Michigan – Pulse Of Pain (german)

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Michigan – Pulse Of Pain

Das Wichtigste bei einem Album ist der erste Song.

Sofern der erste Song nicht das verkörpert was die Band zu sein scheint, ist es durchaus möglich vorschnell ein Urteil zu fällen. Und Michigan hat die richtige Wahl getroffen, was bei der Auswahl der Songs die auf dem Album veröffentlicht werden sollten, sicherlich kein leichtes Brot war.

Aber "The Nomad" heißt den Hörer mit einer gereichten Hand ‚Herzlich Willkommen‘ und bittet den Gast symbolisch Platz in diesem ganz großen Kino zu nehmen. Die Reise hat begonnen. Gleich im Anschluss an die Eröffnungsfeier folgt ein weiteres Highlight des aufgeführten Gesamt-Meisterstücks: "Decadence" bringt das zweite verblüffende "Aaah" aus dem Hörer heraus. Würzig, und mit einer eigenen Note versehen, ist dieser Song auf jeden Fall, jedoch erinnert er ebenso an alte De/Vision Stücke und ein solcher Vergleich kann sich sehen lassen, denn Steffen und Co gelten nicht zu Unrecht als die großen Schmusesänger des Synthiepops. Zeit eine gemütliche Sitzposition einzunehmen gab es bisher noch keine, da man geradezu von einer Welle des Glücks heimgesucht wurde.

Wer sich nun in den letzten Sekunden von Decadence denkt, er könne kurzzeitig verschnaufen liegt himmelhoch daneben. Denn der rote Faden wird bei "Juveniles" weitergesponnen. Hier treffen Melancholie und Energie zusammen, und erreichen im Refrain den, auch von vielen Paaren geschätzten und erträumten, gemeinsamen Höhepunkt. Alle Gliedmaßen befinden sich in Bewegung und selbst die Lippen versuchen beim erstmaligen Hördurchgang den Text mitzusingen. Aus der Vogelperspektive wirkt das Lichtspieltheater wie eine vergnügliche Vereinigung verschiedener Szenen die durch dieses Album glücklich zusammengeführt wurden.

Endlich Pause, der Vorhang schließt sich und drückt den Gast wohlverdient, erschöpft und verschwitzt in seinen Sitz. "Valley of Death" hinterlässt einen Hauch von Wohlgefallen und Geborgenheit. Säuselnd nimmt man die warmherzige Melodie auf und lässt seinen Geist durch Peter’s sanfte Stimme beflügeln. Leidenschaftlich gibt sich der Zuschauer den Geschehnissen hin und achtet haargenau auf die Details die Michigan in ihren Songs zu bieten haben. Man führt Regie im eigenen Film, welcher durch die Songs zwangsläufig entstehen wird und zu sehen ist dieser in eben dem Kino, in das wir zu Beginn herzlich eingeladen wurden. Bei "Shine in Silver" wird einem jene Aufmerksamkeit abverlangt, der es bedarf um mit dem Film fortfahren zu können. Denn eine Auflösung welcher Weg einzuschlagen ist, um ein zufriedenstellendes Ende des Films zu erlangen, wird nicht direkt präsentiert. Peter, durstig nach Leben und melancholisch zugleich, überträgt seine Empfindungen auf die Räumlichkeit in der wir sitzen und lauschen – synchron bieten die Fans ihm seine Arme an um sich sehnsüchtig reinzukuscheln, während er mit dreckiger Stimme versucht zu verdeutlichen, was er braucht und dass er vollkommen verloren ist. Die Musik klingt zwar bereits aus und die Tränen beginnen zu trocknen, aber das eben Erlebte hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Und dann kommt das Unfassbare, was Michigan nun mit "Pioneers" auffahren:
Der Saal verdunkelt sich und über das Publikum zieht ein Mond und tausende von Sternen hinweg. Auf der Leinwand erkennbar: ein Raumfahrzeug, der Boden unter den Kinositzen vibriert, was andeutet gleich ins All katapultiert zu werden. Willkommen im Universum! Beschwingt sitzt man in seinem Gefühlsbad und lässt die aufkommenden herzlichen Gedanken wie auch die Sterne und Galaxien an sich vorbeiziehen. Aus damaligen Erinnerungen, Worten oder Zukunftsvisionen manifestiert sich ein komplettes BIld und verpufft schlagartig, während sich im Hintergrund schon das Nächste zurecht bildet. Während Andere versuchen durch Fernrohre einen der seltenen Momente zu erhaschen, schoss ein in Glücks- und Sternenstaub getaucher Pfeil mit Schallgeschwindigkeit genau ins Herz um es fortwährend zum glühen und erstrahlen zu bringen. Völlig losgelöst, den Sternen nah um zeitgleich doch auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben.

"Pulse of Pain", das letzte Stück des gleichnamigen Albums, zeigt zum Abschluss nochmal Michigan’s ganzes Potenzial: Elektropop im temporären Gruselgewand. Eine Mischung aus Rammstein und Linkin Park, gemixt mit einem süßlichen Refrain, setzt dem Album die verdiente Krone auf. Ein Album das durch hochwertige Qualität zu überzeugen weiß und mit allergroßer Wahrscheinlichkeit ihre alten Fans zufriedenzustellen weiß und zudem neue Hörer gewinnen wird.

Tracklist:
01. The nomad
02. Decadence
03. Juveniles
04. Valley of death
05. Hang on
06. The gravity
07. Shine in silver
08. Mysterious (Infected world)
09. Love’s a disease
10. Demon’s inside
11. Pioneers
12. Pulse of pain

Autor: Stephanie Sieler

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