MORRISSEY – Manchester, Apollo (23.05.2009)

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It’s Not His Birthday Anymore, denn leider hatten wir "nur" Karten für den zweiten Abend von Morrissey?s Manchesterabstechers bekommen. Tags zuvor, genau an seinem 50. Geburtstag war der Junge aus Manchester erstmals zur aktuellen Tour wieder in seiner Heimat aufgeschlagen und hatte schon da dem Vernehmen nach eine tolle Party gefeiert. Ganz sicher alles andere als ein Unhappy Birthday!

Aber alles der Reihe nach, denn los ging es nach monatelanger Vorfreude am Freitag, als wir uns von Weeze aus in Richtung Manchester auf den Weg machten. Schon während des Fluges hatte ich ständig diese eine Zeile im Kopf "Oh Manchester, so much to answer for" und als ich diese kurz vor Ankunft leise vor mich her sang, zauberte dies ein Lächeln auf das Gesicht meines Nebenmanns … ich war in meiner Vorfreude wohl nicht allein. Leider verhinderte die ungünstige Flugzeit, dass wir rechtzeitig zu einem anderen Konzert in Manchester aufschlagen konnten, denn Ex-The Smiths Gitarrist Craig Gannon spielte (wie mir leider erst am morgen selbst auffiel) einen Gastauftritt bei einer befreundeten Band (Help Stamp Out Loneliness) und das im Vorprogramm der ebenfalls erst gerade von mir wahr genommenen "The Pains Of Being Pure At Heart". Leider kamen wir dazu allerdings zu spät. Schade, passender hätte der Auftakt ansonsten kaum verlaufen können.

Am nächsten Tag erkundeten wir etwas die Innenstadt von Manchester und sahen uns dabei auch im "Affleck?s Palace" Einkaufscenter um. Von außen recht cool, aber fast unscheinbar, fühlt man sich innen wie ein Clubkid im Wunderland. Allerlei abgefahrene Klamotten, teils kunterbunt, teils punkig gibt es hier zu erwerben. Das fängt bei Anziehsachen an, geht über CDs, den passenden Haarschnitt für den Abend bis hin zum Piercing oder Tattoo. Immer wenn man dachte, man wäre mit einer Etage durch, entdeckte man einen neuen Gang mit weiteren kleinen Läden und das über gleich mehrere Etagen. Und zur besten Untermalung des anstehenden Abends erschallte an fast jeder Ecke der Sound der Smiths oder ihres Anführers Morrissey.

Letzterer war dann natürlich auch der Grund unseres nächsten Stopps, denn wir machten uns erstmals zum Apollo auf, um unsere Tickets abzuholen, damit es später auch zu keinerlei Komplikationen kommen konnte. Es war gegen 16:00 Uhr und ca. 25 wackere Gesellen hatten sich bereits jetzt am Apollo eingefunden, um später eine aussichtsreiche Position bei Einlass zu besitzen. Wir machten aber noch einen kurzen Abstecher zum Hotel und nachdem die ständig -ohne erkennbaren Grund- stehenbleibende Bahn für diverse Schockmomente bei mir gesorgt hatte, trafen wir gegen kurz vor 19 Uhr erneut am Apollo ein. Am Eingang hatte sich mittlerweile eine lange Menschenschlange gebildet, die sich kurz darauf zum Glück zügig in Bewegung setzte, als ihnen der begehrte Einlass gewährt wurde. Überraschenderweise waren die Kontrollen am Eingang lasch bis überhaupt nicht vorhanden, so dass das Prozedere sehr schnell vor sich ging.

Das Apollo ist ein großartiger Ort für Konzerte. Sein Ursprung als Kino wird sehr deutlich und so teilten sich die gut 3500 Zuschauer auf solche im oberen Logenbereich und dem etwa 2500 Leute fassenden Innenbereich auf, in dem auch wir einen Platz recht weit vorne ergatterten. Zu diesem Zeitpunkt war es vorne noch relativ ruhig und leer, was sich auch nur bedingt änderte als die erste Vorband um Punkt halb Acht die Bühne betrat. Es ging leicht rockig zu und der Sänger hatte wohl leider etwas zu viele Morrissey-Konzerte oder -videos gesehen und verband seine recht dürftige Gesangsleistung daher mit typischen Morrisseyposen, die bei ihm jedoch aufgesetzt, ja eher lächerlich wirkten. Neben dem guten Drummer das einzig positive an diesem Auftritt war, dass er nur 20 Minuten dauerte und dann die Musik wie eine Erlösung erlosch. Nach einer recht kurzen Umbaupause ging es mit "Doll & the Kicks" weiter und was wir nun geboten bekamen war schon deutlich angenehmer. Sängerin Doll trifft gesanglich genau das aktuelle Beuteschema vom Mozfather und war zudem auch äußerst nett anzusehen, eine Tatsache die auch ihr selbst wohl nicht verborgen geblieben ist, kokettierte sie doch quasi permanent mit dem Publikum. Aber auch musikalisch wussten Doll & the Kicks zu überzeugen: Netter Poprock mit einer ordentlichen Portion Schrägheit, die sie von den meisten anderen heutigen Bands wohltuend abhebt.

