12. Elektrisch Festival – Zwickau, BPM-Club (11.10.2008)

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Zum 12. Mal fand im Oktober das Elektrisch Festival im sĂ€chsischen Zwickau statt, fĂŒr mich persönlich war es allerdings das erste Elektrisch Festival. Die Konzerte sprechen vor allem Fans des hĂ€rteren Electro an. So kamen Freunde des Old School EBMs und Electro Industrial auf ihre Kosten. Insgesamt bildete die Auswahl einen gelungenen Querschnitt von etablierten Bands und Newcomern aus insgesamt 5 verschiedenen LĂ€ndern Europas.

Der BPM-Club liegt am Rande der Stadt Zwickau in einem stillgelegtem Industriegebiet. Er bietet somit die ideale AtmosphĂ€re fĂŒr ein solches Event. Auf einem etwas holprigem Weg ging es zum Parkplatz, der mit alten Autoreifen abgegrenzt war. Da insgesamt 7 Bands auf dem Programm standen, war der Einlass bereits um 18:00 Uhr. Um diese Zeit standen schon einige Fans vor dem Club. Auf dem Weg zum Konzertsaal gab es mehrere Merchandise-StĂ€nde. Ich habe mir gleich die auf 397 StĂŒck limitierte Single von Absolute Body Control gekauft, auf der sich Coverversionen legendĂ€rer Songs von New Order und The Normal befinden.

Kurz vor 19:00 Uhr betrat auch schon die erste Band „Pinsel liest!“ die BĂŒhne. Die deutsche Band bezeichnet ihren Musikstil als Electronic Body Reading. Sie vereinigt tanzbare elektronische Musik mit Sprechgesang. SĂ€nger Michael A. hatte somit ein Buch bei sich, von dem er die vorwiegend deutschen Texte vortrug. Highlight war das in schwedisch vorgetragene „Helan Gar“ – nicht zuletzt auch, da Schweden auch in dieser Musikrichtung Vorreiter waren und sind. Mit Schweden ging es nach kurzer Umbauphase weiter. Die aus Örebro stammende Band „Astma“ hat sich dem Old School EBM verschrieben. Tanzbare Tracks mit verzerrter Stimme dominierten ihre Show.

Bis jetzt war das Publikum noch relativ ruhig und lauschte den KlĂ€ngen dezent aus einiger Entfernung. Dies sollte sich jedoch bei der nĂ€chsten Band Ă€ndern. Die aus Kungsör – ebenfalls Schweden – stammende Band „Container 90“ heizte nun ordentlich ein. Ebenfalls „klassische“ elektronische KlĂ€nge und schweißtreibender Rhythmus brachten das Publikum zum Kochen. Container 90 haben bereits eine große Fangemeinde in Deutschland. Viele Fans haben mitgesungen. Einige versuchten sogar die BĂŒhne zu stĂŒrmen. Gut 30 Minuten dauerte ihre Show, jetzt war das Publikum aufgewĂ€rmt.

Die aus Ungarn stammende Band „Escalator“, die gegen 20:40 Uhr die BĂŒhne betrat, schlug musikalisch eine leicht andere Richtung ein. Die bereits seit 20 Jahren bestehende Band um SĂ€nger 2rt+TB wurde zunĂ€chst von Kraftwerk inspiriert. Ebenfalls sehr rhythmisch, aber mit melodischen und experimentellen SynthesizerklĂ€ngen waren sie wieder Adrenalin fĂŒr das Publikum.

Die nĂ€chste Band wurde mit Stolz angekĂŒndigt: „Birmingham 6“ aus DĂ€nemark. Bekanntestes Album der Band war das 1997 erschienene Werk „Error of Judgement“, auf dem Jean-Luc de Meyer (Front 242) als GastsĂ€nger auftrat. Die Show von Birmingham 6 ist die erste seit 5 Jahren und wird wohl auch in Zukunft etwas Exklusives bleiben. Neben Hits wie „You Cannot Walk Here“, The Deadliest Beat“ und „The Kill“ spielten sie auch eine Coverversion des KMFDM-Songs „Godlike“.

Gegen 22:45 Uhr ging es mit der deutschen Band „Tyske Ludder“ weiter, die nach 10 Jahren Abstinenz vor 2 Jahren das Album „Sojus“ herausbrachte. Tyske Ludder gaben seither wieder viele Konzerte. Dieses Jahr erschien das Mini-Album „Scientific Technology“, dessen Lieder jedoch hauptsĂ€chlich außerhalb Deutschlands live prĂ€sentiert wurden. Die Norddeutschen sind bekannt fĂŒr provokative Texte und politische Botschaften. Die Videoshow im Hintergrund unterstĂŒtzte dies noch deutlich. Sowohl auf der BĂŒhne als auch im Publikum gab es jetzt keinen Stillstand mehr. Songs wie „Canossa“ oder „Khaled Aker“ begeisterten die immer aufgebrachtere Menge. Jetzt wurde es richtig eng auf der TanzflĂ€che. Nach nahezu 1 Stunde beendeten Tyske Ludder ihren letzten Gig fĂŒr dieses Jahr, so dass das Publikum nun dringend eine AbkĂŒhlung brauchte.

Auch Belgien gilt als eine Wiege der elektronischen Musik. Das Minimal-Electro-Projekt „Absolute Body Control“ wurde bereits 1981 gegrĂŒndet. Eigentlich schon seit Jahren aufgelöst, traten Dirk Ivens and Eric Van Wonterghem letztes Jahr auf dem Wave Gotik Treffen in Leipzig auf. Dieses Jahr erschien das Album „Wind[Re]Wind“ mit neu aufgenommenen Songs.

Gegen 0:00 Uhr war es dann soweit. Nebelschwaden ĂŒberfluteten die BĂŒhne. Im spĂ€rlichem Licht kaum zu erkennen, trat Mastermind Dirk Ivens hervor. Die sehr melodischen Tracks wie „Give Me Your Hands“, „Is There An Exit“ und die Coverversion des legendĂ€ren „Warm Leatherette“ waren eine willkommene Abwechslung. Auch hier gab es keinen Stillstand, wenngleich die Songs viel mehr Ruhe ausstrahlten. Mit knapp ĂŒber 1 Stunde lieferte Absolute Body Control eine fantastische Show mit vielen OhrwĂŒrmern ab und war damit auch ein gelungener Höhepunkt des 12. Elektrisch Festivals.

Absolute Body Control werden am 25.12. noch einmal auf dem Dark Storm Festival in Chemnitz und am 26.12. auf dem Christmas Ball in Hannover spielen.

Wer immer noch nicht genug hatte, konnte noch auf der anschließenden Aftershow Party mit DJ Banane (Feindflug) abtanzen.

Das gesamte Konzert wurde vom Veranstalter www.emmo.biz mitgeschnitten. DemnĂ€chst erscheint eine auf 500 StĂŒck limitierte CD, die exklusiv im Online-Shop des Veranstalters erhĂ€ltlich sein wird. Damit wird dieser Abend mit seiner perfekten Zusammensetzung und seinen exklusiven PrĂ€sentationen zu einem unvergesslichen Ereignis.

Absolute Body Control:

Tyske Ludder:

Birmingham 6:

Escalator:

Container 90:

Astma:

Pinsel Liest:

Autor & Fotos: Thomas Bunge

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