PLUSWELT FESTIVAL Tag 1 – Krefeld, Kufa (03.04.2009)

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Das Pluswelt-Festival fand in der Vergangenheit bereits einige Male mit jeweils vier Bands in Krefeld statt, anlässlich des zehnjährigen Bestehens von Pluswelt hatten sich die Veranstalter allerdings etwas besonderes einfallen lassen und so ging das Pluswelt Festival in diesem Jahr erstmals über zwei aufeinander folgende Tage. Alles war somit bereitet für ein besonderes Jubiläum und auch für eine interessante Ausrichtung war gesorgt, denn die beiden Abende standen interessanterweise unter verschiedenen musikalischen Vorzeichen. Am Freitag standen die Zeichen auf Sturm, wohingegen der Samstag eher den synthetischen Gefühlen gewidmet war.

Doch zunächst mal zum ersten Abend, der von den Überraschungsgästen Mina Harker eröffnet wurde, die wir allerdings zeitlich noch verpassten. So reichte unsere Ankunft aber zumindest doch noch um dem Auftritt von Scream Silence beizuwohnen, die in diesem Jahr ebenfalls ihr zehnjähriges Bestehen feiern dürfen. Die Deutschen können dabei bisher bereits auf sieben Alben zurückblicken, der aktuelle Silberling ?Apathology? erschien 2008. Scream Silence stachen mit ihrem Dark-Rock/Gothic-Sound etwas aus dem sonstigen Programm heraus, was sie auch selbst anmerkten. Trotzdem ließen sich Sänger Hardy Fieting, die Gitarristen Robert Klausch und Rene Gödde, Hagen Schneevoigt am Bass und Heiko Wolf an den Drums davon nicht beirren und zogen ihr Ding ganz einfach durch und hatten selbst auch eine Menge Spaß an ihrem Set. Auch im Publikum wurde streckenweise gut mitgemacht, denn es hatten sich doch einige Scream Silence Fans unter das sonst eher elektronisch ausgerichtete Publikum gemischt. Mir persönlich lag die Darbietung allerdings nicht so sehr,. Musikalisch zwar ganz nett, aber mehr für mich leider auch nicht.

Setlist Scream Silence:
01. The Vitriol
02. Harvest
03. Consolation
04. Kerosene
05. Creed
06. Counterfeit
07. Athanasia

Weiter ging es mit Grendel um Sänger [VLRK]. Mit ihnen nahm nun die Elektronik richtig Fahrt auf und die Beine der Anwesenden begannen im Takt mitzuwippen und der ein oder andere wurde auch zum verstärkten Tanzen animiert. Verzerrter Gesang durchdringt bei den Niederländern immer wieder die tanzbaren Beats und sorgt für eine bedrohliche, aber angenehme Atmosphäre und der Auftritt ließ die Vorfreude auf die beiden Tagesheadliner weiter ansteigen. Den Löwenanteil des Sets bestritten Grendel mit Songs aus ihrem noch immer aktuellen 2007er Album "Harsh Generation", doch natürlich gehörte mit Grendels Coverversion des Kernkraft 400 Tracks ?Zombie Nation? auch der absolute Tanzflächenfüller zum Programm und dieser wurde entsprechend gefeiert, zumal Grendel ihn mit einer kleinen Nitzer Ebb Einlage aus "Let Your Body Learn" anreicherten. Das machte Spaß und so langsam aber sicher stieg auch die gefühlte Temperatur im Saal merklich an.

Setlist Grendel:
01. Void Malign
02. Pax Psychosis
03. Remnants
04. One Eight Zero
05. Soilbleed
06. Dirty
07. Harsh Generation
08. Hate This
09. Zombie Nation

