DIARY OF DREAMS / UNIFY SEPARATE – Siegburg, Kubana Live Club (07.12.2023)

DIARY OF DREAMS / UNIFY SEPARATE - Siegburg, Kubana Live Club (07.12.2023)
Diary of Dreams © Nadine Kloppert
Geschätzte Lesezeit: 9 Minute(n)

Diese Ankündigung legte sich wie Balsam auf die Seele. Überraschenderweise haben Diary of Dreams noch drei aufeinanderfolgende Konzerte in feiner Club-Atmosphäre bekanntgegeben. Die Aussicht, dem vorweihnachtlichen Trubel kurzzeitig zu entfliehen und in die melancholische Welt der Electro-Dark-Waver abzutauchen, setzte der Vorfreude noch das i-Tüpfelchen auf. Direkt nach dem Nikolaustag schlugen die Jungs auch schon im Siegburger Kubana auf. Einen Haken hatten die ersten beiden Termine allerdings – denn nur wenige Stunden vorab wurde ein deutschlandweiter Bahnstreik angekündigt, der die An- und Abreisebedingungen erschwerte. Manch ein Fan fand leider so akut keine alternative Möglichkeit, zu den Zielorten zu gelangen. Auch wenn es sich um Einzelfälle handelte, tat einem dieser schmerzliche Verzicht natürlich leid.

Lass Dir den Beitrag vorlesen:

Bei usseligem Wetter eignete sich die gemütliche Atmosphäre des Siegburger Kubanas bestens, um sich vor dem Konzert zu stärken und in aller Ruhe anzukommen. Praktischerweise befand sich der Live Club Bereich im Keller des Hauses. Somit blieben einem weitere Wege durch den nasskalten Regen erspart. Pünktlich um 20:00 Uhr trafen wir auf Unify Separate. Der Special Guest war einem durchaus bekannt – denn bereits in den Jahren 2019-2021 hatte das sympathische Duo die Ehre, gemeinsam mit Diary zu touren. Auch wenn ich das schottisch-schwedische Duo in dieser Zeit nur einmal gesehen habe – es blieb mir in guter Erinnerung. Im Gegensatz zu den damaligen weißen Raumfahrtanzügen, erschienen Andrew Montgomery und Leo Joseffson diesmal in schwarzen Einteilern. Neben ihrem Bandlogo war auch ihr jeweiliger Nachname auf ihrem Brustbereich platziert. Die beiden herausragenden Lämpchen, die ihren Hals umrahmten, sind geblieben.

Bestens gelaunt begrüßte uns Andrew, dem ebenfalls die kurios fröhliche Musik im Vorfeld aufgefallen ist: “That’s an R.E.M. song. It has been on a loop for one hour now.” Unify Separate erlösten uns nun aber von dieser Eintönigkeit. Beginnend mit Closure eröffneten die beiden ihr wohlklingendes Electro-Pop-Set. Inmitten des Songs stieß der Fronter einen Befreiungsschrei heraus. Seine klare Stimme hat man sofort wiedererkannt. Nur wenigen Herren der Schöpfung gelingt es, solch immense Höhen zu erreichen und dabei noch verdammt gut zu klingen. Besonders catchy kam ihre Single Dying On The Vine daher. Leo stieg gesanglich mit ein und das Wechselspiel ihrer Stimmen matchte hervorragend. “Wie geht’s? Mehr deutsch kann ich nicht. We’re Unify Separate. We’re from Sweden. We started playing with Diary of Dreams maybe about three years or so ago. And guess, where the first gig was?” Es war ein Leichtes diese Frage zu beantworten. Schließlich können Diary of Dreams auf eine besondere Fan-Treue bei ihren Konzerten zählen. Die Lösung lautete: “here!” Genau, und zwar am 10.10.2019 “Yeah! It’s nice to be back. This is our new single called ,City Of Light’.” Gerade mal am 01.12. erschien der Neuling. Darin geht es um das bittersüße Gefühl der Freiheit, das man verspürt, wenn man kleine Momente lebt und jegliche Probleme ausblendet. “In the city of light let’s forget who we are, tonight. Make it all go away, it’s okay to believe the lie.”

