Keane – Perfect Symmetry

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Keane – Perfect Symmetry

Keane aus dem britischen Battle/East Sussex wurden ursprünglich vor einem guten Jahrzehnt als Cherry Keane gegründet und veröffentlichten 2004 mit "Hopes And Fears" ihr erstes Album. Seither haben sie mit ihren bisherigen beiden Alben nachhaltige Spuren in der Musiklandschaft hinterlassen. Galt dies zunächst vornehmlich für ihre Heimat Großbritannien wo man schon für das Debüt zwei Brit Awards einheimste, konnte man die Zuhörer in anderen Staaten spätestens mit dem zweiten Album "Under The Iron Sea" ebenfalls überzeugen und Spitzenplätze in quasi allen europäischen Charts belegen. Selbst in den USA, seit jeher ein schwieriges Pflaster für europäische Bands, erreichte "Under The Iron Sea" Platz vier der sonst meist durch Hip Hop und R ’n‘ B verseuchten Charts.

Jetzt, dem bisherigen Muster folgend zwei Jahre später, schicken Keane ein neues Lebenszeichen in den Äther, welches auf den Namen "Perfect Symmetry" hört und den Weg Keanes konsequent fortsetzt. Dazu gehört auch, dass Keane sich von Album zu Album weiterentwickeln und sich nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen. Man habe sich treiben lassen und versucht die dabei entstandene Energie auf dem Longplayer hörbar zu machen. Dies ist ihnen sicher gelungen und es ist schon interessant zu sehen, welche Wege sie dieses Mal dafür eingeschlagen haben, denn eine singende Säge ist zum Beispiel in der heutigen Zeit doch eher selten im Bereich Popmusik anzutreffen.

Und so halten Keane gleich zu Beginn des neuen Werkes eine große Überraschung bereit, denn der Eröffnungssong -und gleichzeitig die erste Singleauskopplung- "Spiralling" beginnt mit einem "Boo-oo-om"-Aufschrei wie man ihn in ähnlicher Form bereits von Blur oder den Hives gehört hat, aber von einer Band wie Keane hat man dies wohl eher weniger erwartet. "Spiralling" entwickelt sich zu einer Uptempo-Nummer wie sie auch gut in die Achtziger Jahre des Britpop gepasst hätte und zwar in die Ecke, die versuchte den ursprünglich gitarrenlastigen Britpop mit New Wave/Synthpop Elementen zu kombinieren. "I’m Waiting For My Moment To Come" sind die ersten Worte die Sänger Tom Chaplin entweichen und auch seine Stimme wirkt im neuen musikalischen Umfeld vollkommen anders, als auf den Vorgängern. Nicht geändert hat sich aber natürlich die Güte seines Organs und man ahnt bereits hier, dass "Perfect Symmetry" ein weiterer Schritt auf dem Weg zu diesem besungenen speziellen Moment ist, dem Keane mit großen Schritten entgegen eilen.

Wie der Opener es bereits andeutet, geht es bei "Perfect Symmetry" experimenteller und nicht mehr ganz so bedrückend zu, wie beim recht komplexen "Under The Iron Sea" und hier und da sind Zitate aus früheren musikalischen Epochen mehr als nur versteckt eingebunden. "Better Than This" kann hier exemplarisch genannt werden, bei dem sich Keane zum Auftakt nur wenig Mühe machen, die Ähnlichkeit zu David Bowie’s "Ashes To Ashes" zu verschleiern, doch ist Bowie sicherlich nicht die schlechteste Referenz für einen Song. Zu Beginn von "You Haven’t Told Me Anything" schlagen die Achtziger Einflüsse wieder voll durch und der Grundrhythmus könnte sogar fast den ehrwürdigen The Smiths entliehen sein, ihm fehlen allerdings die bedrückenden Molltöne, die die Band aus Manchester so einmalig machten.

Ungewöhnlich für Keane ist auch, dass auf dem neuen Album erstmals echte Gitarren eingesetzt werden und diese nicht nur als Effekte einfließen. Allerdings gilt das noch immer nicht für alle Songs und das Album endet später nach knapp 50 Minuten stilecht mit der traurigen Pianoballade "Love Is The End", in der Tom noch einmal seine Stimme in die Wagschale legt und sich Gefühlsschwere breit macht. Ein emotionales Finish dieses Albums, das den Zuhörer wieder bewegt zurück lässt.

Perfekt symmetrisch ist das neue Album von Keane ganz sicher nicht geworden, dafür aber umso mutiger. Und es beweist, dass mit Keane, trotz vorheriger Auflösungsgerüchte, weiter zu rechnen ist. Die Geschichte "Keane" bleibt erfrischend und ihre musikalische Entwicklung spannend, soviel ist sicher. Aufgrund seiner Eigenwilligkeit reicht "Perfect Symmetry" in meinen Augen bisher noch nicht an die übermächtigen Vorgänger heran, hat aber sicher die Möglichkeit, den Abstand in Zukunft zu verringern, denn eine gesteigerte Langzeitwirkung des Albums ist durchaus absehbar. Trotzdem gefallen mir Keane 2008 gerade dann am besten, wenn sie sich wie beim Titelstück "Perfect Symmetry" auf ihre Stärken besinnen, der Stimmgewalt Toms freies Geleit gewähren und den Hörer mit perfekten Hymnen verzaubern.

Übrigens bekommt man im November die Chance, sich von der Qualität der neuen Songs auch live ein Bild zu machen, denn dann treten Keane in Köln, Berlin und München auf.



Tracklist:
01. Spiralling
02. The Lovers Are Losing
03. Better Than This
04. You Haven’t Told Me Anything
05. Perfect Symmetry
06. You Don’t See Me
07. Again And Again
08. Playing Along
09. Pretend That You’re Alone
10. Black Burning Heart
11. Love Is The End

Bewertung : 7,5 / 10 Punkte

Autor : Michael Gamon

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