HALDERN POP FESTIVAL 2008 Tag 1 (07.08.2008)

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Das Haldern Pop Festival findet in diesem Jahr bereits zum 25. Mal statt und ist durch und durch ein Festival der etwas anderen Art. Haldern liegt am schönen Niederrhein und das gleichnamige Festival entstand vor 25 Jahren aus der Idee einiger Messdiener. Es hat sich mittlerweile zu mehr als nur einem Geheimtipp in der Musiklandschaft Deutschlands, Europas oder gar der ganzen Welt gemausert, zu dem jedes Jahr knapp 10.000 Menschen fast schon rituell pilgern. Das Festival wurde damals wie heute vorsichtig aufgebaut und das ganze Dorf arbeitet in jedem Jahr hart, um ein Gelingen zu garantieren. Dabei geht so manche Freizeit verloren, doch nur dieser Einsatzbereitschaft ist der gute Ruf des Haldern Pop zu verdanken, nämlich das "nette Festival von nebenan" zu sein, bei dem es so manche Perle zu entdecken gibt. Viele Bands hatten in Haldern ihren ersten großen Festivalauftritt Deutschlands bevor sie später ganz groß raus kamen. Aber auch "Klassiker" sind gern gesehene Gäste in dieser idyllische Provinz. Umso erstaunlicher, dass die Macher weiter auf dem Teppich und ihren Grundsätzen treu bleiben. Aber natürlich hat sich der gute Ruf auch weiter rumgesprochen und so erweitert sich das Einzugsgebiet von Jahr zu Jahr und die daraus resultierende Internationalität tut dem Festival sichtlich gut.

Das Festival wurde in diesem Jahr -exklusiv zum Jubiläum- bereits einen Tag früher und somit am Donnerstag eröffnet. Es steht unter dem Motto ?Ich glaube, ich kenne einen, der das weiß? und bietet auch in diesem Jahr wieder einmal aufstrebenden Künstlern abseits des Kommerzes eine Plattform. Ich erreichte das Festivalgelände nach der Arbeit gegen knapp 19 Uhr und schaffte es nach den üblichen Formalitäten zum Glück gerade noch rechtzeitig zu den Fleet Foxes ins Spiegelzelt. Zuvor hatten bereits .finn und Norman Palm das Haldern Pop Festival 2008 eröffnet. Das Spiegelzelt ist ein wundervoller Ort für Konzerte, ist allerdings natürlich etwas klein, um alle wartenden Fans aufzunehmen, so dass einige Zuschauer nicht den Weg ins Zelt fanden. Für diese war aber seitens der Veranstalter ebenfalls vorgesorgt worden und die im Zelt stattfindenden Konzerte werden über einige Lautsprecher nach draußen übertragen, so dass man zumindest in den klanglichen Genuss der Bands kommt.

Im Zelt herrschte eine geradezu brütende Hitze, auch wenn man sichtlich bemüht war, dies durch Frischluftzufuhr zu bekämpfen. Aber das sollte uns natürlich nicht von den Fleet Foxes ablenken, die aus Seattle stammen und vor gut zwei Monaten ihr gleichnamiges Album beim renommierten Sub Pop Label veröffentlichten. Das Album erhielt überschwängliche Kritiken und stieg in den britischen Charts bis zu Platz 11 hinauf. Der Sound der Amerikaner ist typisch amerikanisch und hat seine Wurzeln bei Bands wie den Beach Boys oder Crosby, Stills und Nash. Diesen Retrosound frischen die fünf mit aktuellen Einflüssen auf und der Auftritt wirkte sehr sympathisch und locker. Die Band machte zwischen den Songs Späße und im Zelt herrschte beim Auftritt fast Proberaumatmosphäre, da die Musiker ihre Instrumente nachstimmen mussten oder sich näher aufeinander einstimmten. Das unterbrach zwar immer wieder den Set etwas, wirkte dadurch aber umso netter. Für mich ein wirklich guter Auftakt in das diesjährige Haldern Pop Festival.


Setlist Fleet Foxes

01: Sun Giant
02: Drops In The River
03: English House
04: White Winter Hymnal
05: Your Protector
06: He Doesn’t Know Why
07: Tiger Mountain Peasant Song (solo)
08: Mykonos

Die nachfolgenden Yeasayer setzten den Retro-Stil fort, allerdings mit einer etwas anderen Herangehensweise. Ich kannte sie bisher zugegebenermaßen lediglich dem Namen nach und die Hörproben, die ich kurz vor Festivalbeginn hörte, erschienen mir zunächst gewöhnungsbedürftig, aber live wirkte das Ganze sehr geschlossen und nicht so abgehoben spirituell wie zunächst befürchtet. Die Band aus Brooklyn/New York wurde 2006 gegründet und bezeichnet ihren Stil selbst als "Middle-Eastern-Psych-Pop-Snap-Gospel", ein Begriffsmonster par excellence. Im letzten Jahr erschien ihr Debutalbum "All Hour Cymbals" und brachte der Band einige Aufmerksamkeit bei Fans und Kritikern ein. Die vier Musiker um Sänger Chris Keating kam erst am Tag selbst in Deutschland an, wirkte aber topfit und wusste bei den Zuschauern zu gefallen, zumal die Band tolle Bassläufe in ihre Songs einbaut und die Songs dadurch überraschend rockig bis wavig daher kamen. Aber natürlich finden sich auch bei Yeasayer Folkwurzeln wieder und der Auftritt kam ähnlich gut an, wie der der Fleet Foxes zuvor.

