JUWI-FEST 2015 – M├╝nster, Juridicum (11.06.2015)

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Zum nunmehr 41. Mal lud das JuWi-Fest in M├╝nster am Donnerstag den 11.06.2015 nicht nur M├╝nsteraner Studenten, sondern auch andere Musikbegeisterte zum Tanz. Das Line-Up lockte u.a. mit Namen wie KlangKuenstler, Alcoholic Faith Mission aus D├Ąnemark, Spaceman Spiff und den Intergalactic Lovers aus Belgien, welche jeweils die B├╝hnen 1 und 2 in Beschlag nahmen. Zudem gab es auf B├╝hne 3 f├╝r lokale Bands wie z.B. Junikorn oder die Square Heads die M├Âglichkeit, ihre Fanbase auszubauen.

Den Auftakt auf B├╝hne Zwei im Juridicum machte um 19:30 Uhr Spaceman Spiff, seines Zeichens Gitarre spielender Singer/Songwriter, der den Status "Geheimtipp" langsam aber sicher ad acta legen darf. Unterst├╝tzt von Johnny und Clara (Schlagzeug und Cello) besang er sich selbst als "Teesatz unsrer Zeit" und schien auch sonst textlich den Nerv der meisten aus der ├╝berwiegend studentischen Zuh├Ârerschaft zu treffen. Leider waren bereits zu diesem Zeitpunkt ein weitreichender Teil der Anwesenden stark alkoholisiert, sodass die Musik unter lauten Gespr├Ąchen und wackeligen Selfies ein wenig zur Hintergrundbeschallung degradiert wurde. Im Anschluss an den Auftritt zeigte sich das Trio publikumsnah und gespr├Ąchsbereit am Merchtisch, w├Ąhrend sie Jutebeutel und Tontr├Ąger unter die Leute brachten.

Die auf den Auftritt folgende Umbaupause wurde von den Besuchern scheinbar mit jeder Menge Bier gef├╝llt: Als die Intergalactic Lovers um 21:15 Uhr mit Northern Rd. ihr Set er├Âffneten, lag die wahrgenommene Durchschnittspromille der Leute bei ca. 1,5 und man bekam den Eindruck, dass sich kaum einer wirklich um das B├╝hnengeschehen scherte. Zudem war die Anbringung der Nebelmaschine eher semiprofessionell, sodass Gitarrist Maarten, der ohnehin schon gesundheitlich angeschlagen war, w├Ąhrend War die komplette Ladung abbekam und kurz im Nebel unterging. Im Anschluss an den Song wies S├Ąngerin Lara den Nebel-Verantwortlichen h├Âflichst an, den Betrieb einzustellen, um ihrem Gitarristen die Peinlichkeit zu ersparen, sich ├╝bergeben zu m├╝ssen. Sie selbst zeigte einzigartige schlagzeugorientierte Tanzeinlagen und ├╝berzeugte mit ihrer angenehm klaren Stimme. Nach den Songs F, Great Evader und Someday hatte sie es leider etwas schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums zur├╝ckzugewinnen, das immer mehr in lallende Unterhaltungen abgedriftet war. So schaffte sie es nur mit M├╝he, die "Zuh├Ârer" zum Mitmachen bei Islands zu animieren. Dennoch rang sie sich im Anschluss an das verhaltene Echo ein "Thank You, that was great" ab, ehe sie mit No Regrets, Lost Message und Howl weiter gegen die ignorante Mauer aus Smartphone fixierten Betrunkenen, die z.T. mit dem R├╝cken zur B├╝hne standen, spielten. Darauf folgte Bruises, ehe Lara vor Delay deutliche Worte an die Menge richtete: "Instead of talking like idiots, let’s dance like idiots!", welche auch Wirkung zeigten. So wurde Obstinate Heart ein bewegungsreicher sch├Âner Ausklang ihres Auftritts. Leider fiel der Applaus im Anschluss ungerechtfertigter Weise so sp├Ąrlich aus, dass die F├╝nf von einer Zugabe absahen. Die Respektlosigkeit der k├╝nftigen "Elite" trieb einem die Fremdschamesr├Âte ins Gesicht, denn eigentlich bewiesen die Intergalactic Lovers an diesem Tag einmal mehr ihre Qualit├Ąten als hervorragende Liveband. Doch stellt ihre Musik wohl nicht die passende Untermalung f├╝r alkoholbedingten Niveaulimbo dar.

Setlist INTERGALATIC LOVERS @ M├╝nster, JuWi-Fest 2015:
01. Northern Rd.
02. War
03. F
04. Great Evader
05. Someday
06. Islands
07. No regrets
08. Lost Message
09. Howl
10. Bruises
11. Delay
12. Obstinate Heart
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Geplante Zugaben (nicht gespielt):
Shewolf
The Fall

B├╝hne Eins konnte mit zwei wirklich nennenswerten Indiebands punkten: Die in Brooklyn, New York, gegr├╝ndete Truppe Alcoholic Faith Mission konnte mit mitrei├čenden St├╝cken, gro├čartigen Melodien und purer Hingabe einige zur B├╝hne locken, und die L├╝cken ein wenig schlie├čen, doch es schienen den geb├╝rtigen D├Ąnen nicht im Geringsten zu interessieren, wie viele Leute vor der B├╝hne stehen. Es gibt Bands denen man den R├╝cken zuwenden kann, so trostlos geht es auf der B├╝hne zu – und es gibt AFM, die alkoholische Glaubensmission. Benannt nach der sich in Brooklyn in der N├Ąhe des Studios befindenden Apostolic Faith Mission. Ein Mix aus Alternative, Indie und Electronica war eine gute ├ťberleitung vom etwas elektronischen K├╝nstler Tora zur rockigeren Band Everything Everything, die anschlie├čend die B├╝hne einnahmen.

Einheitlich in schwarz und rot gekleidet, ├╝berzeugten sie mit ihrem eigenwilligen Klang und einer bemerkenswerten Livevorstellung. S├Ąnger Jonathan Higgs wirbelte ├╝ber die gesamte B├╝hne und genoss es sichtlich, eine respektable Fanbase in der Menge gehabt zu haben, denn zum Abend hin wurde die Stimmung ebenfalls besser, ob es am Alkoholpegel oder an der eintretenden Dunkelheit lag, kann man nicht sagen.

Wirklich bemerkenswert, wie dieses kleine Festival doch mit drei B├╝hnen ausgestattet ist und so solide und kontrolliert, bei der gro├čen Besucherzahl auf dem relativ kleinen Areal, gef├╝hrt wird.

Bildergalerie: JUWI-FEST 2015 in M├╝nster

Fotos: Andr├ę Techert

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