Lesedauer: 3 Minuten
Lesedauer: 3 MinutenMit „A Public Stoning“ rücken Puscifer einen der zentralen Tracks ihres aktuellen Albums „Normal Isn’t“ in den Fokus und erweitern gleichzeitig ihr eigenes Universum um ein weiteres Kapitel. Der Song erscheint nun mit eigenständigem Video und zeigt deutlich, wie konsequent das Projekt um Maynard James Keenan seine Ideen über mehrere Ebenen hinweg denkt – als Verbindung aus Musik, Bild und Erzählung.
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Über sechs Minuten entwickelt sich der Track aus einer kontrollierten Grundspannung heraus, getragen von elektronischen Texturen, präziser Rhythmik und einer spürbaren inneren Unruhe. Die Stimmen von Maynard James Keenan und Carina Round greifen dabei eng ineinander, wechseln zwischen Zurückhaltung und Druck und verleihen dem Stück eine fast körperliche Präsenz. Statt auf klassische Dynamik zu setzen, entsteht die Wirkung durch Wiederholung, Steigerung und feine Verschiebungen im Detail.
Der Blick richtet sich dabei auf Mechanismen, die sich nicht nur im Privaten, sondern auch im gesellschaftlichen Kontext wiederfinden. Es geht um das Festhalten an eigenen Überzeugungen, um das Ausblenden von Verantwortung und um die Konsequenzen, die daraus entstehen. „A Public Stoning“ beschreibt keine abstrakte Idee, sondern einen Zustand, der sich zunehmend zuspitzt – ruhig erzählt, aber mit klarer Haltung.
Das begleitende Video greift diesen Ansatz auf und erweitert ihn um eine visuelle Ebene. Grundlage ist die Comic-Reihe „Tales From The Pusciverse“, konkret die Geschichte rund um „The Briefcase“. Der geheimnisvolle Aktenkoffer, der seit Jahren Teil der Bildwelt von Puscifer ist, bleibt auch hier ein offenes Symbol. Statt Antworten zu liefern, wird die Geschichte weitergeführt und bewusst fragmentarisch gehalten.
Im größeren Zusammenhang fügt sich der Track nahtlos in das Gesamtbild von „Normal Isn’t“ ein. Das Album liest sich wie ein Protokoll innerer und gesellschaftlicher Spannungen. Algorithmen, politische Verhärtungen und der Verlust von Empathie ziehen sich als Motive durch die Songs. Besonders „Bad Wolf“ bündelt diese Perspektive und greift die Cherokee-Erzählung von zwei Wölfen auf, die sinnbildlich für den inneren Konflikt zwischen Mitgefühl und Zerstörung stehen. In dieser Lesart wird daraus ein Kommentar auf eine Gegenwart, in der Polarisierung zunehmend Raum einnimmt.
Flankiert wird das Album von einem Konzertfilm, der den multimedialen Anspruch des Projekts weiter zuspitzt. „Normal Isn’t: Puscifer Live at the Pacific Stock Exchange“ wurde in über 90 unabhängigen Plattenläden weltweit gezeigt und ist seit Februar 2026 online abrufbar. Gedreht in der ehemaligen Börse von Los Angeles, verbindet die Produktion neue Bühnenbilder, Kostüme und eine klar strukturierte Lichtdramaturgie zu einer Inszenierung, die den Songs zusätzliche physische Präsenz verleiht.
Dass „Normal Isn’t“ nicht als reines Studioalbum gedacht ist, zeigt sich auch auf der Bühne. Seit März 2026 bringt die Band das Material auf ausgewählte Bühnen in Nordamerika und setzt dabei erneut auf ein durchkomponiertes Gesamtkonzept. Orte wie das Red Rocks Amphitheatre oder das Greek Theatre werden Teil der Inszenierung, während klassische Konzertmechaniken bewusst in den Hintergrund treten. Europa-Termine stehen zwar noch aus, doch die gezielten Filmvorführungen wirken bereits wie ein klares Signal an die hiesige Fanbasis.

„Normal Isn’t“ fordert Aufmerksamkeit, arbeitet mit Brüchen und hält der Gegenwart einen Spiegel vor, der selten schmeichelhaft ausfällt. Gerade darin liegt die Stärke dieses Projekts. Puscifer liefern kein Trostpflaster, sondern eine künstlerische Bestandsaufnahme – dunkel gefärbt, ironisch gebrochen und in sich konsequent umgesetzt.
Weblinks PUCIFER:
Webseite: puscifer.com/
Facebook: @PusciferMusic
Instagram: @puscifer
YouTube: @pusciferdotcom
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