PLUSWELT FESTIVAL Tag 2 – Krefeld, Kufa (04.04.2009)

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Nachdem der erste Tag des Jubiläums-Pluswelt Festivals ganz im Zeichen der etwas härteren Gangarten subkultureller Musik stand, waren am zweiten Tag eher die sanfteren Klänge gefordert, auch wenn es natürlich beizeiten auch gerne mal etwas härter oder zumindest tanzbarer werden durfte. Den Anfang machte dieses Mal die Band Tenek, zu der neben Peter Steer auch Mesh Keyboarder Geoff Pinckney gehört. Tenek veröffentlichten Ende März ihr Debütalbum "Stateless", welches solide-tanzbaren Synthpop zu bieten hat. Persönlich kannte ich Tenek bislang allerdings nur vom Hörensagen und einigen Soundproben, was leider auch nach diesem Tage so bleiben sollte, da widrige Umstände dafür sorgten, dass wir auch am zweiten Tag die erste Band verpassten.

Setlist Tenek:
01. Where’s The Time
02. I Don’t Cry (For You)
03. If I Should Fall
04. State Of Mind
05. Submission
06. Stateless
07. No Time For Fighting

So war für uns die polnische Band Nuniq der eigentliche Opener. Nuniq machen seit einigen Jahren Popmusik, die sich an elektronischen Trends wie dem House oder Electronika orientiert. Die Band besteht aus Sängerin Mg und Keyboarder und zugleich DJ xOlaf und trat im letzten Jahr beim berühmten Arvika Festival in Schweden auf und supportete im Laufe ihrer Karriere bereits solch Szenegrößen wie Ladytron, Camouflage, Psyche oder Client. Ihr Song "Nemo" war zudem auf dem limitierten "Elecropop.vol1"-Sampler zu finden. Derzeit arbeiten Nuniq an ihrem zweiten Album. Die live präsentierten Sounds waren durchweg okay, konnten uns aber nicht wirklich fesseln. Zu deutlich waren die Techno-/Houseeinfüsse in ihrer Musik und so fiel es uns schwer, echte Songperlen herauszupicken. Vielmehr wirkte das Ganze wie ein DJ-Set mit "Bühnenanimation". Einzig bekannter Song für uns war die Coverversion des New order Songs "Bizarre Love Triangle", ein durchaus beliebtes Objekt für Neuinterpretationen.

Ein ähnliches Feld, allerdings wieder etwas näher am Synthsound der anderen heutigen Bands, beackern auch Marsheaux aus Griechenland, die wir bereits beim letzten Wave-Gotik-Treffen live erleben konnten. Schon damals war mir die Ähnlichkeit zu Client aufgefallen, was nicht nur am eigentlich komplett weiblichem Lineup liegt. In Krefeld hatten die beiden Mädels aber noch männliche Verstärkung an den Reglern dabei, viel schien das am Sound aber nicht zu ändern. Marsheaux Songs sind gefällig und atmen den Spirit der Achtziger Jahre, als Bands wie OMD oder Human League uns ihre Perlen präsentierten. Aber irgendwie ist dies bei den beiden Griechinnen auch etwas zu glatt um wirklich Eindruck zu hinterlassen. Am auffälligsten, wie schon beim WGT 2008, war die Coverversion des -wie passend- Human League Klassikers "Empire State Human", einem natürlich schon vom Grundsatz her wirklich guten Song.

Setlist Marsheaux:
01. Hanging On
02. What A Lovely Surprise
03. Tonight
04. Dream Of A Disco
05. Love Under Pressure
06. Radial Emotion
07. Ghost
08. Empire State Human (Human League Cover)
09. Breakthrough

