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Lesedauer: 4 MinutenFreitag, der 20. März 2026, endlich ist es soweit: nach einem wundervollen Solo am Klavier-Konzert im Herbst 2025 in der Kulturkirche zu Köln ist es endlich auch Zeit, „Große Kunst“ in seiner regulären Form live zu erleben. Jenes Album, dass mich 2025 so sehr beeindruckt hat, wie selten ein Werk in den letzten Jahren. Interessanterweise spiegelt die heutige Location, das Junk Yard in Dortmund, genau jenen Kontrast perfekt wider, der auch viele Songs des Albums ausgemacht hat. Ein ehemaliger Schrottplatz, der sein Ambiente beibehalten hat, aber jetzt vielfach großartiger Kunst eine Bühne bietet. So also auch heute mit einem Künstler, der es kürzlich sogar in die Tagesthemen und das Heute Journal gebracht hatte.
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Doch zunächst startet das Programm mit dem Support Maryam.fyi, die Punkt 20:00 Uhr beide Daumen hoch zum Start gibt. Weiblicher Gesang und meist chillige Beats wärmen das, im Vergleich zur Kulturkirche merklich jüngere Publikum, schon einmal ein wenig auf und dank viel Interaktion mit dem Publikum connectet die Iranerin schnell mit den Anwesenden und so fällt ihr Appell an mehr Respekt von Menschen und ihren Werten, insbesondere in der Sicht von Männern auf Frauen, auf äußerst fruchtbaren Boden. Das halbstündige Set, das mit eher traurig-nachdenklichen Songs beginnt und sich dann bis zum mit Kraftklubs Gitarrist Steffen aufgenommenen Song „Vampir“ sowie dem abschließenden „Fehler“ stimmungsmäßig aufhellt, kommt im schon jetzt vollen Junkyard sehr gut an und so kann Maryam.fyi sicher den einen oder andern neuen Fan hinzugewinnen.
Um 21 Uhr geht es schließlich pünktlich weiter – und schon nach den ersten Takten wird deutlich, dass dieser Abend einen ganz anderen Verlauf nehmen würde als das reduzierte, intime Solo-Konzerterlebnis in Köln im vergangenen Herbst. Die Songs präsentieren sich deutlich rockiger, voller und direkter. Zwar liegt auf Betterovs Stimme gefühlte ein leichter Hall oder eine gewisse Verzerrung, was zwar insbesondere den älteren, etwas raueren Stücken sehr gut steht, die Songs von „Große Kunst“ hätten in einigen Momenten aber vermutlich von einem klareren Stimmbild wie in Köln profitiert.
Schnell kristallisiert sich auch heraus, dass heute andere Songs glänzen werden als noch beim Klavierkonzert – und dass die Band vor allem eines hat: richtig Bock. Wo Betterov in Köln noch eher zurückhaltend wirkte, geht er hier im Junkyard komplett aus sich heraus, tanzt wild über die Bühne, wirbelt von einer Seite zur anderen und lebt jeden einzelnen Moment sichtbar aus, während sich auch seine drei Mitstreiter den Klängen hingeben. Diese Energie überträgt sich unmittelbar auf das Publikum.
Überhaupt hat der Abend für die Band heute durchaus eine besondere Bedeutung: Es war die erste Show der laufenden Tour, die ausverkauft vermelden konnte – und gleichzeitig der allererste Auftritt überhaupt in Dortmund. Sichtlich gerührt entschuldigt sich Betterov fast dafür, so lange gebraucht zu haben, um endlich hier zu spielen, und erntet dafür umso lauteren Applaus.
Ist die Atmosphäre schon von Beginn an zwischen gebannt und begeistert, folgt mit „Schlaf gut“ schon bald ein erstes großes Highlight, bei dem die Fans die Rolle von Jeremias übernehmen und das Junkyard kollektiv zum Singen bringen – ein Moment, in dem der Raum förmlich zu kochen beginnt. Überhaupt zeigt sich Betterov auch heute wieder als extrem nahbarer und sympathischer Künstler, der zwischen den Songs immer wieder den direkten Draht zum Publikum sucht.
Besonders emotional wird es bei den Stücken „17. Juli 1989“ und „18. Juli 1989“, die ihm vom neuen Album besonders am Herzen liegen. Spätestens bei „Papa fuhr immer einen großen LKW“ wirkt es fast so, als stünden ihm die Tränen in den Augen – ein intensiver, ehrlicher Moment, der die Atmosphäre im Raum für einen Augenblick spürbar verdichtet. Ein fast schon surrealer Zufall ereignet sich dann beim „Mücken Song“, als tatsächlich kurz ein Insekt um ihn herumschwirrt – ein kleines Detail, das perfekt zum Songtitel passt und für ein Schmunzeln sorgt.
Nach einer kurzen Verschnaufpause nimmt das Konzert mit „In meiner Straße“ und „Angst“ wieder ordentlich Fahrt auf. Nun folgt ein Klassiker nach dem anderen, das Publikum ist in Bewegung, singt lautstark mit und feiert die Songs frenetisch. Spätestens jetzt zeigt sich, wie sehr insbesondere die älteren Stücke der ersten Jahre hier einschlagen. Den Abschluss des Mainsets bildet schließlich „In meinem Zimmer spielen sich Dramen ab“, bei dem Betterov noch einmal alles gibt und wie ein Derwisch über die Bühne tanzt – ein intensiver, fast ekstatischer Schlusspunkt. Doch ans Gehen denkt hier natürlich noch niemand: Lautstark hallen „Ohne Dussmann gehen wir nicht nach Haus“-Gesänge durch das Junkyard, bis die Band mit „Viertel Vor Irgendwas“ für die Zugabe zurückkehrt, die mit dem zuvor geforderten und entsprechend umjubelten „Dussmann“ ihren gebührenden Abschluss findet.
Nach rund 95 Minuten endet ein Konzert, das eindrucksvoll zeigt, wie gut die neuen Songs auch und gerade im Band-Kontext funktionieren und live dieselbe Faszination entfalten wie auf dem Album. Den „Tagessieg“ holen sich heute jedoch die älteren Klassiker, die vom Publikum mit besonderer Leidenschaft gefeiert werden und gerade beim jüngeren Publikum für ausgelassene Momente sorgen.
Am Ende bleibt ein unglaublich starkes Konzert, das sich ohne Zweifel als ernsthafter Anwärter auf das Konzert des Jahres positioniert – und das sogar das persönliche Fernduell mit dem bereits wundervollen Solo Am Klavier-Abend im vergangenen Jahr knapp für sich entscheiden kann.
Setlist BETTEROV – Dortmund, Junkyard (20.03.2026):
-
- Große Kunst
- So High
- Du hast in mein Herz gemalt
- Jil Sander Sun
- Sag nicht deinen Namen
- Schlaf gut
- Bring mich nach Hause
- 17. Juli 1989
- 18. Juli 1989
- Alles nur ein Film
- Papa fuhr immer einen großen LKW
- Immer die Musik
- Mücken Song
- Hier wach ich
- In meiner Straße
- Angst
- Mein Leben ist monoton
- Platz am Fenster
- In meinem Zimmer spielen sich Dramen ab
- Viertel vor Irgendwas
- Dussmann
Leider wurden beim Konzert keine Fotografen zugelassen, das Beitragsbild wurde uns daher vom Bandmanagement zur Verfügung gestellt.
Weblinks BETTEROV:
Webseite: www.betterov.de/
Facebook: @BetterovOfficial
Instagram: @betterovmusik
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