Weniger elektronisch, dafür aber mit ordentlichem Gitarrenwumms ist der Sound der Norweger von Zeromancer ausgestattet. Zeromancer haben dieser Tage ihren neuen Longplayer "Sinners International" veröffentlicht, der wieder an die Klasse der ersten Alben anknüpfen konnte und das etwas schwächelnde Album "Zzyzx" vergessen machte. Live habe ich sie schon recht früh in ihrer ebenfalls zehnjährigen Karriere gesehen und sie gelten seit jeher als Garant für klasse Liveshows. Und diesem Ruf wurden sie natürlich auch in Krefeld wieder einmal voll gerecht. Sänger Alex M├Şklebust beherrschte die Szenerie auf und vor der Bühne von den ersten Klängen an und gebannt folgten die Augenpaare der Fans seinen Bewegungen, wobei er natürlich insbesondere bei seinen weiblichen Anhängern hoch im Kurs steht. Dies wurde spätestens in dem Moment deutlich, als er sich seines Shirts entledigte und sein durchtrainierter Körper die Massen ins Verzücken versetzte. Die Songs von Zeromancer gehen nach vorne und besitzen durchweg Hymnencharakter in den Refrains, so dass natürlich vielfaches Mitsingen seitens des Publikums angesagt war. Geboten wurden Songs des aktuellen vierten Longplayers ?Sinners International?, aber selbstverständlich durften auch die diversen früheren Klassiker der Band wie ?Clone Your Lover? oder ?Doctor Online? nicht fehlen. Weiteres Highlight der Show war gegen Ende eine Coverversion des Depeche Mode Klassikers "Photographic", der auch DM-Fans nicht kalt lies. Ein wirklich guter Auftritt, der die Güte ihres aktuellen Albums unterstreicht, vor allem aber deutlich macht, dass ein Zeromancer Auftritt immer eine runde Sache ist.

Setlist Zeromancer:
01. Sinners International
02. Doppelgänger, I Love You
03. Need You Like A Drug
04. Chrome Bitch
05. Clone Your Lover
06. Cupola
07. My Little Tragedy
08. It Sounds Like Love (But It Looks Like Sex)
09. Stop The Noise
10. Ammonite
11. Fade To Black
12. Doctor Online
13. Photographic

Mittlerweile war es spät geworden, aber es stand natürlich noch der Headliner des ersten Tages in den Startlöchern und auf den hatten wir uns ganz besonders gefreut. Andy LaPlegua ist immer ein Garant für energiegeladene Liveshows, ganz egal, ob er mit seinen Projekten Panzer AG, Icon Of Coil oder wie heute Combichrist die Bühne rockt. Combichrist ist Andys Aggrotechbaby und das mittlerweile zu einer richtigen Band gewachsene Projekt hat vor kurzem sein viertes Album ?Today We Are All Demons? veröffentlicht und damit ein erneutes Ausrufezeichen in der Electroszene setzen können. Das Album ist sicher das Highlight des noch kurzen Electrojahres und so waren wir ganz besonders gespannt, wie die neuen Songs live präsentiert werden würden. Viel schief gehen konnte aber eigentlich auch nicht, denn einige der Songs waren schon bei vorherigen Auftritten, zum Beispiel beim Amphi-Festival 2008, live erprobt. Und dass man auch heute mit der Umsetzung mehr als zufrieden sein konnte, wurde gleich beim ersten Song deutlich, denn das großartige ?All Pain Is Gone? eröffnete wie schon auf dem Album auch in Krefeld den Auftritt nach dem, ebenfalls vom Album bekannten, kurzen Telefonintro.

Schon jetzt gab es im Publikum kein Halten mehr und Andy dirigierte sein Publikum von der Bühne aus nach Belieben. Aber auch die anderen Livemusiker z_marr ( Keyboards), Mr. Petersen (Keyboards ), Joe Letz (Drums) und Trevor Friedrich (Perkussion) sorgten durch ihre Performance für reichlich Stimmung in der nahezu ausverkauften Kulturfabrik. "I Want Your Blood" wurde von Andy als Ballade angekündigt, was er natürlich nur sehr bedingt einhalten konnte. Als Zugabe gabs am Ende noch den vielleicht größten Combichrist Hit "This Shit Will Fuck You Up" zu hören, bei dem Teile des Bühnenequipments den Geist aufgaben, was Andy dazu brachte auf die Ironie von Titelnamen zum Defekt hinzuweisen … This Shit is really fucking you up! Combichrist wussten mal wieder vollkommen zu überzeugen, es macht einfach immer wieder aufs Neue Spaß den Jungs zuzugucken und sich von den harten Beats treiben zu lassen!

Setlist Combichrist:
01. All Pain Is Gone
02. Today I Woke To The Rain Of Blood
03. Electrohead
04. Scarred
05. Get Your Body Beat
06. I Want Your Blood
07. Sent To Destroy
08. Today We?re All Demons
09. Get Out Of My Head
10. Without Emotions
11. Blut Royale
12. Shut Up And Swallow
13. Feed Your Anger (Z)
14. This Shit Will Fuck You Up (Z)
15. What The Fuck Is Wrong With You People? (Z)

Nach dem erfolgreichen Auftrittsende hatten die Besucher in der kleinen Halle noch ausgiebig Zeit sich die Füße zu vertreten und zu den von Szene-DJs wie DJ Sven Enzelmann und Co aufgelegten Scheiben zu tanzen und noch bis in die frühen Morgenstunden weiterzufeiern.

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