenommene Texte von professionellen Moderatoren oder Musikerfreunden in die Instrumentalmusik eingearbeitet wurde. Die Show wurde somit zu einer musikalischen Nachrichtensendung. Lennart erzählte auch zu jedem Stück eine Hintergrundgeschichte und war somit ein gelungener Auftakt für den Samstag.

Im kleinen Saal startete gegen die Elektro / New Wave Band Midnight Resistance. Die Band wurde 2007 von Nico gegründet und arbeitet momentan an ihrem neuen Album. Die Musik enthielt sowohl Elemente als auch rockigen Gitarrensound. Leider waren erst wenig Gäste anwesend, so dass noch keine richtige Stimmung aufkam.

Als nächstes trat Massiv in Mensch auf die Bühne. Gegründet wurde die Band bereits 1993 – zunächst jedoch unter einem anderen Projektnamen. Massiv in Mensch kann somit schon etliche CD-Veröffentlichungen vorweisen. Sie bezeichnen ihre Musik selbst als Dark Rave. Die Stücke sind durchweg tanzfähig und die Texte vorwiegend in deutscher Sprache. Die mitgebrachten Tänzer waren gleich der Ansporn, so dass kurz darauf eine ganze Reihe Fans ordentlich abtanzten.

Nach dem Auftritt von Weltfremd folgte jetzt für mich die 2. Überraschung des Tages: Kontrast. Die aus Niedersachsen stammende Elektro-Band hat bereits in den 90ern unter dem Projektnamen ISECS einige Stücke veröffentlicht. Das bekannteste dürfte wohl "Einheitsschritt" sein, welches natürlich in der Setlist von Kontrast nicht fehlen durfte. Der Bühne wurde neben Instrumenten auch noch mit alten Röhrenfernsehern bestückt. Der kleine Saal war jetzt brechend voll. Die Musik erinnert ein bisschen an 80er-Jahre Synthie-Pop, die Songs waren durchweg einprägsam und tanzbar. Der Gastauftritt der Sängerin Nebelgeist war auch noch eines der Highlights der wirklich gelungenen Show.

Auf der oberen Bühne startete anschließend das belgische Duo Agapesis. Ihre Musik verbindet Elemente des Elektrosound mit klassischem Dark Wave, die Texte sind vorwiegend französisch. Agapesis wurde 2006 von Melanie und Jean-Pierre gegründet. Seitdem haben sie 2 Alben veröffentlicht, das dritte folgt im September. Der Auftritt von Agapesis war mit Sicherheit die auffälligste Show des gesamten Festival, denn sie präsentierten eine doch gewagte Fetish Show. Zunächst im langen Kleid bekleidet begann Sängerin Melanie, später spielten Lack, Leder und Ketten eine wichtige Rolle. Agapesis schafften es auf jeden Fall, das Publikum zu fesseln (hier aber nur im übertragenen Sinne) und eine gelungene Performance mit tollen Songs abzuliefern.

Doch jetzt sollte wieder getanzt werden. Die Elektro-Industrial-Band Novastorm forderte anschließend dazu auf. Das Duo besteht aus Tandrin und Disdain und hat seit 2006 insgesamt 3 Alben veröffentlicht. Das Publikum konnte nun nicht mehr stillstehen.

Gegen 21:15 Uhr war es dann Zeit für die aus Altenburg (Thüringen) stammende Band Digital Factor, die erst kurze Zeit vorher für das Line-Up bestätigt wurden. Über den Auftritt von Digital Factor habe ich mich besonders gefreut. Ich kenne die Band schon seit 1993. Durch ein Demotape eines Freundes der Band wurde ich auf Digital Factor aufmerksam gemacht. Die düstere Musik mit vielen raffinierten elektronischen Effekten hat mich gleich begeistert und ist somit auch mein persönlicher Tipp für alle Fans dieser Musik. Digital Factor spielten natürlich viele "Alte Bekannte" und auch neue Songs und waren mit Sicherheit ein Topact für das Festival.

Als nächstes folgte das deutsch-britsche Duo V2a. Gegründet wurde die Band im Jahre 2002 von Kevin Stewart und Ines Lehmann. Ihre Musik stellt eine Mischung aus EBM, Gothic, Industrial aber Synthpop dar. Verzerrte Vocals und ausgefeilte Melodien beherrschten ihre Stücke. V2a haben die Fans mit ihren Songs mitgezogen und beeindruckten sie in den zur Verfügung stehenden 45 Minuten.