Noch während des Auftritts machte ich mich auf zur Hauptbühne, da die beiden Auftrittsorte leider separate Eingänge besitzen und der Wechsel somit etwas Zeit in Anspruch nehmen kann. Ungünstigerweise begann es knapp zehn Minuten bevor die Foals als erste Band die Hauptbühne betraten, heftig zu regnen, so dass sich die meisten Zuschauer erstmal einen überdachten Platz suchen mussten. Der Regen ließ pünktlich zum Auftritt aber weitestgehend wieder nach, so dass die Veranstalter mit einer kurzen Geburtstagsansprache nun auch das Treiben auf der Mainstage eröffnen konnten und die Foals die Bühne betraten. Instrumental atmosphärisch ging es zunächst mit einem Intro los. Beim nachfolgenden, schon fast funkigen "The French Open", wurde dann bereits klar, dass es eine sehr gute Entscheidung war, die Foals entgegen der ersten Planung nicht im Spiegelzelt, sondern auf der großen Bühne auftreten zu lassen. Zwar wirken Indoor-Konzerte meist energischer, aber so hatten die Bandmitglieder genug Platz, sich auf der Bühne voll zu entfalten. Der nächste Song "Cassius" sorgte dann endgültig für Partystimmung im Publikum und das Tanzen und Hüpfen setzt sich nun klar durch. Dies im übrigen sowohl vor, als auch auf der Bühne, denn Foals-Sänger Yannis Philippakis rannte über die Bühne, rockte auf der Stelle oder näherte sich bereits zu Beginn dem Publikum durch den Sicherheitsgraben hindurch. Für Erheiterung sorgte die Ansage von Yannis, dass die Band es als Ehre empfände, auf einem Festival zu spielen, das älter ist, als sie selbst. Schnelle, abgehackte Basssounds und atmosphärische Klangteppiche sorgen über die gesamte Spielzeit für eine interessante Atmosphäre und Yannis Stimme passt dazu perfekt. Die Partystimmung konnte auch fast durchgängig gehalten werden, so dass der Auftritt der Foals sicher für viele der Höhepunkt am heutigen Tag war. Den Abschluß besorgte "Electric Bloom", bei dem Sänger Yannis zur Unterstützung des Schlagzeugers auf einem Tom Tom eindrosch und erhöhte damit noch ein letztes Mal die Intensität.


Setlist Foals:

01: The French Open
02: Cassius
03: Olympic Airways
04: Balloons
05: Heavy waters
06: Two steps, twice
07: Hummer
08: Red sock pugie
09: Electric bloom

Als letzte Band des ersten Tages standen die Flaming Lips auf dem Programm und eigentlich waren sie auch der ursprüngliche Grund dafür, dass das Haldern in diesem Jahr donnerstags begann, denn anders wäre die Band nicht einzuplanen gewesen. Die Band aus Oklahoma feiert in diesem Jahr genau wie das Haldern Pop ihr 25-jähriges Bestehen und ihr Auftritt wurde passenderweise als größte denkbare Kindergeburtstagsparty angekündigt. Die Mannen um Frontman Wayne Coyne sind für ihren Hang zum Außergewöhnlichen bekannt und so standen sie auch diesmal nicht allein auf der Bühne, sondern mit ihnen knapp 20 als Teletubbies verkleidete Personen, die während der Show am Rande der Bühne ihren Spaß hatten und lustige Tanzeinlagen darboten. Dass auch die Band selbst nicht vor unterhaltenden Aktionen Halt macht, bewies Wayne Coyne direkt beim ersten Song "Race For The Prize", bei dem er in eine große durchsichtige Plastikkugel stieg und sich darin, über die Köpfe des Publikums hinweg, fortbewegte. Ein solcher Showeffekt war natürlich Gold wert um das Publikum gleich auf seine Seite zu ziehen.

Danach konnte die Party endgültig beginnen, es wurde Konfetti en mas verschossen und diverse grüne Luftballonbälle dem Publikum zum spielen vorgesetzt. Bei all dem Spektakel geriet die Musik fast zur Nebensache. Das ändert sich im Laufe des Konzerts zwar zumindest zeitweise, doch blieb das Drumherum stets spannend und immer wieder wurde die Bühne in dichten Nebel versetzt. Zwischendurch erklärte Sänger Wayne Coyne derweil, dass die Band nur selten live auftritt und man sich daher stets bemühe, den Gig für alle Beteiligten unvergesslich zu machen, was ihnen mit diesem Auftritt ganz sicher bei den meisten Anwesenden gelang. Ihr wohl bekanntester Song "She Don’t Use Jelly" gehörte als vorletzter Track natürlich auch zum knapp 80 Minuten dauernden Set und so endete dieser Gig und damit der erste Festivalabend auf der Hauptbühne erst weit nach Mitternacht.

Weiter ging es allerdings noch im Spiegelzelt, wo zum Halderner Geburtstag urplötzlich Überraschungsgäste auf der Bühne standen: Fettes Brot! Die Nordlichter unterhielten die Festivalgäste mit Hits wie "Emmanuela" oder "Bettina" und sorgten so für einen denkwürdigen Abschluß des ersten Tages, der für viele erst am frühen Morgen endete. Ich hatte mich zwischenzeitlich aber bereits auf den Heimweg gemacht, da der nächste Arbeitstag leider bereits morgens früh auf mich wartete.

Berichte zu den beiden anderen Tagen folgen in Kürze.

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