RED SKY COVEN – D├╝sseldorf, Zakk (20.01.2009)

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Krankheitsbedingt konnte ich leider nicht selbst beim Auftritt von Red Sky Coven in Düsseldorf (oder kurze Zeit später in Bonn) dabei sein, umso mehr freuen wir uns, euch heute einen "Augenzeugenbericht" von Anja präsentieren zu können, die auf ihrer Homepage bat-cave.de ebenfalls über ausgewählte Konzerte berichtet und uns diesen Bericht vom Red Sky Coven Konzert in Düsseldorf freundlicherweise zur Verfügung stellte:

Fast genau 5 Jahre ist es her, dass ich Red Sky Coven, die vier Freunde in allen Lebenslagen Rev Hammer, Joolz Denby, Justin Sullivan und Brett Selby zuletzt gesehen habe – ihre letzte Tour in Deutschland war tatsächlich 2004! Sie sind wieder da und üben sich wieder im Aufführen von Unerprobtem und Erprobtem, wechseln zwischen Improvisation und vorher feststehenden Programmteilen. Die vier kamen auf die Bühne, zündeten die für sie aufgestellten Kerzen an, setzten sich an einen Tisch rechts auf der Bühne. Nur Joolz, Brille, Jeans, schwarzes Top, silbrige, lange Haare, kam zum Mikro und begrüßte die rund 200 Leute mit dem lang ersehnten und sooo lange vermissten Satz: "the show will be in two halfs". Sie fragte auch wieder, ob es Leute gebe heute abend, die sie nicht kennen würden und es meldeten sich auch ein paar Unerschrockene, denen sie direkt erklärte: alles ist gut, die Türen sind versiegelt und wir werden nur englisch sprechen.. solltet Ihr – wenn ihr nicht ganz so gut Englisch könnt – zwischendurch mal den Faden verlieren, macht nichts, wir verlieren ihn auch ab und an, aber wir sind bei Euch, we are in this together. ;-)" Es folgte noch eine kurze Erläuterung über den weiteren Ablauf der Dinge, die ich denen, die noch keinen Gig gesehen haben oder noch nicht bei den alten Gig-Beschreibungen gespickt haben, nicht vorenthalten will. Nacheinander werden alle drei – jeweils unterstützt von Brett Selby an der bass guitar – ihre Arbeiten vorstellen, danach gibt es eine Pause und dann – geht es wieder von vorn los. So die Theorie, auf zur Praxis. Joolz übergab das Wort – ganz ohne Vergleiche – an Rev Hammer.

Rev, ebenfalls leicht ergraut, angetan mit Jeans und Sakko, begann mit einem Song, den ich noch von den letzten Terminen kannte: True blue, danach Alabaster (? irgendwas mit .. everything in time). Bei Rev bin ich leider songtechnisch nicht so bewandert. Dann endlich kam einer der gefürchteten Farmer aus Devon-Witze, diesmal jedoch relativ harmlos. Ich sag nur so viel: Farmer, black limousine, black sunglasses, blackberry, cows and baby cows und satellites. Der Rest ergibt sich dann. Wäre doch schade, wenn ich ihm und euch die Pointe versaue, insbesondere, weil Revs Witze im Verlauf der Tour dazu neigen, immer länger zu werden ;-).

Danach noch ein Song, bevor er an Joolz übergab: Punchdrunk, wenn ich nicht irre, unterstützt von Brett Selby, der wie immer schwarz trug. Und seine neueste Errungenschaft ist: ein Vollbart. Joolz sagte, er sähe aus wie ein Pirat… war was dran…;-).

Joolz legte los mit allgemeinem Geplauder, über ihr Lieblingsthema Hippies und ihren Erlebnissen auf einem Literaturfestival in Glastonbury, auf dem diverse Hippies waren und sie mit Namen wie "Moonchild" und komischen Aktionen mit angebissenen Milchschokoladetafeln völlig aus dem Konzuept gebracht haben. Sie bat dann die Herren Selby und Sullivan zu sich und erzählte Here’s old death: here ist my punishment, here is my sin. Sie erzählte im Anschluss, dass sie schon immer Bücher verschlungen hat und ihre Eltern ihr nie Vorschriften gemacht haben, was sie zu lesen habe und was nicht und dass sie die Sexszenen im Freien in Lady Chatterly von D.H. Lawrence zum ersten mal mit 10 und zum nächsten Mal mit 35 blöd gefunden habe – sowas könnten sich nur Männer ausdenken, die keine Ahnung davon hätten, wie Frauen ticken – Jungs, hat sie gesagt, vergesst das mit der Liebe in der Wildnis, gaaanz blöde Idee. ;-). Jedenfalls hat sie damals in der Bibliothek ihres Vaters auch etwas gefunden über die beiden Mädchen, deren Schicksal in der nächsten Geschichte beschrieben wird – Justin am Keyboard und PC mit indischen Weisen im Hintergrund: The wolf girls of Midnapore, übrigens auch auf der neuen CD von Joolz Spirit Stories zu finden. Sie bedankte sich, setzte sich wieder und überließ die Bühne Justin Sullivan, auch er mit Jeans und undefinierbarem T-Shirt und Jacke (grün? grau?), auch er die Haare lang und leicht angegraut… sie werden älter. Außerdem war das Licht absolut gruselig, rot, orange, pink und grelles Weiss stehen einfach nicht jedem! ;-).

