AMY MACDONALD & THE LIFE BETWEEN – Köln, Palladium (22.10.2008)

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Amy MacDonald gehört zur neuen Riege britischer Sängerinnen, denen es in den vergangenen Monaten gelungen ist, von 0 auf 100 zu beschleunigen und sich in aller Munde zu spielen. Amy scheint dabei in meinen Augen das größte Talent mitzubringen, ihre Songs sind gehaltvoll und haben eine eigene Seele, die jeden ihrer Tracks besonders erscheinen lassen. Zudem beherrscht sie auch das musikalische Handwerk und scheut sich trotz ihres jungen Alters (Amy ist erst vor kurzem 21 geworden) nicht, echte Themen in ihren Songs zu verarbeiten und nicht lediglich stupide Worthülsen ohne Tiefgang. Dabei begann Amy erst relativ spät mit 15 Jahren Akustikgitarre zu spielen. Zunächst waren Travis ihr größter Einfluss aber ein Auftritt von Pete Doherty veranlasste sie später endgültig, ihr Glück als Musikerin zu versuchen.

Im letzten Jahr veröffentlichte die sympathische Schottin ihr Debütalbum "This is The Life", welches in Großbritannien wie eine Bombe einschlug und sich ganz oben in den Charts festsetzte. Erst in diesem Jahr wurden auch die deutschen Hörer vom Amy Virus infiziert und "This Is The Life" kletterte auch hier bis ganz nach oben. Der stetig wachsende Erfolg sorgte dann auch dafür, dass das zunächst für die Live Music Hall geplante Konzert ins Palladium verlegt werden musste, da die Kapazitäten in der LMH nicht mehr ausreichten. Selbiges galt dann wenige Tage vor dem Konzerttermin auch fürs Palladium und so konnte sich Amy MacDonald mit 4000 Zuschauern in der ausverkauften Halle über ihre bisher größte Headliner Show freuen.

Und das Interesse war offensichtlich ganz besonders groß, denn bereits vor dem eigentlichen Einlass um 19 Uhr bildete sich eine Schlange am Eingang des Palladiums, die noch weiter anwachsen sollte. Und so war die Halle schon bei der Vorband des heutigen Tages sehr gut gefüllt und insbesondere in den vorderen Reihen standen die Zuschauer dicht gedrängt vor der Bühne. Die Rolle des Openers war der Hamburger Band "The Life Between" zugefallen, die ihren Set pünktlich um 20:30 Uhr begannen. The Life Between machen Pop, aber zum Glück keine reine Aufzugmusik. All ihre Songs am diesem Abend waren gefällig und nett anzuhören, die Ähnlichkeit zu Bands wie Coldplay oder auch Keane war dabei nicht zu leugnen. Sie sorgten für einen guten Auftakt des Abends und man fühlte sich gut unterhalten. Bleibt abzuwarten, oh die Songs am Ende stark genug sein werden, um sich von den vielen anderen Bands abzuheben, die ein ähnliches musikalisches Feld beackern. Aufschluss darüber wird vielleicht das Debütalbum von The Life Between geben, welches fürs Frühjahr 2009 angekündigt ist und "Lights" heißen wird.

Wie im Palladium üblich, ging es voll im Zeitplan weiter und der Applaus wuchs gegen halb zehn ins Unermessliche, als Amy MacDonalds Band zu schottischen Klängen die Bühne betrat und die hübsche Sängerin nur wenige Augenblicke später folgte. Entgegen ihren ersten Auftritten wird Amy mittlerweile von einer kompletten Band begleitet, was für zusätzlichen Druck hinter ihre Songs sorgte. Alles wirkte etwas ungeschliffener als auf ihrem Album, aber trotz des etwas rockigeren Ansatzes und der großen Veranstaltungshalle immer noch ungemein intim und musikalisch absolut überzeugend. Um dies festzustellen bedurfte es auch nur weniger Augenblicke, denn mit "Poison Prince" schickte Amy MacDonald gleich einen ihrer besten Songs ins Rennen und 4000 Zuschauer waren begeistert. Gleiches galt auch für die Frontfrau selbst, die sichtlich gerührt war, dass so viele Menschen sie sehen wollten. Sie wirkte ungemein sympathisch, fast schon verschämt, aber sehr redselig. Kaum eine Unterbrechung zwischen den Songs, die sie nicht dazu nutzte das Wort ans Publikum zu richten, welches jedoch gelegentlich mit ihren Ansagen leicht überfordert war, denn ihr Glasgow-Akzent war nicht zu überhören und sorgte für das ein oder andere Schmunzeln in den Gesichtern der Fans. Amy bedankte sich für die Unterstützung und beteuerte stets ihre Überraschung über den ihr zufallenden Erfolg. Dies machen zwar viele Musiker, doch erschienen mir solche Aussagen noch nie zuvor so ehrlich, so authentisch. Amy MacDonald ist, nicht nur wegen ihres Akzents, noch immer das "kleine Mädchen" aus den Straßen von Glasgow und hat sich von all der Aufregung nicht aus den Füßen hebeln lassen. Sie wirkt bodenständig und wie eine von uns, jemand, dem man einfach mögen muss.