Wir alle kennen diese wichtigen Augenblicke, in denen wir unsere Akkus wieder aufladen können, um im fordernden und manchmal zehrenden Alltag besser aufgestellt zu sein. Abende wie diese gehörten definitiv dazu. Und bereits der Special Guest kam wirklich gut bei den Besuchern an. “We just wanna thank you deeply for coming and we know, you’re here for Diary of Dreams, but you’re here so early to see us as well. So really, really thank you for that. Vielen Dank.” Bei absolut klarem Sound bewegte sich der Schotte locker umher und genoss seine Performance sichtlich. “Leo, how much German did you learn in school?” – “Ein bisschen.” – “Ok, say something. Don’t make it rid.” – “Ich möchte eine Kartoffel haben. Kann ich?” Als bei dieser putzigen Antwort ein Schmunzeln im Publikum umging, wurde Andrew neugierig: “What did he say?” Doch für Deutschkurse war keine Zeit. Das temporeiche Stück Solitude & I versetzte nicht nur die Menge in Bewegung. Auch der Sänger hüpfte ausgelassen über die Bühne. Technicolor verfügte über ein zuverlässiges Ohrwurmpotenzial. Immer wieder schlich sich der Song auch im Nachgang wieder ins Gehör. Radio Waves glänzte mit hymnischen Klängen und einem starken Refrain.

“Thank you so much for listening. It’s confusing, because we’re based in Stockholm, but I’m from Scotland. This is the last song. This is called ,Voyager’.” Bereits damals hat mich dieser Titel mitgerissen. Mit seinem perfekten Aufbau, Sounds, die einer Galaxie entsprungen sein könnten und seinem verbreitenden Elan wirkte der Closer befreiend und beglückend zugleich. Ich bin mir sicher – Unify Separate haben auch an diesem Abend viele neue Fans eingeheimst. Nach 40 beschwingten Minuten beendete das Duo ihr gelungenes Set. Zum Abschied fielen Andrew dann tatsächlich doch noch weitere Wörter in unserer Sprache ein: “Ich liebe dich!” Vielen Dank an Unify Separate. Möge das Wiedersehen diesmal nicht so lange auf sich warten lassen.

Setlist UNIFY SEPARATE – Siegburg, Kubana Live Club (07.12.2023):

01. Closure
02. Dying On The Vine
03. City Of Light
04. Embrace The Fear
05. Solitude & I
06. Technicolor
07. Radio Waves
08. Voyager

Weblinks UNIFY SEPARATE:

Webseite: http://www.unifyseparate.com/
Facebook: https://facebook.com/usmusicspace/
Instagram: https://instagram.com/unifyseparate/

Und da war sie wieder, die skurille Musik, die einen während der Wartezeit irritierte. Glücklicherweise ging der Umbau zügig vonstatten. Als der Ventilator am Bühnenrand aktiviert wurde war klar – der Headliner war nun bereit. Um 21:00 Uhr erlosch das Licht. Tonnenschwere  Sounds breiteten sich aus. Diary of Dreams betraten ihre Spielstätte. Mein Werk aus Zement vom aktuellen Album Melancholin eröffnete das dunkle Treiben. Mit ernster Stimme sang Adrian Hates seine bedrückenden Zeilen. Vom Band setzte ein Chor ein “Hold me for I fall.” Ein eindrucksvoller Start versetzte uns in die passende Stimmung für das folgende Spektakel. Umgehend bedankte sich der Fronter für den euphorischen Empfang. Und lediglich mit den Worten “aktueller denn je”, läutete er Menschfeind ein. Neben Gitarrist Hilger Tintel bestieg auch Adrian ein Bühnenpodest, um sich einen Überblick über die Lage vor der Bühne zu verschaffen. Auffällig viele Fans trugen an diesem Abend das passende Bandmerch. Wenn das keine zufriedenstellende Aussicht war… Durchweg wurde der misanthropische Titel von den bekennenden Dreamers gefeiert. “Sehr sehr schön. Vielen vielen Dank. Das erinnert mich immer daran, warum ich am liebsten in Clubs spiele.” Viva la Bestia wurde gerade erst von der Facebook Fangruppe der Band zum Lieblingstitel des neuen Studioalbums gewählt und wusste auch live mit seiner wuchtigen Intensität zu überzeugen.

Nach längerer Abstinenz feierte ein Klassiker aus dem Jahr 2004 sein Comeback auf der Setlist: Giftraum. Passend erstrahlte der gesamte Bühnenbereich in grünem Licht. Da war er wieder – dieser hinreißende Übergang von der finsteren Bedrohlichkeit hin zu der genialen Melodik im Refrain. “Jetzt kommt etwas anderes. Ich habe alle Tricks drauf! Ich liebe diesen Song…” Adrian schnallte sich eine Gitarre um – nein, nicht die Headless-Version. Diary sorgten auch hier für Variation und stattdessen kam eine reguläre schwarze E-Gitarre zum Einsatz. Auftritt für den sphärischen Charma Sleeper. Für ihre galante Wahl erntete die Band begeisterte Jubelrufe aus dem Publikum. Und schon entführte uns der Track in die melancholische Welt von Diary of Dreams. Folgend zog auch schon das mächtige Soundgewitter von Sinferno auf und riss uns gnadenlos mit, ehe The Plague einem einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Mittlerweile waren wir meilenweit von der fröhlichen Wartemusik im Vorfeld entfernt.