Doch es kam natürlich noch besser, denn nach einer weiteren Umbaupause war es um kurz nach neun Uhr soweit: Der aus einem großen weißen Laken bestehende Vorhang fiel und nun wurde die gesamte Bühne des Apollo sichtbar. Im Hintergrund ein muskelflexender Matrose und davor das Equipment von Morrissey?s Band, die quasi zeitgleich mit dem Meister selbst die Bühne zum Intro betrat. Und dann ging es los und es brachen alle Bänne. Der The Smiths Smash-Hit "This Charming Man" setzte ein und es wurde sofort einiges klar: Morrissey war nach den kurz zuvor abgesagten Konzerten bei wiedererlangter Stärke, die Songs werden druckvoller präsentiert als von den Alben gewohnt und im Zuschauerbereich würde es relativ heftig zur Sache gehen. Es wurde gedrückt und geschoben und, sobald sich um den eigenen Körper ein Freiraum von wenigen Millimetern ergab, auch gehüpft was das Zeug hielt. Und die Zuschauer sangen mit – lautstark! Während der ersten Songs hatte man zum Teil Schwierigkeiten Morrissey?s Stimme auszumachen, so laut erklangen die Lyrics aus tausend Kehlen der begeisterten Fans. "This Charming Man" war ein perfekter Auftakt und sicher einer der stärksten Songs des Abends. Energisch gespielt und instrumental leicht vom Original abgewandelt, was dem Song deutlich gut tat und für noch mehr Klasse sorgte. Einfach eine brillante Präsentation, der auch das zugleich folgende "Irish Blood, English Heart" in keinster Weise nachstand.

Und es blieb hochklassig, denn gleich nach "Black Cloud" ging es mit dem nächsten Hit aus Smiths-Tagen weiter, als "How Soon Is Now" eingeläutet wurde. Wieder in der Setlist war dieses Mal zudem "Seasick, Yet Still Docked", das ebenso zu den Highlights gehörte wie die großartigen Singles "I’m Throwing My Arms Around Paris" oder "Something Is Squeasing My Skull" vom aktuellen Album "Years Of Refusal". Richtig heftig ging es im Publikum bei "Ask" zu, als noch einmal alle Bänne zu brechen schienen und letzte Positionskämpfe aufbrandeten. Einfach nur hin- bzw. herreißend. Mit "Girlfriend In A Coma", "I Keep Mine Hidden" und "Some Girls Are Bigger Than Others" gehörten übrigens weitere The Smiths Stücke zum Set, eine durchweg gute Wahl wie sich zeigte.

Im Verlauf des Konzerts nahmen die Versuche, die Bühne des Apollo zu stürmen, um dem Mozfather näher zu sein stetig zu, wirklich geschafft hat es allerdings nur ein Fan, der offensichtlich erst die Reise über den großen Teich und dann über den Bühnengraben des Apollos bestritt. Glückwunsch!

Mit dem wunderschönen "I’m Ok By Myself" verabschiedeten sich die Mannen um den frischen Fünfziger zunächst von der Bühne, kamen aber kurz darauf noch einmal zurück und setzten mit "First Of The Gang To Die" den umjubelten Schlusspunkt unter diesen unvergesslichen Konzertabend. Langsam lichteten sich die Reihen vor der Bühne und die Flucht aus dem Apollo setzte ein, nicht aber natürlich, ohne noch einmal am Merchandisestand Halt zu machen. Beim rausgehen traf ich noch auf eine Bekannte aus Argentinien, was eine wirklich nette Überraschung war. Viele Grüße an dieser Stelle an Veronica und ihr Gefolge.

Wie sich kurz darauf herausstellte, musste Morrissey die nachfolgenden Konzerte in Salisbury und London aus gesundheitlichen Gründen absagen. Wollen wir hoffen, dass er bis zum 05.06. wieder fit ist, wenn wir den Meister in Luxemburg wiedersehen (wollen).

Autor : Michael Gamon

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