Nach "L.A.", einem Song den sie aus Verehrung zu Jake Gyllenhaal geschrieben hat und "Youth Of Today", folgte als vierter Song bereits ihre Hitsingle "This Is The Life" und schon da war klar, dass es ein denkenswerter Abend werden würde. Dazu trug auch bei, dass Amy in der nachfolgenden Ansage erneut ihre Ablehnung des übertriebenen Star-Kults unterstrich, in dem sie "Footballer’s Wife" ankündigte, bei dem sie die Besessenheit, insbesondere der britischen Boulevardpresse anprangert. Um ihren Standpunkt zu verdeutlichen erzählte sie, sie habe unlängst ein vierjähriges Mädchen gesehen, das ein Shirt mit der Aufschrift "I’m training to be a celebrity" trug und genau das verkörperte, was uns solche Obsessionen einbringen … Oberflächlichkeit.

Nach "Footballer’s Wife" war es Zeit für die erste Coverversion des Abends und dabei handelte es sich um eine Version des The Killers Hits "Mr. Brightside". Mir persönlich sagt die Originalversion mehr zu, da Amy in den höheren Stimmlagen doch etwas Probleme zu haben schien, doch wer will hier mit dem Erbsenzählen anfangen? Ich ganz sicher nicht. Nach knapp der Hälfte des Gigs folgte bereits "Mr. Rock & Roll", bei dem stimmungstechnisch alle Bänne rissen und wahre Klatschorgien im Publikum zelebriert wurden. Nachdem die ersten vier Singleauskopplungen bereits Teil der ersten Hälfte ihres Gigs waren, begann man sich zu fragen, ob man schon jetzt langsam vor dem Ende des Auftritts stehen würde oder was hier wohl noch kommt. Die Antwort gab Amy postwendend als sie einwarf, dass es schwierig sei, mit nur einem Album verschiedene Konzerte zu spielen, ohne dass es für die Zuschauer, aber auch für die Band selbst langweilig wird und man würde daher die Reihenfolge in der Setlist öfter mal wechseln oder versuchen die vorhandenen Songs in einem anderen Gewand zu präsentieren. Und so kamen wir nach dem neuen Song "The Next Big Thing", welcher seinen Namen womöglich zurecht trägt, in den Genuss einer semi-akustischen Version ihres Songs "Barrowland Ballroom", einem Lied über eine bekannte Veranstaltungshalle in Glasgow, bei dem ihr Drummer sein Kit verlies und sich mit einer Cajon-Tommel an den vorderen Bühnenrand begab, wo er seine Fähigkeiten auch an diesem Instrument unter Beweis stellte.

Ihr ungemeines Sprachtalent beweist Amy bei der folgenden Coverversion, bei der sie sich dem Leonard Cohen Klassiker "Hallelujah" annahm und diesen so einfühlsam und stimmgewaltig präsentierte, dass es den Zuhörern eine Gänsehaut über deren gesamte Körper bescherte. Wirklich beeindruckend Miss MacDonald! Es folgte mit "Troubled Soul" ein weiteres neues Stück, dieses Mal eine schöne Ballade, bei der sich Amy gesangliche Unterstützung bei Bassist Jamie holte. "Run" beendete den Hauptteil des Konzerts bevor sich die Band zu einer kurzen, aber wohlverdienten Verschnaufpause zurückzog.

Das erste Stück der Zugabe, "Caledonia", ist eigentlich nicht wirklich ein neuer Song, befindet er sich doch als Hidden Track auf ihrem ersten Album, allerdings nicht in der deutschen Version, wofür sich Amy in Köln auch gleich entschuldigte und schnell nachschob, dass dieser Fauxpas durch das baldige Release einer Deluxe Edition von "This Is The Life" ausgebügelt werden wird. Es folgte das dritte und letzte Cover des Abends, und jetzt beglückte Amy ihre Fans mit einer Version des Bruce Springsteen Hits "Dancing In The Dark" und schob "Road To Home" gleich nach, bevor das umjubelte "Let’s Start A Band" für den Abschluss eines intensiven und beeindruckenden Konzertes sorgte. Wer mag bei solch einer Performance nicht den Drang verspüren gleich hinaus zu laufen und sich Mitstreiter für eine gemeinsame musikalische Zukunft zu suchen?

Amy MacDonald hat heute bewiesen, dass man auch als bodenständiges Mädchen ganz oben im Musik Olymp eine Harfe spielen kann und konnte sogar jene Zweifler eines besseren belehren, die vermutet hatten, dass ein Act wie sie in einer größeren Halle nicht funktionieren kann, sondern das intime Ambiente eines kleinen Clubs benötigt. Dabei ist das Widerlegen dieser These ganz einfach: Amy bringt die intime Stimmung einfach in ihrer Stimme mit, ganz egal in welcher Halle oder wie zu vermuten ist, bald auch ganz gleich in welchem Stadion. Hier steht der Welt ganz Großes bevor …


Setlist:

01. Poison Prince
02. L.A.
03. Youth Of Today
04. This Is The Life
05. Footballer’s Wife
06. Mr. Brightside (Killers Cover)
07. A Wish For Something More
08. Mr. Rock & Roll
09. The Next Big Thing (neu)
10. Barrowland Ballroom
11. Hallelujah (Leonard Cohen Cover)
12. Troubled Soul (neu)
13. Run
14. Caledonia (Z)
15. Dancing In The Dark (Bruce Springsteen Cover) (Z)
16. Road To Home (Z)
17. Let’s Start A Band (Z)

Bilder des Konzerts befinden sich in unserer Concert-Pictures Sektion (für Bildkommentare muss man aus Spamverhinderungsgründen leider angemeldet sein) oder direkt hier durch anklicken der Bilder:

Amy MacDonald:


The Life Between:

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