Justin startete mit Apocalypse dreams, genial. Danach, ohne weitere Worte, zwei songs, die ich spontan nicht einsortieren konnte: … bury my heart.. und God save me from everything I really want. Hmm. Muss ich häufiger hören, der erste Eindruck war nicht schlecht.

Dann hat er endlich erzählt über Tommy Tee, den Manager, der am 23.12. mit nur 46 Jahren gestorben ist. Wir hatten vorher schon überlegt, wie sie wohl drauf sein werden, schließlich ist das Ganze noch nicht lange her und lässt sich nicht einfach so beiseite schieben. Justin erzählte, was für ein toller Typ er war und dass er einfach alles gemacht hat, dass sie eigentlich gar nicht wissen, wie es weiter gehen soll und sie ihn unheimlich vermissen werden. Den nächsten Song hat er ihm gewidmet, weil er genauso gern auf Tour war wie Justin selbst: Tales of the Road. Großartig. Danach musste Brett nochmal ran für No mirror, no shadow. Hab ich erst gar nicht erkannt, kenne es bislang nur mit voller NMA-Besetzung. Aber auch akustisch ein klasse song! Und dann, nach etwa einer Stunde, war schon Pause.

Nach ca. einer Viertelstunde kamen sie wieder und Joolz gelobte Besserung: man hätte ihr in der Pause gesagt, dass sie Rev gar nicht anständig mit seltsamen Menschen verglichen habe, das werde sie jetzt nachholen: The Amy Whinehouse of Folk-Music – Reeeev Hammer! Er hatte Amy am Anfang mal erwähnt (Amy Whinehouse in a pocket), naja, er war schon David Hasselhoff, er war schon Kylie Minogue, er hat’s eigentlich alles gut verpackt und meist mit Fassung getragen ;-).

Rev jedenfalls leitete ein mit den Soldaten, die in England, aber auch in Deutschland aus Kriegsgebieten zurückkehren und sich dann plötzlich wieder in Friedenszeiten und "normalen" Lebensabläufe einfügen müssen ohne dafür Hilfe zu bekommen. Der nächste Song sei für diese Soldaten. Erstaunlich ernst für Rev und der Song hat mir auch ausgesprochen gut gefallen (auch wenn ich wieder nicht weiss, wie er denn nun heißt): hiding under kitchen tables, shadows on the kitchen floor (Alabaster?). Danach ein kurzer Witz über Grandpa Hammer und ein weiterer Song, der mir gut gefallen hat: No one and nothing. Dann wiederum kam die Fortsetzung der Farmer-in-Devon Geschichte, diesmal mit dem Nachbarn des Farmers von oben, einer weiteren schwarzen Limousine, George Bush, einer Massenvernichtungswaffe sowie einer Ente. Auch nicht schlecht ;-). Zum Schluss ein song nicht von ihm, aber passend für die heutigen Zeiten, in denen durch die Finanzkrise sicherlich der eine oder andere seinen Job verloren hat: Goldwatch blues, eigentlich von Donovan Leitch. Ein Story-Lied, passte gut zu Rev, der übrigens hier wieder von Brett Selby unterstützt wurde.

