Interview : Fïx8:Sëd8 (Martin Sane)

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"Fix8:Sed8" ist mittlerweile mehr als nur ein Geheimtip. Das erste Album "Humanophobia" machte anderen Bands vor, wie Dark-Elektro im neuen Jahrtausend klingen soll. Anlässlich des neuen Albums "Dormicum" stand "Fïx8:Sëd8" Sparklingphotos Rede und Antwort. Lest das ironisch-unterhaltsame Interview mit Mastermind Martin Sane.


Warum hast Du Dich entschieden, dein neues Album im Eigenvertrieb ohne Label unter die Leute zu bringen?

Ganz klar aus Gier. Je mehr Leute involviert sind desto mehr muss ich von den Millionen die ich mit Fïx8:Sëd8 mache abgeben und wer will das schon. Ach so und außerdem ist meinem Label Klangdynamik Records auf der Zielgeraden leider die Luft ausgegangen. Ich hatte danach zwar gleich ein paar Angebote aber zum Einen hätte es die Veröffentlichung von "Dormiucm" noch weiter hinausgezögert zum Anderen hatte ich eigentlich nichts dagegen es wie bei "Humanophobia" auf eigene Faust zu machen. Da bist Du Dein eigener Chef, kannst so lange schlafen wie Du willst, die Musik machen die Du möchtest ohne dass irgendein Labelchef Dir erklärt, dass Rappen jetzt total angesagt ist und wenn es schief geht ,kannst Du es auf die Weltwirtschaftskrise oder die Islamisten schieben. Und wie gesagt die Millionen. Und die Bitches.


Braucht man als Newcomerband eigentlich ein Label, oder ist es ohne sehr schwierig gehört zu werden, wenn man professionell arbeitet?

Das kommt natürlich darauf an. Wenn man mega-talentiert ist, Killer-Musik macht und super aussieht braucht man denke ich kein Label. Wenn man nichts davon hat könnte man schon eher eins gebrauchen kriegt aber dummerweise nur schwer eins wegen all den eben erwähnten Defiziten. Na jedenfalls brauche ich kein Label.


Was ist bei Dir zuerst da? Das Wort oder die Musik?

Ich dachte eigentlich das Ei, aber wenn ich mich zwischen diesen beiden entscheiden muss dann die Musik. Und zwar immer. Ein guter Song muss meiner Meinung nach auch instrumental funktionieren ohne langweilig zu sein. Vocals und Lyrics sind für mich eher nur ein zusätzliches Accessoir mit dem ich die Stimmung des instrumentalen Songs untermale. Wenn ich ein toller Sänger wäre, wäre das eventuell etwas anderes. So aber krächze ich aber immer erst zum Schluss etwas ein.


?Dormicum? gibt es auch als Special Edition in einer schicken Stahlbox. Insgesamt ist das Artwork sehr schön geworden, minimal und edel. Wie kam der Kontakt zu ?Jirkoart? zustande?

Wir haben uns beim Casting zu DSDS kennengelernt, wurden aber beide wegen einer zu freizügigen Performance relativ sofort raus geschmissen. Außerdem hat er seinerzeit "Humanophobia" bei mir erstanden und schon des öfteren die eine oder andere Photoshop-bezogene Sache für mich gemacht. Die Bilder sind allerdings von einer türkischen Künstlerin namens Nilgün Kara. Jirko hat die Bilder dann entsprechend fürs Album zurecht-manipuliert. Ich stimme zu, dass das Artwork wirklich schön geworden ist. Und so eine limited Edition zusammenzustellen macht auch viel Spass. Das werde ich für die nächsten Alben auch machen. Ich hab schon ein paar Ideen.


Der Titel des Albums benennt ein Betäubungsmittel. Soll der Hörer durch Deine Musik beruhigt werden? Womit beruhigst Du Dich, wenn der Alltagsstress Dich übermannt?