Eine deutliche Steigerung hatten wir uns dann von De/Vision versprochen, die bereits seit mehr als 20 Jahren bestehen und beim Pluswelt Festival einen Electronic Set vorstellten, was zunächst mal eher schade ist. Denn traten sie bei der Noob-Tour noch als komplette Band auf, bestand das Lineup dieses Mal nur aus Sänger Steffen Keth und Keyboarder Thomas Adam. Thomas befand sich dabei durchweg an der rechten Seite der Bühne und überlies den Rest der Bühne seinem Frontmann, der sich redlich mühte und seine Fans auch schnell auf seine Seite ziehen konnte. Die Stimmung war von Beginn an gut und natürlich wurden insbesondere Hits wie "Your Hands On My Skin" oder der letzte Song "Try To Forget" lautstark mitgesungen. Trotzdem sprang der Funke bei uns zunächst nur bedingt über, denn durch die komplett elektronische Ausrichtung wirkten insbesondere die ersten Songs vielfach gleichförmig und es fehlt eben auch das oben angesprochene Bandgefüge, das dem Ganzen noch etwas mehr Einheit und Energie hätte geben können. An der Qualität selbst gab es natürlich aber nichts auszusetzen, denn die Songs haben Potential und Sänger Steffen besitzt genug Charisma um auch de facto alleine auf der Bühne bestehen zu können. Es bleibt ein guter Auftritt der das Publikum zu begeistern wusste, fürs nächste Mal würde ich mir aber auch wieder einen "normalen" Auftritt wünschen um auch den etwas rockigeren Klängen Raum zu geben.

Setlist De/Vision:
01. Intro
02. Star-crossed Lovers
03. Love Will Find A Way
04. Today’s Life
05. Addict
06. What You Deserve
07. Bleed Me White
08. Dinner Without Grace
09. Moments We Shared
10. Blue Moon
11. I Regret
12. Your Hands On My Skin
13. Flavour Of The Week
14. I’m Not Enough (Z)
15. Try To Forget (Z)

Eine gehörige Schüppe oben drauf legten dann aber noch einmal die Headliner des heutigen zweiten Tages: Mesh aus Bristol! Los ging es bei den Briten zunächst im gewohnten Muster, denn als erstes erklungen die Takte von "Firefly", dem mit "People Like Me" und "Open Up The Ground" zwei weitere Hits folgten. Danach wars aber auch schon Zeit für die erste Überraschung, als Mesh mit "Everything I Made" einen neuen Song präsentierten und dieser schlug bei mir gleich ein wie eine Bombe. Hier erwartet uns Großes und die Vorfreude auf ein hoffentlich bald erscheinendes neues Album stieg in diesem Moment enorm an. Ähnliches galt wenige Songs später auch für den zweiten neuen Track "If We Stay Here", der ebenfalls Potential aufweißt. Ansonsten bestand der Set weitestgehend aus Tracks der letzten beiden Alben, angereichert aber natürlich durch die diversen Hits der Bandgeschichte, zu denen ganz sicher "You Didn’t Want Me" und die erste Zugabe "It Scares Me" gehören, bei denen mir ein kalter Schauer über die Schultern lief.

Nach einem solch tollen Gig wollte natürlich keiner der Anwesenden in der Kulturfabrik die vier Briten bereits entlassen und so kamen sie nach einer kurzen Unterbrechung mit "Friends Like These" im Gepäck zurück auf die Bühne. Nach dem Song verließen Mesh erneut die Bühne, doch man hatte noch immer nicht genug und so konnten sie zu einer weiteren Zugabe überredet werden: "From This Height", das wie schon bei den letzten Konzerten wieder gegen Ende hin voll
ausgereizt wurde, als Mark die Bühne verlies und die anderen Musiker
im Stile einer wilden Technoparty die Bühne rockten. Danach verabschiedete man sich freundlichst und die Zuschauer gingen durch die Bank zufrieden nach Hause, hier passte einfach alles! Umso erfreulicher daher, dass kurz nach dem Festival bekannt wurde, dass Mesh auch beim Blackfield Festival in Gelsenkirchen im Juni auftreten werden. Wir werden dabei sein …

Setlist Mesh:
01. Firefly
02. People Like Me
03. Open Up The Ground
04. Everything I Made (neu)
05. Not Prepared
06. Safe With Me
07. Headstone
08. If We Stay Here (neu)
09. Purest People
10. What Are You Scared Of
11. Leave You Nothing
12. My Saddest Day
13. Can You Mend Hearts
14. You Didn’t Want Me
15. Crash
16. Petrified
17. It Scares Me (Z)
18. Friends Like These (Z)
19. From This Height
(Z)

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