10 Jahre Black Rain Festival – Zwickau, BPM-Club (27.02.2009)

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10 Jahre Black Rain Festival Zwickau, BPM-Club (27.02.200)

Line-Up:
Feindflug
Cyborg Attack
Die Perlen
Flint Glass

Das kleine sächsische Label Black Rain feiert sein 10 jähriges Jubiläum. Dies sollte natürlich gefeiert werden. Mehrere kleinere eigene Festivals mit verschiedenen Line-Ups oder auch Auftritte bei größeren Festivals sind hierfür vorgesehen. Für 3 Konzerte stand Feindflug als Headliner zur Verfügung, übrigens die einzigen Clubkonzerte für dieses Jahr. Gestartet wurde im Zwickauer BPM-Club, in dem regelmäßig kleinere Shows stattfinden.

Das Label Black Rain wurde 1999 von Gerald Synnatzschke gegründet. Bis dahin managte er einige Bands und veranstaltete 2 Festivals. Im Laufe der Jahre wurden weitere Sublabels gegründet, u.a. NOITEKK (Tactical Sekt, Dawn of Ashes u.a.), Fire Zone (Onyx Eyes, Prospective und Die Perlen) und FUNKWELTEN (experimentelle und Chillout-Sounds). Mitte 2008 fusionierte die Labelgruppe mit dem Emmo.biz Mailorder. Jörg Freier gründete diesen Mailorder 2002 und ist auch als Konzertveranstalter tätig.

Black Rain produziert Bands, von deren Qualität sie selbst überzeugt sind. Hierbei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine bereits bekannte Band oder um Newcomer handelt. Somit legt man sich auch nicht unbedingt auf eine Musikrichtung fest, sondern deckt ein breites Spektrum im Bereich Elektro, Industrial, aber auch Neofolk, Ambient und Gothic ab.

Mit etwas Verspätung traf ich kurz vor 20:00 Uhr am BPM-Club ein. Der Parkplatz war schon deutlich gefüllt, so dass ich nur noch relativ weit hinten einen Parkplatz fand. Aber zum Glück kam ich noch rechtzeitig. Der Beginn wurde um eine halbe Stunde verschoben. Der Saal war schon reichlich gefüllt, jedoch vor der Bühne war es noch relativ leer. Die Besucher schauten sich noch an den Merchandisingständen um oder besorgten sich noch ein paar Getränke.

Gegen 20:40 startete das Festival mit dem französischen Ambient-Soloprojekt Flint Glass [Gallery]. Seit 2002 gab es insgesamt 3 Veröffentlichungen, zuletzt 2006 das Album "Nyarlathotep". Die Tracks sind allesamt Instrumentalstücke und zeichnen sich durch kühlen und düsteren atmosphärischen Sound aus. Untermalt wurde die Show durch Filmszenen aus der Stummfilmzeit. Man könnte meinen, die Musik dient hierfür als Soundtrack. Das Publikum war bis jetzt noch zurückhaltend und beobachtete die Show von der Bar oder von Sitzplätzen aus.

Nach kurzem Umbau ging es mit der Nürnberger Minimal- und Electroclash-Duo Die Perlen [Gallery] weiter. Die Band existiert seit neun Jahren und brachte zunächst einige Demos heraus. 2004 erschien dann die erste EP "Gedankenzüge", gefolgt von den Alben "Telektroponk" (2006) und "Szenenwechsel" (2008). Als Telektroponk bezeichnen sie übrigens selbst ihren Musikstil, also eine Mischung aus Techno, Elektro, Pop und Punk.

Sängerin Katja Heller begrüßte zunächst das Publikum. Einige Fans traten nun auch näher an den Bühnenrand. Die Perlen verwenden bei ihren Songs abwechselnd elektronische Elemente sowie punkige Gitarrensounds. Die Titel sind vorwiegend deutsch und forderten das Publikum zum Mitsingen auf. In ihren Texten beschäftigen sich die Perlen hauptsächlich mit Themen des Alltags. Zunächst zögerten die Fans noch etwas, aber nach 2 bis 3 Liedern war zumindest die eingefleischte Fangemeinde aufgetaut. Jetzt wurde getanzt und mitgesungen. Sängerin Katja ließ es sich nicht nehmen, bei einigen Songs ins Publikum zu steigen, um ihren Fans noch näher sein. Insgesamt lieferten Die Perlen eine gute Show ab. Obwohl sie selbst behaupteten, nicht ganz ins Line-up zu passen, gab es eine relativ große Begeisterung.