Also wen Tracks wie "The Needle" oder "Blood Delta" beruhigen, hat meiner Meinung nach ein ernstes Hyperaktivitätsproblem. Zwar sind die meisten Tracks im Midtempobereich angesiedelt, was die Songs jetzt aber mit jedem Einzelnen anstellen wird schätze ich von Fall zu Fall variieren. Mein Ziel war es ein stimmiges, gutes Album zu machen. Der Albumtitel sollte prägnant und einigermaßen cool sein. Zusammen mit dem Artwork bildet alles hoffentlich eine Einheit. Solange die Leute beim Hören von "Dormicum" überhaupt irgendetwas fühlen, bin ich schon zufrieden. Wenn das Album sie kalt ließe wäre das sicherlich nicht der erwünschte Effekt. Was ich tue um mich zu beruhigen? Na ich betrinke mich natürlich. Gibt’s da denn noch eine andere Methode?


Auffallend bei Deiner Musik sind die oft eingesetzten Samples? (z.B. ein Stück aus dem Film ?Sin Eater? beim Titeltrack ?Dormicum?) Welche Bedeutung im Songkontext haben diese Wortschnipsel?

Samples benutze ich sehr gerne. Sie sind wie ein zusätzliches Instrument und können manchmal den Unterschied ausmachen. Die Irak-Krieg-Samples in "Quarantine" waren genau das, was der Song brauchte. Davor hat er sich in meinen Ohren zu leer angehört. Auch die Art der Samples ist wichtig. Was gesagt wird soll die Stimmung des Songs verstärken. Allerdings nicht auf eine debil-plumpe Art wie man das ständig hört. Was zum Beispiel gar nicht geht sind übertrieben versaute oder perverse Samples a la "ich werde Deine Gedärme essen". So ein peinlicher Quatsch! Wie im Kindergarten. Und deutsche Samples mag ich auch nicht. Alles viel zu kommerzig.


Dein Gesang wird in Deinen Songs eher als Instrument denn als Stimme eingebettet. Wie wichtig sind Dir die Lyrics?

Wie erwähnt sind mir Lyrics nicht so wichtig. Es heißt schließlich Musik und nicht Prosa. Ich habe eh nichts Interessantes zu erzählen. Deswegen lieber Lyrics die die Atmosphäre des Songs unterstützen, genauso wie bei den Samples. Rein instrumentale Tracks sind aber auch nicht das Wahre (außer bei Mc1R) und es ist ja schon cool zu einem Song mitsingen zu können. Aber wie gesagt, ganz vorne die Musik, die Vocals/Lyrics als Untermalung.


Gibt es Musiker, mit denen Du gerne einmal zusammenarbeiten möchtest?

Eigentlich nicht. Dann müsste ich ja die Millionen und Bitches mit ihm teilen. Es müsste also jemand sein der von all dem schon viel zu viel hatte. Ogre fällt da spontan ein. Björk auch. Keine Ahnung wie die so drauf ist, aber an Bitches ist sie glaube ich nicht interessiert. Dafür ist sie super-talentiert und hat eine einzigartige Stimme. Und ganz aktuell darf ich stolz verkünden meinen allerersten und für lange Zeit letzten Remix gemacht zu haben und zwar für niemanden Geringeres als Suicide Commando. Darüberhinaus habe ich meine Kollegenclique (Blame, MC1R, Nordschlacht und Object) wo immer wieder mal der Eine für den Anderen etwas macht. Zu mehr Kooperation ist ein Egomane wie ich eh nicht in der Lage.

Wie würde, wenn Du den Schritt machen würdest, eine Fïx8:Sëd8 Liveshow aussehen? Werden wir bald in den Genuss von Konzerten kommen?

Mir schwebt da etwas in U2-ZOO-TV-Tour Dimensionen vor. Aber mit noch mehr Satelliten und mit mehr Blut. Ganz ehrlich: ich hab keine Ahnung. Ich bin eigentlich nicht so der Typ mich da vorne hinzustellen und den Kasper zu machen. Ich denke es würde grundsätzlich in die Skinny Puppy-esque Richtung gehen. Also etwas theatralischer. Aber das sind im Moment alles nur so Gedankenspiele. Aller frühestens Anfang 2010. Ich muss mich natürlich auch fragen wer da überhaupt kommen würde. Mutti nicht mitgerechnet.