Der King Of Nowhere schien dann aber die tiefschwarzen Wolken aufzureißen und wieder etwas Licht im Dunkel zuzulassen. Auch die Mimik der Jungs veränderte sich. Passte soeben noch eine straighte Coolness zu den schweren Klängen, huschte ihnen nun immer wieder ein strahlendes Lachen über ihr Gesicht. Einen jungen Mann, der neben mir jeden einzelnen Moment des Konzertes unsagbar genoss, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Zwischendurch sah ich zu ihm herüber und erfreute mich an seiner ehrlichen Freude. Auch Adrian bemerkte den Fan im Rollstuhl. Auf einmal huschte er direkt zu ihm nach vorn und drückte ihm flugs ein Plektrum in die Hand. Der Beschenke konnte sein Glück kaum fassen. Er schien innerlich Purzelbäume zu schlagen und hütete sein kleines Erinnerungsstück wie einen echten Schatz. Pianoklänge läuteten den schwermütigen Song Ikarus ein. Als die gitarrenlastigen Parts hinzukamen, jammten Hilger und Adrian lässig miteinander.

“Das nächste Stück ist mal wieder vom neuen Album und ich sag immer: Wenn ihr mich kennenlernen wollt, lest die Nummer, lest den Text.” Gemeint war The Secret. In diesem Song klang Adrians Stimme zerbrechlich und sie ließ eine besondere Nähe zu. “Das ist SEHR schön!” sagte eine Frau in meiner Nähe. Ich bin mir sicher, wir waren alle ihrer Meinung. Im einprägsamen Chorus heißt es “I am my best friend. I am my biggest enemy. That is who I am. That is nothing I can change.” Taucht man tiefer in die Lyrics hinein, wird die erdrückende Last nahezu spürbar, die durch die offenbarenden Worte an die Oberfläche gelangen. So sehr einen dieser Track auch berührte, er beschäftigte einen auch nachhaltig. Beyond The Void zählt ebenfalls zu den ganz starken Songs auf dem aktuellen Werk. Live entfaltete dieses hinreißende Stück seine volle Wirkung. Felix Wunderer spürte die Strahlkraft des Titels ebenfalls und er begann leidenschaftlich zu headbangen.

Über Endless Nights freute ich mich besonders. Dieser Song wurde einst zu meinem persönlichen kleinen Eisbrecher, der mich nach vielen Jahren einen Zugang zu Diary Of Dreams finden ließ. Ich hörte die Single eines Tages in einem kleinen Club, in dem ich nur ein einziges Mal zu Besuch war. Doch allein dieser Moment war Gold wert. Denn nachdem ich meinen Weg zu der Band gefunden habe, eröffnete sich mir gleich eine ganze Welt voller musikalischer Kostbarkeiten. Wann auch immer dieser Titel irgendwo läuft, kommt diese wohlige Erinnerung zum Vorschein und auch diesmal genoss ich einfach jede einzelne Sekunde. Diesen inmitten der Dreamers live zu erleben wird immer etwas Besonderes bleiben. Selig schwangen die Fans zu Decipher Me ihre Arme hin und her. Bei dem Track des vorigen Albums Hell in Eden stachen die mächtigen Gitarrenklänge besonders eindrucksvoll hervor. “Das Jahr 2023 war so insgesamt gesehen nicht ganz so geil. Wir machen es jetzt ein bisschen geiler heute. Das war das Ziel des Abends. Dank euch schaffen wir das auch und jetzt kommt noch der Drops.” Nicht weniger druckvoll ging es mit Kindrom weiter. Sowohl die Band als auch die Fans waren in ihrem Element und verschmolzen ausgelassen zu einer Einheit, die von ihrem inneren Glücksgefühl getragen wurde.

The Curse wurde uns als “Klassiker im neuen Gewand” angepriesen. Das Fresh-up bescherte dem Goldie aus dem Jahr 2002 neuen Glanz und während die Anhänger lauthals immer wieder an den passenden Stellen “The Curse” riefen, schüttelte Adrian dankbar die ein oder andere Hand in den vorderen Reihen. Das war’s! Die Band machte also einen galanten Abgang von der Bühne – bis auf Hilger. Völlig gedankenversunken stand er noch auf der Bühne und zupfte an seiner Gitarre herum, bis ihm ein Licht aufging und er seinen Jungs nach einem kleinen Schrecken schnell hinterher huschte.

Klatschend, stampfend und jubelnd wurden Diary of Dreams erneut auf die Bühne gelockt. “Danke, dass ihr mit dem Auto hier seid oder wie auch immer ihr nach Hause kommt. Kann man sich ja nicht ausdenken, letzte Shows des Jahres und die Bahn macht was sie will.” Hinreißende Momente standen uns mit The Fatalist bevor, ehe die Jungs mit ihrem Kracher Undividable die Euphorie nochmals anstachelten und einen stattlichen Abriss erzielten. Ein Fan verspürte derweil den inneren Drang nach vorn zu stürmen und Hilgers Einsatz nach Leibeskräften zu feiern.