Joolz war dran. Sie erkundigte sich nach dem Wohlbefinden insbesondere der Neuzugänge und philosophierte ein wenig rum über durchgeplante und gestylte Gigs, bei denen man vorher genau jede Bewegung der Scheinwerfer, der Backgroundsänger kennt und bei der es am Ende sicher auch ein Feuerwerk gibt – und eben RSC-Gigs, immer anders, anteilig ungeplant und auf jeden Fall ein Erlebnis! Außerdem lästerte sie noch ein bisschen weiter über das Tourmanagement und den Obermanager, der früher Hühner dressiert hat (das kann ich nur falsch verstanden haben… ;-)). Und sie lästerte über die freundlichen und mitleidigen Deutschen: "oh Silke, schau mal ein Plakat von Red Sky Coven! Da müssen wir hin, da geht ja sonst keiner hin und das geht doch nicht, dann sind sie nachher noch enttäuscht.. ;-)))." Silke scheint übrigens ein bei Joolz beliebter Name für deutsche Mädels zu sein, die Deutsche bei Stone Baby hat auch schon diesen Namen geerbt. Danach ging es weiter mit Geschichten über Dope und was das Drehen besonders langer Joints so über Männer aussagt… im Anschluss dann die Geschichte dieses tollen Typen damals auf der Schule und ihrer ersten Begegnung mit Dope auf seinem Sofa…;-). Dann scheuchte sie Justin auf die Bühne, die erste Geschichte: Saddleworth. Danach überlegten sie alle gemeinsam, mit welchem deutschen Menschenschlag man wohl die Waliser vergleichen könne, sie kamen aber nur darauf, dass sie dunkel, merkwürdig seien und die Frauen irgendwie alles Hexen – Joolz schloss direkt an, dass sie ja bei ihrer walisischen Großmutter aufgewachsen sei… flöt ;-). Story mit Justin am Keyboard: The spirit house. Tja und dann übergab sie einfach an Justin, der sich aber grade gesetzt hatte und an seiner Tasse nuckelte… tja, arbeiten! ;-).

Justin nun also beschloss, dann doch mal ein wenig zu reden. Er erzählte von Revs Musik-Projekt Freeborn John, in dem er selbst einen Soldaten der New Model Army (was sonst?) spielt und für das er auch das ein oder andere schnellere Lied geschrieben habe, weil Rev ihn darum gebeten hat. Zum Beispiel dieses: Rumour and Rapture, super. Danach das, was er wie ich glaube auch schon in Köln auf dem Army-Konzert gespielt hat, dessen Titel ich aber leider grade nicht weiss: Everything is beautiful, sehr schön. Und so ging es auch weiter. Als nächstes spielte er zusammen mit Brett eines seiner Liebeslieder, in dem auch noch der Ozean vorkommt und das bestimmt schon zwanzig Jahre alt ist, es aber (außer auf die B-Sides) nie auf eine Platte geschafft hat: Ballad 2, irre, glaube nicht, dass ich das schon mal live gehört habe, zumindest nicht in letzter Zeit! "Carry these words over the ocean, carry these words over the sea…" Tja und auch er nahm Bezug auf das heutige Wirtschaftschaos und spielte, wieder unterstützt durch Brett, einen der ganz alten Songs, einen meiner Lieblinge, ebenfalls von der B-Sides: Modern Times, sehr sehr schön. Zum Schluss noch eines von der neuen CD High, über einen Freund, dem es mal richtig mies ging und der sich umbringen wollte und sich doch in letzter Minute anders entschieden hat und dem es jetzt richtig gut geht: Dawn.

Doch, insgesamt muss ich sagen, dass mir die zweite Hälfte bei allen Beteiligten fast besser gefallen hat als die erste!

Denn, das war’s schon. Es gab nach einigem Gejohle noch eine Zugabe, nämlich – zur Erläuterung – eine Verhunzung eines bekannten "Lieblingslieds". Diesmal war’s Umbrella von Rhianna, sehr witzig, Rev mit Schirm, Joolz im Arm mit Glitzersternchen auf der Bühne und einem entspannt trällernden Justin ­čśë Under my umbrella, ella, ella..

Leider war’s das dann um kurz vor 23.00 h. Das heißt, es waren nur etwa 1,1/2 h. Vieeeel zu kurz. Ok, es war ja auch lange Pause und sie müssen erstmal wieder reinkommen – aber trotzdem haben sie in der Vergangenheit entschieden mehr erzählt und rumgeflachst. Andererseits aber nach der Sache mit dem NMA-Manager auch verständlich. Mich hat eher erstaunt und gefreut, dass sie überhaupt gekommen sind und die Tour nicht einfach abgesagt haben. Daher ist das mit den 1,5 h wohl unter den gegebenen Umständen mehr als ok.


Autorin : Anja T. (bat-cave.de).

Fotos des Konzerts, sowie einen Bericht vom Red Sky Coven Auftritt fünf Tage später, am 25.01.2009 in Bonn, gibt es auf Anja’s Homepage!

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