Eine Frage, die mir schon lange auf der Zunge brennt: Was bedeutet der Bandname Fïx8:Sëd8 eigentlich? 

Oje, jetzt kennen wir uns schon 3 Jahre und Du weisst es immer noch nicht? Da haben wir uns so oft über belanglosen Quatsch unterhalten aber das konntest Du nie fragen? Komischer Typ…
Also: Fïx8 (fiksejt) heisst auf englisch fixieren, Sëd8 (sidejt) heißt sedieren, also medikamentös beruhigen. Dormicum ist beispielsweise so ein Sedativum. Das ganze Gedöns mit den 8en und den Punkten ist reines Tuning um noch cooler zu sein. Sozusagen meine möchtegern-intellektuelle Art zu sagen "ich werde Deine Gedärme essen".


Wo liegt der größte Unterschied zwischen Deinem Erstlingswerk ?Humanophobia? und ?Dormicum??

Gerade gestern lief auf Pro7 eine dieser unsäglichen Making Of-Sendungen über "Nachts im Museum 2". Wie üblich bei solchen Promo-Veranstaltungen wird keiner der Beteiligten müde zu betonen wie lustig der neue Film, wie toll die Special-Effekte, und wie genial die Crew ist. Wieviel Spass alle hatten und wie scheiße eigentlich der erste Teil war. Aber genau das muss ich jetzt auch machen. "Dormicum" ist einfach in ALLEN Belangen besser. Die Songs sind viel reifer, die Produktion ist viel besser, das Album in sich stimmiger. Und vor allem: ich bin 100% mit dem Album zufrieden während ich bei "Humanophobia" einige Kompromisse machen musste. Ich höre mir "Humanophobia" immer noch gerne an und kann mit den meisten Songs gut leben aber bei "Dormicum" habe ich solange rumgeschraubt bis wirklich alles zu meiner Zufriedenheit erledigt war. Da wird wahrscheinlich niemand außer mir irgendeinen Unterschied hören aber in erster Linie mache ich die Musik ja auch für mich. Ach ja und die Crew war fantastisch, ich hatte total viel Spass und es ist ein Album für die ganze Familie.


Wenn Du von deiner Kunst leben müsstest, welche kommerziellen Zugeständnisse würdest Du mit deiner Musik machen?

Ich würde so lange mit meinem Kopf gegen die Wand hauen bis ich anfange meine Mütze verkehrt herum und meine Hosen auf Kniehöhe zu tragen, mich ganz komisch bewege und mir eine goldene Fïx8:Sëd8-Halskette machen lasse. Dann muss man nur noch seine Kollegen krass dissen ("ich werde Deine Gedärme essen"-Samples sind peinlich). Fertig. Musik im herkömmlichen Sinne braucht man dann gar nicht mehr zu machen.


Hast Du bestimmte Lieblingsstücke auf ?Dormicum??

"Guillotine Gratitude" ist mein absoluter Liebling. Da krieg ich jedesmal Gänsehaut. Außerdem "Hiob" und "The Needle". Und natürlich alle anderen Songs (siehe zwei Fragen zurück).


Wenn Du auf dein Leben zurückblickst: welche Dinge würdest Du anders machen?

Ich hätte mich nicht auf ein Interview eingelassen in dem so persönliche Fragen gestellt werden.


Deine letzten Worte an die Leser von ?Sparklingphotos??

Bitte das Interview nicht zu ernst nehmen. Jirko und ich haben uns nicht beim Casting zu DSDS, sondern beim Casting zu Popstars kennengelernt. Außerdem würde ich Frauen, die jeden Abend mit einem anderen Musiker rumhängen nie als Bitches bezeichnen, sondern als Schlampen.

Alle die noch nicht die Nase voll von mir haben sind eingeladen sich ein paar meiner Tracks auf www.myspace.com/fix8sed8music anzuhören. Jede Art von Kommentar, Kritik oder Beschimpfung ist willkommen!


Vielen Dank Martin!

Interview Ende Mai 2009 : Frank Stienen mit Martin Sane (Fïx8:Sëd8)

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