Doch so ruhig wie bis jetzt sollte es nicht bleiben. Als nächstes stand die Chemnitzer Elektro-Formation Cyborg Attack [Gallery] auf dem Programm. Die Band wurde bereits im Jahre 1995 durch Tino Weidauer alias Euscha sowie Raik Wild gegründet. Sänger Raik verließ jedoch die Band 2 Jahre später. 1999 wurde die Lücke durch den neuen Frontmann Sandro Franz wieder geschlossen. Cyborg Attack veröffentlichten bis jetzt 1 EP (in Eigenproduktion) sowie 2 CDs, zuletzt "Störf***tor" (2006).

Jetzt war die Zeit zum tanzen gekommen. Die Fans standen jetzt dicht gedrängt vor der Bühne und es kam bereits zu einem leichten Gedrängel. Die Songs von Cyborg Attack beschäftigen sich vorrangig mit gesellschaftskritischen Themen. Man spürt die Einflüsse von Bands wie Cat Rapes Dog oder Tyske Ludder, jedoch haben Cyborg Attack auch ihren eigenen Stil entwickelt. So entstand eine Mischung aus kompromisslosem EBM gepaart mit einprägsamen Texten. Satte 55 Minuten dauerte die Show und lieferte Songs wie "Endzeit", "Blutrausch" und "Maschinenmensch" ab.

Gegen 0:00 Uhr war es dann Zeit für den letzten Act: Das Elektro-Industrial-Projekt Feindflug [Gallery]. Auch Feindflug besteht bereits seit 1995, gegründet von den DJs Felix und Banane. Zunächst gab es einige eigene Veröffentlichungen, bis 1998 die Maxi-CD "I./St.G.3". Es folgten zahlreiche weitere Maxi-CDs und Alben, im Jahre 2006 auch eine DVD. Die Musik von Feindflug zeichnet sich durch Instrumentalstücke aus, die jedoch mit provokativen Texten und Sprachsamples gemischt sind. Da diese Samples vorrangig aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen, geriet Feinflug in eine kontroverse Diskussion. Die Band streitet jedoch ab, faschistoides Gedankengut zu verbreiten. Sie sieht diese Epoche eher als Beginn der modernen Kriegsführung.

Konzerte von Feindflug gibt es – bedingt durch Jobs usw. – nur sehr wenige. Während andere Elektro-Industrial-Bands auch live mit 2 Leuten auskommen, setzen Feindflug auf insgesamt 4 mal Schlagzeug, ein Keyboard und eine Gitarre. Somit konnte eine richtige Live-Atmosphäre geschaffen werden. Die Instrumente wurden mit Tarnnetzen "versteckt" und die Bühne in Nebel gehüllt. Mit einer gewaltigen Ladung Drums starteten Feindflug mit "Jarehead". Der Rhythmus ging sofort auf das dicht gedrängte Publikum über. Die Stimmung stieg noch weiter an, obwohl es bei den minimalistischen Sprachsamples nur wenig Gelegenheit zum mitsingen gab. Die Live-Atmosphäre war super, ein Konzert dieser Art gleicht wohl kaum einem anderen. Weitere Clubhits wie "Truppenschau" und "AK 47" folgten. Nach über 70 Minuten inklusive 3 Zugaben war nun auch der letzte Live-Auftritt für diesen Abend beendet. Wer nach den Bands immer noch nicht müde war, konnte noch auf 2 Floors abtanzen.

Insgesamt bot das Black Rain Festival ein abwechslungsreiches Line-up, einen perfekten Ablauf und ein begeistertes Publikum. Man konnte dies im prall gefüllten Club den ganzen Abend über spüren. Ich hoffe, dass es bald wieder ein Festival dieser Art geben wird.

Setlist Die Perlen:
01. Revolution
02. Szenenwechsel
03. 5 vor 12
04. Empty V
05. Beweg Dich nicht
06. Geiz
07. Schalt Ab

08. Farben
09. We never sleep
10. Augen der Großstadt
11. Großstadtangst
12. Stadt stirbt
13. Puls der Zeit

Setlist Feindflug:
01. Jarehead
02. Gulag
03. Machtwechsel
04. Truppenschau
05. Toleranz
06. Roter Schnee

07. AK 47
08. Feindflug 04
09. Ignorant
10. Neuer Sieger
11. Stukas (Z)
12. Leitbild (Z)
13. Größenwahn (Z)

Galleryfotos (alphabetisch):

Cyborg Attack
Die Perlen
Feindflug
Flint Glass

Autor und Fotos : Thomas Bunge

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