Die deutsche EBM-Formation E-Craft aus Eisenhüttenstadt ist bereits seit 1996 unterwegs. Die Band um Guido Hennig und Mario Bernhardt lieferten kompromisslosen EBM ab. Mit ihren zahlreichen Veröffentlichungen können sie auf ein gewaltiges Repertoire von Songs zurückgreifen. Mit vielen Ohrwürmern und elektronischen Krachern war ihr Auftritt eine großartige Performance. E-Craft sind auf jeden Fall eine Bereicherung des EBM-Genres.

Die Bands X-Divide, Noyce TM, Klangstabil und Diorama, die auf der kleinen Bühne spielten, habe ich nur am Rande gesehen. Bei parallelen Bandauftritten ist es ohnehin schwierig, alle Bands im vollen Umfang zu genießen.

Gegen 0:45 Uhr startete nun die letzte Band des Festivals: Welle:Erdball. Viele Leute standen schon dicht gedrängt vor der Bühne. Der ungewöhnliche Bühnenaufbau ließ bereits auf eine grandiose Show und ein würdiges Finale schließen. 2 Projektoren standen im Vordergrund. Im Hintergrund befanden sich 2 nicht klar definierte drehbare Gerüste sowie Leinwände.

Die Musiker Alf Behnsen ("A.L.F.", Keyboard) und Hannes Malecki ("Honey", Gesang und Performance, C=64-Spieler) gründeten die Band unter verschiedenen Projektnamen bereits 1990. Der endgültige Name Welle:Erdball entstand jedoch erst 1993. Im selben Jahr erschein auch das erste Album "Frontalaufprall", welche sich bereits gut verkaufte. Zwei weitere Alben folgten, bis man im Jahre 1996 auch das endgültige Logo fand. Das Sachsenring-Logo wurde drei mal um 23 Grad (in Anspielung an die Illuminaten) gedreht, so dass es nun eine Radiowelle und den Erdball darstellt. Von nun an wurde der Commodore 64 stärker eingesetzt und galt fortan auch als festes Bandmitglied.

Texte und Musik sowie die Shows von Welle:Erdball haben immer ein bisschen Retro-Flair, sei es Songs wie "Super 8", die Verwendung des C 64 sowie den 50er Jahre Style mit Anzug, weißem Hemd und schwarzer Krawatte. Live wird Welle:Erdball durch weibliche Background-Stimmen unterstützt. Diese wechselten im Laufe der Jahre mehrmals. Aktuell sind Frl. Venus (seit 2003) und Plastique (seit 2005) die weiblichen Stimmen von Welle:Erdball.

Während Sänger Honey im Vordergrund stand und immer Kontakt zum Publikum suchte, war Keyboarder A.L.F. eher dezent im Hintergrund. Links stand Plastique und rechts Frl. Venus auf einem Podest unter dem drehbarem Gerüst. Die Setlist bestand aus bekannten Songs wie "Starfighter F104G" sowie der aktuellen Single "ich bin aus Plastik" – der natürlich von Plastique vorgetragen wurde.

Welle:Erdball lieferten auf dem Elekktroshokk-Festival eine fantastische Show ab. Eigentlich war nur eine Stunde vorgesehen, aber daraus wurden geschlagene 2 Stunden. Fast alle Gäste habe sich diese Show angeschaut. Ich würde mich auf jeden Fall freuen, mal wieder eine Show von Welle:Erdball zu sehen.

Fazit:
Das zweite Elekktroshokk Festival 2009 hat im Wesentlichen meine Erwartungen erfüllt, auch wenn es am ersten Tag etwas chaotisch zuging und das Line-Up etwas durcheinadergewürfelt wurde. Persönlich habe ich viele neue Bands kennen gelernt, bekannte Bands wiedergesehen und viele nette Leute getroffen. Ich würde mich freuen, wenn es nächstes Jahr wieder ein Elekktroshokk Festival geben würde.

Weitere Fotos der teilnehmenden Bands werden in Kürze der Galerie hinzugefügt und dann hier eingebunden.

Fotos und Bericht : Thomas Bunge

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