Nach einem erneuten Moment des Durchatmens folgte der zweite Zugabenblock. “DAS ist meine Welt hier! Das hier ist der Hammer. Vielen vielen Dank. So nah, so direkt – wunderbar! 23 Jahre alt, fast 24. Schonmal gehört – hoff ich. Ansonsten zum ersten Mal. ,Butterfly:Dance!’ ihr Lieben.” Adrian wurde zum Dirigenten und führte seine Dreamers durch den Song. Das muntere Wechselspiel zwischen dem Sänger und seinen Anhängern begann: “Hello?” – “Are you listening to me?”, “Hello?”- “Why don’t you speak a word to me?” Geimeinsam brachten sie die Stimmung im Siegburger Kubana nochmal richtig zum Kochen.

Während sich Hilger und Dejan darauffolgend in den Backstagebereich begaben, blieben Felix und Adrian zurück. “Wir haben da noch ‘ne Kleinigkeit. Aber –  ich warne direkt vor, bevor hier die große Enttäuschungswelle losgeht. Es ist nicht, was ihr erwartet. Wir müssen einfach Ausnahmen kultivieren. Ihr habt es vielleicht gemerkt, heute war so ein bisschen etwas Neues, ein bisschen etwas Durchgemischtes. Mir hat es Spaß gemacht und ich fand das super so. Euch auch? Bei Fuß. Wir müssen reden, komm!” Adrian zitierte einen weiblichen Fan aus den hinteren Reihen zu sich nach vorne an den Bühnenrand. “Was fehlt?” – “Traumtänzer.” – “Ach du dickes Ei. Es tut mir sehr leid. Du musst jetzt ganz tapfer sein. Nein, hüpfen bringt nix.” Ein Lachen konnte sich der Fronter nicht verkneifen.

“Ich schwöre es dir, hüpfen bringt überhaupt nix. Wir haben aber etwas anderes schönes, ich verspreche es dir. Du musste jetzt wirklich stark sein, ja? ich bin mit dir stark, ok? Ihr alle müsst jetzt stark sein. Aber ich hoffe, es gefällt euch trotzdem. Wir mussten einfach mal entscheiden, dass eine kleine Änderung kommt. Das ist der Herr Kapellmeister, in Silber – selbstverständlich! Meine linke und rechte Hand im Studio, ich sitze mittlerweile fast nur noch daneben. Das ist der Mann der Tat – der liebe Felix. Ich freue mich auf das nächste Stück.” Es war She And Her Darkness. Allein mit der Begleitung des Pianos bot uns Adrian den Closer des Abends dar. Dabei hauchte er der sanften Ballade zart und gefühlvoll seine musikalische Leidenschaft ein. Hier musste niemand stark sein – der Ersatz erfüllte uns schließlich alle mit wohligen Augenblicken und berührte uns tief im Inneren. Denn obgleich der Traumtänzer in den wohlverdienten Winterschlaf versetzt wurde – unsere Augen glitzerten auch so!

“Ihr Lieben, kommt gut über’s Jahr. Möge das nächste ein besseres werden und wir haben nächstes Jahr eine Überraschung für euch.” Mit diesen warmen Worten und nach satten 110 Minuten beenden Diary of Dreams ihr Set um 22:50 Uhr. In kompletter Besetzung verabschiedeten sie sich nochmal herzlich von ihren Fans. Mit erfüllten Herzen waren wir nun gewappnet für den vorweihnachtlichen Wahnsinn…

Hinweis: Bei den Aufnahmen handelt es sich lediglich um Handybilder, da wir krankheitsbedingt leider ohne unsere Fotografin vor Ort waren. Wir wünschen ihr an dieser Stelle eine baldige Genesung.

Setlist DIARY OF DREAMS – Siegburg, Kubana Live Club (07.12.2023):

01. Mein Werk aus Zement
02. Menschfeind
03. Viva la Bestia
04. Giftraum
05. Charma Sleeper
06. Sinferno
07. The Plague
08. King Of Nowhere
09. Ikarus
10. The Secret
11. Beyond The Void
12. Endless Nights
13. Decipher Me
14. Kindrom
15. The Curse
16. The Fatalist (Z)
17. Undividable (Z)
18. Butterfly:Dance! (ZZ)
19. She And Her Darkness (ZZ)

Weblinks DIARY OF DREAMS:

Webseite: http://www.diaryofdreams.de/
Facebook: https://facebook.com/officialdiaryofdreams/
Instagram: https://instagram.com/diaryofdreams_official/

Autor